Der Dottore zu Erkenntnissen des IMF

Buongiorno Direttore

Vielen Dank für deine Antworten und Updates. 

Es überrascht mich, dass der vermeintliche Hardliner Duque (und Uribe Freund!) es im Süden derart schlittern lässt. Versuchte er es vor einem Jahr mit zu grossen Subventions- und Finanzierungskürzungen und muss nun zurück krebsen? Pecunia non olet, als Konfliktlösung: gehen dafür die Mautgebühren jetzt entsprechend hoch? Kommt ihm das sogar gelegen, weil er an der Autobahngesellschaft beteiligt ist? Es sind gar keine gute Nachrichten! Die Reise- und Sicherheitshinweise des auswärtigen Amts zu Kolumbien Stand 9.4.19 sind sehr dezidiert in ihren Warnungen (mehr als auch schon!).    

Perplex lässt mich, wie Grosszügigkeit (Gutmütigkeit?) als selbstverständlich vorausgesetzt wird; diese ausbleibende oder kleinmütige Dankbarkeit! Ohne wenn und aber den Dienst nicht antreten, als ob jedwelches Verhalten in trockenen Tüchern sei.

Der Gedanke deines Schwarzkopf Zitats ist mir auch durch den Kopf gegangen. Ein delikates Thema mit sehr grossen Empfindlichkeiten. Selbst wenn man sich (viel) Zeit für Nichten, Patenkinder, oder Kleinkinder von Freunden nimmt. Es bleiben nur punktuelle Ausschnitte, Einblicke und Erfahrungen. Und doch fällt mir dies oder das auf, auch Unterschiede und ich frage mich gelegentlich, woran das liegen mag.  

Etwas „Besseres“ oder „Anderes“: ich würde hinzufügen, dass selbst wenn man sich darüber tatsächlich (und nicht suggestiv!) im Klaren wäre, das nicht einfach vom Himmel fällt und zweitens Erziehung eine derart lang angelegte Aufgabe mit soviel Wechselwirkungen ist, dass mit Überraschungen und Plananpassungen nolens volens zu rechnen ist.

Bei der Suche nach dem Carlyle Text bin ich auf der Gutenberg Plattform auf die Erzählung „El Verdugo“ von Balzac gestossen. Ebenso auf einen lesenswerten Essay von Zweig zu „Drei Meister“ (Balzac, Dickens, Dostojewski). Zu Balzac meint er: „In einer Epoche so nie erlebter Veränderungen mußte ihm früh die Relativität aller Werte bewußt werden. Daß jeder seinen Rubikon, sein Waterloo hat, daß die gleichen Schlachten sich in Palästen, Hütten und Tavernen liefern, zeigt Balzac, und daß unter den abgerissenen Kleidern Priester, Ärzte, Soldaten, Advokaten die gleichen Triebe entäußern. …Wer zeitlebens Virtuose einer einzigen Leidenschaft war, Athlet eines einzigen Gefühls, ist Stümper und Schwächling auf jedem anderen Gebiet.“

Ich finde es bemerkenswert, dass EWZ 91 Windturbinen in 17 verschiedene Windparks hat. Ergibt ein Durchschnitt von 5 pro Windpark. Ist das nicht seltsam wenig? Die norwegischen Windparks sind doch riesig. Ist das eine notgedrungene, bewusste, teuer erkaufte und effiziente Diversifizierung? Hat es etwa von jedem Park eine dedizierte Stromlinie in die Schweiz? Norwegen zeigt ein ambivalentes Verhalten! Man nutzt die sehr grossen fossilen Reserven (Erdöl, Gas) und hinterlässt dadurch einen gewaltigen CO2 Fussabdruck. Der Staatsfond (Statoil) verwaltet die Erlöse zum Wohle der Nation und zur Förderung von Massnahmen, die u.a. ein klimafreundlicheres Verhalten unterstützen. So liegt beispielsweise der Anteil Elektroautos bei den Neuwagen in Norwegen inzwischen bei über 52 % (in der Schweiz knapp 2 %). Die Norweger hoffen, dass durch die hohen Subventionen bald auch ein echter Elektroauto-Occasionsmarkt entsteht, der noch mehr Dynamik in die Ablösung der fossilen Motoren bringen wird.    

Interessantes fand ich in diversen IMF Berichte. Dazu einige Ausschnitte:

“The minimum wage is clearly quite low in Mexico and Brazil while it appears relatively high in Colombia and to a lesser degree in Peru. A country’s income level (demand for formality) and the level of education of its workforce (supply of formality) have been found to be two key determinants of informality. Controlling for both, we show that certain dimensions of stricter employment protection legislation increase informality, most notably higher redundancy costs and cumbersome dismissal regulations.“

Was kannst du zu SENA (Servicio Nacional de Aprendizaje), oder “ Programma Jóvenes en Acción“ oder „Gran Encuesta Integrada de Hogares” sagen?

Bei der Schattenwirtschaft glauben sie eine U-Kurve, also eine Nicht-Linearität entdeckt zu haben: „Our results reveal that, after controlling for key economic, policy, and institutional variables, the economies at a low development level witness a negative relationship between the size of the shadow economy and GDP per capita, but when GDP per capita exceeds a threshold, the size of the shadow economy goes up with per capita income. The non-linearity finding implies that the shadow economy is able to co-exist with different levels of development and the shadow economy does not disappear in the long run. …The estimated average size of the shadow economy in 158 countries over 1991 to 2015 is 31.9 percent relative to GDP.” Schätzung für die Schweiz (8%), Italien/Spanien (25 %): Siehe Graphik!

Sehr pointiert ist eine Untersuchung zur Effizienz und Wirksamkeit von Insolvenz Systemen bzw. Regulierungen. Der Versuch zu den Indikatoren „Zeit“, „Kosten“ und „Revovery Rate“ (Gläubigerrückzahlungen zu Gesamtschulden einer Konkursmasse) Erkenntnisse zu gewinnen. “The most significant thing about the role of empirical research in bankruptcy policy has been its insignificance”. Und dann fand ich als lobenswerte Ausnahme: “In Colombia, the Superintendencia de Sociedades combines the role of adjudicating authority and insolvency regulator. This places the Superintendencia in a unique position to gather data and produce reports that cover both general information on insolvency proceedings, and information on the performance of insolvency administrators. The statistics also show general characteristics of the insolvent businesses (size of enterprise, number of employees, location, etc.).” Es wird auf einen Link verwiesen:

http://www.supersociedades.gov.co/delegatura_insolvencia/Paginas/publicaciones.aspx

Donnerwetter: Kolumbien als lobenswerte Ausnahme? Ich habe mir die Webseite angeschaut. Das kolumbianische Recht kennt mehrere Insolvenz Kategorien: Sociedades en Reorganización y Validación Judicial; Sociedades en Liquidación Obligatoria (bis 2008); Sociedades en Liquidación Judicial (ab 2008); Sociedades en Concordatos; Sociedades en Acuerdos de Reestructuración. Zu jeder „Art“ gibt es vielfältige statistische Informationen. Bei der Liquidacion Judicial sehe ich, dass im Schnitt pro Jahr ca. 160 Firmen darunter fallen, dass inzwischen 75 % der seit 2008 1721 angesammelten Fälle erledigt seien, bei gesamthaft involvierten 185 Mio COP Aktiven und 560 Mio Cop Passiven. Also wieder ein Vollzugsproblem, ein Fall von Papier ist geduldig? 160 Fälle pro Jahr für ganz Kolumbien!? Wenn mich das Gedächtnis nicht trügt, gehen in der Schweiz pro Jahr ca. 23’000 Firmen Konkurs.

Buona giornata

F.

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Tscheff zur politischen Korrektheit

Ich stimme Dir zu, Don Markus, die wohl bemerkenswerteste Erfindung im PC Sektor der vergangenen Jahre ist die SSD. Natürlich ist auch sonst viel gelaufen und der Fortschritt ist rasant, aber für den „gemeinen“ Windows und Office Nutzer hat die elektronische Festplatte wohl den grössten Gewinn gebracht. Ich habe, weil angehalten zu sparen, zehnjährige Geräte im Einsatz, die spielend mit Windows 10 und Office werkeln, und den Benutzer beim Starten nicht versteinert vor dem Bildschirm sitzen lassen.

Wie Du selbst weisst, reicht bereits ein Pi der ersten Generation für den Genuss von Filmen in HD-Qualität aus. In Zeitalter der Obsoleszenz fragt man sich tatsächlich, ob die Hersteller mit dieser Erfindung nicht sich selber geschadet haben. 

Früher war es das Rennen nach den am schnellsten getakteten Prozzis, was als das Wichtigste erachtet wurde, heute sind schnelle Übertragungsraten von SSD, Routern, USB und anderen Schnittstellen viel gefragter. Unsere Server laufen mit einem Minimum an Prozessorlast (ja, liebe Computeraffine, ich weiss, dass es Ausnahmen gibt), sie sind dafür aber umso speicherhungriger.

Wer also nicht zu der Gilde der Gamer, Videoschneider, Photoshopper oder Big Data-Analysten gehört, dessen Kisten tut es noch lange! Würde ich meinen Sohn fragen, der seine Nase immer (noch) in den Wind hält, würde ich mit den eben geschriebenen Sätzen ziemlich untendurch allen! Aber Hand aufs Herz, welche(r) Büroangestellte macht denn mit seiner Kiste heute wesentlich mehr als er/sie nicht schon vor 15 Jahren konnte?

War das jetzt oben richtig, oder hätte ich jetzt „BüroangestelltInnen“ schreiben müssen? Oder die „büroangestellt Seienden“?

Du weisst, dass Du bei mir da einen empfindlichen Nerv triffst. Ich habe mich schon immer über diese aufgedrängte und verlogene politische Korrektheit foutiert. Nun ist es aber so, dass ich in einem Betrieb arbeite, in welchem die sozialen Bedenkenträger über eine komfortable Überzahl verfügen – es dürfte an der Branche liegen- weshalb sogar ich tatsächlich an meiner Wortwahl feilen muss, wenn immer ich E-Mails oder Manuals verfasse. Dazu ein Beispiel:

Ich bin im Moment mit der Migration der IT beschäftigt und habe mich aus Gründen der Leserlichkeit entschlossen, den Servern anstelle blosser Kürzel aussagekräftige Namen zu verpassen. Sie heissen nun Anubis, Bastet, Chepre etc., aber auch eine Isis ziert nun das Netzwerk. Kürzlich teilte mir nun ein Angestellter allen Ernstes mit, es gebe Mitarbeiter in seinem Umfeld, die „Isis“ als Ausdruck an die grauenhaften Taten der IS erinnere, ob ich das nicht etwa in Iris, Sissi oder so etwas ändern könnte. Weil das ja nach getaner Arbeit alles andere denn einfach wäre, habe ich ihn darüber informiert, wo die ägyptischen Götter den Most holen. Es ist zum Ko.., Verzeihung, zum sich Übergeben! Es wird tatsächlich kompliziert.

Periodisch darf ich auch an Workshops und „Auffrischern“ derselben teilnehmen, wo mir beibracht, was sich im Umgang mit Frauen, Homosexuellen, Behinderten und Mitmenschen aus fernen Ländern (oder deren Kombination) ziemt, oder was also eben gar nicht geht. 

Seit kurzem habe ich auch eine Visitenkarte zur Hand, an deren Aussteller ich mich getrost immer dann wenden darf, sollte mir eine Diskriminierung oder ein schiefer Blick widerfahren, und wenn selbst der Geschäftsführer „himself“ Urheber wäre.

Ach ja: Damals als wir (das Afrikateam) noch für die Mutter Zürich arbeiten durften, wurden wir über den Mittag jeweils „in die Enge“ getrieben. Das schöne Bild könnte genau von der Treppe aus geknipst worden sein, wo wir damals sassen, unsere Sandwiches verschlangen und in Vorfreude schwelgten. Danke für den Erinnerungsstupf, Don Fabio!

Sei gegrüsst, Roger

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Brief an den Dottore zu nordischen Windkraftwerken

Ciao Dottore

Zum Kauf des Windparks Stigafjellet im menschenleeren Norwegen schreibt das „Elektrizitätswerk der Stadt Zürich“ folgendes:

Mit dem Kauf des Windparks wird das ewz insgesamt über 91 Windturbinen in 17 Windparks  verfügen. Die jährliche Produktion aus allen ewz-Beteiligungen an Windkraftanlagen steigt damit von rund 580 GWh auf rund 700 GWh, was dem durchschnittlichen Stromverbrauch von rund 250 000 Zürcher Haushalten pro Jahr entspricht

Wenn man davon ausgeht, dass die die genannten Haushalte vorwiegend von 1-2 Personen gebildet werden, müsste jetzt die Windkraft in etwa den Bedarf der Privaten in der Stadt Zürich abdecken. Zumindest wird der in Norwegen ökologisch produzierte Strom, der wie jeder andere im Ausland produzierte Ökostrom natürlich nicht in Zürich ankommt und wohl auch nie dort ankommen wird, in Form eines Ablasshandels mit Zertifikaten in Zürich weiterverkauft. Positiv daran ist, dass in Norwegen und Schweden der Atomausstieg erleichtert wird, währenddem sich der Stadtzürcher Stromkonsument, in dessen Wohnung weiterhin Atomstrom verglüht, sich im Gefühl sonnen kann, etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

Sehr zukunftsträchtig wirkt dieser Etikettenschwindel nicht. Eigentlich hat er überhaupt keine Zukunft, weil das Abfallprodukt aus der nordischen Windproduktion, die „Zertifikate“, das Energieproblem vor Ort nicht löst. Mich hätte erfreut, auch nur eine relevante Zeile darüber in der „Mitarbeitenden-Zeitung“ zu lesen. Der Schreiber des Vorworts liest in der Zukunft, indem er ob der Wasserzinsen der Vergangenheit hadert. Dass Speicher für dezentral produzierte Energie unabdingbar sind, weiss man schon lange, interessant zu wissen wäre, ob EWZ mittlerweile endlich einen testet und Erfahrungen damit sammelt. Beispielsweise anstelle dieser Etiketten-Augenwischerei! Was der künftige Strombedarf anbelangt, wage ich die Prognose „Stark steigend“! Soll sich die Welt künftig elektrisch vorwärts bewegen, muss ja dann auch der Strom von irgendwo herkommen.

Die Schweiz teilt mit der EU die Schwierigkeiten mit den Flüchtlingsströmen unter anderem aus Afrika. Vielleicht ist das Wüsten-Solarstrom-Projekt eines von wirtschaftlich sinnvollen Projekten, um dagegen anzugehen. EWZ-Pressesprecher Graf und Lobbyist in Bundesbern konnte sich dort dafür stark machen. Man kann auch ausserhalb des Gesundheitswesen sein Geld verdienen.

So Dottore, das wars wieder einmal. Weiter unten sind die Fortschritte vom Pflanzblätz dokumentiert. Viele Grüsse und abrazo!

Markus

Ps. Fast hätte ich es vergessen. Die Kolumbianische Regierung hat sich der Erpressung ergeben und sich die Freigabe der Verbindung Santander de Quilichao nach Popayán erkauft.

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Brief an die Cousine zum geschlechtsweise korrekten Schreiben

Hoi Elsbeth

Wie dir wahrscheinlich bewusst sein dürfte, schreibt die Deutschen Grammatik, die sich die Sache damit zu einfach macht, für die persönliche Mehrzahl einfach die (einfachere) männliche Mehrzahl vor. Die Schöpfern dieser Grammatik waren sich nur zwei Geschlechtern, die neumodisch Gender genannt werden, bewusst, männlich und weiblich. Noch primitiver ist Englisch, das überhaupt kein grammatikalisches Geschlecht kennt. Die geschlechtsneutrale deutsche Mehrzahl wird jedenfalls seit vielen nicht als so empfunden, sondern im Gegenteil als diskriminierend und nicht nur das schwache Geschlecht abwertend, sondern auch die vielen neu aufgekommenen Geschlechter, die man früher nicht zur Kenntnis nehmen wollte. Von daher wird eine politische korrekte Sprache immer schwieriger, sodass der vom der Opernhaus-Kommunikation verwendete Ausdruck „MusikerInnen“ mittlerweile seiner einstigen Korrektheit längst entkleidet ist, weil ja im Orchester der Oper Zürich, bewusst oder unbewusst, möglicherweise auch Angehörige der LGBT-Community mitmusizieren. Ganz sicher bin ich nicht, aber ich glaube, dass die Kommunikationsabteilung des Opernhauses dies mit der Formel „Musiker*“ hätte lösen können, wobei der Stern alle jetzt bekannten und künftigen Geschlechter abdeckt. Schön sieht das zwar nicht aus, aber praktisch ist es schon.

Deutlich eleganter und ebenfalls zukunftsträchtig löst dieses Problem mein ehemaliger Arbeitgeber, EWZ, der seine Hauszeitung ewzytig als „Das Magazin für Mitarbeitende“ bezeichnet. Der Trick liegt im Neutrum „Mitarbeitende“, was das substantivierte Partizip von „mitarbeiten“ ist. Nicht, dass das immer so gut funktionieren kann, Vorsicht ist geboten. So klingt beispielsweise der aus „mitleiden“ gebildete Ausdruck „Die Mitleidenden“ seltsam und „Leidende“ ist, wie du sicher spürst, obgleich neutral, etwas leicht anderes. Diese Ausnahmen sollen nun nicht entmutigen, die Möglichkeiten des substantivierten Partizips voll auszuschöpfen. Also hätte das Oberhaus schreiben müssen: „Die Musizierenden des Orchesters“ oder „Die Singenden des Chores“. Anstelle von VerkäuferInnen wurde man von „Verkaufenden“ schreiben. Keiner der RichterInnen des Bundesgerichts dürfe sich durch den Ausdruck „Die Richtenden“ beleidigt fühlen. Es eröffnet sich so ein weites Feld für Sprachwissenschafter, die ebenso auf Arbeitsbeschaffung erpicht sind wie dasselbe EWZ. Ein Herausforderung wären die MechanikerInnen, und ob der Ausdruck „Die Mechanisierenden“ als korrekt gelten könnte oder durch „Die Maschinierenden“ ersetzt werden müsste . Weil man sonst insofern in die Bredouille geriete, wenn von den „Mechanisierenden der mechanisierten Truppen“ sprechen müsste.

Jetzt widersetzen sich ausgerechnet weibliche Politisierende der deutschen Politik dem Beackern dieses weiten Feldes. Sozusagen mit der überaus simplen Formel „Allen Geschlechtern recht getan, ist eine Kunst die niemand kann“. Oder schlimmer noch, bezeichnen sie die hehre Suche nach „Gender Gerechtigkeit“ als Verhunzung der deutschen Sprache. Tröstlich ist, dass es halt „Rechte“ sind, die womöglich gar das Kreuz in der Schulstube hängen lassen möchten.

In Englisch gibt es wenigstens dieses Problem nicht. Es war nicht mehr zu tun war, als den zu erotisch gewordenen Ausdruck „Sex“ für das Geschlecht mit dem ursprünglich ausschliesslich für die Grammatik gebrauchten Ausdruck „Gender“ zu tauschen.

Viele Grüsse

Markus

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Antwort an den Dottore zur Frage nach Basti

Ciao Dottore

Nein, der Basti war noch nie bei mir. Ich hatte mich im Vorbeigehen bei Emilce erkundigt, ob sie einen Chofer für J.P. wüsste. Da kam er an und J.P. nahm ihn in Augenschein. Und spürte Ehrlichkeit und Offenheit heraus. Dass er persönlich dem Basti trauen würde. J.P. macht sich ansonsten ebensowenig Illusionen über die allgemeine mentale Stabilität der Latein-Amerikaner wie ich. Aber der sich als „Administrator“ anempfehlende Basti schien ihm eine nähere Begutachtung wert. J.P. hat ja Einblick in die Art der Administration einer Kaffee-Finca gewonnen. Dass ein Administrator sich um die Belange des Anbaus kümmert, diese verfolgt und dafür die Verantwortung trägt. Dass ich jemanden brauche, der das Lieferverhältnis zur „Coppélia“ (Lebensmittel) regelt und überwacht. Dies leuchtet ein, bis anno dato hat sich mir eben noch nie jemand für diese Arbeit angeboten. Ein wichtiger Punkt in der Beziehung zwischen Basti, J.P. und mir ist zweifellos der „near escape“ im Cauca. Jüngere Leute nimmt das mehr her als alte. Das geht dort übrigens so weiter, aber die Kolumbianer haben einen wortreichen Schlaffi gewählt, jetzt müssen sie damit leben. Ich bin überzeugt, dass ein „Linker“ hier entschiedener aufräumen würde. Kein Staatswesen darf sich ohne Not und Schaden auf der Nase herumtanzen lassen. Wenn das einmal begriffen ist, wird manches leichter.

Basti hat die Milch-Finca seines Grossvaters am Lago Calima bewirtschaftet. Er ist dreiundzwanzig Jahre und hat einen fünfjährigen Sohn. J.P. erkundigte sich insistierend, ob er in der Schule in den Genuss der Sexuellen Aufklärung gekommen sei. „Natürlich!“ antwortete der Basti. Wo doch seine frühe Vaterschaft überhaupt keine Ausnahme ist? Ich mag nicht so sehr in den Untiefen von „Betriebsunfällen“, kindlicher Leidenschaft und Illusionen oder sonst was immer waten. Er ist jedenfalls verheiratet und möchte für seinen Sohnemann sorgen, der in eine kostenpflichtige Kleinkinderschule geht. Die Gattin arbeitet ebenfalls. Alles scheint pragmatisch.

Die Frage, warum er nicht (mehr) für den reichen Grossvater arbeitet, habe ich ihm auch gestellt. Anscheinend gab es da Reibereien, der Grossvater ist kein Grüner und laut Basti geizig. Er selber ist ein gutmütiger Pykniker, der sich vermutlich ausnützen lässt. Der Vater beziehungsweise Schwiegersohn sei an Herzversagen gestorben, als Basti zehn Jahre alt war. Ich könnte mir vorstellen, dass schon dieser Schwiegersohn für den Grossvater nicht der „Richtige“ war. Auch das Verhalten der Grossmutter dem Basti gegenüber vermag ich nicht gerade als respekt- und liebevoll wahrnehmen. Ich vermute, dass Basti schon als Kind um irgendwelche Anerkennung gerungen hat und sich dies zu einer Art Rollenspiel entwickelte, aus dem der eine oder andere auch erwachsen nicht mehr herausfindet.

Was weiss ich genaues! Was ich weiss ist, dass das „Zusammenleben“ wie es sich mir aufdrängt, für manchen eine (zu) grosse Herausforderung darstellen würde. Aber das Leben lehrt einen, Electrico Alvaro war nicht der erste, den ich umstandslos aus dem Paradies verstiess, Sebastian weiss, dass es ihm im Falle eines Falles auch nicht besser ergehen würde. Das mit der pietistisch verheirateten Tochter des Francisco, ihre Rückkehr mit dem Gatten und meine Güte, ihre Abholung mit meinem Auto zu gestatten, hat sich einmal mehr nicht bewährt. Die Mutter erschien anderntags nicht zur Arbeit, die Tochter hatte anscheinend wenig Lust, sich persönlich für die durchaus aufwendige Geste zu bedanken. Mir sagt derlei heutzutage wenig zu, heute habe ich den Vater unter Angabe von wirtschaftlichen Gründen lustvoll weggeschickt. Und mir einen Gefallen getan. Dieses herum gucken im Haus, der rote Grind, wenn ich mich nach dem Verbleib der Kochbananen erkundige, eine versteckte aber gleichwohl spürbare Hinterhältigkeit, das Schielen auf eine mögliche Abhängigkeit meinerseits, und und!

Don Eliezer, dessen Kaffee bei der Bemusterung durch J.P. keine Begeisterungsstürme hervorrief, scheint insgeheim ebenfalls darauf zu hoffen, sich bequem in ein gemachtes Bett werfen zu können. Er war eben mit dem Sohn zu Visite. Ich weiss nicht, ob ich deutlich genug geworden bin. Aber in einer möglichen Kooperative müssten sich alle den gleichen Qualitätskriterien unterwerfen und können nicht einfach unter dem Segel der Vorhut aufwandslos mitreisen. Wobei wir uns ja eigentlich der Marge bewusst sind, die uns von der Elite trennt, aber eben so sehr darüber, was wir alles tun können, um diese einzuholen. Ich sehe darin übrigens nicht viel mehr als eine Änderung des Verhaltens.

Der Paco änderte während der Anwesenheit des J.P. sein Verhalten ein wenig. Das hat vielleicht damit zu tun, dass bei J.P. Lula der Augapfel ist, und nicht er. Also musste er mehr Zeit auf der Finca verbringen, um sicher nichts zu verpassen. Das Hinken mit dem Vorderlauf vergisst er immer häufiger.

Dem Kompliment an Tscheff Rotscher schliesse ich mich gerne an. Wobei mir die Aussage der „Jahrhundertstimme“ Elisabeth Schwarzkopf in den Sinn kam: „Wieso wagt es ein Kritiker, der selber gar nicht singen kann, mich zu kritisieren?“ Stimmt, niemand kritisiert, dem Elternpaar Rotscher würde ich allenfalls vorhalten, dass sie sich dessen nicht bewusst sind, was sie ihrem Nachwuchs schon alles mitgeben konnten. Dass die Mutter in den damaligen preussischen Sozialismus verfrachtet wurde, war mit Sicherheit traumatisch, hatte aber für den Nachwuchs den nicht gering zu schätzenden Vorteil, dass sie seither ein weit herum selten gehörtes makelloses Deutsch spricht. Ohne das sie ihr Gatte kaum hätte erobern können. Schicksalshaft! Wie auch der Vater nicht eben unbeholfen im Ausdruck ist, so der Nachwuchs, der zudem musikalisch und zum Überfluss auch noch logisch begabt ist. Man merkt ihnen das an. Sie sind derart über dem Durchschnitt, dass es für sie möglicherweise schwierig sein wird, soviel Pferdestärken auf den Boden zu bringen. Ich finde die Umstände halt überaus spannend. Eltern wollen meistens etwas „besseres“ oder zumindest „anderes“ für ihren Nachwuchs, als das, was ihnen selber beschieden war. Nur weiss man manchmal nicht, was das „bessere“ sein soll. Ich darf mich in aller Schicklichkeit auf die Bemerkung beschränken, dass wenn Rotscher von Vatern nicht aus dem Haus gewiesen worden wäre, er, der Rotscher, nicht das hätte vollbringen können, wofür ich ihn schätze oder gar bewundere. Dasselbe gilt für „Väterchen Staat“ bei seiner Gattin! Mir scheint dabei unwichtig, wieviel klingende Münze dabei herausgeschaut hat. Unabhängig davon bleibt mir selber der feste Wille, auch materiell reich zu sterben, allein schon weil ich denke, dass es mehr Grösse dazu braucht, viel hinter sich zu lassen.

Viele Grüsse

Markus

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Der Dottore zur Erziehung

In der Enge

Ciao Direttore

Mich freut, dass du mit J.P. so viel unternehmen, erfahren und lernen konntest.   

Das mit den Spielregeln der Coppélia hatte ich befürchtet. Mich hatte das Verhalten beim abendlichen Besuch der Lokalitäten und danach bei den vermeintlichen Vorbereitungen  befremdet. Gut, dass du die „einfältige Konspiration“ noch früh genug gekappt hast. Auf die Gefahr hin langweilig oder pedantisch zu sein, ruf ich wieder einmal Javier Marias Beobachtungen zum Reden, Reden, Reden und Tun (oder eben wenig oder gar nichts tun) in Erinnerung. Geredet oder besser herumgeredet wurde schon. Dabei hätte es im Szenario „Risiko tragen“ vorbereitende Taten benötigt. Deiby redet wenig (er mag introvertiert sein), dafür macht und dirigiert er tagtäglich ausreichend bis viel. Vor allem hat er Freude und Lernbereitschaft. Und ärgert sich, wenn ihm etwas misslingt oder die Arbeits- und Zusammenarbeitsbedingungen unzumutbar werden. Nun, du hast es versucht und womöglich daraus weitere Erkenntnisse gewonnen. „Die eigene Seele richtig spüren und darum alles von sich hinweg lügen muss“: eine Steigerung von kognitiven Dissonanzen?  

Ist der „biologisch organische“ Schweineforscher mit seinem Baby vorbeigekommen? Kann er in seinem Labor einen DNA-Test durchführen? Wünscht er sich dich gar als Pate? Don Helio wünschte sich das von uns, noch bevor das Kind dazu geboren ist.     

Erschreckend, dass das südliche Cauca weiterhin unerreichbar ist! Was ist da los, tut sich gar nichts, was sind die Aussichten?

Ist das der Basti, der schon mal bei dir war? Wie ist das zu Stande gekommen, was tut er genau und wie funktioniert das mit Francisco und Arturo? Der Grossvater mit den sieben Fincas hat keine Aufgabe für ihn? 

Wie geht es übrigens Paco? Ist er weiterhin abtrünnig?

Die Registrierung im Grundbuch ist möglicherweise eine Singularität über die geschrieben werden müsste. Welches Grundbuch (Wie viele gibt es? Welches gilt?), wie zuverlässig ist es (Brände, Leserlichkeit, Widersprüchlichkeiten, Systemfehler, Manipulationen unter Gewaltandrohung,..), wer darf Eintragungen vornehmen und beglaubigen, welche Rechtssicherheit hat es, wie verhält es sich mit den Landenteignungsklagen der vermeintlichen Indios, etc.?

Einen Metzger mit einem Machetero zu vergleichen, mag angehen, vielleicht auch nicht. Die Aufgabenvielfalt des Metzgers schiene mir höher, abwechslungsreicher, grobschlächtig und feinhandwerklich zugleich und die Arbeit über’s ganze Jahr gegeben. Mengenmässig erledigen die Maschinen heutzutage das meiste, und doch sind mir immer wieder ganze Trupps von Machetero’s aufgefallen, die offenbar für gewisse Stellen oder Arbeiten weiterhin vorübergehend benötigt werden. 

Was die Mosquitos anbelangt sind mehrere Erklärungen denkbar: Übermass von wegen El Ninõ, fehlende natürlicher Feinde in hochgetrimmten künstlichen Monokulturen, das Ausbleiben von grossflächigem toxischem Sprühen aus der Luft, ungenügende Anwendung des Rebellen (rasche Verdunstung bei warmfeuchten Bedingungen), Man-Made Dummheiten bei stehenden Gewässern (Dolinen, Schächte, Untertöpfe, Pneus…),..

Fortino del Café: Die verfügen mit über 80 Jahre Geschichte über einen sehr langen Track Record. Das ist mit viel guter Arbeit vor Ort und in der Vermarktung verbunden. „Sichtbarkeit“ führt mit der Zeit zu guten Beziehungen im Netzwerk. Oder, dass man einer bestimmten Güte-Schublade zugeordnet, aus dieser schwer wieder rausfällt? Es gibt bestimmt viele unbekannte Perlen, die die Qualität hätten, es aber entweder nicht auf den Radar schaffen oder dies gar nicht wollen. 

Kompliment an Tscheff für den persönlichen, differenzierten und engagierten Beitrag!

„Weise Lebensführung gelingt keinem Menschen durch Zufall. Man muss, solange man lebt, lernen, wie man leben will“ (Seneca). 

„Shakespeare says, we are creatures that look before and after: the more surprising that we do not look round a little, and see what is passing under our very eyes” (Carlyle). 

Wo lernt man denn „Erziehung“? Lehrer haben dazu Fächer: Pädagogik, Didaktik, Kinder- und Jungerwaschsenenpsychologie oder wie das gegenwärtig heissen mag. Wobei die Erziehung schwergewichtig bei den Eltern und nicht bei den Lehrern liegen soll. Grau ist die Theorie. (Werdende) Eltern haben Vorbilder, einen verschiedenartig gearteten Erfahrungshintergrund und schöpfen daher (vermeintliches?) Know How aus vielfältigen Quellen. Von einer möglicherweise vorhandenen und im besten Fall von den Eltern geteilten Vorstellung zur Erziehung wird in der Praxis festgestellt, ob sie gänzlich, nur teilweise oder gar nicht umsetzbar ist. Zum Beispiel dann, wenn die Natur die Talente ungerecht verteilt und vieles vom Vorgenommenen sich als nicht umsetzbar erweist, oder halt eben einfach Unerwartetes auf einem zukommt. Also ein doing on the job?! Perfektion und „Planungssicherheit“ kann es anscheinend nicht geben.  

Zuhanden einer egoistischen Position kann es Sinn machen, Zeugungsakt und Erziehung und die sich ergebenden Kombinationen zu differenzieren: zeugen und erziehen (wollen, können) versus zeugen und nicht erziehen, immer auf beide Elternteile bezogen. Der Ausgangslagen sind viele: Eltern mit geteiltem oder ungeteiltem, Paare mit unerfülltem und solche mit „ambivalenten“ Kinderwunsch, wo auf „Wunder“ oder „Kunstgriffe“ zurück gegriffen werden muss (Postbote, Kuckucksei, Leihmutter, künstliche Inseminationen, etc). Das kann folgendes ergeben: Getrennte Eltern mit geteiltem oder bei einem Elternteil liegendem Sorgerecht, Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, die Kinder adoptieren gegenüber jenen, die das nicht dürfen. Daraus ergeben sich wiederum vielfältige „Patchformen“: Getrennte Eltern (mit und ohne Sorgerecht) in neuer Beziehung mit einem Partner (getrennt/ledig) mit und ohne Kinder aus einer oder mehrerer früherer Beziehungen. Allein schon die Auflistung ist aufwendig, nicht zu reden von den entstehenden Kombinationen von „Eltern“-Charakteren und der räumlichen und zeitlichen Anwesenheit. Was passiert in der Erziehung beziehungsweise in den vom Kind erlebten aufeinanderprallenden  „Erziehungswelten“? Ist die Realität einfach mächtiger als jede Vorstellung? Wie bei Julio, der im gleichen Monat mit zwei unterschiedlichen Frauen Vater wurde. Oder Don Helio mit seinen 37 Geschwistern. Gibt es „Prinzipien“ in der Erziehung, die bei Kindern unabhängig von leiblichen Eltern „funktionieren“? In unterschiedlichen „Settings“? Ich vermute, dass ja. 

Übertriebene Gutmütigkeit und eine gebotene „Comfort Zone“ können insofern kontraproduktiv sein, als sie Erwartungshaltungen festigen, die später zu Auseinandersetzungen führen können. Darüber, ob zur Selbständigkeit eine „ad hoc Erfordernis“ ausreicht, bin ich mir nicht so sicher. Selbständigkeit erfordernde Umstände sind nicht immer auf Einfaches beschränkt. Anspruchsvolleres zu packen setzt Entwicklung und Übung voraus. Eine so erlangte Selbstsicherheit und Lockerheit lässt bei einem späteren Vergleich von „Jünglingen“ im Umgang mit Herausforderungen frappante Unterschiede erkennen.  Selbständigkeit mag teuer oder entbehrungsreich sein, Unselbständigkeit kann aber im späteren Leben für „ungeübten“ Nachwuchs (und möglicherweise weiterhin hilfsbereite Eltern) noch teurer zu stehen kommen. 

Un caro saluto

F

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Brief an Tscheff zum Recycling

Hoi Rotscher

Wieder etwas banales: Etwas asthmatisch wirkte es mittlerweile schon, das MacMini-Truckli, das seinerzeit im Fluggepäck von Zürich nach Cali umzog. Die wenig liebevolle Behandlung, die man den Koffern bei Flugreisen angedeihen lässt, konnten ihm nichts anhaben. Fast zehn Jahre herrscht es über meine Hires-Musiksammlung -mittels dem darauf installierten Logitech-Server- und führt dem Fernseher das Videosignal zu. Für all das scheint es mir noch immer mehr als tauglich, aber irgendwann, wie du mir immer eingeschärft hast, muss man um das Leben der alternden Festplatte fürchten. Eine SSD von Amazon ist bot sich als preisgünstige Alternative an, ein Typ in Cali hat mir die eingebaut und gleich noch das Innenleben des Kästchens vom Staub befreit. Wie war das früher? Da wurde doch mit irgendeinem Befehl ein Speicher „boot fähig“. Das war jetzt nicht der Fall, ich musste sieben Gigabyte Betriebssystem herunterladen. Die Mühe hat sich aber gelohnt, das Truckli bootet jetzt wieselflink und ich kann zu neueren MAC’s keinen grossen Unterschied in der Geschwindigkeit mehr ausmachen.

Ist es nicht so, dass der technische Fortschritt irgendwann keinen nennenswerten Zugewinn mehr bringt? Der selbe Mensch hat meinem alten iPhone einmal mehr das Glas gewechselt, zudem habe ich es wieder in eine Schutzhülle gesteckt. Sowohl das Original-Glas als auch die mittlerweile deutlich intelligenter gestalteten Hüllen sind von wegen Masse günstig.

Die naturgegebene Erde hier ist nicht von selber fruchtbar, die Kombination mit Kompost lässt die Pflanzen aber durchstarten. Wir hatten endlich nennenswerten Regen und der scheidende J.P. wunderte sich, wie die Bäume über Nacht ausschlugen. Der Anbau von Kaffee bringt einen Anstieg der Produktion von Humus, diesen muss man natürlich anreichern, was wir mit gekauftem Kuhmist tun, mittlerweile haben wir viele Tonnen eingebracht. Der Humus lässt sich hier klimabedingt jahraus jahrein kompostieren. Nachstehend ein paar Impressionen:

Vor seiner Abreise haben J.P. und ich wie auf einer „Insel“ gelebt. Es würde nicht lange dauern, bis wir unsere eigenen Sprache hätten. Zurück von seinem täglichen Spaziergang mit den Hunden meinte J.P.: „De Paco het wieder d’cabras i de huerta asuschtiert. Une on a encontré morte.“ Den Ziegen einen Schreck einzujagen, war schon immer Spezialität von Hueber’s Hunden. Von wegen denen man schon früher im Calanca-Tal zu ungern gesehenen Sommergästen wurde. Aber die Geissen halten es wie Kater Balthasar, der gerne den Paco herausfordert. Letzthin hatte er das Pech, dabei in dessen Fängen zu geraten, sodass er schreckliche Schreie ausstossen musste, worauf ihn Sebastian aus der Todesangst befreite. Aus der seither herrschenden Ruhe zu schliessen, hat er seine Lektion gelernt. Der feingliedrige Balthasar wird von J.P. als „tête de maigre“ bezeichnet, in maliziöser Abwandlung des rassistischen „tête de nègre“, was auf Schweizerdeutsch ein „Mohrenkopf“ wäre.

Von wegen der politischen Korrektheit, Don Rotscher, letzthin habe ich von „MusikerInnen“ eines Orchesters gelesen. Das klingt so trostlos blöd, es ist eben einfach nicht wirklich deutsch, sorry to say so. Die Deutsche Grammatik sieht vor, dass eine geschlechtlich gemischte Mehrzahl der Einfachheit halber maskulin ausgedrückt wird. Dass die weiblichen Mitglieder also ebenfalls dem „starken“ Geschlecht zugeordnet werden. Es braucht einen fürchterlichen Minderwertigkeitskomplex, in dieser einfachen Logik eine Diskriminierung zu sehen.

Noch einmal viele Grüsse

Markus

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Besänftigende Antwort an Tscheff

Hoi Rotscher

Ich habe es leider unterlassen, den Begriff „Helikopter-Eltern“ zu recherchieren, ich hatte einfach in der FAZ eine Überschrift gelesen, wonach Helikopter-Eltern im Gegensatz zur landläufigen Annahme durchaus bessere Mitmenschen produzieren. Du wirst mir aber beipflichten, dass der Ausdruck sowieso weit hergeholt ist, und dasselbe auch für eine genaue Definition gelten muss. Eine wenig beabsichtigte Provokation hat da aber eine bemerkenswerte Antwort hervorgerufen. Was ich allenfalls sagen wollte ist, dass du von Deinem und anderem mir näher stehendem Nachwuchs nicht auf das schliessen solltest, was hier auf dem Lande abläuft. Es werden frohgemut Kinder gezeugt und geboren, von denen ich mich wirklich frage, wie sie denn lebenstüchtig gemacht werden sollen. Ich fand es schon fast rührend vom Dottore und der Helena, dass sie sich hier zur Dorf-Schule begaben und sich zu den Kindern gesellten, etwas, was ich selber nie getan habe. Sie traten auch in eine angeregte Unterhaltung mit diesen, was mir halt nie so richtig gelingen will. Auf die Antworten nach der Frage nach den Berufswünschen der Kinder überkam mich eher Hoffnungslosigkeit, im Zusammenhang mit dem Leben auf dem Land kam den Goofen gerade mal der Veterinär in den Sinn, dies aber wohl vornehmlich im Sinne des verlogenen Feuermal-grindigen.

Für eine etwas weiter denkende Jugend a la Thunberg regt sich mehr Verständnis in mir. In einem Agrarland wie Kolumbien ginge es für den Nachwuchs darum, mit dem vielen Land etwas anzufangen, ohne es kaputt zu machen. Damit sich beispielsweise Kaffee und vieles andere mehr ohne massiven und entsprechend kostspieligen Einsatz von Pestiziden wirtschaftlich produzieren lässt. Wenn man in der Tretmühle schon drin ist, ist es schwer, wieder daraus heraus zu finden. Das Gleichgewicht wird aus den Angeln gehoben, so dass am Schluss nur noch Spritzen bleibt. Mit der mitverdienenden Agrochemischen werden die Produkte teuer. Darum hat man vielerorts aufgegeben. Es ist zwar kein sonderlich erfreulicher Anblick, wenn ein Kaffeebaum sozusagen über Nacht von Ameisen leer gefressen wird. Aber man kann und darf das im Wissen ertragen, dass sich Ameisen das Wasser nicht selbst abgraben und dem Kaffeebaum die Blätter wieder nachwachsen. Für den Nachwuchs ist die Bewusstseinsbildung wichtig. Ich weiss nur noch nicht, wie ich es anstellen soll.

Wenn man zu unserer Zeit die Kinder ins Welschland-Jahr, ins Internat oder sonst wohin schickte, dann war das gute Sitte und/oder eine wirtschaftliche Notwendigkeit und hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass man sie los war. Ich denke nicht, dass das nur schlecht war, der Horizont wurde auf jeden Fall erweitert.

Die Pitaya heisst hier die „Dragon-Fruit“. Sie ist eine Schlingpflanze, hier rankt sie sich an einem Mandarinenbaum. Ich finde die Blüte allein schon sensationell, die stark abführend wirkende stachelige Frucht ist recht teuer.

Einstweilen liebe Grüsse

Markus

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Geharnischte Antwort von Tscheff auf Helikopter-Kinder

Don Markus!

Nach eingehender Konsultation der Wikipedia-Seite zum Thema Helikopter-Eltern wehren wir uns vehement dagegen, dieses Paar Schuhe anzuziehen!! Weder wurden unsere Kinder in Ihrem Tun auf Schritt und Tritt überwacht noch derart umsorgt, dass ihnen ein selbständiges Entfalten unmöglich gewesen wäre.

Es ist schade, dass Du den Lesern deines Blogs ein Bild unserer Familie vermittelst, welches überhaupt nicht zutrifft. Der Begriff „Helikopter Eltern“ ist arg negativ behaftet und nur eine von vielen Formen des Eltern-Bashing unzufriedener und unbefriedigter Erziehungswissenschaftler und Psychologen. Im Übrigen konnte ich mir schon bei „Mutter Zürich“ Human-Resources ein Bild der Psychis machen, und da war keiner/keine (sprich niemand) ohne massive Defizite unterwegs.

Dass es als Narzissmus anzusehen ist, glückliche und erfolgreiche Kinder zu haben, kann ich nicht nachvollziehen. Wäre das Gegenteil denn sinnvoller? Ich vermag auch keine Verwöhn-Strategie in unserer Erziehung erkennen. Eher verfolgten wir keine Strategie und schritten ad hoc-korrigierend nur ein, wo es zum Wohle der Gesellschaft notwendig war. Solche Eingriffe waren darum selten notwendig, weil Kinder bekanntlich von ihren Eltern lernen und wir davon ausgehen dürfen, selber keine Soziopathen zu sein.

Die Erziehung anderer zu kritisieren ist eine sehr heikle Angelegenheit. In aller Öffentlichkeit Stellung dagegen zu beziehen, also die sprichwörtlichen Hosen herunterzulassen und auf die Vorwürfe einzugehen, käme dem bekannten, getretenen Hundeschwanz gleich und widerstrebt uns daher.

Die wenigen Einblicke, die Du in unsere Familie haben durftest, sind derart bescheiden, dass Du nicht (ver)urteilen solltest, da Dir das ganze und grosse Sicht einfach fehlt. Aber wir wissen natürlich auch, dass Du gerne provozierst und diesbezüglich will ich auch nicht mit dem Finger auf Dich zeigen und gleich auch noch den ersten Stein werfen.

Mein Vater war der Ansicht, dass es sich wie im Tierreich zu verhalten hätte. Löweneltern (im speziellen die Mutter, der Vater ist ja mit herumhuren beschäftigt) vergrämen ihre Kinder, wenn sie ins Alter gekommen sind, auf dass sie bald das behütete Gefüge verlassen und selbständig würden. Nachdruck wird mit Bissen und Kratzern verliehen.

So wurde ich dann auch mit 16 in die „Ferne“ geschickt und mit 20ig endlich rausgeworfen. Geschadet hat mir das unbedingt, das findet zumindest meine Frau, aber auf der anderen Hand wäre es auch nicht nötig gewesen, später im Streit zu scheiden.

Selbständig wird man, wenn Selbstständigkeit erforderlich ist. Vorher ist es einfach bequemer, es nicht zu sein. Das Training dazu schon im Familienverbund erfordert viel zu viel Aufwand, vor allem seitens der Eltern. Ich finde, dass derartige „artificial Stresstests“ woanders hingehören. Dabei geht es darum, eingefahrene Gewohnheiten zu ändern. Will ich zusehen, wie meine Goofen den Abwasch umständlich selbst erledigen und nebenbei die halbe Küche unter Wasser legen oder mache ich es in gewohnten zehn Minuten gleich selber? Ich habe mich oft für Letzteres entschieden.

Spätestens dann, wenn sich die Geschirrberge in der dermaleinst eigenen Wohnung türmen, lernen die Guten das dann schon, es sei denn, ihre künftigen Partnerinnen verfügten über weniger starke Nerven und erledigen den Job noch bevor die Herren der Schöpfung den eigenen Drang dazu verspüren. Bei der gegenwärtigen Hochachtung gegenüber dem weiblichen Geschlechts bezweifle ich allerding sehr, dass die erwählten Holden da lange mitspielen.

Zudem ist, wie ich finde, die „Selbständigkeit“ nicht billig zu kriegen. Ich habe keine Lust, meinen Sprösslingen eine WG zu finanzieren, damit sie lernen, mit dem daily life klar zu kommen. Solange eine GA günstiger zu stehen kommt als eine Loge in Zürich, und das Essen in der Kantine schlechter und dabei teuer ist als bei Muttern, habe ich keine Lust dafür aufzukommen. Hier schwingen meine Gattin und ich zum Glück gleich. Wir antworten darauf mit selbst gemachten Sandwiches (Csilla) und einem frisch bezogenen Bett (auch Csilla) 😉 Was die kleinen „Verwöhnungen“ anbetrifft, so lasse ich meiner Teuersten meistens die Freude. Weilt sie jedoch mal für ein paar Tage in Ungarn (um sich ihrerseits dort von Ihren Eltern verwöhnen zu lassen), so herrscht unter unserem Dach ein militärischer Betrieb und unter meinem Kommando wird vom Verursacher aufgeräumt und abgewaschen, dafür sorge ich schon aus eigener Faulheit, das kannst Du mir glauben!

Um zurück auf die Erziehung zu kommen, so muss man leider feststellen, dass sich Eltern heute lieber anderen Tätigkeiten zuwenden als der Erziehung. Soll das doch die Schule übernehmen, so jedenfalls kommt es den Lehrern vor. Die Ehepartner frönen der Berufstätigkeit und lassen abends lieber bei einem Glas Bordeaux die Beine baumeln als „Jasmin“ und „Joël“ noch die Leviten zu lesen. Meine Frau und Heilpädagogin könnte Dich stundenlang mit solchen Geschichten unterhalten.

Das Zusammenleben mit unseren Kindern, welche wir arg vermissen werden, wenn Sie dereinst von dannen ziehen, ist schön. Schon immer mehr getragen von freundschaftlichem Miteinander als von autoritärer Instanz und nicht regiert und überwacht. Dies ist schlussendlich auch der Grund – so ihre Worte -, weshalb sie ihre Jugendzeit nach wie vor gerne mit ihren „Alten“ teilen 😊!

Kein Wunder, die Früchte meiner Lenden wurden autoritativ aber nicht autoritär erzogen. Dies war nicht vorsätzlich so, sondern eher rückblickend festgestellt – wir haben da kein Schema-F gewählt- aus dem Bauch heraus agiert.

Ich habe mir immer die Frage gestellt, ob es egoistischer sei, Kinder zu haben oder aber willentlich auf sie zu verzichten. Nach meiner Ansicht entspringt beides einer egoistischen Motivation, ich kann beide Varianten nachvollziehen. Dagegen vertrete ich die Meinung, dass wir unsere Brut nach bestem Wissen und Gewissen aufziehen sollten, wenn wir uns schon einmal entschieden haben, diese in die Welt zu setzen. Und zwar nicht nur, dass sie eigenständig und autonom lebensfähig werden, sondern vorrangig zu wertvollen und geschätzten Mitmenschen heranwachsen. Arschlöcher kann schliesslich jeder produzieren.

All die Makel, welche uns von unseren Eltern willentlich oder aus Unvermögen mitgegeben wurden, beschäftigen sowohl uns selber wie auch unser Nachkommen zur Genüge. Deshalb wird es nie eine perfekte Erziehung geben, besonders nicht, wenn diese von einer staatlichen oder religiösen Institution übernommen wird. Deshalb auch meine vehemente Replik auf Deine Gin-Tonic-Idee von „lately“.

Du erinnerst Dich bestimmt an die Art und Weise, wie Csilla aufgewachsen „wurde“, schon nach drei Monaten hiess es „ab in die Krippe“ und später hatte sie sich den Dogmen des Sozialismus zu unterwerfen. Auch eine Form der Erziehung, aber erstrebenswert ist das bestimmt nicht.

Schlussendlich habe ich aber den Wink verstanden, es ist Deine Art mir zu sagen: Roger nimm Anteil an meinem Blog, schreib mal was! Sicher zur Belustigung des einen oder anderen aber hoffentlich auch ein bisschen denkanstössig.

Und ja, hast Du schon von Rasenmäher-Eltern gehört? Die sind nämlich nicht so die alte Fasnacht, wie die Helikopter-Eltern!

Beste Grüsse, Scheff

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Brief an den Dottore zu den aufständischen Indios

Das ist laut unseren Gärtnern Spinat, Kletterspinat sozusagen. Auch die grossen Blätter sind zart und schmecken auch als Salat sehr delikat.

Buona serata Dottore

Du und ich sind im Moment ziemlich heftig daran, wie Tscheff richtig bemerkt, aber ich finde es spannend und es macht dem Namen des Blogs dank deinem Zutun ein wenig Ehre. Im Moment und vor der nächsten Ernte ist es für J.P. oder eben „Schampi“ schwierig, Vor- und Nachteile der Standplätze nachzuvollziehen.

J.P. gibt sich aber alle Mühe, den Sebastian einzubeziehen, den wir „Basti“ nennen. Die zwei sind sich einig in der Ablehnung einfältiger Konspiration. Weil das Halbgebrüder-Paar die Spielregeln für die Coppélia plötzlich anders sah und sich in bekannter Art und Weise für die Aufgabe disqualifizierte. Aufgrund der verwandtschaftlichen Bande war zu befürchten, dass sie Deiby, der sich immer mehr zum wahren Chef mausert, ebenfalls in ihr Elend ziehen würden. Der hat sich die Sache aber besser überlegt. Die Scheinwelten der Verlogenheit und Heuchelei, „ich bin das und ich bin der“ machen krank, es ist aber tatsächlich nicht so, dass ein „Verursacher“ einfach schizoid zur Tagesordnung übergehen kann. Nein, eines führt zum anderen, ein Elend in ein weiteres. Das Problem ist, dass man eigentlich die eigene Seele schon richtig spürt oder wahrnimmt, und darum alles vor sich selber hinweg lügen muss. Ich will möglicherweise gar nicht wissen, wie unser forschender Tierarzt seine Studien im unerreichbaren Popayán abschliessen soll. Weil das unwichtig ist, wo er jetzt überglücklicher Vater geworden und der Nachwuchs nicht feuermal-gesichtig sei. Als Marktlücke hat er die „Ozon-Behandlung“ für Pet’s für sich entdeckt. Ob dies oder Pflutschtomaten, Hauptsache ist doch, dass man davon leben kann und auch noch stolz darauf ist.

Demgegenüber ist der Basti ein offenes Buch, in mich fixiert wie Paco in dich. 🙂 „Das wird dir schnell auf die Nerven gehen“, orakelt J.P. Weil zu viel Aufmerksamkeit tödlich ist. Wie lange er zu bleiben gedenke, frug ich den Basti und der meinte, bis er mir verleidet sei. Zu tun hat er allerdings genug, ich glaube, er möchte seinem Grossvater, der sieben Fincas am Calima besitzt, etwas beweisen.

Die Clari ist eben Oberlehrerin, sie will als Allgemein-Autorität auftreten, und würde, wenn notwendig, vielleicht grundsätzlich immer ein Gegenteil behaupten. Ein Onkel des Basti sieht die Indios noch einmal anders: Die würden am morgen nichts tun und sich am Nachmittag davon erholen. Aber auch das ist demagogisch. Es würde mich wundern, wenn die Clari direkten Kontakt oder gar tieferen Einblick hätte. Kannst du dich hingegen an den Besuch auf der anderen Talseite erinnern? Die Angst in den Gesichtern, das agressive: „Was-hat-das-mit-mir-zu-tun?“ oder die „Wer-ist-Angie-Fernandez?“, die dort oben ebenfalls ein Haus besitzt und bei der Frage nach der Legalität völlig aus dem Häuschen geriet. Schwierig, diese Nervosität zu erklären, aber ich bin mir sicher, dass es mit der Rechtmässigkeit von Grund und Boden zu tun hat. Ich war damals etwas irritiert, als man mir als einen der Vorteile der Finca Singapur ihre Registrierung im Grundbuch nannte. Aber eben, um eine Selbstverständlichkeit dürfte es sich nicht handeln.

Ein Metzger muss nicht blutrünstig sein, ein Machetero wohl auch nicht. Und für das Schlagen des Zuckerrohrs dienen doch heute hauptsächlich Maschinen.

Don J.P. hat immer die Nase im Wind. Da witterte er, dass die SCAA (Specialty Coffee Association of America) von Manantiales del Frontino (Cafecultores) zur Besichtigung von deren riesigem Anbaugebiet im Quindio eingeladen worden war. Er liess uns dazu einladen. So fand ich mich frühmorgens in Caicedonia in einer internationalen Gruppe wieder, wir durften mit, weil wir im geländegängigen Fahrzeug anreisten. Die andern Besucher wurden in volkstümlichen Willy’s transportiert. Die zum SCAA gehörende Gruppe war wohl eingeladen worden, weil die Organisation Manantiales del Frontino 2011 mit „Best Origin Coffee of the world“ ausgezeichnet hatte. Oder so ähnlich. Damit du dir eine Vorstellung über die Zusammensetzung der Gruppe machen kannst: Eine Russin Ungarischer Abstammung, die in Wladiwostok lebt, eine New Yorkerin Polnischer Herkunft, die wiederum in Seattle mit Kaffee ihr Leben verdient. Eine andere US-Amerikanerin chinesischer Abstammung war offensichtlich Gruppenleiterin. Dazu Koreaner, Taiwaner, Japaner, Chinesen, Argentinier etc. Als Landei interessierte mich das Ehepaar aus Wladiwostok besonders, wobei der Ehemann ausser Russisch wohl auch von Kaffee, wie ich, nichts versteht. Mit Schaudern vernahm ich, dass die Kaffee-spezialisierte Ehefrau des Alyoscha neun Stunden lang von Wladiwostok nach Moskau düsen muss, wenn sie innerhalb des russischen Kaffee-Imperiums dort etwas zu erledigen hat. Und neun Stunden zurück. Und man sich, da billig und im Überfluss vorhanden, in Wladiwostok von Jakobsmuscheln, Krebsen, Langusten, Kaviar und natürlich anderem Meeregestier ernähren kann. J.P. hat recht, die in Kaffee spezialisierten sind sehr zugängliche, sympathische und überhaupt nicht snobistische Leute. Und weil wahre Profis den Kaffee nicht schlürfen, sondern sozusagen in sich „hinein zischen“, grauste mir ob der Degustation nicht so wie befürchtet.

Ein Wermutstropfen waren die Jejen-Mosquitos, denen unser Abschreckmittel bestens bekannt schien und uns sozusagen blutig frassen. Auf der Finca Singapur gab es davon früher ebenfalls viele, heute Gott sei Dank nicht mehr! In Huila, Terradientro wurde man praktisch nie gestochen. Sagt dir das irgend etwas?

Einstweilen herzliche Grüsse

Markus

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