Der Dottore (und ich) zum Essen und dessen Entsorgung

Ciao Direttore

Apropos mit Mais gefülltem Poulet im Blog: Als Randnotiz ein Hinweis auf das Buch „Plucked“ der Wissenschaftsjournalistin Mary McKenna. Darin setzt sie sich mit der industriellen Hühnerfleisch-Produktion auseinander. Manches ist aus anderen Quellen längstens bekannt, aber dass in den USA 80 % (in Worten achtzig) des gesamten Antibiotika-Umsatz‘ mit Tieren (und nicht Menschen) erzielt wird, mag überraschen, angesichts der riesigen Tierbestände aber auch wieder nicht. In der übrigen Welt halten sich die Anteile mit 50% die Waage. Antibiotika bewirkt eine raschere Gewichtszunahme des Tiers und macht die Massentierhaltung überhaupt erst möglich. Die resultierenden Folgen sind die gefürchteten Resistenzen oder anders ausgedrückt unwirksam, gewordene Antibiotika. Der Wohlgeschmack, also wie gutes Pouletfleisch einstmal schmeckte, ist offenbar eher unwichtig. Demgegenüber wird der Menschheit missionarisch empfohlen, „weisses Fleisch“ zu essen! Siehe:  https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2017/oct/13/can-never-eat-chicken-again-antibiotic-resistance

Die Hälfte der Weltbevolkerung entsorgt den Scheiss auf oder mit ordentlichen Toiletten. Die andere Hälfte mit Latrinen, die sanitären Standards nicht genügen, von der Hälfte erledigt wiederum beinahe eine Milliarde ihre Bedürfnisse auf offenem Feld. Das stellt ein achtbares Problem dar, was die Gates Stiftung nötigte, einen Wettbewerb für neue Toilettensysteme zu veranstalten: Mechanical-Dry Bio-Combustion und High Pressure and Heat (benötigt Elektrizität) waren zwei der eingereichten Vorschläge. 

Gemäss Berichten der UNO sind im 2017 rund 69 Millionen Menschen zu Flucht aus ihrer Heimat gezwungen worden. Durch den Klimawandel wird es im 2050 voraussichtlich 143 Millionen Menschen sein (Schätzung der Weltbank). 258 Mio Menschen lebten im 2017 ausserhalb ihrer Heimat. Der weltweite Anteil an Migranten im Verhältnis zur Weltbevölkerung ist in den letzten 50 Jahren in etwa bei konstanten 3 % geblieben.  

Cari saluti F.

Don Fabio: Buenas Noches!

Jaha, das halt! Hast du über die Trinkwasserqualität in der Schweiz gelesen. Eine Schweizer Bekannte verkündete mir vor wenigen Wochen, sie trinke ob all dem Dreck, was darin sei, kein „Trinkwasser“ vom Wasserhahn mehr. Ich hielt das für gar übertrieben, aber jetzt…, wenn man doch weiss, dass einem zur allseitigen Beruhigung nur die Hälfte der Wahrheit zugemutet wird….!

Die Bauern wehren sich. Sie seien nicht alleine schuld. Womit sie auch recht haben. Aber intelligenter als ihre Süd-Amerikanischen Campesino-Kollegen sind sie halt auch nicht.
„Spritzen Sie dies!, Düngen Sie das! Füttern Sie dies, Füttern Sie das! Und sie werden den Ertrag sehen, die Investitionen werden sich gelohnt haben.“ In meiner Jugend kamen die Schweinemästereien auf, von da an ging’s bergab, beziehungsweise wurde das Fleisch ungeniessbar. Die Milch begann ob all dem Kraftfutter zu stinken, bis uns, Gott sei Dank die „mad cow“ überkam, was wiederum bewirkte, dass infizierte Schafe nicht mehr zu Futter verarbeitet werden durften. Und die Wissenschaft kündeten von ihrem Nichtwissen, indem sie über die Übertragbarkeit auf den Menschen rätselte, als ob es den „Veits Tanz“ nicht schon im Mittelalter gegeben hätte. Wie’s jetzt ist? Lasst uns raten! Sowieso, so schnell stirbt der Mensch nicht, nein, der Krebs rafft ihn langsam dahin. Solange nichts bewiesen ist, und das kann dauern. Die Bayer AG wehrt sich auch mit Händen und Füssen gegen die Erkenntnisse zu „Agent Orange“.

Ich hatte eine so schwere Erkältung, dass ich (ärztlich verschrieben) Antibiotika nehmen musste! Aber wenn er mir Kamillen- oder Lindblütentee verschrieben hätte, hätte ich an seinem Verstand gezweifelt.“ So oder ähnlich fühlen die Kunden des Gesundheitswesens, aber zum Glück gibt es ja Edith Graf-Litscher, die einen Leitfaden dazu erarbeitet hat, wie man, im Gegensatz zum Kamillen-Tee, die industrielle Kanadische Bergminze mit der Krankenkasse abrechnen kann. Wie es ihr wohl dieses Jahr mit dem Heu-Pfnüsel erging, der Frau Graf-Litscher? Hoffentlich hat sie daran gedacht, sich mit der Mischung ihres Zauberlehrlings wochenlang zu immunisieren!

Das Hantieren mit „wirksamen Kräutern“ ist etwas heikler. Die Katzenkralle, ich habe mich noch nie veranlasst gesehen, diese einzunehmen, kann zu Durchfall führen und die Wirkung von Blutverdünnern verstärken. Das hat sie jetzt wohl am im Rollstuhl sitzenden vollbracht, der wieder ohne zu Zittern längere Zeit aufrecht gehen könne. Ich habe seinem Mix neuerdings ebenfalls mit Ginko Biloba und Moringa angereichert. Und etwas, was ich nur dir gestehe: mit „amansa macho“, ein Kraut, dass zur Zähmung der Mannsbilder dienen soll. Der von der Gärtnerei wollte mir die Pflanze gar nicht erst verkaufen: „Kauf das nicht, es verhext die Männer!“ Es riecht aber wunderbar, so wie das polyvalente Kraut, das du mir aus Argentinien mitgebracht hast, in Richtung Rosmarin. In höherer Konzentration soll es den Menschen in einen Zustand der Willenlosigkeit versetzen. Ich glaube aber nicht, dass daraus k.o.-Tropfen hergestellt werden und werde es selber auch nicht versuchen. Wenn es den Rollstuhl-Patienten hingegen trotz eingetretener Besserung noch etwas milder stimmt, dann kann das für seine Genesung ja kein Schaden sein. Ginko und Moringa gibt es als Bäume mittlerweile auch auf der Finca Singapur, ich kaufe aber die Blätter der Bequemlichkeit halber getrocknet (und weil ich gar nicht wüsste, wo die unseren überhaupt stehen).

Heute habe ich beobachten können, wie ein Alacran (Skorpion) eine der (lästigen) Cucarachas erlegt. Mir scheint, dass er eher zufällig eine haschen beziehungsweise stechen kann, aber wenn, dann ist die hinüber, bevor sie überhaupt merkt, was passiert. Opfer ist auch Don Arturo geworden, der buchstäblich in ein Wespennest gestochen hat, in eines der „Bravos“. Die hätten ihn so übel hergerichtet, dass er habe weinen müssen. Das tat mir dann schon leid, auch weil er sich nicht mehr in der Verfassung war, Hilfe zu suchen. Aber es stimmt, die Stiche von Wespen klingen rasch ab. So schnell wie das Anti-Histamin gewirkt hätte, meinte er. Und weil ich überzeugt bin, dass diese Wespen unter anderem der Kaffee-Broca den Garaus machen, plädiere ich dafür, dass wir ihnen ein „Habitat“ herrichten, um künftig unangenehmen Überraschungen zu entgehen.

Ich war gestern wieder einmal in Buenaventura, weil es mich auf Fisch und Meeresfrüchte gelüstete. Ich nahm auch die Doña Claudia und ihren Chilenischen Schwiegersohn mit. Sie ist ja äusserst tüchtig, kann sehr gut kochen, weil: Es interessiert sie halt. Und er ist ebenfalls erfreulich wendig, hat einen Laden aufgemacht und ich glaube, dass er clever ist, Er redet unkolumbianisch wenig und macht dafür etwas. Dein Namensvetter in Buenaventura schenkte mir wieder einen Riesensack voll Schalen von der „Titti“-Garnele, woraus ich literweise Fonds extrahiere. Eine Heiden-Arbeit gibt das. Weil das schwarze Bohnen-Extrakt unter der Zugabe dieses Fonds so schmackhaft wurde, nehme ich den Aufwand aber gerne auf mich. Sowieso ich mich in der glücklichen Lage sehe, die Crevetten-Hüllen, die möglicherweise wertvoller sind als ihr Inhalt, überhaupt verarbeiten zu können. Da nach dem Rösten ausgekocht (slow cook), stinken die Abfälle nicht und lassen sich leicht kompostieren. Das ist das Schöne hier, sämtlicher organischer Abfall ist problemlos, was an Karkassen und Knochen übrig bleibt, fressen die Hunde mit Begeisterung.

Es scheint, als würde sich die Kunde vom Wohlgeschmack des Lammfleisch langsam verbreiten. Es wird jetzt „produziert“, was gegenüber dem Rind ein Fortschritt ist. Der Schafskäse ist vielleicht Geschmacksache, aber mit Sicherheit ebenfalls sehr wertvoll.

Du siehst, ein „Bisschen“ tut sich alleweil. Herzliche Grüsse

Markus

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Die Cousine zur auditiven Kommunikation und meine Antwort

Lieber Markus

Dann ist das gut, dass der freche Brief von Tscheff eigentlich witzig gemeint ist. Das habe ich schon so gedacht, aber man weiss ja nie, wie etwas gemeint ist. Ich finde es jedoch lustig, wie Ihr Freunde miteinander kommunizieren und auch einmal ganz zünftig die Meinung sagen könnt, ohne dass jemand beleidigt ist. 

Dein Sauerkraut mit Rüebli und Ingwer sieht gut aus, auch der selbstgeräuchte Speck. Kochst Du denn Kraut und Rüebli zusammen und wie gibst Du den Ingwer dazu? Das würde ich auch mal versuchen.

Wie ich bereits einmal erwähnte, haben wir sehr viele Touristen hier. Ich habe für morgen Donnerstag ein befreundets Ehepaar zum Grillieren eingeladen. So fuhr ich gestern zum Supermarkt um ein schönes Steak oder auch Filet vom Rind zu kaufen. Die Beiden essen, warum auch immer, kein Schweinefleisch. Ich hatte allerdings Pech, weil ratlos vor leergeräumten Regalen stehend. Auch auf der andern Seite, wo sich für gewöhnlich das feine Iberico-Schweinefleisch befindet: alles leer. Obwohl 15.00 h, mitten in der Nachmittagshitze war der Laden punpenvoll. Nachdem ich noch ein paar Sachen zusammengekramt hatte, verliess ich die Stätte des Unbehagens. Dass ich bei meinem eigenen Auto an einem Kaugummi kleben blieb, gab mir dann grad noch den Rest. Um mich zu beruhigen ging ich in die bei mir nahegelegene Sommerbar ein feines Lachstartar essen! 

Dafür habe ich das Fleisch heute morgen in einem andern Supermarkt gekriegt!

Von wegen der auditiven Kommunikation noch etwas über mein Gehör. Ohne Hörgräte bin ich nahezu taub. Mit den Geräten kann ich noch einigermassen kommunizieren, so im kleinen Rahmen. Jedoch ist es mir unmöglich, mit dem Movil etwas zu verstehen, auch Whatsapp-Sprachanrufe kann ich nicht entgegennehmen. Ich benutze es für schriftliche Mitteilungen, um Witze zu verschicken, oder wenn auf der Strasse etwas passieren würde ich wenigstens die Polizei rufen könnte. Ich werde demnächst wieder mal zur Akustikerin gehen und fragen, ob sie die Geräte noch etwas besser einstellen könnte. Ich habe schon sehr viel Geld ausgegeben für alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel, die auch nichts mehr bringen. 

Deshalb ist skypen für mich noch eine Alternative, denn dann sitze ich meinem Gesprächspartner gegenüber. Ich habe noch einen grossen Computer mit zwei kleinen Lautsprecherböxli. Aber dann muss ich meistens eine Zeit vereinbaren, denn ich sitze ja nicht immer dran. Das ganze macht mich schon sehr sehr traurig. 

Liebe Grüsse, Elsbeth   

Liebe Elsbeth

Ich bin ja leider jähzornig, und ausserdem verstehe die Leute hier (manchmal) aus zweierlei Gründen nicht: erstens, weil ich schlecht höre und zweitens, weil sie so daherreden, dass die Rede eines Oberwallisers oder Andalusiers nur ein Vorwort wäre. Und dann schreie ich sie halt an: „Kannst du nicht reden wie ein Christenmensch?“ Zum Glück gibt es hier keine Muslime, sonst träfe mich wieder der Bannstrahl des Rassismus, die Voodoo-Praktizierenden oder die Indios sehen sich glücklicherweise durchaus in christlicher Gemeinschaft mit mir.

Mancherlei ist Frage des Glaubens, falls die Wirkung des nachstehenden Rezepts „fake“ sein wird und du trotzdem besser hörst, dann wäre das eine Frage des Glaubens. Nachstehend ein Rezept meinerseits, von dem ich das Gefühl habe, es nütze mir:

Bereite täglich zwei Tassen Tee mit dem Kraut von Brennnessel, Ginko Biloba und Moringa zu. Gib Ingwer und Kurkuma dazu, wenn du hast: frisch, und was ansonsten deinen Gaumen erfreut. Ich habe das Gefühl, dass ich, seit ich das Zeug trinke, besser höre. Wenn es Einbildung ist, dann ist es ja auch wurst. Es handelt sich aber um mehr als um ein „Nützt’s nichts, so schadet’s es nicht“-Rezept. Weil ja unbestritten alle Zutaten eine irgend positive Wirkung bringen. Füge einfach das bei, was du beim „Naturisten“ bekommen kannst! Ein wenig peinlich ist mir das jetzt schon, wo das Tante Bethli immer die Brennnessel gepredigt hat….. (und wir dazu böse gelacht haben)!

Ich werde Tscheff beauftragen, wahrscheinlich kann er es nicht, aber sein Sohn schon, Untertitel auf das Video zu brennen. Und plötzlich synchronisieren wir es auch noch Französisch, Spanisch, Englisch. Deutsch…

Viel Spass beim Guggen! Was das Sauerkraut anbetrifft: Du fermentierst den Ingwer und die Rüebli (Karotten) mitsamt dem Kohl. Den Ingwer reibst du einfach zum geschnittenen Kohl und der Karotten-Julienne dazu, wo du Salz dazu mischst. Wichtig ist, dass alles unter einem Stein beschwert unter „Wasser“ gehalten wird. Zwiebeln und Knoblauch kannst du gleich auch noch „mitfermentieren“, was viel Arbeit erspart.

Markus

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Die Cousine und der Dottore zum Tripp nach Feuerland

Lieber Markus

Da hat Dich aber Dein Freund Tscheff ganz böse runtergeputzt! Mit dem möchte ich nicht nach Feuerland reisen! Das würdet Ihr ja zu fünft machen wie ich sehe. Wer käme dann noch alles mit? Das ist ja, auch mit Auto, ein enormer Trip, der seine Zeit dauert. Kannst Du denn so lange von der Singapur weg, und wann würdet Ihr das machen, wenn überhaupt? 

Ich habe im Internet nachgeschaut, das muss sehr interessant und auch schön sein. 

Du hast doch auch Skype. Benutzt Du es oft? Das könnten wir doch auch mal machen, was meinst Du?

Liebe Grüsse, Elsbeth

Der Dottore:

Hast du vom „outofedenwalk.org“ schon gelesen? Herr Salopek versucht, die prähistorische Migration und menschliche Weltbesiedelung von Afrika startend bis hinüber nach Amerika und hinunter nach Feuerland zu Fuss nachzuvollziehen. Gestartet ist er 2013, mittlerweilen ist er in Indien unterwegs. So ich mich nicht irre, hat sich für das „Overland“ Abenteuer ein russischer Lastwagen wiederholt besonders ausgezeichnet (z.B. Dakar Rally). Auf dem Ladedeck lässt sich eine Art Container mit allem Lebensnotwendigen anbringen. Unverwüstlich und zuverlässig. Das Thema ist ungeheuer suggestiv: Fake und Fiktion? Route, Bequemlichkeitsbedürfnisse, verfügbare Zeit und Budget sind wichtige Leitplanken. Anzumerken ist, dass sich Herausragendes ausserhalb ausgetretener Pfade ohne Ortskenntnisse / Ortskundige nur schwer oder wenn, unter grossem Risiko (Lebensgefahr!) erkunden lässt. Viele andere Teile sind heutzutage von der Infrastruktur einigermassen ausgebaut („Grand Tour“) und eben nicht mehr das grosse Abenteuer, das sie einstmals waren (z.B. Ruta 40 in Argentinien). Das „Gängige“ ist weitestgehend mit dem Bus (Halbbett!) oder den Micro(-bussen) machbar, sowohl mit ordentlichem Mittag- und Abendessen als auch Bett in einer Herberge. Das Aussergewöhnliche muss dagegen mühselig recherchiert, kombiniert und sorgfältig organisiert werden. Der Versuch, erst vor Ort zu organisieren, kann nicht nur sehr anspruchsvoll, sondern sogar lebensgefährlich sein (kein Funksignal, kaum Verkehr, also niemand den man fragen könnte, keine zuverlässigen Karten, widersprüchliche Wegweiser, kein Wasser, keine Tankstelle, kein lokaler Vermittler im Konfliktfall, versteckte Landminen, grosse Ländereien in Privateigentum, für die eine Bewilligung nötig wird. Allenfalls strapaziert und gefährdet man sein eigenes Gefährt über Gebühr auf den ungewöhnlichen Pisten (wer repariert, wenn Ersatzteile überhaupt erhältlich wären?). Von Lokalmatadoren organisiert lässt sich unserer Erfahrung manches machen, ohne dafür eine allzu aufwendige Ausrüstung nötig wäre. Will man den „Ausnahmezustand“ oder den „Normalfall“ planen? So er denn überhaupt planbar ist? Ein rotes „Rotel“, ein rollende Hotel, machte ich in El Chalten (Cerro Torre / in der Gegen des Fitzroy) auf dem Vorplatz eines guten Hotels aus. Die darin reisenden „Abenteurer“ hatten die Wahl zwischen Hotelbett oder eben „Rotel-Schublade“. Das schwere Gefährt hätte bei vielen aussergewöhnlichen Pisten für ein Durchkommen sowieso gar keine Chance. Was wurde den Konsumenten da verkauft? Fake und Fiktion? Wie lässt sich Fiktion in Realität oder Realität in Fiktion überführen, oder wie wahrscheinlich ist die Wirklichkeit? Warum das glaubwürdig Unmögliche dem unglaubwürdigen Möglichen vorzuziehen ist, beschreibt T. Sträessle in einem empfehlenswerten Essay. Dazu mehr ein anderes Mal!

Cari saluti

F.      

Schaut her, sozusagen zum „Kommen und Gehen“: der Fruchtstand der abgebildeten Algarve ist über zwei Meter hoch, die Pflanze selber scheint am Absterben, aber sie treibt schon zum zweiten Mal so ein Ding, das hart wir Holz ist. Daneben der „Kletter-Spinat“, der vom abgestorbenen Avocado-Baum immer mehr Besitz ergreift. Avocados haben wir ja immer noch mehr als genug, obwohl sich Paco und Lula nunmehr auch nur noch gereifte Früchte im „richtigen Stadium“ zu Gemüte führen (lassen). Don Arturo guckt zu alldem, ich kann schon weg, aber natürlich nicht leichtfertig, wie es der Tscheff insinuiert. Für so einen Trip lohnt sich doch auch das Satelliten-Telefon, von dem ich immer weiter giften kann! Auch Cari saluti!

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Schreiben an den Dottore zum Tode einer Bloggerin

Ciao Dottore

Dass er über den Tod ob vermutlichem Suizid der Bloggerin Hingst erschüttert sei, schreibt der Spiegel-Journalist, der die Falschangaben von Hingst bezüglich ihrer jüdischen Vergangenheit offenlegte. Ich nehme ihm das ohne „Wenn und Aber“ ab. Es wäre mir nämlich durchaus auch peinlich, wenn sich die Thurgauische Nationalrätin Graf-Litscher wegen ihrer wenig ehrbaren Promotion spadirischer Medikamente umbrächte. Ich würde mich in dem Fall damit rechtfertigen, dass ihr Fehltritt ihrer Dummdreistigkeit zuzuschreiben ist, die sie peinlicherweise auch noch im Internet öffentlich macht. Nur ist ihre Rechnung insofern irrtümlich, als aus ihrer Broschüre* der Barmherzigkeit nicht nur hevorgeht, wie man allenfalls den Luxus des Konsums dieser zweifelhaften Medizin der Krankenkasse aufbürden kann, sondern auch ruchbar wird, dass diese der Feder einer Basler Pharma-Promotorin entsprungen ist. Für mich ist unerheblich, ob die Frau Graf-Litscher Geld dafür genommen hat. Wichtiger wäre, dass sie als Gewerkschafterin wissen müsste, dass die eigentlich Objekte ihrer „Obhut“ kaum mehr wissen, wie sie die explodierenden Krankenkassen-Prämien bezahlen sollen. Ihre Haltung ist: habt keine Hemmungen, nehmt was Väterchen Staat Euch feilhält. Aber das ist eine sehr einfältige Haltung, weil nämlich niemand, auch ein Schwarzer aus dem Busch nicht, gerne Gnadenbrot isst. Und weil das nicht beherzigt wird, eine Art Sozial-Konsum-Gesellschaft kreiert wurde, die in dieser Form nicht wünschbar sein kann und künftig keinen Bestand haben wird. Für mich ist aber noch viel erschreckender und beunruhigender, dass die Parteikollegen von Graf-Litscher, der für die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zuständige Bundesrat Alain Berset und die ehemaligen Konsumentenschutz-Koryphäe, Bundesrätin Sommaruga, über diese Art von Machenschaften genau im Bild sein müssen. Da wäre die Beweislast dringend umzukehren, um die Zweifelhaften zur Offenbarung zu zwingen: „Ich bin so blöd“, oder „ich weiss es, aber wer ohne Fehl, der werfe ersten Stein“ und „was kümmert’s mich!“.
Stichworte zu den Lebensläufen der zwei Bundesräte sowie der Frau Graf-Litscher lohnen, genauer betrachtet zu werden.

Frau Sommaruga:

ist diplomierte Pianistin, wie ich den herablassenden Worten von Alt-Bundesrat Blocher entnehme und mich nicht anschliesse. Dass man aber als Pianist/in oder Klavierspielender nur im äussersten Ausnahmefall wohlhabend wird, ist allgemein bekannt. Von daher ihre Karriere als Funktionärin in Sachen Konsumentenschutz.

Alain Berset war:

  • Assistent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für regionale Wirtschaftsentwicklung der Universität Neuenburg.
  • Gastforscher am Institut für Wirtschaftsforschung in Hamburg
  • strategischer Berater im Volkswirtschaftsdepartement des Kantons Neuenburg

Frau Graf-Litscher war:

  • gelernte Bahnwärterin, was keine Schande ist, und ebenso wenig, dass sie ob dieser Tätigkeit als Berufskollegen ihren künftigen Gatten kennenlernte, der heute als Pressesprecher und Lobbyist amtet. Es ist ebensowenig schändlich und gleichsam verständlich, dass sie sich beide aufgrund des Verschwindens ihres Berufsbildes eine neue Tätigkeit, im Fall der Edith Graf-Litscher, „Gewerkschaftssekretärin“, suchen mussten. Durch ihren erfolgreichen Gatten inspiriert, wurde sie auch:
  • Nationalrätin und
  • Lobbyistin der Pharmaindustrie.

Sollte dir nun Herr Bundesrat Berset als besonderer Niemand in die Augen gestochen haben, dann kann ich dich demgegenüber auf die zahlreichen Bücher verweisen, die Berset verfasst hat. Im Besonderen:

  • „Changer d’ère: pour un nouveau contrat gouvernemental“ oder
  • „Wechsel der Ära: für einen neuen Regierungsvertrag“

Ich möchte das Buch offen gestanden lieber nicht lesen, aber motiviert durch solche Klugscheisserei, die an Heuchelei gemahnt, werde ich nun ebenfalls ein Buch schreiben:
„Changer d’ère: ayez la grace et foutez le camp, cons!“ oder auf Deutsch „Neue Ära: Habt die Gnade and haut ab, Tötsche!“ Mit der Gnade ist die Einsicht gemeint, dass Heuchelei am Ende des Tages zur Gnade des Vergessens, nämlich Alzheimer, führen muss.

Das oben erwähnte ist keine parteipolitische oder weltanschauliche, sondern die Frage, wie die Welt mit tumben Funktionären überhaupt kutschieren soll. Dazu ist noch beängstigender, dass eine Figur wie die Deutsche Karrieristin, Ursula von der Leyen-Albrecht, Präsidentin der EU-Kommission wurde. Das stinkt nun wirklich zum Himmel und wird schlecht ausgehen. Dazu muss man nur den vermutlich in Auftrag gegebenen Artikel eines Wirtschaftsprofessors in der „FAZ“ lesen. Da wird der Einfachheit-halber die Volksrepublik China als Hauptproblem dargestellt, das es zu „lösen gelte“. Frau von der Leyen will also in der Beamtentradition ihrer überaus belasteten Herkunft mittels China als Feindbild die Zukunft der EU lösen. „On se fout de nos gueules?“ Jechter! Gott behüte! Gnad euch Gott!

Liebe Grüsse

Markus

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Den Tscheff Rotscher anschwärzender Brief an die Cousine

Farblich eintönig, geschmacklich aber sehr schmackhaft: Sauerkraut mit Ingwer und Karotten. Daneben selbstgerauchter Speck.

Hoi Elsbeth

Eigentlich hätte ich dir über meine Universal-Heilcrème oder Krem gegen Hautverletzungen und Schlimmeres berichten wollen. Und über dem Mann im Rollstuhl, der zwecks Verrichtung seiner Notdurft sehr wohl alleine aufstehen kann und auch das Bett selbsttätig aufsucht, aber sich ansonsten weigert, sich aus seinem Fahrstuhl zu erheben. Seine verzweifelte Familie wandte sich in ihrer Not an mich, nachdem ruchbar geworden ist, dass ich zwar keine übersinnlichen Fähigkeiten, aber zumindest solche Kontakte pflege. Aber stell dir vor, wenn ich jetzt da hinginge und den im Rollstuhl sitzenden wirkungsvoll anschreien würde: „Steh auf du Totsch, nimm deinen Rollstuhl und gehe hin!“ Eben, du spürst etwas! Man würde mich für denselbigen Erlöser halten und das wäre so brandgefährlich wie der unter dem Boden der Singapur vergrabene Goldschatz. Immerhin bin ich, unter Auswertung der Aussagen Dritter, darauf gekommen, dass das Opfer im Rollstuhl beim Holzfällen am Kopf getroffen wurde. Und dass es sich in seinem Fall um ein Blutgerinnsel handeln muss. Wie ich auf das komme? Wegen der Gotte Miggi selig! Die stürzte seinerzeit die halbstöckige Treppe ihres Hauses hinunter, weil sie ökologischerweise, oder besser gesagt: weniger aus Sparsamkeitsgründen als der Bequemlichkeit halber kein Licht gemacht hatte. Während die Gotte Miggi den Unfall anfänglich bagatellisierte und zugab, dass es unklug ist, sich im Dunkeln im Treppenhaus zu bewegen, konnte sie mir wenige Tage später keinen Kaffee mehr einschenken, ohne dass sich dieser nicht auf das Tischtuch ergossen hätte. Die Verschlechterung ihres Zustands motivierte die Gotte Maggi, einen andern Schuldigen für die erlittene Unbill zu suchen. Da kam ihr die Zugehfrau Emmeli gerade recht, die ob ihrem Putzfanatismus die Treppe so glänzend-glatt gewienert habe, dass sie, die Gotte Miggi, auf dieser ausgeglitten sei. Die Beschuldigte, ein Opfertyp, an der die Gotte Miggi genüsslich all ihre Launen ausliess, beklagte sich bei mir über ihr Schicksal, immer an allem schuld sein zu müssen. Ich tröstete sie mit dem Hinweis, sie solle jetzt einmal kein Totsch sein und die Ungerade gerade sein lassen. Die Gotte Miggi begab sich derweil ins Spital zur Untersuchung. Dort eröffnete ihr ein liebevoller Arzt, man müsse ihr den Schädel aufbohren, nachdem dieser vorgängig kahlgeschoren worden sei. Und durch die entstandenen Bohrlöcher werde wiederum das geronnene Blut abgesaugt. Die entsetzte Gotte Miggi, mit der Übeltäterin Emmeli als Stütze erschienen, schrie laut auf: Lieber sterben! Dem armen Emmeli fuhr die Theatralik der Gotte Miggi wie ein Stich ins Herz, so dass sie ebenfalls lauthals „Nein!“ sekundierte. Die Wirkung der Schreie abwartend, musterte die Gotte Miggi das Namensschild, das besagter Arzt als Etikette auf sich trug und las den Namen „Soundso“. „Sind sie jetzt nicht auch aus Münchwilen, wenn sie doch Soundso heissen?“ frug die Gotte Miggi heimtückisch den notorisch als Kinderschänder Verurteilten und bewies, dass ihr Gedächtnis beim Sturz keinen Schaden genommen hatte. Ihr erbleichende Peiniger offerierte unverzüglich eine medikamentöse Behandlung. Dessen ungeachtet legte sich die Gotte Miggi ab dieser Stunde ins Bett und erhob sich kaum mehr von diesem, vermutlich, um das Emmeli weiter zu strafen. Nachdem ihr Leben wider Erwarten kein Ende nahm, entschloss sich die Gotte Miggi theatralisch zum Umzug ins Altenheim, wo sich alle auf sie freuen täten. Dort lebte sie noch zwanzig Jahre liebevoll umsorgt weiter, bis sie, an sich gesund, an der Essenverweigerung verstarb. Aber im Ernst: Man sagt, dass solche Blutgerinnsel auch eine Charakterveränderung mit sich bringen können. Da ich mich nicht mit weiteren Zukunftsschauen mit der Indio-Frau belasten möchte, entschloss ich mich, nach bestem Wissen und Gewissen ein für solche Fällen höchstwahrscheinlich wirksames Gebräu aus Katzenkralle, Kurkuma, Ingwer und einem „Pferdeschwanzhaar“ genannten Kraut herzustellen. Daran befestigte ich die Etikette mit dem für den Patienten unverständlich-eindrücklichem Französisch: „Bouges-toi“. Das selbe soll übrigens wegen beförderlicher „Mikro-Blutzirkulation“ auch für Tinnitus und andere Gehörprobleme wirksam sein. Der Verunfallte nimmt die Tinktur jedenfalls zu sich und hat sich auch über die Massagecrème auf der Basis von Vaseline gefreut, die mir ebenso wie der „Repelente“ gegen Insektenstiche mit Lanolin sehr gelungen ist. Zudem parfümierte ich diese mit dem authentischen Klon des Markenwassers „Invictus“. Das Psychologische ist ja auch wichtig und wenn die Wirkung wie bei Placebo, so ist es ja auch recht. Aber eine nerventreibende Angelegenheit ist die Herstellung von Salben schon, wenngleich küchentechnische Kenntnisse bezüglich Emulsionen wie Mayonnaise oder Hollandaise sehr hilfreich sind. Aber jeder Emulgator, da natürlich, funktioniert wieder anders, und wandelt sich von flüssig zu hart; ich wollte Bienenwachs probieren und hatte keinen. Da erinnerte ich mich des Don Jairo, der mit der Bienenfarm, und rief ihn an und am selben Nachmittag hatte ich Pfund köstlich duftendes Bienenwachs auf dem Tisch liegen, das er mir mit seiner Frau vorbeibrachte.

Wie auch immer, du wirst nachvollziehen können, dass ich unter grossem sozialem Stress stehe. Und da kommt einer wie Tscheff Rotscher, der sich partout nicht unterordnen will und immer wieder an meinem Podestlein rüttelt. Weisst du, er gehört, wie dein seliger Götti und Onkel Viktor, zu den Personen, bei denen das Einfache urplötzlich grauenvoll kompliziert wird. Dass es einem, vor lauter Feintuning und künstlicher Intelligenz, kaum gelingt, mit ihm per E-Mail in Kontakt zu treten. Ich sage das ja nur dir, aber nachdem ich dank meiner phänomenalen Lernfähigkeit zurückgekrebst und bereit bin, in kruden Gefährten die Fahrt nach Feuerland anzutreten, deutet er das bereits wieder als Schwächezeichen meinerseits. Lies nachstehend sein freches Schreiben.

Dem Sohn des Paralysierten habe ich die zystische Akne hinweg gehext. Wobei interessant ist, dass die Hörner und Beulen wochentags verschwunden bleiben, aber montags, nach der Sonntags-Besinnung, er wieder mit einem Horn am Grind zurückkehrt.

Hallo Markus
Nachstehend meine wertvollen Überlegungen zu einer Reise von Kolumbien nach Feuerland betreffend eines in Frage kommenden Fahrzeugs.
Wenn wir zu fünft reisen, müssen wir uns überlegen, ob das mit nur einem oder aber zwei Fahrzeugen machbar ist. Varianten gibt es viele, aber einen trifft immer der Schlaf im (Dach)-Zel
t:

  • 2 Fahrzeuge 2 Sitzplätzen und je zwei Betten + 1 Dachzelt auf einem der Fahrzeuge
  • 1 Fahrzeug mit 5 Sitzplätzen und ein grosses Familienzelt für alle

Wenn Du als als Beckenrand-Schwimmer auf 4500 m.ü.M. nicht im Zelt schlafen magst, dann fällt letztere Option weg, ebenso die erste, weil einer immer der „Arsch“ ist, der in der Kälte pennt. (Das wärst vorzugsweise du, der ja seine Militärzeit immer so abfeiert und man deshalb annehmen darf, dass Dich „Lagerromantik“ anspricht. Ganz nebenbei bemerkt, hatte es bei meiner Dienstzeit der „Küsche“ immer gut: er war sowohl in der Nähe der Futtertöpfe als auch der Wärme der Öfen und musste nicht im Dreck herumsecklen wie unsereins. Zudem gab es immer irgendwelche offene Schnaps oder Weinflaschen und hohe Offiziere, die beim Käffelen blöd herumquatschten. Unsererseits haben wir es gerne wohlig warm, was eine Heizung bedingt. Was mich nun zum Thema Ausbau bringt:

Deine Unbedarftheit wie auch das penetrante Desinteresse betreffend der bisherigen Ausbauarbeiten an meinem Schweizer Wagen verleitet dich – wie bei allen meinen Unterfangen zur Illusion, es sei alles ein „piece of cake“ und liesse sich so schnell in ein paar Tagen erledigen.

Wie bei andern handwerklichem und informatischen Projekten befindest Du dich da aber wieder auf dem Holzweg! Das Ganze ist äusserst zeit- und kostenintensiv! Die benötigte Ausrüstung wie Heizungen, Frischwassertanks, Campingartikel etc. wird sich nicht oder nur sehr umständlich finden lassen, auch wenn Du der irrigen Meinung wärst, in Kolumbien finde sich jeder erdenkliche Artikel. Aber Kolumbien ist nicht das klassische Campingbus-Gebiet – was für das übrige Südamerika auch zutreffen dürfte.

Bevor über die Art und Weise der Fortbewegung keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, nach einer Karre Ausschau zu halten. Zwei Wagen auszubauen ist zu aufwändig, da könnte ich auch gleich meinen verschiffen. Du würdest dann im Anhänger schlafen, es gibt solche bei Billig-Bus-Reisen, in denen liegt man wie die Leiche in der Gerichtsmedizin in einer Schublade – sofern Du da überhaupt reinpasst. Hahahahahahaha

Also, bis Du Dich nicht herablässt und Dir handfest-reale (nicht realmagische) Gedanken über diese Reise macht, läuft bei mir gar nichts. Einmal an dem Punkt angelangt, wo Du einsichtig wirst, dass ich viel mehr von allem verstehe und Du ein Mega-Scrub bist, dann haben wir wieder eine Basis, auf der wir aufbauen können.

Und versuch nicht immer so zu tun, als würdest Du alles völlig überblicken, in der Regel kommst Du ohnehin Monate später mit Ideen, die meine waren, neu angekrochen und verkaufst diese, als ob sie auf Deinem eigenen kalten Kaffeekompost gewachsen wären. Also mich täuschst Du nicht mehr!

So isch das nämli!

Gruess, Rotscher

Und einer von mir an Dich!

Markus


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Der Dottore zur misslungenen 1.-August Ansprache

Ciao Direttore,

Danke, dass du dir die Zeit für eine 1. August-Nachrede genommen hast. Obwohl, viel zum Reden bist du ja nicht gekommen, vielmehr wurde viel dreingeredet und gestört. Es scheint, als wollten beim Prediger nur noch die Wenigsten eine Rede hören. Es kommt zu einer vom Zufall geprägten Zusammenkunft und beliebig wirkenden verbalen Interaktion. Waren Deine Bekannten wegen einer versäumten Einladung nicht teil, oder weilten sie am Strand, oder, für diesen Anlass auf dem Rütli? Und der im Plot gross angekündigte Alphornbläser kommt im weiteren Verlauf schon gar nicht vor. Also ist entweder erst gar nicht erschienen, oder eben sofort in die naheliegende Beiz seines Vertrauens, also die Bierhalle „gelber SVP-Grind“ zur Patrioten-Suppe enteilt. 

Ohne im Plot angekündigt zu sein, gesellt sich eine je Gruppe von ex-Jugoslawen und Nordafrikanern dazu. Caroline Emke hat zur Frage „was denn ein Nordafrikaner überhaupt sei“ nach den am Kölner Weihnachtsmarkt begangenen Delikten allerhand Kluges geschrieben. Erschütternder noch waren ad hoc Interviews mit zufällig ausgewählten Passanten auf einer starkfrequentierten Strasse der Innenstadt zur Frage: „Wie würden Sie einen Nordafrikaner beschreiben?“ Ein Sammelsurium an Antworten! Niemand kann das! Also ein „unsägliches“ Label, das wahrscheinlich von einem populistisch angehauchten Politiker stammt. 

Am treffendsten und zuverlässigsten in Sein und Verhalten beschrieben sind ausgerechnet die Kolumbianer! Ist das gewollt oder zufällig so? 

Suspekt und dennoch vielsagend sind die „Hongkong, Hongkong“-Rufe der Gruppe von Chinesen. Suspekt, denn nur konformistische Chinesen mit überdurchschnittlich positivem (digitalem) Kontostand bei der Vergabe von Punkten für Wohlverhalten dürfen überhaupt eine Auslandreise unternehmen. Insbesondere in das gelobte Land der direkten Demokratie –etwas, was einem Chinesen sich ganz und gar nicht vorstellen kann– dürften nur „gut beleumdete“ Chinesen reisen. War es demzufolge der Impakt des „Schweizer Geistes“ am Prediger, der „Hongkong, Hongkong“-Rufe auslöste? Die kuriose Gestalt mit Indianer Poncho und die im Handy wegen fehlerhafte Übersetzungs-Algorythmen unverständliche Ansprache können es nicht gewesen sein. 

Vielsagend, weil das Urbedürfnis der menschlichen Freiheit existentiell ist und früher oder später in jedem Wesen durchbricht. Und sei es nur die Freiheit, auf einem bedeutenden öffentlichen Platz in kurioser Bekleidung ein Wirrwarr vorzutragen oder/und sich trotz unterschiedlicher Herkunft und Ansichten vermeintlich friedlich auszutauschen.

In der „Geburt der Tragödie“ gibt es diverse Passagen über die Bedeutung von Mythen und noch mehr dazu, wie wichtig es sei, die Mythen fortlaufend mit Leben zu nähren, damit sie nicht blutleer dahinvegetieren und unbedeutend würden. Ob das (nomen est omen) von einem oder anderen „Zugewanderten“ zu wörtlich genommen wird und sie dazu veranlasst, völlig unvorbereitet die unwegsamen 47 Kehren zur Besteigung des Berg „Grossen Mythen“ auf sich zu nehmen? Um dabei und oben angekommen, diesen Schweizer Mythos mit allen (ramponierten) Sinnen zu erfahren?

Vorerst rätselhaft bleibt, wieso du und der Dottore für ihre Aktivitäten ins Gefängnis müssen. Auf „direktem Weg“, also ohne vorherige Anhörung und Untersuchungshaft? Bedeutet das, dass Chinesen, Russen und Venezolaner zwischenzeitig die Schweiz aufgekauft ihren wirksameren Justiz-Vollzug schleichend anwenden? Oder war der Alphornbläser in Tat und Wahrheit eine dir und dem Dottore feindlich gesinnte Person, die der Veranstaltung maskiert und versteckt nur kurz beiwohnte, um sicher zu gehen, den zwei grösstmöglichen Arschlöchern begegnet zu sein, um anschliessend dieses Gespann sinnbildlich für alle seine anderen Verbrechen bei der Polizei anzuzeigen? Weil nämlich der Sonderabteilung „Ansprachen und sonstiger ruhender Humbug“ keine Unregelmässigkeit bei der Rede-Bewilligungsprüfung auffiel. Die inzwischen legendär funktionierende Vernetzung der verschiedenen Polizeilichen Spezialabteilungen hätte nämlich in diesem Fall – von wegen Touristenfluten – verantwortlichen Blondi-Polizei* (—> Seepolizei), sofort gestattet, mit einem Frage-Rate-Spiel die Legitimation der Veranstaltung auch ohne Vorhandensein von Bewilligungspapieren festzustellen. Nein, es war dieser als Alphornbläser maskierte Spitzel, der zur unverhofft bedeutsamen Festnahme mit unmittelbarem Richterlichem Arrest-Entscheid verhalf! Und die rechtlich geschulten Herren Türler und Jositsch unterstützten und beschleunigten das Verfahren, weil eben immer die Freunde deiner Feinde die besten Helfer sind! Die offizielle Presse-Mitteilung des Herrn Cortesi bezüglich der Festnahme steht wegen polizeilich-ermittlungstechnischen Finten noch aus.  

„No hay mal que por bien no venga“ pflegts du in solchen Situationen zu sagen. Dieser Spanische Refrán erinnert an das Schicksal Cervantes, der einst im Gefängnis landete und dort den Urfunken seines Meisterwerks (Don Quijote) entwarf. Dem Dottore sind zwei Stellen aus dem Werk eingefallen:

„… que el hacer bien a villanos es echar agua en la mar.“ (Bösewichten Gutes zu tun, ist wie Wasser ins Meer zu tragen)

“… -Señor -respondió Sancho-, que el retirar no es huir, ni el esperar es cordura, cuando el peligro sobrepuja a la esperanza, y de sabios es guardarse hoy para mañana y no aventurarse todo en un día.” („Herr!“ erwiderte Sancho, „ein Rückzug ist weder Flucht noch ist Warten Vernunft, denn wenn die Gefahr grösser als die Hoffnung ist, dann ist es ratsam, heute für Morgen gerettet zu sein und nicht alles am selben Tag zu wagen.“

More to come?

Cari saluti

F.

Erstaunlich delikat: Huhn mit Maisfüllung.
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Tscheff Rotscher zur Ökologie in Ungarn

Bei der Lektüre Don F’s post kam mir unweigerlich kürzlich Vorgefallenes wieder in den Sinn.

Weisst Du noch, lieber Markus, wie wir in Tiborszallarsch auf der Veranda sitzend der Fliegenjagd frönten? Dann magst Du Dich sicher auch erinnern, dass sich die Seelen des geschändeten Gefleuchs bei Dämmerung mit Armadas stechwütiger Mücken rächten und uns für die am helllichten Tag begangenen Gräueltaten bestrafte!

Es waren noch keine krankheitsverbreitende Tigermücken – wie man sie aber nicht erst seit heuer in der Schweiz antrifft – aber auch in keiner Weise vergleichbar mit den weichgespülten „Muggen“ in der Schweiz. Ihre Bohrlöcher und die daraufhin anschwellenden Pestbeulen, welche tagelang juckend die Waden und Unterarme zierten, sind mir unvergesslich!

Gut erinnerlich ist mir der Umstand, dass es damals im nur sechzig Kilometer entfernten Städtchen Nyíregyháza keine vergleichbare Mosquito-Attacken gab, weil man sich dort eben zu helfen wusste. Die wöchentlich tief im Abendhimmel kreisenden Antonows waren nämlich ausgiebig sprühend unterwegs. Das hatte zur Folge, dass die nächtlichen Kessel-Gulasch Party im Freien nicht mehr fluchtartig verlassen werden mussten, während das bei uns auf dem Land gang und gäbe war. Ich will jetzt gar nicht wissen, was da versprüht wurde, aber es war unbestritten äusserst effektiv!

Diese Zeiten gehören nun der Vergangenheit an! Während man in der Schweiz vom Insektensterben spricht, leben die Mücken des ehemaligen Ostblocks weitaus komfortabler. Seit die EU die Vorschriften erlässt, was und in welcher Dosis zu sprühen ist, zwingt einem pünktlich zu Sonnenuntergang, die fröhliche -beim Tokajer versammelte- Runde zu verlassen und ins feinmaschig gesicherte Haus zu flüchten.

Ob des heutzutage in homöopathischen Dosen eingesetzte Öko-Kampfstoffs müssen die Menschen wieder leiden, so wie vom Schöpfer gewollt, derweil die Mücken Hi-Life feiern und sich frisch fröhlich kopulierend über ihre Blutspender lustig machen. Von daher wäre es angemessen sich darum zu kümmern, dass die Mücken gerecht auf die ganze EU verteilt werden.

Ja, und da wären noch die Avocados, welche in schier endlosen Lastwagenkarawanen von weiss der Teufel woher an unsere Regale gekarrt werden, währenddessen sie auf deiner Finca unbeachtet auf den Boden fallen und bestenfalls von Paco gefressen werden. Ich brauche diese überteuerten Früchte, welche kein Stadium zwischen Unreif und Fäulnis kennen, nicht in unseren Gestellen.

Ich verharre auf meiner Meinung, dass Gemüse und Früchte am besten schmecken, wo sie klimabedingt wie Unkraut wachsen und gedeihen können.

Es ist schon befremdend, dass man Esswaren um die ganze Welt transportiert, wenn ich aber zu dir fliegen möchte, um mir diese vor Ort zu Gemüte zu führen, will man mir ein schlechtes Gewissen anhängen.

Herzlich Rotscher

Anmerkung: Paco und Lula fressen jetzt auch nur noch gereifte Avocados und verschmähen, was am Boden herumliegt. Aber die gereifte Früchte lassen sie sich gerne reichen und munden.
Dodo wurde hier in Kolumbien jeweils ebenfalls in einen erbarmungswürdigen Zustand gestochen, die Schwellungen und Rötungen sind ja eine allergische Reaktion. Je weisser die Haut, desto schlimmer die Stiche.

Das ist Huhn mit Couscous und Gemüsebeilage mit Roten Beeten, um deren Überschuss abzubauen. Ist sehr sehr schmackhaft und auch gesund!
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1. August-Ansprache für den Dottore

Ciao Dottore

Es ist „gierig“, „geil“, „erregend“ oder was immer du willst, wenn man sich bitten lassen darf. Weil dem so ist, habe ich lüstern auf eine weitere Aufforderungen gewartet, eine Ansprache für den ersten August zu schreiben. Und vor lauter Warten habe ich den Termin verpasst und muss sie nachreichen, die 1. August Ansprache für den Schweizerischen Nationalfeiertag. Wenn man sich bitten lässt, kokettiert man mit dem „soll ich, oder soll ich nicht?“. Natürlich würde ich nirgends und nimmer eine solche Ansprache halten, bestenfalls als gutmütiger Totsch, aber das käme nicht gut. Aber ich kenne Deine Erwartungshaltung und liefere darum pflichtschuldigst. Ich tue dies in Form eines Drehbuchs. Ein Drehbuch sollte wohl die Fantasie der Schauspieler als auch der Zuschauer anregen, aber weil ich die Hauptrolle selber übernehmen muss, sind die „Settings“ im Folgenden erklärt.

Personen:
Ich, meine Körperfülle unter wallendem Indio-Gewand verbergend.
Der Dottore, black-tie, Gel-Frisur und Designer-Brille
Ein Alphorn-Bläser im Sennechutteli und Filzhut
Eine Gruppe Chinesischer Touristen mit Reiseleiter
Mathilde Balzli, Schweiz-Kolumbianerin aus Brugg
Mitglieder des Schweizerischen-Kolumbianer-Verein
Ein Schweizer mit ex-Jugoslawischem Hintergrund

Ort: In der Altstadt von Zürich, zum Beispiel vor dem Prediger. Passanten ziehen achtlos vorbei, ich winke ihnen zu, aber jedermann wendet sich desinteressiert ab.

Ich zum Dottore, (verärgert):
„Also das stinkt mir, meine Ansprache interessiert doch da keine Sau. Ist das auch richtig angekündigt? „

In diesem Moment, dem Dottore die Antwort ersparend, taucht eine Gruppe von fünfzig Personen auf, die mir -auf einem Podestli stehend- erregt zuwinken. Ich hebe befriedigt an:
„Liebe Miteidgenössinen, Liebe Miteidgenossen, Liebe Mitleidgeniessende….“


Der Dottore stupst mich, ich werde meines Irrtums gewahr und spreche lässig lächelnd, als wär’s ein Witz gewesen -die Peinlichkeit übergehend- weiter:
„Dann halt eben: Meine lieben Miteidgenossen seiende….!“

Aus dem Publikum ruft ein Herr mit dicken Brillengläsern:
„Wir alle Chinesen sind hihi, was machst du da? Du reden, ich erklären und übersetzen!“

Ich, mit jähzornigem Tobsuchtsanfall:
„Jo gopfertammi Siech nomol!“

Der Dottore, mir und dem Chinesen geistesgegenwärtig -und begütigend- auf das auf mich gerichtete Handy weisend:
„Da YouTube, du schauen Internet, mit Subtitel Deutsch, Englisch und Chinesisch. Und ein bisschen Publicity. Schpäter, Schpäter!“

Meine Brust schwellt und ich hebe in Schweizerdeutsch zickig in’s Handy winkend nochmals an:
„Hoi zämme, sooo lässig, dass ihr alli do sind, ich freumi au, dammer Gäscht us China bin üs händ, äh, jetzt mueni nomoll aafange..“

In diesem Moment trollt eine Gruppe von Ex-Jugoslaven daher, die mit gutturalem Schweizerdeutsch rufen:
„Was macht denn der Alte auf dem Podest dort?“

Der Dottore hindert mich daran, „Ihr tumme Sieche!“ zu rufen und so kommt es zu Verbrüderungsszenen zwischen den Ex-Jugoslawen und den Chinesen. Zu ihnen gesellen sich angeheiterte Nordafrikaner, derweil eine Stimme aus der Menge ruft: Ich bi Schwiizer und wohne in Timbuktu“ Meinen Poncho raffend, und das Manuskript meiner Rede neu ordnend, ändere ich diese spontan:
„Liebe Miteidgenossen Seiende! Liebe Zu- und Ausgewanderte! Liebe alle, die ihr da seid!

Ich wende mich heftig winkend dem Handy zu und schreie:
Liebe Grüsse auch ins Welschland und ins Tessin, oder einfach überall dorthin, wo man mich gerade hört oder sieht. Bonsoir! Bonne nuit! Hi everybody! I love you all! Buenas notsches, Totsches!

Meine Worte lösen Begeisterungsstürme aus. Der Dottore bittet mit beschwörenden Gesten um Ruhe, derweil ich den Applaus wie im Fernsehen mit dämpfender Hand anheize. Geistesgegenwärtig, wenngleich nur scheinbar fassungslos, lasse ich die Begeisterung über mich ergehen. Auch der Dottore fügt sich wie schicksalsergeben der Überwältigung und lächelt beifällig- und aufreizend gequält- in das weitergewachsene, tosende Publikum. Ich schreie:
Danke schön, danke schön, danke schön!

Noch lauter schreiend:
„Jetzt ist gut!“

Und beginne meine Rede, die trotz allgemeinem Unverständnis andächtig verfolgt wird:
„Liebe Miteidgenossen Seiende“

In diesem Moment taucht eine Gruppe fröhlicher Mitglieder des Schweizerischen Kolumbianer Verein -mit der für sie typischen Verspätung- auf.
Marlene Balzli (schreiend):
Viva Suiza, Viva los Suizos, las Suizas y los siendo Suizos, Viva Colombia, Viva los Colombianos, Viva las Colombianas y las siendo Colombianas. Viva, Viva!

Der Schweizer mit ex-Yugoslawischem Hintergrund:
Wa het die Mueter fürr ä Problem?

Marlene Balzli (weiter schreiend):
„Eres Huber, el referente?“

Ich bejahe. Marlene Balzli (noch lauter schreiend, in ihre Gruppe):
„Hemos llegado entonces! ¡Cállanse!“

Die Kolumbianer schweigen ob der Autorität der Frau Balzli, was eine allgemeine Beruhigung mit sich bringt und langsam gar andächtige Stille.


Ich, innerlich nachdenkend:
„Jetzt passt meine Scheissrede nicht mehr, ich muss improvisieren.“

In diesem Moment kommt mir die 1. August-Botschaft der Schweizerischen Botschafterin in Kolumbien in den Sinn, den diese per E-Mail an ihre Landsleute verschickt hat und zitiere sie:
„Die Schweiz ist eine Demokratie, auch Kolumbien ist eine. Die Schweizerische ist direkt, aber die Kolumbianische, wenngleich indirekter, hat auch solche Komponenten. Wir stärken die Beziehungen zu Kolumbien immer äh: Die Schweizer Botschaft stärkt die Beziehungen der Schweiz zu Kolumbien, sie stärkt und stärkt sie, äh, immer wieder auf’s Neue!


Dank der Schlichtheit des Botschaft der Botschafterin hab ich diese noch ein wenig im Kopf und fahre weiter:
„Um das gegenseitige Verständnis zu vertiefen…… So habe ich als Botschafterin, sagt die Botschafterin, beispielsweise Gelegenheit gehabt, den Kolumbianischen Senatspräsidenten zu treffen, um das gegenseitige Verständnis zu vertiefen. Hat sie selber gesagt. Auch, dass eine Gruppe Schweizerischer Deputierter, National- und Ständeräte unter der Leitung von „Senador Jositsch“, der auch Kolumbianer ist, weil er die Bande derart gestärkt hat, dass er die Kolumbianische Staatsbürgerschaft dafür bekam. Und die Handelskammer und eben diese Delegation hat in der Residenz der Botschafterin Fondue gegessen, oder Achiaco, weiss nicht mehr…“


Ich spüre, dass meine Rede aus dem Ruder läuft und krame wieder im Manuskript.
„Vor zweihundert Jahren hat Kolumbien anlässlich der Schlacht von Boyacá seine Unabhängigkeit erreicht! Mehr als fünfhundert Jahre früher, nämlich 1315, hat unsere Eidgenossenschaft bei der Schlacht von Morgarten die Tyrannei der Österreicher von sich geworfen. Also, ich muss jetzt historisch korrekt so sagen: die Tyrannei dieser Aargauer von Habsburgern aus Brugg bei Baden, von wo aus das ganze Elend über Madrid schlussendlich bis hin nach Kolumbien gelangte.“

Ich lausche dem überwältigenden Effekt meiner Worte nach, da ruft Marlene Balzli:
„Ich komme aus Brugg und es gibt überhaupt kein Elend dort! Ausserdem, wir sind Kolumbianer, können Sie nicht Spanisch esprekken?“

Der Mann mit ex-Jugoslawischem Hintergrund ruft dazwischen:
„Wieder diese Mutter!“

Frau Balzli empört:
„Ah, du bist einer von diesen Esweizer, die beim Fussballspielen im Fernsehen den Stinkefinger zeigen. Aber jetzt haben wir euch in der Tabelle verdrängt, weil Gott die Rassisten hasst.“

Da ruft der Mann mit ex-Jugoslawischem Hintergrund:
„Dafürr habt ihrr Drogen genug, um den Wicht zu dopen, derr die Tour de France gewonnen hat“

Die Chinesen rufen:
„Hongkonk Hongkong“

und enteilen vorsichtshalber. Glücklicherweise nähert sich die Polizei. Zwecks Vorweisung der bewilligenden Papiere für diese Zusammenrottung zwingt man mich, vom Podestli zu steigen. Der Dottore hat die Papiere zu Hause vergessen. Wir werden verhaftet.

So Dottore, im Gefängnis kannst du dir weitere Gemeinheiten ausdenken.

Lg Markus

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An den Dottore: nice que dice oder Apollinisch und Dyonisisch neu aufgerollt

Lieber Dottore

Gestern habe ich telefonisch mit Helensche mögliche Weiterungen im übersinnlichen Fall des „Monostatos“ diskutiert, ohne dass wir zu einem Ergebnis gekommen wären. Monostatos trägt seinen Übernamen übrigens (für alle, die das nicht mitbekommen haben) in rassistischer Übernahme der Bezeichnung des schwarzen Haremswächter Monostatos in der Mozart’schen Zauberflöte. Sobald es mir gelingt, für diesen Blog ein Ebenbild des türkischen „Bassa Selim“ auszumachen, werde ich mich wenigstens teilweise vom Vorwurf der Voreingenommenheit rein waschen.

Das „sachliche“ (apollinische) und das „rauschhafte“ (Dyonisische) -fürchterlicher Zungenbrecher- darf man nicht einfach damit abtun, dass Nietzsche irgendwann dem Wahnsinn anheim fiel. Oder er sich, da man zu seinen Zeiten von seiner Bildung gar eingenommen, er sich im Wahn darin verrannte. Aber trotzdem, du hast schon recht, es ist mehr als etwas daran. Das ganze Leben verläuft apollinisch-dyonisisch. Also, die Frau des Tscheff, was die Csilla ist, die hat bei mir das Apollinisch-Dyonisische astrologisch als derart kontrastierend diagnostiziert, dass eben daraus meine unselige Persönlichkeit resultiere. Dafür sind meine Kontakte, tierische und menschliche, häufig sehr fruchtbar.

Darum komme ich jetzt noch einmal auf meine Unterhaltungen mit dem „Pianisten“ zurück. Dieser führte das „Sachliche“ oder das „Rauschhafte“ nicht allein auf den Zeitpunkt der Schöpfung beziehungsweise jenem des Ausklingens des Tons zurück, sondern darauf, wie er eben wiedergegeben werde. Im Nachgang klingt das jetzt in meinen Ohren viel weniger geschwollen, als im Moment empfunden. Was mit meiner allgemeinen Skepsis etwas zu tun hat. Bei der Wiedergabe seines Beethoven „Mondschein“ mittels YouTube auf dem Handy, drängte sich als erstes die misstrauische Frage auf: „ist er’s oder ist er’s nicht?“. Weil er im Video keinen Zwirbelbart trug. Und er wiederum mein Unwissen bezüglich des Pedalgebrauchs bei eben dieser Mondschein-Sonate auf mein fremdsprachliches Unvermögen zurückführte und nicht auf die schlichte Tatsache, dass ich gar nicht Klavierspielen kann. Dieser Art ereignen sich transzendentale Momente, wo man sich gegenseitig nicht mehr richtig zuhört. Und er auf das Rauschhafte des Jorge Bolet hinwies, während dessen ich damit beschäftigt war, internetmässig herauszufinden, wer das überhaupt ist oder war.

Aber es kam dicker: dass Igor Levit, -der auf dem Olymp der musikalischen Anerkennung sitzende Pianist-, das Publikum verrückt mache. Glücklich, wieder Boden unter den Füssen zu gewinnen, erwiderte ich trocken, dass man das man seit Elvis Presley kennt. Nach des Pianisten Ansicht sei es aber ein anderes Verrücktwerden, und er suchte nach dem beispielgebenden „Marsch der Pilger zum heiligen Gral“, oder ähnlich, aus Wagner’s „Parsifal“. Und dann tschumpelten die Pilger, aus der Alexa gut vernehmlich, und mit Levit’s Lesart tatsächlich enervierend, zum „Gral“. Weisst du, Dottore, schon das Wort „Gral“ klingt in mir, oder wenigstens in meinem Widerspruchsgeist, nach Don Quijote, der wegen exzessiver Lektüre von Heldensagen ebenfalls irre wurde. Daniel der Pianist findet, dass es gar nicht darum gehe, sondern dass der Levit Igor es sich leisten könne, das Publikum mit solchem zu foltern. Mehr noch, gar politische Statements der linken Art in seine meistens betuchte Zuhörerschaft zu schleudern. Der Mann sei genial und in diesem Sinne „súper chevere“, was in diesem Fall „ultra cool“ meint. Unverständnis mimend warf ich ein, der Mann, Levit, wirke auf mich eher schmächtig.

Weisst du was, Dottore? Es spiegelt sich im Vorgesagten diese Kolumbianische oder Südamerikanische Begeisterung für die Fiktion. Alle Menschen Brüder würden und so ihnen das Glück hold, sie eines Klaviers habhaft und noch genügend dazu übend, zu einem „Igor Levit“. Und auch dann noch Brüder blieben, wenn sie wie Levit’s Kollege Lang Lang von einem haltungsbedingten Zimperlein ereilt, für’s Aufrauschen verhindert sind. Und es dann gelegen kommt, wenn man -dank hart erarbeitetem Ruf- wenigstens sneakers oder Badehosen verkaufen kann, und dazu noch das nach aussen gekehrte Innere.

Igor Levit ist ein Kind des digitalen Zeitalters. Es ist für ihn und sozial genug, dass er als grossartiger Pianist medial gegenwärtig sein kann. Und weisst du was, Dottore? Ich finde das ungeheuchelt „chevere“ oder eben „cool“. Dank dieser Tantiemen-losen Präsenz in YouTube erreicht er weltweite Präsenz für seine Anliegen. Sowieso, die Verbreitung klassischer Musik sei dank Internet stark im Aufwind. In diesem Sinne hätte der Stadtrat der Stadt Zürich dem Ansehen derselben mehr gedient, wenn er anstelle des „Tatorts“ die Verbreitung der Aufführungen der Zürcher Institutionen über Internet subventionieren würde. Dafür darf man auch Geld verlangen und es wirkt prestigeträchtig. Mancher zahlt gerne, wenn er nicht aus dem Haus muss und sich das Gebotene auf dem Bett liegend, die Stöpsel in den Ohren, auf dem Tablet mancherlei besser „hereinziehen“ kann, als an der Stätte des Geschehens. Ich weiss, „Mood’s“ macht das schon lange. Die Demokratisierung der Kunst mitsamt Tourismus-förderndem Blick auf die städtischen Schönheiten.

LG

Markus

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Brief an die Cousine zu Wasser und Avocado

Hoi Elsbeth

Aguacuate oder eben Avocados haben wir auf der Finca Singapur zuhauf. Damals hier angekommen, schien mir dies ein Reichtum ohne Grenzen zu sein und ich grämte mich, dass sie sich nicht unter die Leute bringen beziehungsweise verzehren liessen. Wobei wir, oder besser ich, alles daraus machten, was sich machen lässt: Eis, Smoothie oder eben Saft, Guacamole und andere Saucen. Vielleicht kannst du dich erinnern, dass in diesem Blog die Rede davon war, dass ein Konservenproduzent, der ein Rezept von mir wollte und der jetzt schon eine gräusliche Guacamole-Konserve produziert. Dort reifen die Avocados klimatisiert, nicht zu warm und nicht zu kalt und mit Musik berieselt. Klassische sei am besten. Hier ist es eben so, dass vom Überfluss stammende Produkte keinen kümmern, mittlerweile nicht einmal mehr mich. Das gehört zum Kulturschock, mit dem man fertig werden muss. Was die Avocados betrifft: ein wenig bräunlich schadet (noch) nichts, erst wenn’s dunkler wird, wird’s bitter. Wie beim Rassismus! Ansonsten reifen sie in Zeitungspapier eingewickelt an einem eher kühlen Ort am besten. In Europa wird meist eine kleine dunkle Sorte namens „Hass“ verkauft. Die gilt hier als die beste, was sein kann. Die grossen haben halt den Nachteil, dass eine Einzelmaske mit deren Konsum überfordert ist. Also, wenn der Stein drin bleibt und mit etwas Zitronensaft, wird sie nicht schwarz. Auch in einer Sauce nicht.
Rezept: Avocado mit Petersilie, Knoblauch, Olivenöl, einem Spritzer Orangensaft, Salz, Pfeffer und ein paar Tropfen Soyasauce (ansonsten Maggi) pürieren. Lässt man den Stein drin, lässt sich das wie eine Mayonnaise aufbewahren und zu was auch immer, oder auf’s Brot gestrichen, verzehren. Das ist nicht nur wohlschmeckend, sondern soll auch gesund sein. Superfood eben, schmackhaft, gesund und, für den der’s glaubt, sogar schlankmachend. Ich persönlich kann es mir nicht leisten, dies zu behaupten.
Die Logistik, bis die Avocados in den Handel kommen, ist halt aufwendig, aber ich hatte schon damals in der Schweiz keine Lust, fünf Franken oder so in den Abfall zu werfen. Du würdest wohl am besten dort hinreisen, wo sie bei dir herkommen, auch Pfirsiche etc., eben bei einem dortigen Obstbauer. Der dir Früchte reif verkauft. Ich nehme an, die gibt es dort, wo das Wasser herkommt. Ohne Bäume kein Wasser. Zur Beschaffung müsstest du vielleicht eine „Gemeinschaft“ gründen, so etwas wie ein Tupperware-Abend, damit die reifen Früchte innert nützlicher Frist konsumiert werden.

Erinnert dich das an etwas? Früher sagte man über jemanden, „sie“ oder „er“ ist in einer Gemeinschaft. Und dann hatte das den Beigeschmack des Bigotten, eben jenem der Glaubens-Gemeinschaft. Aber wenn sich das etwa auf die Beschaffung von frischen Landwirtschaftsprodukten beschränkt, bleibt der Begriff unbelastet. Im Gegenteil, ich denke, der Kontakt zu einem Bauer bringt in der einen oder andern Form immer einen Gewinn. Indem man es wagt, der grauenvollen Massenware geschmackloser Produkte, die ansonsten in den Norden exportiert wird, die Qualität des Saisonalen oder Lokalen entgegen zu setzen. Ich weiss, dass es sie in den Anhöhen, wo du lest, noch gibt, der Kontakt mit ihnen kann ergiebig sein. Aber auch derjenige unter Mitkonsumenten kann etwas bringen: was mache ich mit diesem, und was mich aus jenem.

Von all den Landarbeitern, die auf der Finca Singapur gewirkt haben, ist Don Arturo der einzige ist, der den ökologischen oder besser eigentlich: den traditionellen Landbau (noch) versteht. Weil sein Vater ihm das als kümmernder Erzieher sozusagen als Tradition weitergegeben hat. Wo jetzt Peperoni und Tomaten und mehr auf einmal Geschmack bekommen haben, scheint mir das hocherfreulich. Wichtig ist, dass man weiss, um was es geht und vergleichend entsprechende Speisen zubereiten oder probieren kann. Ein Produzent von was auch immer muss wissen, um was es geht und sein Produkt mit den passenden Worten sozusagen als Machtentfaltung verkaufen. Weiss er es nicht, muss er gar sehr in der Trickkiste der Marketing-Schwätzer herumklauben.

Ich mag nicht verschweigen, dass meine jetzigen Kollaborierenden allesamt Mitglieder in der selben Glaubensgemeinschaft sind. Und dass das niemanden, insbesondere mich, zu stören braucht. Weil sie fröhlich sind und an ihrer Arbeit Spass haben. Mehr noch, wenn es in einer Gemeinschaft zu einem Austausch ohne Eiferei kommt, mag das gar zu Fortschritt führen. Daher habe ich vor, auf der Singapur Seminare für junge Städter durchzuführen, an denen sie etwas über den vielfältigen Landbau Kolumbiens und die „Gut-und-Günstig“-Küche lernen. Wenn der Pablito das Predigen in der Gemeinschaft praktiziert, kann er es bei mir auch gleich tun. Nein, im Ernst, es geht weniger ums Predigen als ums erklären. Oder darum, dass man das tut, was man kann.

Demnächst komme ich wieder mit einer Predigt, ich kann’s nur schriftlich!

LG

Markus

Die erwähnten Bohnen, hier mit „Pimentón und Zwiebel“.

PS: Die besten Bohnen habe er in London gegessen, behauptete mir gegenüber J.P. der Weltenbummler. Angesichts der grobschlächtigen, die ich ihm servierte. Du wirst mir glauben, dass ich mich sehr ärgerte. Hier oben jetzt meine Rache: feinste feine dünne Stangenböhnchen, die man direkt in Butter dünsten kann….. köstlich! Leider sind sie gekauft, aber wir haben schon die Samen herausgeklaubt. So Gott will….!

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