Brief an den Dottore zu Tuna (Nopal), Aloe Vera und Kurkuma

Ciao Dottore

Den genannten Früchten der Natur gemeinsam ist, dass sie, wenn man den Hymnen im Internet über ihre Segnungen glauben schenken will, der Gesundheit überaus förderlich sind. Die Knollen beziehungsweise das Rhizom der Kurkumapflanze kann ich frisch bei Cañaveral erwerben, Don Arturo hat jetzt einige davon zum Anwachsen in Erde gelegt, motiviert von daher, dass ihm die Maissuppe mit Kurkuma sehr geschmeckt hat. Aloe Vera werden ja viele Eigenschaften nachgeredet. Mit Sicherheit zutreffend ist, dass bei der Rasur nach dem Anschmieren von Aloe Vera diese „reibungslos“ beziehungsweise frei von Irritationen abläuft. Dass Kurkuma dem Curry seinen typischen Geschmack verleiht und dessen Inhaltsstoffe gesundheitsfördernd sind, lässt sich nicht bestreiten. Bedenklicher sind die Mythen, die sich um vielerlei Gaben der Natur ranken. Davon wäre doch manches viel zu schön um wahr zu sein. Aber Mythen in diesem Sinne haben etwas tröstliches, weil sie die einfache Lösung eines (meistens gravierenden) Problems versprechen.

Auf die sogenannt gesundheitliche Seite der Ernährung stosse ich immer über den „Wohlgeschmack“, unter anderem dem Fermentierten wegen, oder dieser „Fonds“ beziehungsweise Brühen. Über das aus letzteren gewonnenen Collagen referiert in Youtube wiedergegebenen Konferenzen eine Spanische Greisin mit überraschend wachem Geist namens Ana Maria Lajusticia. Eigentlich ist ihr Lebensthema das Magnesium, dessen Mangel sie eine Vielzahl gesundheitlicher Defekte zuschreibt. Und auch die Kombination von Magnesium mit Collagen, was sie unter ihrem Namen auch verkauft(!), sowie das Abwägen der Zuträglichkeit des Cholesterols. Ganz ohne Haken gelingt es trotz aller Überzeugungskraft auch der alten Dame nicht, alle Zweifel über ihre Sicht auf die Chemie des menschlichen Körper auszuräumen. Trotzdem, ihre Vitalität in den Neunzigern und ihr Humor machen ihre Theorien sehr einnehmend.

Nopal, hier auch Tuna genannt, oder auf Deutsch Feigenkaktus, wie er hinter dem Haupthaus der Finca Singapur wächst.

Der Geschmack zwischen Spargel und Artischocke des Nopal ist interessant. Man muss ihn geschnitten eindämpfen, damit das Mark keine Fäden zieht. Übrig bleibt ein Gemüse von der Konsistenz vergleichbar der Essiggurke. Im Bild Nopal am Hang hinter dem Haupthaus der Singapur. Dort wird jeglicher Humus vom Regen weggeschwemmt, der Nopal wächst aber auch auf purer Vulkanerde. Weil man einfach ein Blatt in die Erde steckt und dieses dann anwächst, eignet er sich für die Wiederbesiedelung von erodierten Flächen. Anscheinend wird in Süditalien ebenfalls Feigenkaktus angebaut. Beim Zubereiten wird es ähnlich sein wie mit der Artischocke: mit Petersilie, Knoblauch und Basilikum. Bei deiner nächsten Visite wird dir das aufgetischt. Und zum Frühstück ein Smoothie aus Kurkuma, Nopal, Aloe Vera, Kurkuma und etwas Honig. Das schmeckt überraschend gut!

Bis dahin viele Grüsse

Markus


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Brief an die Cousine zur Anpassung

Hoi Elsbeth

Eine Bekannte in der Schweiz, mit der ich letzthin einige Male telefoniert habe, äusserte sich in einer für mich geradezu erschreckenden Weise zum von ihr empfundenen Stand der Umwelt. Über Rückstände im Trinkwasser, die nicht einmal mehr die Natur herausfiltern kann, Antibiotika, Drogen, Östrogene, was immer du willst. Ich hatte bisher immer nach dem Motto gelebt, dass man daran ja sowieso nichts ändern kann, und dass es durchaus ok ist, wenn Flugzeuge aufsteigen, um die Plage der Stechmücken zu mildern. Kannst du dich erinnern, zu Zeiten unserer zarten Jugend pflegten schon Flugzeuge aufzusteigen, um die Plage der Maikäfer zu bekämpfen. Beim damaligen Stand der Technik dürfte es sich um DDT gehandelt haben, ein der Volksgesundheit wenig zuträglicher Wirkstoff. Das Sprühen mit dem Flugzeug, zielgenau natürlich, fast auf dem Millimeter, wird heute auf der ganzen Welt gepflegt. Auch im Valle werden die Zuckerfelder so bearbeitet und eben nach der Ernte abgebrannt. Glyphosat-Bayer -von der übernommenen Tochtergesellschaft und Erfinderin Monsanto „Round-Up“ genannt- wird auf grossflächigen Werbetafeln immer noch als Weg in eine glücklichere Zukunft gepriesen. Ach, schon wieder dieser Fingerzeig über die Schweizer Grenze, wo doch auch die Schweizer Syngenta sich sehr um das Fortkommen der Andenvölker bemüht. Mit Gen-Mais, der sich nicht reproduzieren lässt, dafür dem Maiszünsler widersteht. Und einer riesigen Palette von Pflanzenschutzmitteln, deren sachgemässe Verwendung dem geistig weniger bemittelten Campesino von geschultem Verkaufspersonal näher gebracht wird. Da fällt mir die Tochter der Rosmyra ein, letztere, die Rosmyra hat ja ihre Kurzwarenhandlung in eine lukrativere Freikirche umgewandelt, während ihre Tochter als „Ich-AG“ im chemischen Pflanzenschutz aktiv ist oder war. Ich habe schon seit längerer Zeit nichts mehr von beiden gehört, möglicherweise ist ja die Tochter mittlerweile an Krebs verstorben. Nicht, dass ich es ihr wünschen täte, aber erstaunen würde es mich wiederum auch nicht. Sie pflegte mit vollbeladenem Pick-up durch die Gegend zu brausen und füllte aus grossen Kanistern die für die Kleinbauern adäquate Menge an Chemikalien um. Und tat so Gutes, indem sie die Segnungen der Neuzeit auch in den letzten gottverlassenen Winkel brachte.

Auch unsere Orchideen wurden teilweise mit Chemie gegen einen Käfer, Babosa genannt, am Leben erhalten. Damit ist jetzt Schluss, Don Arturo besprühte sie heute mit einer Brühe aus Pepperoncino Typ superscharf und Knoblauch. Das hat im Gegensatz zu meiner vermoderten Brühe aus Quassia-Holz gar noch sehr appetitlich gerochen. Aber die Orchideen leben von Natur aus vom vermoderten Holz und dies kann je nach dem überriechend sein.

Nein, Rosamunde Pilcher ist mir jetzt wieder etwas vergangen, obwohl mich die überkandidelten Gärten und die immer gleichen spinnerten Stories sehr amüsierten, oder mindestens nach durchwachter Nacht einschläferten. Aber letzthin musste ich ein krasse Fehlbesetzung erdulden, die dann doch störte. Da wollte eine als Tatort-Kommissarin abonnierte Schauspielerin das Oberhaupt eines Clans abgeben, was der Sache den kitschigen Charme raubte. Die Kostüme hingen an ihrer sportlichen Figur wie die Fetzen einer Vogelscheuche und sie stakste mit Stöckelschuhen herum, als wären es Holzböden. In einer falschen Umwelt echt zu wirken, das geht halt wirklich nicht.

Eben, man muss sich anpassen, so habe ich heute gegrillte Maiskolben gegessen. Die hatte ich gestern kräftig mariniert. Das war noch nie meine Leibspeise. Vielleicht das nächste Mal mit Kräuterbutter? Die Bohnen, die Don Arturo im Bild drischt, sind auch billig zu kaufen. Aber der Düngeeffekt und das viele Fasermaterial für den Boden machen es aus.

Einstweilen liebe Grüsse

Markus

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Der Dottore zum Wutbürger

Ciao Direttore

Spero tutto bene da te!

Ad deutsche Politik im Blog: Ich habe mir diese Woche nach langer Zeit wieder die eine oder andere deutsche politische Sendung angeschaut. Das SPD-Debakel und wie diese ach so soziale SPD zum wiederholten Mal äusserst unsozial und unzimperlich mit Verantwortungsträgern in den eigenen Reihen umgeht (warum wohl?). Oder wie die Erneuerung und Themensetzung verschlafen wurde, obwohl dies zum X-ten Mal seit 2006 auf der Traktdandenliste des Parteikongress steht und sich trotzdem nichts getan hat. Oder wie in der Groko die Meriten immer der CDU und die Schlamassel der SPD zugesprochen werden. Es ist nicht uninteressant, politische Sendungen oder Parlamentsdebatten verschiedener Länder anzuschauen und daraus Vergleiche anzustellen. Während die Italiener Spezialisten in „aria fritta“ sind produzieren die Deutschen inzwischen auch viel warme Luft und Ablenkungen aller Art.

Etwas eigenartig scheint mir dein Zugang über die entwaldete Kastilische Hochebene, wo sich doch Deutschland mit weit grösseren gemauschelten Umweltdebakeln hervor tut: Gorleben, Diesel-Skandal, illegale Gift-Schlacken-Entsorgung in Süditalien und Afrika, die Scheinwelt der CO2-Zertifikate, die problematische Bahninfrastruktur etc. etc.

Zu „Wir schaffen das“ habe ich vom Philosophen Sloterdijk den Konter aufgeschnappt, „es gäbe keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung“ (eines Landes; wirtschaftliche Untragbarkeit für die Rentensysteme und soziale Netze). Das grenzenlose altruistische Samaritertum des neuen Testaments sei nirgends verwirklicht und die Verfechter dessen seien zudem oft suspekt.

Was ist ein „Wutbürger“ überhaupt? Ich hatte den Verdacht, der Begriff werde politisch instrumentalisiert (Sarazin, Stuttgarter Hauptbahnhof) und eher ein Novum in deutschen Landen. Ich empfehle die Lektüre des folgenden Beitrags: https://sciencefiles.org/2015/10/26/wutbuerger-und-furchtbuerger/

Daraus die Konklusion: „Die Furchtbürger in den Redaktionen der Medien, wo auch immer sie sitzen, jene Furchtbürger mit Hang zur Unterwerfung und Ehrfurcht, welcher sie als perfekte Untertanen qualifiziert, sie empfinden nackte Angst vor den von ihnen als Wutbürger wahrgenommenen Demonstranten und deren latenter Drohung mit Aggression und Verachtung. Wenn sich Bürger auf die Straße über Politiker empören, die aus Sicht der Furchtbürger die Obrigkeit sind, dann wenn man die Empörten als Wutbürger bezeichnen kann, so die Hoffnung der Furchtbürger, würden eben diese Wutbürger kleinlau, beschämt, in sich gehend und, vor allem: würde verschwinden, aus der öffentlichen Wahrnehmung, weg aus der doch schönen Welt. In dieser stellen sie eine Bedrohung für die Obrigkeitsgläubigkeit dar, die die Furchtbürger tief verinnerlicht haben. Für den Fürchtigen ist jeder vom eigenen Desinteresse abweichende emotionale Ausdruck eine Bedrohung. Entsprechend muss die vom Furchtbürger erfundene Bezeichnung „Wutbürger“ nicht unbedingt bedeuten, dass Wutbürger Wut tatsächlich Wut empfinden, sie sagt nur, dass sich Furchtbürger vor der vermeintlichen Wut der Wutbürger Wut fürchten. Und diese Furcht, sie macht ihnen Angst.“

„Ein Mensch, ein Bürger hat ein „Emotionenportfolio“, das „neben der Wut noch Freude, Traurigkeit, Furcht, Überraschung, Vorahnung, Akzeptanz und Ekel als primäre Emotionen enthält.“ 

Ich meine, die Begrifflichkeit „Wutbürger“ ist bei dir Fehl am Platz. Der Wutausbrüche, die definitionsgemäss Politiker und Obrigkeit betreffen, sind in meiner Wahrnehmung und Erinnerung eher wenige (z.B. Wasserversorgung, Schweizer Konsulat in Cali, gelegentlich die Polizisten) und dort scheint mir die Wut eher eine Bürgerwut zu sein, aus empfundener Irritation, Humiliation oder Ungerechtigkeit (nach der Richardson Typologie). 

Kannst du mit dem sozio-/psychologischen Begriff „Unverfügbarkeit“ etwas anfangen? Ich hörte davon im Radio, wegen Pfingsten wurde – angelehnt an einem Essay von Hartmut Rosa über die Unverfügbarkeit –  dargelegt wie Religion als ein Mittler von Unverfügbarkeit gesehen werden könne. Ich fand eine Besprechung dieses Essays im Deutschlandfunk, daraus:

„Resonanz zeichnet sich nach Rosas durch vier Merkmale aus: Einmal durch „Berührung“ oder „Anrufung“ (etwas muss uns ergreifen, innerlich berühren), darauf muss es zweitens eine Reaktion in Form einer Antwort geben (ein Schauer läuft einem über den Rücken), wodurch wir uns drittens in unserem Weltverhältnis verändern (neugierig werden, wach bleiben, nicht verstummen). Und viertens gehört laut Rosa das „Unverfügbare“ wesentlich zu einer gelingenden Resonanzerfahrung dazu, die ausbleiben kann, obwohl offensichtlich alle Bedingungen für ihr Eintreten erfüllt sind: Resonanz lässt sich weder planen noch akkumulieren. Darin sieht Rosa ein sich zuspitzendes Problem. Hineingeboren in die spätmoderne Gesellschaft sind die Menschen fixiert darauf, beherrschen zu wollen, abzuarbeiten und effizient zu erledigen, was getan werden muss. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Bei der „Unverfügbarkeit“ haben wir es mit einem zentralen Problem der Moderne zu tun. Die Lösung des Problems besteht nicht in der permanenten Verfügbarkeit. Die Annahme, dass wir Resonanz erfahren, bekämen wir nur die Welt endlich in den „Griff“, erweist sich seiner Meinung nach als ein Trugschluss. In den Bereichen, wo es möglich ist, muss dem „Unverfügbaren“ Raum gelassen werden, da nur so Resonanzerfahrungen, nach denen wir uns sehnen, möglich sind.“

Um den Bogen zum Blog und dem für die Schiffsarmada benützten Holz zu schliessen: ich sah einen neuen Beitrag von FleurAustrale.fr, die vierköpfige Family um Segelguru Gauthier auf Weltreise auf ihrer Ketsch, diesmal im Gebiet Burma und Bangladesch. In einem Hafen in Bangladesch stiessen sie auf Holz-Schiffbau ähnlich dem von vor 200 Jahren oder mehr. Bangladesch besteht zu einem grossen Teil aus den Flussdeltas von Ganges und Brahmaputra. Beunruhigend ist der prognostizierte Klimawandel, besonders die steigenden Wasserpegel: + 1 Meter Meereshöhe, – 30% vom Land, davon sind ca. 20 Mio Personen betroffen!   

Buona domenica 🙂

F.

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Nachtrag an den Dottore zur Totenwache

Ciao Dottore

Also wenn ein Kind das andere erschiesst und der (zuständige) Vater die Waffe dafür zur Verfügung hält, dann hat das auch für abgebrühte Kolumbianer etwas Pikantes. Die traditionelle Totenwache gestattet es jedem Interessierten, unter dem Mäntelchen der Anteilnahme Maulaffen feilzuhalten. Aufgrund des grossen Andrangs fiel es mir zeitweilig schwer, mir mit dem Fortuner-Traktor Zugang zur Finca Singapur zu verschaffen. Ein wenig erinnerte alles an die absurde Kurzgeschichte „Los funerales de la mamá grande“ von Garcia-Marquez. Als unmittelbarem Nachbarn hätte es mir wohl angestanden, mich ebenfalls beim aufgebahrten Kind einzufinden. Aber weil ich weder agonisierende Sterbende noch blutüberströmte Leichen filme und mich auch ansonsten am fremden Leid nicht zu ergötzen pflege, habe ich mir das geschenkt. Für mich war das Erlebnis bizarr genug, im Auto durch den Menschenauflauf zu fahren, spiessrutenmässig sozusagen, und unfreiwillig einen Augenblick lang den starren Blick des kindlichen Kindsmörder zu erwidern.

Aber weisst du Dottore, das soll mich nicht anfechten. Ich habe mich, und das begeistert mich jetzt, notgedrungen selber an die Herstellung von Garbanzo-Burgern gemacht. Und wie immer in solchen Fällen ein besseres Resultat erzielt. Mit der ganzen Kräuterpalette, Zwiebeln, Knoblauch, gerauchten Aji und, vor allem, frischer Kurkuma-Wurzel. Von wegen, meine verfärbten Kunstnägel habe ich mir kostenpflichtig wieder abmontieren lassen. Die Garantie sehe das Hantieren ohne Handschuhe mit Kurkuma nicht vor. Die Nägel sind jetzt halt auch wieder gelb, aber das könnte ja noch ein Markenzeichen meinerseits werden. Frau Nestlé kann jedenfalls nicht konkurrieren, zusammen mit einer japnesischen Sauce, gegebenenfalls nur Soja, ist das ein Gedicht.

In der Galerie in Buga habe ich vor ein paar Wochen eine Dame namens Angela kennengelernt, die ebenfalls in den Kräutern wühlte, weil sie in ihrem herrschaftlichen Haus Anlässe für zahlende Kundschaft zelebriert. Das ist in Kolumbien recht populär, weil sich die Gastgeber in solcher Umgebung auch selber herrschaftlich fühlen können. Zahlen tut man ja so oder so. Nicht, dass ich mir solches auf der Finca Singapur wünschen würde, aber anscheinend möchte sie ihr Angebot mit meinen Produkten anreichern. Auch auf die Coppelia hat sie ein Auge geworfen. Man wird sehen, es würde einigermassen in meinen Alltag passen. In meinem Alter stellt man sich nicht mehr selber an den Herd.

Im übrigen harrt jetzt der junge Mais meiner. Ausser für Polenta hatte ich bis zum heutigen Tag für Mais wenig übrig. Aber das wird sich ändern, man kann ihm gegen die Süsslichkeit ja mit Fermentation und Pikanterie auf den Leib rücken. Glaub mir, dass das spannend wird.

Fast vier Meter hoch ist diese wild wachsende Maisstaude. Eben kein gentechnisch manipulierter Hybrid!

So, auf bald wieder, take care!

Markus

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Brief an den Dottore zur neugrünen Welle

Ciao Dottore

Wenn du im Anflug auf den Flughafen Madrid-Barajas aus dem Fenster guckst, dann präsentiert sich dir die Kastilische Hochebene in der immer selben Kahl- und Kargheit. Was sich in den letzten zwei Jahrzehnten geändert hat, sind die auf den Bergkanten installierten Windräder, die ihre rotierend-irritierenden Schatten auf diese ursprünglich bewaldete Landschaft werfen. Kahl ist diese Hochebene, seit die Spanier mit den aus dem Holz dieser Wälder gebauten Schiffen auszogen, den Rest der Welt zu unterwerfen. Diese seit Jahrhunderten klaffende Umweltwunde trachtete die EU mit Unterstützungsgeldern für die Wiederaufforstung (reforestación) zu heilen. Wenn du die staatlichen Spanischen Verordnungen zum Thema liest, dann wird es dich nicht wundern, dass dieses hehre Unterfangen keine nennenswerten Spuren hinterlassen hat und das Geld, so ist zu befürchten, dort steckenblieb, wo es dies eben zu tun pflegt.

Ich wage daher einen Gedankensprung: hat demnach der flapsige Rapper „Rezo“ mehr als nur ein wenig recht, wenn er die Deutschen Regierungsparteien als am Umweltdesaster mitschuldig sieht. Indem sie die erwähnten Subsidien an Spanien als Exportschmiere sahen, und es einfach ist, dem Brüsseler Wasserkopf die Schuld in die Schuhe zu schieben. Um ein Jahrzehnte altes Beispiel zu nennen.

Wertet man die Lebensleistung der beiden gewesenen Parteivorsitzenden, Merkel und Nahles, dann bleibt eigentlich neben vielen fintenreichen Manövern und der Gravitation der Hinterteile zu den Sesseln zwecks Machterhalt reichlich wenig Markantes. Die eine redete Blödsinn und die andere übte sich in der Kunst, mit viel Worten nichts zu sagen. Ich fand die Lektüre eines Artikels in der FAZ über den Auftritt von Angela Merkel anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Harvard ebenso interessant wie erschreckend. Nachdem sie, die Bundeskanzlerin, nach Burkina Faso gereist war, vermeinte ich schon Erleuchtung in ihrem Gesicht zu Erkennen. Aber nein, um den erwähnten Artikel in der FAZ zu subsumieren: Es trat da eine Dame und Bundeskanzlerin auf, die anscheinend in den letzen zwanzig Jahren keinerlei Fortschritte gemacht hat. In Richtung Klasse meine ich. Man kann das ordinär ummünzen: Und wirft der Arsch auch Falten, wir bleiben stets die Alten. Oder: Pfarrers Töchter, Müllers Vieh, geraten selten oder nie. Schade! Dottore? Bin ich ein Wutbürger? Ich glaube, je länger je weniger. Aber das ändert wenig an der Tatsache, dass die durch die Flaschenböden starrende AKK mir Angst bereitet. Wenn Nomen Omen ist, was ist dann Annegret Kramp-Karrenbauer? Der Vorwurf des böswillig über die Grenze starrenden Schweizers trifft mich nicht: Ich habe ja auch Schweizer Bundesräte abgehandelt. Mit andern Worten: Wenn die Deutschen Regierungsparteien abgehalftert hätten, schiene mir das ein gutes Zeichen für die Demokratie. Und wenn ein Schnorrer wie dieser Rezo kein Einfluss darauf hätte, umso mehr.

Ich denke, dass ich irgendwann auf das hier Geschriebene zurückkommen werden muss. In welcher Form, kann man noch nicht wissen.

Einstweilen liebe Grüsse

Markus

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Antwort an die Cousine zum Schatz am Calima-See

Hoi Elsbeth

Es ist erschütternd aus und von allen Seiten zu vernehmen, wie heutzutage mit den Antibiotika umgesprungen wird. Mir wurde, auch in Spanien, vor über zwanzig Jahren ein Implantat eingesetzt und dazugesagt, zur besseren Sicherheit müsse ich eine Packung Antibiotika fressen. Also, die Problematik war schon damals bekannt und ich hatte auf die Einnahme verzichtet. Allerdings mit diesem leichten Grauen, dass ich mit einer Infektion für meine Ungefügigkeit bestraft werden könnte. Nun erhärtet sich die Tatsache aber vollends, dass der exzessive Einsatz dieser Art von Arznei-Mittel sowohl Patienten wie auch die Umwelt gefährdet und diese dadurch immer mehr an Nutzen verlieren. Auch stirbt es sich an einem allergischen Schock eher als an einer Infektion. Es wäre alternativ ja auch vertretbar, von Zeit zu Zeit einfach mit Kamille oder so zu gurgeln. Möglicherweise hast davon ja gar in deinem Garten. Aber so bringt es eben dem Apotheker nichts. Dabei will ich nicht behaupten, selber die Dinge immer zu Ende gedacht zu haben. Aber eine gute Dosis Skepsis, insbesondere den Ärzten gegenüber, ist doch immer sehr angebracht. Die Dinge zu Ende denken kann man man als Konsument leider nicht. Und Konsument ist man eben auch im Gesundheitsgeschäft, wo man liebend gern für blöd verkauft wird. Wenn wir schon beim Thema sind: Speziell bei der Gesundheit regiert doch das Thema Angst, und die Angst ist gegenüber der Vernunft immer ein schlechter Ratgeber. Nicht nur die Dummheit, wie der Dottore schreibt, regiert die Welt, sondern auch die Angst.

Von wegen Angst: die befiel mich auch, als ich eines schönen Nachmittags mit Basti auf der Autobahn von Cali nach Hause zurückfuhr. Wie aus dem Nichts kamen uns in einer Kurve auf der Überholspur Fahrzeuge entgegen. Der Basti ist zum Glück geistesgegenwärtig. Bei den Entgegenkommenden handelte es sich um Findige, die einem kilometerlangen Stau auf der Fahrbahn in Gegenrichtung entkommen waren. Bald erschloss sich uns auch der Grund: ein riesiger Menschenauflauf ergötzte sich am Begaffen eines vermeintlichen Grossunfalls und verursachte einen Stau von mehreren Kilometern. Interessanterweise waren aber keine Autowracks und auch keine herumliegenden Toten und Verletzten auszumachen. Anderntags stand in der Zeitung zu lesen, dass der Leichnam einer eines unnatürlichen Todes gestorbenen jungen Frau der Ursache des Menschenauflaufs gewesen sei. Ich weiss, dass man auch andernorts nicht weiss, wie man dieser Gafferei Herr werden soll. Ich empfehle daher Jauchespritzen, ein Prügelkommando der Polizei, Tränengas und mehrere Monate schweres Arbeitslager für die in Flagranti Erwischten. Man kann die die Blödheit auch mit Gewalt vertreiben. Früher hat man die Tunichtgute aufs Rad geflochten oder zumindest an den Pranger gestellt und bepinkelt. Vielleicht wäre dieser mit der Reichweite des Internets wieder hoch wirksam.

Auf der Finca Singapur wird vieles umgegraben, aber nicht wegen des angeblichen Goldschatzes. Mich interessiert die Wechselwirkung der Pflanzung von Hülsenfrüchten, besagter Ruda, der Aloe Vera und anderem. Bislang hat die Chasoy noch immer recht behalten, mit diesen Dingen sowieso. Der Basti hingegen hat durchaus zu zu Recht herausgefunden, dass sie gerne lustvoll dramatisiert, und dass es besser ist, wenn man die Zeremonien der Teufelsaustreibung symbolisch nimmt. Zu letzterer diente eine stachelige Kerze mit eingebautem Sprengsatz, die mit den Namen der Widersacher, etwa der verflossenen Hausdame und anderer Ungetreuer beschriftet und anschliessend zur Explosion gebracht wurde. Basti und ich konnten uns das Kichern nicht verkneifen, als wir die Kämpferin wider das Böse auf den Anhöhen des Schwimmbads bei ihrem Tun beobachteten. In einen wogenden Jupon und eine Art Lammfell-Bluse gewandet suchte die untersetzte Gestalt nach den Trümmern der Wachskerze, um aus deren Form das herbe Schicksal der Gestraften zu entziffern. Was sie für mich auszeichnet und zu einer Freundin macht, ist ihre unleugbare Treue, die sie vielleicht übertreiben lässt. Für mich ist sie ist mit ihrem Wissen unbestreitbar eine grosse Naturschützerin.

So könnte das mit dem Goldschatz ein Symbol sein. Für mich wird interessant, wieviel einheimische Heil- und Schutzpflanzen zu identifizieren die Chasoy in der Lage ist, ich meine das über die Peruanische Massenware hinausgehende.

Beim Kochen lernen war und ist es halt wohl so, dass man vieles einfach so oder so machte, ohne danach zu fragen, warum man das so und so macht. Die ewig blubbernden Töpfe mit Fischgräten und Gemüseabfall waren mir im Luxusschuppen in Genf ein Gräuel, das Kochen machte mir (an sich) im Militär mit der damaligen Kochkiste eindeutig mehr Spass. Die Benzinvergaser oder Holzöfen waren ja wenigstens in der Lage, die für ein geschmackvolles Rösten notwendige Hitze zu erzeugen. Wenigstens wann tatsächlich gekocht wurde und keine Konserven aufzubereiten waren.

Bekannt war Fast Food schon damals, slow food in dem Sinne nicht. Mir stellt sich die Kocherei hier und jetzt völlig anders dar. Stimmt, dass ein Schwein fast bis zur letzten Borste eine Leckerei ist, weiss ich schon lange. Aber das Schwein wurde ja nicht nur aus religiösen Gründen verteufelt. Jetzt ändert sich das wenigstens seitens der Gesundheit-Apostel ein wenig. Seit man weiss, dass der Kalbs- oder Schweinskopf einen grossen Anteil an Collagen aufweist und dies nicht nur „schön“ machen, sondern gar lebenswichtig sein kann, wird das Schwein wieder gänzlich hoffähig. Wenn es gar ein gut gefüttertes, genetisch unverändertes, ohne Penicillin behandeltes Schwein handelt, dann ist das Glück vollkommen. Gestern bin ich mit dem Basti in die Marina oberhalb Tulua hochgefahren, nachdem wir in der Galeria den Kräuterladen durchwühlt hatten. Die abattis, die Nebenprodukte des glücklichen Maishuhns vom Campesino habe ich zwanzig Stunden ausgekocht, mit dem elektronischen Kochtopf ist das ja keine Sache mehr. Ich habe den Platz und die Einrichtung, das zu tun. Die meisten Beigaben, von der Zwiebel über die Karotte zum Lorbeerblatt stammen frisch aus dem Singapur-Gemüsegarten. Usw.

Im Moment bin ich daran, mich auf unsere erste Maisernte vorzubereiten. Der Mais ist ja eine sehr gutartige Pflanze und Speise. Für mich gilt es nun, die verschiedenen Phasen des Wachstums des Maiskolbens unter Rückgriff auf die einheimische Kultur in meine „haute-cuisine“ einzubringen. Wetten dass…? Womit die Frage nach der Coppélia noch nicht beantwortet ist. Aber sie wird, wenn sie wieder eröffnet wird (ich habe alle Geduld der Welt), exakt auf das abgestimmt sein, was die Finca Singapur produziert. Im Quindio, Filandia, gibt es ein Restaurant namens „Helena adentro“, das auf dieser Basis funktioniert. Und nicht schlecht, wenn das “ Zuviel“ von „gesucht und nicht gefunden“ nicht wäre. Deshalb glaube ich, dass ich es wesentlich besser kann. Und sonst? Gar nichts! Ich kann auch ohne das sterben.

Spannend wird es immer dann, wenn die Experimente scheinbar „in die Hose gehen“. Und genauso roch es, als ich meinen Sud an Eisenkrautholz nach dessen Fermentation öffnete. Ein Flop? Glaubst du! Ich schüttete die stinkende Brühe ärgerlich auf die Orchideen, im Hinterkopf war mir aber klar und einleuchtend, dass die das Verweste lieben. Sozusagen am nächsten Tag schon fuhren die bislang ¨Trägen“ Blätter im ungeahnten Ausmass aus. Jetzt ist halt die Orchideen-Hetze mein neues Hobby.

Diese überdrehte und ans Unwahrscheinliche grenzende Pflanzenwelt ist die Faszination Kolumbiens. Gestern besichtigte ich mit Basti ein Finca, die zu kaufen wäre. 4000 m2! Stell die vor. Die „Singapur“ war als ich sie kaufte sozusagen „tavola rasa“. Da war nichts ursprüngliches an ihrer Bepflanzung. Das hat sich seither ja in dem Sinn auch nicht geändert. Umso mehr wirkte diese Finca mit ihren uralten Bäumen auf mein Gemüt. Hier ein paar Fotos:

Viele Grüsse

Markus

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Brief an den Dottore über die angekündigte Erbsünde

Ciao Dottore

Eine tote Giftschlange hatte er dir vorgeführt, oder etwas ähnliches, am Eingang zur Finca Singapur. Wir schüttelten damals den Kopf über ihn. Er, der legitimierte, finstere Vater dessen, der gestern mit vierzehn Jahren seinen achtjährigen Bruder erschossen hat. Nicht zu Hause, nein, beim Auftraggeber des Vaters, dem schwarzen Drogenschieber, dem der Schreiner seine ebenfalls vermeintliche Tochter, hier jeweils Kaulquappe genannt, minderjährig zugeführt hat. Dort, im Hause des negritüden Grüsels, habe der ältere der beiden Söhne mit der geladenen Waffe des Vaters „gespielt“, aus der sich dann der angeblich versehentliche Schuss löste und den achtjährigen mitten ins Herz traf. Es ist bereits das dritte unselige Mitglied der unheimlichen Nachbarschaft, das aus Versehen erschossen wurde. Gnädigerweise führten alle drei Versehen zum unmittelbaren Tod.

Der Täter gehörte zur fröhlichen Truppe der Kinder, die ich zu Beginn meiner Anwesenheit hier aussandte, um gegen einen Batzen Kuhfladen für die Rosen einzusammeln. Im Gegensatz zu den Brüdern war er eher schweigsam. Die Mutter hatte Mann und die drei Söhne aus welchen Gründen immer verlassen. All das steht in diesem Blog beschrieben. Dass der Täter als angeblich oder tatsächliches Kuckucksei immer schlecht behandelt wurde, wohl auch. Der Bub pflegte mich, wenn ich mit dem Auto durch die Einfahrt fuhr, immer mit sehnsuchtsvollen Augen anzusehen. Was mich wiederum anhalten und in die Parkgeldbüchse greifen liess. „Wie geht es dir? Schau!“ – „Bien Señor, muchas gracias Señor“. „Trag Sorge, cuídate!“ – „Bueno Señor, Gracias“. Vom Batzen kaufe er sich hier äusserst preiswert erhältliche Drogen, informierten mich die Neunmalklugen vorwurfsvoll. Was sonst hätte er sich kaufen können, ich habe kein schlechtes Gewissen. Sein jüngerer Bruder hingegen sah dem Vater sehr ähnlich, das vom unreinlichen Blut des Bruder wird er wohl auch er mitbekommen haben. Der Rest bleibt abzuwarten

Ja Dottore, so ganz leicht nimmt man das nicht. Die Kaulquappe wartet unterdessen beim Vater lebend immer noch auf ihren angeblichen Prinzen, mit dem sie weit fort wollte und der sie wohl vergessen hat. Ihre Mutter hat sich inzwischen nach Spanien abgesetzt, während sie sich als Opfer mit dem Quälgeist gemein machen muss.

Die indianische Seherin unterhielt sich unterdessen nicht nur mit Pflanzen, sondern auch mit den Toten. Dass der Geist der Frau Grete ihre Leichenfledderer verfolge, die die Personenwaage, Schmuck und dergleichen erstaunlicherweise gar nicht verbrannt hätten, sondern selber eingeheimst. Ich kann ihr schlecht erklären, dass es mir eigentlich höchst egal war und ist, wohin all diese Preziosen gingen, ich hätte mich im Gegenteil nicht darum kümmern mögen. Gott habe Frau Grete selig und Dank dafür, dass er sie zurückgenommen hat. Erinnerungen an sie habe ich genug, der Rest ist Schweigen. Aber das Schicksal holt mich jetzt eben auch hier ein. Die Hausdame hatte sich wohl etwas an die Selbstbedienung gewöhnt, ihr ebenso falscher Mitarbeiter und Kochzögling deiner ebenfalls. Es frage sich einfach, wieviel erträglich sei, hast du einmal bemerkt. Es ist also nicht so, dass ich es nicht gewusst hätte, oder dass man mich als Mensch der nobleren Sorte (wie Chasoy zu glauben meint) mit Getränkebeimischungen gefügig gemacht hätte. Selbst der gütigen, wenngleich nicht gar so frommen Helene blieben all diese Zeichen der Lüge nicht verborgen. Nachdem die vom Geist der Grete heimgesuchte Hausdame deren Schneiderei-Werkzeug zurückgelegt hatte, war sie endgültig enttarnt und ihre Wegweisung selbstgefügtes Schicksal. Es trifft sie sehr hart, weil sie aus den Liebkosungen des Lebens nicht viel gelernt hat. More to come!

Wenn ich dir jetzt Fotos beigelegt hätte, dann würdest du darauf drei meter hohen Mais sehen, mit Hülsen übervolle Bohnenstöcke, aufschiessende Erdnüsse und viel mehr noch sehen. Chasoy ist immer im Cauca unterwegs, am Sonntag kehre sie für eine weitere Runde im Abwehrkampf gegen die bösen Geister wieder. Ich hoffe, sie bringt mir Pflanzen mit, wenigstens habe ich ihr diese gedanklich in Auftrag gegeben. Sie hat übrigens zweimal mit uns Mittag gegessen. Einmal, zum ersten Mal in ihrem Leben, Spaghetti in der Darreichungsform Carbonara und gestern Rösti, die Basti zubereitet hatte. Mit der Papa Parda ist die Rösti hier ein Knüller.

Cari saluti

Markus

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Brief von der Cousine zum Schatz am Calima-See

Lieber Markus

Diese Gartenschönheiten sind leider beinahe wieder verblüht. Deine interessanten Berichte ergötzen mich dafür immer wieder aufs Neue. In letzter Zeit war ich etwas schreibfaul, was auch seine Gründe hatte. Aber gelesen habe ich natürlich alles.

Bei einer Zahnkontrolle fand der gute Mann ganz unerwartet eine Baustelle. So pflanzte er mir beim hintersten Backenzahn ein Implantat ein. Das verschriebene Antibiotikum verursachte mir eine ganz üble Allergie. Obwohl ich sofort, als ich es merkte, ein neues Mittel besorgte, war es schon zu spät. Die Hoffnung, die Sache würde wieder abklingen, erfüllte sich nicht. So musste ich doch noch zum Arzt rennen, der mir dann helfen konnte. Nebst dem schrecklichen Jucken war ich auch geschwollen. So blieb mir nichts anderes übrig als, trotz wunderbarem Wetter, im Haus und im Schatten herumzuschleichen. Jetzt ist es aber wieder gut. Da habe ich an Dich gedacht, Du hättest wohl irgend ein selbst gemischtes Mittel gehabt, um dem Ganzen beizukommen.

Dass Deine Gäste die Bio-Kost auf der Singapur sehr loben, darf Dich wirklich freuen. So kommen Deine Kochkünste, neue Kreationen etc., zum Tragen. Ich habe jetzt schon verstanden, dass Deine Kochlehre ein erster Schritt für Deine Berufswahl war. Wie ist es eigentlich weitergegangen mit der Coppelia?

Die Geschichte Deiner Chasoy ist interessant, bin gespannt, ob ihre Gespräche mit dem Pomerosa-Baum fruchten. Die Geschichte mit dem Gold, na ja, ich denke nicht dass Du jetzt Dein ganzes Land umgraben wirst. 

Von Kurkuma spricht man hierzulande auch. Ich weiss nur dass es dem Curry die gelbe Farbe gibt, wie ja Deinen Fingernägeln auch. Ist es einfach ein Gewürz oder was machst Du alles damit?

Wenn ich etwas rüsten oder schneiden muss, zum Beispiel Nisperos, das hässliche Finger und Nägel gibt, dann ziehe ich Doktor-Handschuhe an.

Heute wollte ich mal einen gemütlichen Tag machen und marschierte zum Strand (ca, 200 m) um zu schauen wie er aussieht. Ich mass die Temperatur des Wassers, 18°, also das ist mir dann schon noch zu kalt zum schwimmen. So hockte ich einfach ein wenig dort, beobachtete die Touristen,  las in meinem spannenden Buch und genehmigte mir nachher eine Clara. Ich denke schon dass Du das kennst, gespritztes Bier. 

Ich bin überrascht dass Du die Rosamunde Pilcher-Filme gerne siehst. Früher schaute ich auch hie und da, aber hauptsächlich der Landschaft wegen, die Handlungen sind mir etwas zu süss. Ich schaue oft 3-Sat und Arte, bin aber darauf angewiesen dass sie Untertitel haben, sonst verstehe ich nicht recht. 

Bis bald mal, mit herzlichen Gruss, Elsbeth 

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Brief vom Dottore zum Life-Style Food

Ciao Direttore

Beim Aufwachen habe ich im Radio eine Zusammenfassung zu einem Essay in der Süddeutschen Zeitung gehört, wonach nicht Gier, sondern Dummheit die Welt regiert. All die Dummen, die Politikern, Wirtschaftsbossen, Marketeers, Premium-Mediokren und Halluzinationen aller Art glauben, hielten die Welt am laufen. Oder abgewandelt: Weil die Dummheit keine Grenzen kennt, bestehen auch keine Grenzen des Wachstums? 

In der Nahrungsmittelindustrie gibt es den Begriff „Craftwashing“: industriell hergestellte Lebensmittel werden gezielt als „artisanal“ verpackt, d.h. wie aus handwerklicher Manufaktur angepriesen und verkauft. Das verkaufe sich entsprechend besser und mit höherer Marge, eben wegen der epidemisch grassierenden Dummheit.

Nestlé-CEO Schneider verkündete diese Woche am Swiss Economic Forum Bemerkenswertes. Wie wir alle unweigerlich feststellen könnten, hätten sich erstens die Essgewohnheiten zu früher radikal verändert und zweitens beschleunige sich diese Veränderung stetig. Natürlich könne Nestlé nicht jeden Micro-Trend (sprich Furz) mitmachen, doch die Food-Scouting-Strategen (Essens-Pfadfinder-Strategen) würden wenigstens jene Trends zumeist erfolgreich ausmachen, die hohe Umsätze versprächen („idealerweise“ mindestens 1 % vom Umsatz also ca. 1 Mrd Umsatz). Von daher auch die Kooperation mit Starbucks, bei der ganz agil innerhalb von knapp 6 Monaten eine ganze Produktelinie konzipiert, designed, produziert, Lobpreisungen dafür erhalten und mit dem Verkauf begonnen hätte. Oder der phänomenale vegi Hamburger auf der Basis von Hülsenfrüchte, der bereits ein Verkaufsrenner sei. Direttore! Bedeutet das, dass du wenigstens diese Goldgrube trotz allerbester Voraussetzungen verpasst hast? 🙂    

El Dorado!!: Symbol, Fiktion oder Realität? Bei einem deiner Nachbarn wurde präkolumbianisches Indio-Gold gefunden, wie mir dieser angelegentlich der Begutachtung seiner Cacao-Bäume Kollektion mitteilte und anhand Fotos belegte. Wieviel das Gold wert war, hat sich wenigstens mir damals nicht erschlossen. Auch weil er es den archäologischen Dienst gemeldet hatte und dafür (vom Staat?) nach mir unbekannten Ansätzen entschädigt wurde. Auf den anderen umliegenden Grundstücken ist trotz umfangreicher Bauten und Grabungen aller Art bisher kein Goldschatz ausgegraben worden. Das könnte (oder müsste gar?) zu denken geben. Oder wissen wir einfach nichts davon? Hätte beispielsweise Eberardo bei den Ausgrabungen für dein Schwimmbad Indio-Gold gefunden: er hätte es klarerweise für sich abgezwackt, aber andererseits wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ihn seine Dummheit verraten hätte? Mehrdeutigkeit ist eine Ureigenschaft der Orakel, relevante Fragen dazu kommen einem immer erst im Nachhinein in den Sinn. Beispielsweise: Wieviel Gold? In welcher Form? Welcher Indio-Fluch fällt auf einen zurück (auf Finder, Verwerter, …)? Oder was passiert mit einem nach ergiebigem Fund, wie verändert sich das Leben, was macht man mit dem Schatz? Nach dem Bankraub ist vor dem Bankraub. Möglicherweise ist nicht alles Gold, was glänzt und es lebt sich viel besser, nur in Gedanken auf Gold zu sitzen oder zu schlafen!

Gestern las ich verschiedene Passagen von Leo Miller’s Reisebeschreibungen von anno 1910-15 zu Finlandia-Salento-Quindio und Chocó. Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie er im Chocó, wo Flüsse zusammen laufen, eine „artisanale“ Filterung der Flusssedimente zum Zwecke der Goldgewinnung beobachten konnte. Die gefundenen Goldpailletten wurden im Handel vor Ort gegen Lebensmittel eingetauscht (Banknoten hatten wegen der raschen Zersetzung im dortigen Klima kein Wert), oder über verschlungene Pfade bis nach Buenaventura gebracht, um dort Kasse zu machen.    

“Late in the afternoon we landed at Nóvita. I was somewhat surprised at the size of the town, which consists of about fifty hovels. The white population, which was very small, consists mainly of traders, and is more or less transient. I was told that they remain in the region a year or two to buy gold and to sell their stock of provisions and merchandise at exorbitant prices, and then return to a more healthful climate–to suffer many years afterward from the effects of their sojourn in the Chocó.

Noanamá was reached the next day. It is not quite so large as Juntas de Tamaná, and stands on a bluff overlooking the river. The inhabitants are all negroes; the males wore breech-cloths only, while the costume of the women consisted of a narrow cloth fastened around the waist with a string. Both men and women spend a few hours each day washing gold on the river-bank, securing enough from this work to pay for provisions brought from Buenaventura. When they have accumulated a small quantity of the fine, sparkling flakes they embark in their canoes and make their way to the seaport in three days, there to do their trading.”

Mein Glarner Freund schenkte mir diese Woche ein neues Läderach Produkt: „Grand cru noir carrés“. Es sind Carrés aus unter anderem 65-70% Kakao aus verschiedenen Gegenden: Ecuador, Brasilien, Trinidad, Grenada, Madagskar. Die Carrés haben eine mittlere dünne Schicht bestehend aus einer Art Cacaobutter, die eine andere Textur zur äusseren Schicht ergibt. In der Zusammensetzung lese ich: Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter, Glukose, Butter (Milch), Feuchthaltemittel (Sorbitsirup), Farbstoff (5x), Pflanzliche Fette/Öle (Palmkern, Palm, Kokos), natürliches Vanillearoma, Emulgator (Sojalecitin); Kakaopulver fettarm. Der Premium-Medioker-Verpackung ist eine kleine mehrfarbige Erklärungsbroschüre einschliesslich Qualitätsgarantie beigelegt: „Ich garantiere, bla bla bla. Sollten Sie dennoch Anlass zu einer Beanstandung haben, bitten wir Sie, es mit Angabe des Kaufdatums und der Verkaufsstelle an uns zurückzusenden. Wir werden es Ihnen selbtsverständlich ersetzen.“ Bei einem Geschenk ist das wohl so nicht umsetzbar, stell dir gar dich selber vor, wenn du es für 101 Fr zurückschicken müsstest!

Nun, es bot sich mir diese Woche zweimal Gelegenheit Choco-Degustations-Desserts anzubieten, einmal bestehend aus Deiby’s Finca Singapur Choco-Törtli, Luker Single Origin Arauca und Tumaco „Pellets“ und eben diese Läderach Carrés. Das Degustationsergebnis war beide Male eindeutig. Im Vergleich fällt Premium Medioker sogar weniger erfahrenen Degustatoren auf! 

Buon inizio di settimana

F.

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Brief an den Dottore über vergrabene Schätze

Ciao Dottore

Wie ich dir ja schon fernmündlich mitgeteilt habe, liegt auf dem Gelände der Finca Singapur mindestens ein (wenn nicht mehrere!!) Schatz des Goldes der früherzeitlichen Indios vergraben. Weil man Gold ja nicht verzehren kann, lässt mich die Kunde der Chasoy vergleichsweise kalt. Aber Gold ist Gold und wenn es auf einen zukommt, muss man es akzeptieren, sagt zumindest Chasoy. Ehrlich gesagt wirkt das ganze Drumherum durchaus elektrisierend auf mich. Sagt die Chasoy, dass mein ganzes Umfeld darüber im klaren sei, dass ich sozusagen auf Gold sitze, wozu ja auch das prunkvoll empfundene Umfeld passe. Warum die das glauben? Es geht die Sage um, die Indios hätten vor der Ankunft des Spanischen Gesindels ihr Gold unter Felsen versteckt und letztere gar unter Einsatz von unmenschlichen Kräften herbeigeschleppt. Und davon liegen auf der Finca ja tatsächlich viele Kaliber. Stell dir vor, wie knüllerig sich das sich auf mein Drehbuch auswirkt. Das bekommt jetzt von selber diesen Touch veredelter Rosamunde Pilcher. Weil nämlich die eitle und reiche Dütsche als Protagonistin durch das Inferno der Gier der andern gehen muss, bis ihr -dermaleinst geläutert- das Gold in die Hände fällt, dass sie gar nicht braucht. Wunderbar! ich hab dir immer gesagt, dass Inspiration unabdingbar ist. Ein Zeitfenster allein genügt nicht!

Vielleicht ist das mit dem Goldschatz ja auch nur ein Symbol. Vor dem Gewächshaus oberhalb der unfruchtbaren Pomarosa steht eine Tomatenstaude, die noch von den goldlüsternen Vorgängern des Don Arturo gepflanzt wurde. Dieser hat etwas widerwillig die rüden Rudas, die meine imaginäre Kletterpracht bedrängten, dorthin verpflanzt. Die Tomate sei jetzt, da eh schon viel zu lange dort, endgültig moribund, meinte er harmlos. „Wart’s ab“ erwiderte ich, weil gestern nach einer einzigen Nacht der Tomatenstock aus seinen abgestorbenen Armen wieder zu treiben begann. Heute morgen war er bereits wieder reich behangen, ich lüge nicht, während die noch wenigen reifen Früchten von den Vögeln angepickt wurden. Die lassen sich eben auch nicht mit Banane allein abspeisen.

Du brauchst es der Helene ja nicht erzählen, aber ich habe vom Kurkuma-schneiden hepatitisgelbe Fingernägel abbekommen. Das fiel mir auf der Fahrt nach Cali auf, wo ich die effiziente Haar- und Klauenschneiderei aufsuchen wollte. „Sie scheinen aber heftig zu rauchen“ meinte die mit Stoffzöpfen behangene Negritüde, die zu meiner Behandlung abgestellt war. „Du isst zuviel Fleisch, darum hast du soviel Mitesser und stumpfe Haut!“ erwiderte ich boshaft. Zum Glück verstand sie mich nicht und begaffte nachdenklich meine gelben Fingernägel. Mir kam derweil die Geschichte von meinem beim Schneiden abgehackten Fingernagel in den Sinn, was nachher aussah wie von Lepra befallen. Und die im Nagelsalon, ansonsten weiss der Herr was für Artifizien montierend, sich ausserstande sahen, mir eine Prothese in Form eines eingesetzten Kunstnagels einzusetzen. Falls du dir noch nie einen Fingernagel abgehackt hast, kann ich dich darüber aufklären, dass das ein scheussliches Gefühl ist, und dass man einen Nagel nie fadengerade abhackt, sondern der in Form von zwei Dornen nachwächst, mit denen man überall schmerzhaft hängen bleibt. Es sei denn, man feilt das täglich ab. Die Negritüde konstatierte derweil, dass meine Nägel nicht nur gelb, sondern auch eingerissen seien. Ich klärte sie darüber auf, dass das Gelb von Kurkuma stamme, Wurzel die ihr unbekannt war. Aber sie versicherte mir glaubhaft, dass Acryl-Nägel immun gegen Verfärbungen seien. Wie es mit dem Abhacken sei, wollte ich nicht fragen. Immerhin kam mir in den Sinn, dass die Helene, wie ich sie dort von der Nagelpflege abholte, gerade eben die Finger in einem Öfchen stecken hatte, zwecks Erhalt einer vierzehntägigen Haltbarkeits-Garantie. Es verstrahlt Licht, mit dem auch die Zahnärzte den Zweikomponentenkleber in Zahnhohlräumen härten. Ich werde selbstverständlich farblos behandelt, versicherte die multibezopfte Negritüde. Obwohl anfänglich misstrauisch, kann ich nun diese stinkende Behandlung jedem empfehlen, der viel mit aggressiven Säuren in Lebensmitteln hantieren muss.

Der ultimative Test, hatte mir Helensche mitgeteilt, sei Mückenabwehrmittel, mit dem jeder gewöhnliche Nagellack matschig werde. Tröstlich, dass wenigstens unsere Natur dem Anti-Brumm widersteht. Jetzt kommt er wieder mit Quassia, wirst du sagen und hast recht. Das Holz davon vergrämt den hochprozentigen Alkohol, wenn einer mag, kann er es trotzdem trinken und es wird ihm nichts schaden. Und in der Küche spritze ich frohgemut damit um mich. Weg die Fliegen. aber als Pflanzenschutz dient der alkoholische Auszug weniger. Was ich ansonsten im Wasser hatte, hat sich allsamt in stinkende Brühen verwandelt. Diese habe ich über die Orchideen gegossen, die das zu mögen scheinen. So ist nie etwas verloren, Dottore! Auch Hopfen und Malz nicht!

Bei Pricesmart werden gegenwärtig unter der Marke „Hatsu“, in umweltunverträglicher Verpackung und schreienden Life-style-Farben ebensolche Snacks verkauft. Die Firma versucht, abenteuerliche Geschmackskombinationen von „Superfood“ premium-medioker-artig unter die Leute zu bringen. Mehr als ein Typ dieser Snacks weist eine Yoghurt genannte Couverture auf, die aus Kakao-Butter besteht, oder eben „weisser Schokolade“, der wohl ein Yoghurt-ähnlicher Geschmack beigemischt wird. Im selben Pricesmart verscherbelt „Nacional de Chocolate“ seine wahrhaftige Premium-Schokolade. Angesichts der Dumping-Preise konnte nicht widerstehen, gleich mehrere Packungen zu kaufen. Die Kolumbianer stürzten sich nicht auf diese Klasseware, sondern kaufen Lindt premium medioker. Dieselbe „Nacional de Chocolate“ vertreibt aber auch ein „Chantilly“ (was an sich Schlagrahm wäre) genanntes Pulver, das aus dem Rahmbläser eine nicht geschmacklich aber Konsistenz-mässig dem Schlagrahm ähnliche Masse ergibt. Das Pulver hat eine unendliche Haltbarkeit, klar. Gegen die Vermarktung von Kakaobutter hat ja niemand etwas einzuwenden, aber die Lektüre der Inhaltsstoffe macht einen schwindlig.

LG

Markus

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