Brief an den Dottore über die Wahrnehmung der Singularität

Sie wird vom Pazifik stammen, die Luft! Im Moment ist es wieder recht warm, aber das besagte Lüftchen lässt die Atmosphäre zumindest am Calima sehr angenehm bleiben. In Buga herrschen derweil sechsundreissig Grad. Was sich mir eingegraben hat, sind die fünfundzwanzig Kinder der Schule von Jiguales, ein jedes eine Singularität. Keines von ihnen hat sonderlich gute Aussichten. Ich blieb etwas ratlos zurück, wenn gleich ich mich in der Überzeugung sehr bestärkt fühle, dass Kinder aus einfachen Verhältnissen in einer grösseren Gemeinschaft lebend bessere Chancen für die Zukunft hätten. Die Antwort auf die Frage nach Berufswünschen ist entlarvend: Obwohl die grosse Mehrheit Nachfahren von campesinos sind, möchte keines der Kinder dermaleinst mit der Scholle zu tun haben. Es handelt sich hierbei allerdings um das einzige Wissen, das die Eltern ihnen mit auf den Weg geben könnten. Tierärzte gibt es heute schon genug, wie auch schon erwähnt wäre es wichtiger zu wissen, wie es besser ohne sie und ihre fragwürdigen Methoden ginge.

Das Feld mag also niemand beharken, Not täte allerdings auch, dass man zu kochen wüsste. Auch das scheint niemand zu interessieren. Wäre es nicht interessant zu wissen, wie man eine Schokoladentorte herstellt? Vom Feld auf den Tisch, es sollte einer immer wissen, was aus dem wird, was er pflanzt. Schwierig auch, eine Fremdsprache zu lernen, wenn sie einem von jemandem, der sie selber nicht ansatzweise beherrscht, beigebracht werden soll.

Was meinst du, soll ich etwas tun, zumindest wäre es interessant herauszufinden, wieviel das bringen würde.

Einstweilen herzliche Grüsse

Markus

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Correo von Dottore Fabio

Ciao Direttore

Erzählungen basieren auf Singularitäten. Die Realität erzählerisch abzubilden, ist äusserst schwierig, sogar unmöglich. Für den Zuhörer oder Leser wäre die (ganze) Realität auch überfordernd, eher langweilig und viel zu zeitraubend zu vermitteln. Daher eignen sich Singularitäten für (gute) Erzählungen. Diese Auffälligkeiten bleiben eher in der Erinnerung haften. Und doch arbeitet die Zeit, oder das trügerische Gedächtnis an Ihnen. So werden aus Erinnerungen dann Erzählungen.

Unsere Reise und die gemeinsam verbrachte Zeit waren wiederum ein Fundus für Singularitäten. Das dunkt mich sehr wertvoll. Sofern man sie denn wahrnehmen kann und will. Man glaubt bereits viel gesehen, gehört, gerochen, genippt, gefühlt und gespürt zu haben und doch ist die Realität immer wieder gut für Überraschungen und Erlebnisse. Man versucht sie einzuordnen, zu verstehen und vielleicht sogar die eigene Wahrnehmung und das „Weltbild“ anzupassen. Ein potentieller Lernprozess. Dir vielen Dank auch hierfür!

Wir sind gut zurück. Das Wetter hier ist erfreulich sonnig und tagsüber mild. Die Luft ist  auffällig anders. Was macht einen Ort aus? Bei dir ist es auch diese wunderbare sanfte Luft.

Grazie di cuore per tutto e a presto

Fabio


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In der Schule

Vereinbart war der Besuch eigentlich schon seit längerem, am letzten Montag war es soweit. Ich besuchte gemeinsam mit meinen Gästen die Schule in Jiguales. Es war keine „Inspektion“, wir wurden in der Pergola vor der Schule erwartet und brachten Schokoladentorte und Mandarinen mit. Sowohl Besuch als auch Schüler durften Fragen stellen. Am meisten interessierte die Sprache, von allem wollten die Kinder etwas hören, den Dottore Italienisch, die Helene Deutsch und Englisch und ich selber Französisch. Vor lauter Hin- und Her vergassen wir gar das Schweizerdeutsch. Nicht, dass wir uns dieser Art einen tieferen Einblick in die Unterrichtung der Kinder verschafften hätten. Aber das Zusammentreffen verlief sehr fröhlich und anscheinend zur gegenseitigen Zufriedenheit.

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Brief von der Cousine in Spanien

Hoi Markus

Wunderschöne Blumenfotos habe ich wieder erhalten. Das Wetter sei bei Euch schön, da bin ich grad neidisch. Hier bläst schon seit einiger Zeit ein heftiger Wind. Der macht rundum eine Sauerei und wirft Blumentöpfe um, das habe ich nicht so gerne. Nun, es wird auch wieder einmal besser. 

Du kannst jetzt Deinen Besuch geniessen. Es ist doch toll, dass sich auf Deiner Finca soweit alles gut eingespielt hat. Es brauchte wohl einfach seine Zeit und auch Geduld, vielleicht hie und da auch Nerven.

Die Jugend von gestern und heute, das ist ein Thema für sich. Ich beneide die Jungen von heute wie die selbständig, aufgeschlossen und unternehmungslustig sind. Klar, sie können sich natürlich viel mehr leisten als wir konnten. Meine Eltern sagten,  auch ich sei verklemmt, dem war jedoch nicht so, sondern es war die Angst. Einmal, als sie wieder ausrastete, sagte ich zu meiner Mutter, ob sie wohl nach dem Mond gehe. Das kam dann gar nicht gut an, und sie rannte mir mit einem Besen durchs ganze Wiezikon nach. Ich rannte natürlich schneller und schliesslich gab sie auf. Da habe ich mich schon gefragt, ob sie sich nicht geschämt habe. Aber ich denke die Nachbarn hätten dann eher mich verurteilt. Ich hatte viele gute Ideen und Interessen, aber da wurde alles zum Vornherein blockiert. Aber Du weisst ja wie das lief. Ist es in Kolumbien nicht eher so, dass die Familien zusammenbleiben?

In Spanien ist der Zusammenhalt schon noch eher festzustellen. In Calpe sieht man immer viele abuelos/as mit ihren Enkeln da beide Eltern arbeiten müssen um einigermassen über die Runden zu kommen. Aber das betrifft natürlich die ärmere Schicht. Ich lebe an der Küste. Als ich vor 20 Jahren hierher kam war es noch schön. Mittlerweile sind viele reiche Leute, hauptsächlich Belgier und Russen hergezogen, jedes Mausloch wird bebaut, Villen mit hohen Mauern rundum, alles anonym. Mein Häuschen befindet sich in einer Urbanisation, das ist wie ein Dörfchen und nicht alle Häuser haben eine Mauer, ich auch nicht. Trotzdem, wenn ich heute wählen müsste, würde ich eher ins Hinterland ziehen, wo es eher noch original spanisch ist. Dazu kommt dass in der Sommersaison die Touristeninvasion mittlerweile unerträglich geworden ist. 

Diese Woche  hatte ich die Grippe, nebst den Erkältungserscheinungen hatte ich fürchterliche Kopfschmerzen. Jetzt geht es wieder besser. Unkraut verdirbt ja nicht.

Ich wünsche Dir eine schöne Zeit mit Deinen Freunden.

Lieben Gruss, Elsbeth

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Brief an die Cousine in Spanien zum Missbrauch

Liebe Elsbeth

Der Dottore Fabio ist da, mit ihm natürlich auch Helensche. Das Wetter ist schön und mild und ich freue mich natürlich über den Besuch. Weisst du, das ist für mich nicht stressig, weil mittlerweile das Personal der Finca sehr gut funktioniert. Das ist sicher die positive Mitteilung, dass diejenigen, die bei und mit mir sind, ein beträchtliches Mass an Selbstständigkeit und Qualitätsbewusstsein erreicht haben. Und siehe da: plötzlich macht es allen Spass. Meine jetzigen Kolumbianer sind ein Team, sie ziehen mit mir am selben Strick. Zusammenarbeitend kann man bekanntlich Berge versetzen.

Ich weiss nicht, ob es dir auch so geht, manchmal vergleicht man sich als seinerzeitiger Jugendlicher mit diesen hier von heute. Und da fällt der Vergleich, ich muss das zugeben, nicht immer zugunsten meinerseits aus. Ich war verklemmt, unsicher, und desinteressiert, während beispielsweise der siebzehnjährige Juan Gabriel organisiert, erkundungsfreudig und neugierig ist.

Das Thema ist Bildung und Erziehung. Vorkommen wie diese Verbrechen an jungen Frauen, oder eben die Missetaten ihrer Quäler, sind auch und vor allem das Resultat mangelnder Bildung. Ich denke, dass die Gesellschaftsform der Familie in mancherlei Beziehung insofern ausgedient hat, als sie nicht mehr funktioniert und möglicherweise im Sinne eines Fortschritts nicht immer gedient hat. Ich beziehe mich da auf die Chancen-Ungleichheit, auf Alleinerziehende und Patchwork-Familien und mehr. Mir stellt sich da die Frage, ob ein Kind nicht besser Teil einer grösseren Gemeinschaft mit entsprechend weiterem Horizont als demjenigen einer Familie wäre. Eine Gemeinschaft, die Rückzugsmöglichkeiten, Bildungschancen und andere Betätigungsmöglichkeiten freier Wahl bietet. Eine Familie setzt eine funktionierende Ehe der Eltern oder Grosseltern voraus. Wie wir wissen, funktioniert die überwiegend nicht mehr, nichtsdestotrotz wird dieses Dogma weiter hochgehalten, vor allem auf Kosten der Nachfahren. Dass das früher besser gewesen wäre? Ja woher, damals wurde Dissens und Unvereinbarkeit einfach unter dem Deckel gehalten.

Reden lässt sich leicht, das ist wahr. Für mich waren die letzten auf der Finca Singapur verbrachten Jahre der Frau Grete ein persönliches Projekt, weil ich immer der Integration von Jung und Alt in die Gesellschaft das Wort geredet habe. Ich will da ehrlich bleiben: diese Experiment möchte ich nicht noch einmal wiederholen, es wäre zum Glück auch gar nicht möglich, weil ich heute manches besser wüsste. Trotzdem hat es schlecht und recht funktioniert, mit Sicherheit besser als in einem Schweizer Alters- oder Pflegeheim. Wenn ich mir vorstelle, wie meine in viele Einzelmasken zerfallende Generation in Altersheimen zu Tode gebracht werden soll, kommen mir grosse Bedenken bezüglich der Machbarkeit.

Diese Dreiteilung des Lebens, Jugend ohne Verantwortung, Erwachsensein mit Verantwortung für Jugend und Alte, und dann wieder das Alter, anlässlich dessen Erreichen wir die Verantwortung wieder abgeben dürfen. Das Gesetz bemüht sich, die Lebensphasen in biologisch selten zutreffende Altersjahre einzuteilen. Der Schweiz, ohne dass dies ins allgemeine Bewusstsein dringen würde, bietet sich zusätzlich das Problem der Gender-Ungleichheit mit dem Pensionsalters und der Belastung durch den Militärdienst. Letzteres Problem kennt Kolumbien nicht, weil nur wer arm ist Militärdienst leisten muss, nämlich wer sich die Befreiung finanziell nicht leisten kann.

Aber da bin ich jetzt am Wegdriften. Mein Thema ist die Integration in eine Gemeinschaft, die weder religiös noch ideologisch sein muss. Höchstwahrscheinlich ist diese in Europa nicht mehr möglich, da die Vereinzelung und Individualisierung bereits zu stark fortgeschritten sind und eine entsprechende Infrastruktur schwer zu schaffen wäre. Im „rückständigeren“ Agrarland Kolumbien liesse sich zumindest auf dem Land eine solche Kommunalisierung auf freiwilliger Basis wohl leichter realisieren.

Was ist ein Leben in einer „Gemeinschaft“ wert? Wer kann daran teilhaben? Beispielsweise ledige Mütter und Väter mit Kindern, Campesinos ohne Grund und Boden, hilfsbedürftige Ausländer mit Alterskapital, entspannungssuchende Städter mit Geld, am ökologischen Landbau Interessierte, mit dem Weiterkommen von Kindern aus schwierigen Verhältnissen interessierte Pädagogen und viele andere mehr. Das Thema lautet mehr Effizienz, Einsparung von Kosten, Vermeidung von Stress. Eine Utopie? Ich glaube, das liesse sich ausprobieren.

Die Fotos sind lediglich in der Nacht aufgenommen, nächtliche Blüten habe ich keine. Und ja, wegsehen darf man nicht, man muss sich des Unrechts gewahr bleiben.

Einstweilen liebe Grüsse

Markus

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Brief an die Cousine zur Rückreise von Tierradentro

Liebe Elsbeth

Von den vielen exotischen Pflanzen auf den Bildern oben, eignen sich die von der Hochebene für unsere Gärten nicht. Immer feucht, immer kühl, nimmer Frost.

Die Mehrheit der Bevölkerung des Riesenlandes Kolumbien wohnt in Städten. Da macht das Land fast menschenleer. Ein wenig unheimlich wirkt da die Durchfahrt durch die gespenstischen Szenerien auf der Hochebene des Puracé-Nationalparks. Selten begegnete uns ein Fahrzeug auf dem Weg von Tierradentro zurück nach Popayán. Dazu ist die Unendlichkeit abwechslungsreich. Mit den klimatisierten Autos ist das so eine Sache. Schon bei der Hinfahrt herrschten im Cauca-Tal 32°, aber auf den Höhen des Hinterlandes fiel die Temperatur bis auf 11°. Beim Aussteigen aus dem Auto auf dem ebenso kalten Hochplateau des Puracé-Nationalparks fiel dazu noch Regen, was einen zittern und nach einem Überwurf greifen liess. Aber es lohnte sich. Die Vegetation ist bei näherem Hingucken überall sensationell. Bei der Rückkehr waren es in Buga dann 34° und auf der Finca Singapur dann glücklicherweise nur noch deren 27°.

Wenn man in all dieser Einsamkeit auf einen Imbiss stösst, wo einem eine gut gekochte, aber immer gleiche Fleischbrühe mit Kartoffel, Kochbanane und Koriander und ein ebenso unvermeidlich unabänderlich Huhn mit Reis und Fritten serviert wird, ist man es sich zufrieden. Dass im „Kraftzentrum“ Parque Tierradentro im von der öffentlichen Hand gesponserten Hotel „Refugio“ ausser Frühstück nichts serviert wird, und sich das indigene Personal auch ansonsten für gar nichts zu interessieren scheint, ist dann eher stossend. Während ich annehme, die wüssten es nicht besser, ist der Dottore der Ansicht, die wollten nicht. Die kombinierte Unterkunft mit Restauration, wo wir uns zu speisen gezwungen sahen, ist ein amüsantes Konstrukt aus einem Korridor, in dem drei grosse Tische stehen, von dem aus direkter Zutritt zu dem Gästekammern geboten wird. Der anschliessende Salon der Betreiber-Familie ist bis zur Küche hin voll einsehbar. Bei den mit Vorhängen anstelle von Türen versehenen Pforten zu den Privatgemächern war ein stetiges Kommen und Gehen wie in einem absurden Theater zu beobachten. Da trat der Grossvater von der einen Seite auf, von der andern Seite ein Enkel, beide naschten aus einem Kochtopf und zogen sich wieder zurück, um später wiederkehrend in den Fernseher zu starren. Eine stetig zirkulierende vielfältige Damenwelt zupfte an den Vorhängen, ohne dabei irgendeine Intimität zu wahren. Die Dueña hastete mit dem Handy nach mobilfunkender Abdeckung lechzend an den Gästen vorbei durch den Korridor ins Freie und zurück. So wurde der Abend durchaus amüsant. Mehr folgt!

LG

Markus

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Brief an die Cousine über eine Reise nach Tierradentro

Hoi Elsbeth

Eigentlich gibt es bereits den Entwurf eines Schreibens an dich, nämlich zum Missbrauch, aber ich bin dabei stecken geblieben. Mittlerweile sind wir zu einem Ausflug nach Tierradentro gestartet, das in der mit dem Auto in einer Tagesreise erreichbaren mittleren Cordillera Kolumbiens liegt. Wir hatten geplant, auf den Strassen gegen Süden zu kurven, die sich an die imposanten „Nevadas de Neiva“ schmiegen, mit ihren verschneiten Gipfeln in besagter Cordillera. Von diesen wird behauptet, dass sie in Zuge des Klimawandels nicht mehr lange verschneit bleiben, was ein Grund schien, einen Blick auf sie zu werfen. So konnten wir Cali noch weiter (in Fahrtrichtung) rechts liegen lassen und das mächtige Cauca-Tal dort bewundern, wo es noch richtig schön ist und mit wunderbarer Vegetation prunkt.

Von Corinto gedachten wir zu einem Ort namens Santo Domingo zu gelangen, fanden allerdings die Abzweigung nicht. Fahrer Alvaro wurde zur Erkundung ausgeschickt und kam mit einer Frau zurück. Diese stellte uns in Aussicht, wir würden Kinder des Todes, sollten wir uns ins Rebellengebiet der „ELN“ wagen. Wir könnten nur dahin, wenn wir eine uns begleitende „Bezugsperson“ herbeirufen könnten.. Da wir keine solche kennen und auch keines frühen Todes sterben wollten, mussten wir unser Vorhaben aufgeben und in Santander de Quilichao den üblichen Weg gen Süden nehmen.

Mehr wolle sie uns nicht sagen, hatte die hilfreiche Dame uns erklärt. Wobei doch eigentlich das Thema Guerilla immer noch reichlich zu reden geben müsste. Es ist doch interessant, dass ein Staat solche „no go“ Gebiete toleriert, auch wenn sie im Vergleich zum Rest des Landes unbedeutend sind. Kein Mensch soll glauben, dass es nicht ein Leichtes wäre, solch ein Gebiet auszuhungern, auch wenn es sich um eine abwegige Bergregion handelt. Auch wenn die Kolumbianische Armee ein Fehlkonstrukt ist, glaube ich, dass sie in der Lage wäre, diese Eiterbeule auszutrocknen. Aber Charakterzüge wie Verlogenheit, Heuchelei und Opportunismus (die Garcia-Marquez in die real-magische Aura überführte), verhindern das Gesunden des Staatswesen stets aufs Neue. Das ist sehr bedauernswert. Umso schneller ist man dann mit einem pathetischen Wortschwall dabei, der jeden vernünftigen Ansatz in sich ertränkt.

Die Fahrt in den Nationalpark „Tierradentro“ war wegen vieler Bauarbeiten etwas abenteuerlich langfädig, aber die wunderbare Natur entschädigt dafür vielfach. Der Parque sei ein „Kraftzentrum“ hat der Dottore herausgefunden. Er ist für mich selber eines: Er hat liebevoll guten Wein, Singapur Salami und Brot etc. liebevoll vorbereitet. Der Wein lässt auch die Mahlzeiten in den Restaurants glänzen, wo es einfache aber gut gekochte Menüs gibt. Und zum Abschluss gibt es immer Tee aus einer wuchtigen Vielzahl aus Argentinien mitgebrachter Kräuter. Mit all dieser Kraft müssen wir wohl ewig weiterleben.

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Die Cousine aus zum Missbrauch und mehr

Hoi Markus

Bei Dir ist es schön Hund zu sein, der ist zu beneiden, und ich denke, dass Dein Elixier bestimmt hilft. Da würde sogar ich eine Pfote hinhalten um gepflegt zu werden. Hat die speziell zusammengemixte Maske dem Akne-gebeutelten Gesicht des Küchenlehrlings geholfen? Die Pubertät ist sowieso in verschiedener Hinsicht eine nicht immer angenehme Phase. Die Jungen kriegen Stimmbruch und die Mädchen…, da will ich gar nicht näher darauf eingehen. 

In unserer Zeitung las ich einen Artikel über Sklaverei heute. Die Guardia Civil gemeinsam mit der Kolumbianischen Nationalpolizei gelang es wieder, eine grosse kriminelle Bande auffliegen zu lassen. Sie holten sich die Frauen hauptsächlich aus Kolumbien, der Region Valle del Caucan nämlich, aus prekären ärmlichen Verhältnissen. Was dann mit ihnen hier in Spanien geschieht wirst Du ja wohl auch wissen. Wenn sie sich weigerten wurden sie eingesperrt, mit vergitterten Fenstern und Vorhängeschlösser an den Türen. Wir haben eine so kranke Welt, auf der ganzen Bandbreite, von unten bis oben, es muss Geld gemacht werden, ganz gleich mit was für Schweinereien. Nun, wir können ja nichts ändern. Ich habe Bekannte und Freunde, die jeweils sagen, dass sie gar keine Nachrichten mehr schauen, aber ich denke, dass man doch nicht einfach nur wegsehen kann.

Du hast wieder schöne Fotos angefügt. Sind die Beiden nachtblühende Orchideen? Ich habe nur eine Königin der Nacht, die blüht so im August. Dann sitze ich hinten im Garten, lese und beobachte wie die Blüten sich öffnen. Das ist für mich immer aufs Neue ein kleines Wunder. Man muss sich halt auch an kleinen Sachen freuen.

Ist Dein Freund Dottore Fabio schon bei Dir?

Mit liebem Gruss, Elsbeth und Paco gute Besserung

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Brief an die Cousine in Spanien

Hoi Elsbeth

Ja, du hast recht, bei mir geht immer etwas ab. Gestern widerfuhr mir, was ich immer besonders schätze, nämlich morgens beim Frühstückskaffee überfallen zu werden. Es ging wieder einmal um Schäferhund Paco. Der hob einmal mehr dieselbe und anscheinend äusserst schmerzhafte Tatze hoch und jammerte dazu herzergreifend. Die bemühend werdende Thematik des Vorderlaufes des Paco liess mich ihn erst einmal Ruhe gebieten. Es wurden die immer selben Theorien von „von einem Hunde (in die Tatze??) gebissen worden“, Fehltritt etc. In der Tierklinik hätte man ihn gewinnträchtig auf Hüft-Dysplasie geröntgt, obwohl er am Vorderlauf hinkt.

Ich musste wieder einmal alle meine Prinzipien über Bord werfen und den Veterinärstudius aufbieten, mit dem ich ansonsten noch ein Hühnchen von wegen der Geschichte mit der verschwundenen und wieder aufgetauchten Geldbörse zu rupfen hätte. Dem den Semester-Ferien halber zu Hause weilenden drohte ich mich Schlimmem, so er denn nicht unverzüglich auftauche und den armen Paco versorge. 

Der gute Paco, der mir eben sehr viel zu verdanken hat, äusserte mit innigen Heullauten grosse Freude über das Erscheinen des angehenden Veterinärs. Der untersuchte die Tatze umsichtig und liebevoll, während Paco ihm das Gesicht leckte. Weil keine äussere Verletzung sichtbar sei, und alle Knochen intakt, müsse es sich um den äusserst schmerzhaften Stich eines Alacran (Skorpion) handeln. Auf einen solchen dürfte Paco nicht zum ersten Mal getreten sein. Paco erhielt vom Veti eine Schmerzspritze und von mir Anti-Histamin Tabletten. 

Später, In trauter Zweisamkeit, machten Paco und ich das Hundeflüsterer-Spiel. Er reichte mir mit tieftraurig-zutraulichem Blick seine Pfote, die ich ihm mit Eiswürfeln kühlte und dann mit einer Zwiebel einrieb. Er liebt diese Umstände wie ein kleines Kind. Zu seinem Glück bin ich momentan von Extrakten und Aromen besessen, so erinnerte ich mich der Calendula in reinem Alkohol, das für die Behandlung der Pfote wie gerufen kam. Heute morgen bekam der Paco ein Fussbad mit Cocablättern und ebensolcher Calendula verabreicht. So hoffe ich nun, dass sich Paco dem heute Abend eintreffenden Dottore einigermassen wieder hergestellt präsentiert.

An dich viele Grüsse

Markus 

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Brief an den Dottore über die Zeichen der Zeit

Egregio Dottore

Ich muss dir schreiben, solange ich noch kann, wenn du hier sein wirst, kann ich das ja nicht mehr tun! Weisst du, mein iPhone hat schon wieder einen Sprung im Glas, diesmal scheint mir, es sei auch leicht verkrümmt, es gibt Probleme beim Aufladen im Auto. Ich erkundigte mich diskret über die Preise für neue Geräte und musste mir sagen: Für dieses Geld nehm ich den Sprung im Glas gerne in kauf. Dem Cook Tim hat es wohl diesbezüglich ins Gehirn gekackt. Anstelle von Fingerabdruck die Gesichtserkennung und kein home bottom. So what? Weisst du was, die Story ist schlicht und ergreifend ausgelutscht und das Taumeln von Apple wird sich beschleunigen. Wie soll es anders sein und was ist das ein Schock, wenn er sich monatelang ankündigt. Die Zulieferer haben schon vor Monaten von Absatzproblemen berichtet, man wusste also, was kommen würde. Ganz sooo brillant kommt mir das ganze Apple-Gezeugse sowieso nicht vor, meine Fotosammlung, die ich der Not gehorchend in die Cloud verlagerte, kommt mir vor wie eine Wundertüte, finden tue ich darin gar nichts. Aber es werden mir Dinge unter die Nase gerieben, für die ich mich gar nicht interessiere. Und dann immer wieder diese Sprachschwäche, wenn einem etwas erklärt wird, habe ich offen gestanden immer Mühe zu verstehen, was einem da bezüglich neuer Funktionen mitgeteilt werden soll.

Ich kann die Schadenfreude insofern nicht verhehlen, als der Super-Miliardär und Klugscheisser namens Warren Buffet (ist doch er?) bei Apple zu Höchstpreisen eingestiegen ist. Seine Erkenntnis war (er ist wohl bereits senil), die iPhones seien im Verhältnis zu ihrer Nützlichkeit eigentlich zu billig. Seine Erkenntnisse und der Ruf seiner Unfehlbarkeit dürften unterdessen stark gelitten und ihn selber ein paar Milliarden gekostet haben. Ich hoffe, es schmerze den alten Knacker sehr!

Sowieso, du kennst meinen Hang zum Vulgären und ich kann mich im Moment an der US-amerikanischen Politik nicht genug weiden. Die demokratische Abgeordnete Tlaib, die zur Amtsenthebung von „Motherfucker“ Trump aufrief, hat mich Lachsalven gekostet. Me gusta!

Ach, wie ist die Welt schlecht, zum Glück nur ist sie in der Schweiz noch heil. Und es kommt noch besser, die kalte Dusche des wirtschaftlichen Abschwungs wird bezüglich der Dämpfung des CO2-Ausstosses mehr bringen als die Massnahmen der Stadt Zürich zu Energie 2000. Wie ich immer sage: Es gibt nichts Schlechtes, das nicht auch sein Gutes hätte.

Hasta pronto

Markus

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