Der Dottore zu Samen und Gluten….

Buona domenica Direttore,

Neben anderen südamerikanischen Ländern wurde hier letzthin über Kolumbien mehrfach berichtet: Generalstreik, Ausgehsperre in Bogota und Cali, Attentate in Quilichao (5 Tote, mehrere Verletze) und Candelaria, 2 Tote bei Demos oder Ausschreitungen in Buenaventura. Meine Mutter fragte besorgt, wie es dir geht, wie du damit zurechtkommst. Ich hoffe, es geht dir gut und dass du mehr oder weniger davon unbehelligt durch die Tage und Nächte kommst. 

Den Trend über die letzten zweieinhalb Jahre finde ich allerdings beunruhigender als die Geschehnisse der letzten Wochen: Die Kumulation von enormer venezuelanischer Einwanderung (> 1,5 Mio Menschen), die schleppende Umsetzung des Proceso de Paz (z.B. waren gemäss Human Rights Watch per Nov 2018 „erst“ 8’200 der 116’000 Ansprüche auf Landrückgabe gerichtlich entschieden und im Senat wurde eine Gesetzesbotschaft eingereicht, wonach gestohlenes Land das zwischenzeitlich verkauft wurde, nicht mehr restitutiert werden soll), die Nicht-Einhaltung der allermeisten Duque- Wahlversprechen, Budgetrestriktionen wegen fallender oder stagnierender Rohstoffpreise, eine starke Zunahme der Coca-Produktion und der Aktivitäten von ehemaligen FARC’s, Narcos und Paramilitärs. Letzten Sonntag sah ich einen Bericht, wonach Rom zum grössten europäischen Cocain-Handelsplatz „aufgestiegen“ ist. Zwei Quartiere im Osten, die eine gewisse urbane und soziale Abwertung erlebten, sind zum Marktplatz umfunktioniert worden. Die letzthin mehrfach an unterschiedlichsten Orten in Europa konfiszierten bedeutenden Mengen sind vielsagend, sowohl was produzierte Menge als auch neue Tricks bei der Verschiffung betrifft. 

Zu Chile sind mir gestern die starke Abwertung des Pesos zum USD und ein erschreckender  Report zur Gewaltbereitschaft der Polizeikräfte ins Auge gestochen. Die Folgen des Einsatzes der eigentlich nicht erlaubten Streumunition: anbei der Link dazu, lesenswert!

https://www.hrw.org/news/2019/11/26/chile-police-reforms-needed-wake-protests

Bei Human Rights Watch fand ich zu Kolumbien folgenden kleinen Eintrag: “Pressure on troops to rack up the number of killings, casualties, or captures in combat—and the potential for rewards for the killings—perversely incentivized the “false positive” murders in the 2000s. The new policies are not identical to those in force at the time, but Human Rights Watch has found additional similarities to past practices. This adds to concerns that new policies are opening the door to abuses.”

Ich weile derzeit für einige Tage im Tessin. Gestern und vorgestern gab es Postkartenwetter. Auffallend schön sind die stark verschneiten Bergen über 1’200 m. In Bosco Gurin fielen im November insgesamt fast 2,5 m Schnee! Der Seespiegel liegt immer noch sehr hoch. Im November gab es kaum Sonne (knapp 60 Stunden), ansonsten nur Regen oder Schnee. Im Fundus fand ich gestern abend ein altes Kochbuch mit sardischen Rezepten. Daraus eins, „Riso alla cagliaritana“, das ich dir zukommen lasse. Ich kann mir das geschmacklich im Ergebnis nicht so vorstellen, was meinst du dazu? Für 6 Personen 500gr Kichererbsenmehl „a pioggia“ in viel salziges Wasser streuen. Für ca. 40 Min kochen und es dabei fortlaufend rühren damit es keine Grumen bildet. Inzwischen eine fein geschnittene Zwiebel nicht zu stark andünsten, 100 gr Schweinspancetta tritata (molida) hinzugeben und weiter andünsten unter Beigabe von einigen Löffeln Tomatensugo um es etwas zu strecken. Den Soffritto anschliessend zu dem köchelnden Kichererbsenmehl beigeben. Die Salzigkeit prüfen und dann 400 gr Reis hinzugeben und weiter rühren bis alles gar ist. Warm und mit viel Reibkäse servieren.      

Dem guten und praktischen Traiteur in Ascona wurde bei Auslaufen des Mietvertrags eine derart saftige Mieterhöhung aufs Auge gedrückt, dass er den Laden in Ascona schliesst und vier Personen ohne Arbeit sind. Immerhin konnten wir nochmal die feine mortadella cotta beziehen (gnam gnam). Das gute Valle Maggia Sauerteigbrot des einen Bäcker war hingegen bisher nicht zu bekommen. Gutes soll eben auch rar sein!

Zur Info noch einige Notizen:

Aus Cash Investigation (französischer Staatssender) zu Saatgut im November 2019:

Qualité nutritionelle: Vergleich der Anteile an Inhaltsstoffen bei Gemüsesorten in einem Manual der Sorten des französischen Landwirtschafts- und Lebensmittelinstitut mit den Werten von 1960 und heutigen, konventionell im Boden und Hors-Sol. Bei Tomaten: – 59 % Ca, – 50 % Eisen, -50 % Vitamine, Licopene, etc. Bei Hors-Sol Hybrid Tomaten nochmal viel weniger zu 1960. Siehe dazu Beiträge von Donald Davis oder Harry Klee (Science Magazin). In Israel auf einem Kibbuz wurde von einem Prof. (Rabinovitsch?) in den 80er Jahren die entscheidende Entdeckung für mehr Haltbarkeit und Festigkeit der gewöhnlichen Rispentomate ohne Geschmack gemacht. Ein Gen einer Sorte, das dazu führt, dass die Tomate nicht ausreift, daher stark an Geschmack verliert und die Haut immer härter und schockresistenter wurde. Dadurch waren Tomaten neu 3 Wochen haltbar! Die Urtomaten fallen bei Reife an Boden, zerplatzen und streuen so die Samen. Dieser Kibbuz und das Forschungszentrum wurde übrigens von Limagrain (ein grosser Saatguthersteller) aufgekauft.

75 % der Nutzpflanzen-Sorten um 1960 gibt es heute nicht mehr! Heute dominieren Hybride. Diese sind so gezüchtet, dass sie nur einmal zuverlässig ein Ergebnis liefern. Mit andern Worten muss man das Saatgut jährlich neu kaufen. 1 kg Samen der „petite jaune“ Tomate kostet 400’000 Euro. 1 kg Samen der basis-gewöhnlichen Rispentomate um die 60’000 Eur. Die 5 grossen Saatguthersteller (Du Pont, Bayer-Monsanto, Syngenta, Limagrain, BASF) besitzen in Frankreich rund zwei Drittel der registrierten Sorten (und nur diese wären für den Verkauf zulässig, selbst für Hobbygärtner!). Die Saatgut-Herstellung erfolgt händisch in Billiglohnländer, insbesondere Indien in der Karnataka Region, meistens mit unterbezahlten Frauen (2,50 Euro/Tag statt 4,5 Minimallohn) oder minderjährigen Mädchen bei Sub-Contracting Farmern. Syngenta hat dort 800 Farmbetriebe in der Lieferkette. Die Kinderarbeit wurde mehrfach angeprangert (siehe „sailed seeds“ von Devalari Vakateresvlu). 

In Frankreich darf man nicht registrierte Sorten nicht verkaufen. Die Grossen gehen sofort auf Kleinen^ los, die sich erdreisten, für Hausgebrauch oder Kleinbetriebe Samen zu verkaufen. Doch die Grossen halten sich beispielsweise beim Korn für Brot in der Auvergne selber nicht daran! Die Kleinen organisieren sich in Kooperativen, z.B. Kokopelli, die durch eine Lücke im Gesetz den Tausch und Handel von Samen möglich machen.

Beim Korn für das Brot sind die Pflanzen bzw. die Samen so gezüchtet worden, dass sie nicht mehr in den Himmel wachsen, sondern auf eine für die Dreschmaschine ideale Höhe und der Gluten auf eine immer grössere Gärresistenz für die Brotproduktion optimiert. Das Gluten, durch Mehl und Wasser und Kneten entsteht, ist um ein vielfaches fester als früher. Gluten kann man sich wie eine Kette aus verschiedenartigen Gliedern vorstellen.  Magen und Darm schaffen es heute nicht mehr, die Glieder der Ketten ganz aufzulösen, was zu Verdauungsproblemen und Allergien führt. Neben Zöliakie gibt es heute ca. 6 Prozent der Menschen, die eine Form von Allergie entwickeln.

Aus  BAFU/NAQUA Bericht zur Wasserqualität in der Schweiz, 2019

Ein weiterer landesweit signifikanter Rückgang der Nitrat-Konzentration im Grundwasser ist momentan nicht zu erwarten. Der Stickstoffüberschuss in der Landwirt­schaft hat sich seit Ende der 90er-Jahre kaum mehr ver­ringert und liegt derzeit immer noch bei mehr als 70 % (BLW 2016a). Der Verbrauch an Mineraldünger stagniert, und der Import an stickstoffhaltigen Futtermitteln ist sogar deutlich gestiegen. In den letzten Jahren wurden keine weitergehenden Massnahmen ergriffen, um die Stickstoffüberschüsse der Landwirtschaft insgesamt wirksam zu verringern.  

Der Absatz von PSM-Wirkstoffen (Pflanzenschutzmittel) war von 2008 bis 2016 weitgehend konstant. Etwas zugenommen hat der Ein­satz von Fungiziden, während der Absatz von Herbiziden leicht rückläufig war.

Am intensivsten mit Herbiziden behandelt werden Zuckerrüben (BLW 2016a); pro Hektar und Jahr kommen in diesen Kulturen durchschnittlich mehr als 5 kg Herbizide zum Einsatz. Insgesamt macht die Behandlung von Zuckerrüben fast ein Viertel des gesamten Herbizid­verbrauchs in der Schweizer Landwirtschaft aus.

Glyphosat ist das mit Abstand am häufigsten eingesetzte PSM; in der Schweiz werden pro Jahr rund 200 Tonnen dieses Wirk­stoffs verkauft (BLW 2019b).

PSM-Rückstände – landesweit an rund 20 % der Messstellen über 0,1 μg/l

An über der Hälfte aller Messstellen wurden PSM-Rückstände im Grundwasser nachgewiesen.

Die Zahl der Messstellen, an denen PSM-Rückstände in Konzentrationen von mehr als 0,1 μg/l nachgewiesen wur­den, ist seit 2010 weitgehend stabil und liegt bei jährlich rund 110 Messstellen

PSM-Metaboliten treten im Vergleich zu PSM-Wirk­stoffen landesweit häufiger, regelmässiger und auch in höheren Konzentrationen im Grundwasser auf. Viele PSM-Metaboliten sind im Vergleich zu den PSM-Wirk­stoffen mobiler und gleichzeitig langlebiger.

Im Grundwasser besonders weit verbreitet sind die Metaboliten von Chloridazon und Metolachlor. An über der Hälfte der Messstellen, an denen PSM-Metaboli­ten in Konzentrationen von mehr als 0,1 ug/l auftreten, stammen diese von diesen beiden PSM-Wirkstoffen ab.

Anhaltspunkte, dass sich die Grundwasser-Qualität ins­gesamt verschlechtert hat, liefern die vorliegenden Daten nicht.

Acesul­fam und EDTA werden zudem weder in aerobem noch in anaerobem Milieu im Untergrund abgebaut bzw. zurück­gehalten. Amidotrizoesäure, Carbamazepin und Sulfa­methoxazol werden bei der Uferfiltration ebenfalls kaum eliminiert (Jekel & Dott 2013).

Un caro saluto e buona domenica

F.

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An den Dottore über die Streiktage in Kolumbien

Ciao Dottore

Gerade noch rechtzeitig, gestern hatte ich mit meinem gegenwärtigen Gast erwogen, nach Buenaventura zu reisen, nahm ich zur Kenntnis, das in Kolumbien heute der zweite „Nationale Streiktag“ stattfindet. Man lernt doch auch, gell Dottore, dass man den Teufel nicht herausfordern soll und so haben wir den Ausflug auf Freitag / Samstag verschoben. Weil ich einmal in aller Herrgottsfrühe der Heimkehr der Fischkutter teilhaftig werden will. Vom Streik kriegen wir nicht mehr mit, als was über die Medien verbreitet wird. Das Verständnis für die Proteste ist vielleicht von daher grösser, als man auf dem Lande möglichen Anfechtungen in der Grossstadt nicht ausgesetzt ist.

Bösartig könnte man bemerken: „He nun, ihr habt jetzt halt die Regierung, die ihr gewählt habt!“ Das ist ja auch wahr, an der demokratischen Legitimität der Duque-Junta ist nicht zu rütteln. Und da würde die Antwort lauten: „Ja, wer denn sonst, vor der Opposition hatten wir (mehrheitlich) Angst. Deren Programm ist zu drastisch für eine Umsetzung, die Angst vor einem nie endenden wollenden Bürgerkrieg gross. Wir sind gegen die nachträgliche Sanktionierung von Unrecht, aber es scheint, als ob wir diese Kröte schlucken müssen und schlucken sollen. Und wir wollen wissen, wie Zukunft unsere Zukunft aussieht und ob die Regierung überhaupt eine mehrheitsfähige Perspektive dazu bieten kann.“

Dazu ist die Regierung wohl nicht in der Lage. Man kann in einem Land, dass einen blutigen Bürgerkrieg hinter sich hat, nicht mit gutem Gewissen als „konservativ“ gelten wollen. Haben die Protestierenden eine Perspektive zu bieten? Sie fordern dies und fordern das, aber eine Perspektive ist hinter der Schwatzhaftigkeit, die hinter derjenigen der Regierung nicht zurücksteht, nicht auszumachen. Eine Inventur tut not! In wilder Folge:

  • Das Krankenversicherungssystem muss als zusammen gebrochen gelten. Bei den meisten Kassen kommt man innert nützlicher Frist nicht mehr zu keiner nützlichen Behandlung, so dass Realisten sich lieber gleich als Privatpatienten zu helfen versuchen. Etwas anderes bleibt nicht übrig. Und kommt am Schluss günstiger zu stehen.
  • Die Einlagen in die Rentensysteme dürften von wegen Korruption und Geldentwertung unter üblem Schwund leiden, den auch massive Beitragserhöhungen in der Vergangenheit nicht wettmachen können.
  • Die Mehrheit der Kolumbianer lebt in Ballungszentren mit prekärer Infrastruktur und gesundheitsschädigenden Umweltbedingungen.
  • Der Gütertransport wird über ein völlig ungenügendes Strassennetz im lamentablen Zustand bewältigt.
  • Die Korruption ist akzeptierter Teil der Lebensanschauung, die Politik bzw. der Kolumbianische Staat unternehmen wenig Anstrengungen zur Bekämpfung. In diesem Sinn ist Kolumbien auch unfähig, sinnfällige Infrastruktur-Aufgaben unter Einhaltung eines Kostenrahmens und binnen nützlicher Frist auszuführen.
  • In einem wechselnd von „Sein“ und „Schein“ beleuchteten Realität ist der Sinn für diese kaum vorhanden. So immer die Realität als „Wahrheit“ herbei gezogen werden müsste, zerbröselt sie im (virtuosen) Geschwätz von Lüge und Heuchelei.
  • Der „Familiensinn“ dominiert das Leben der Kolumbianer bis zur Selbstaufgabe. So, dass man mit dem Schicksal der Cousine zweiten Grades mehr hadert, als mit der öffentlichen Unbill.
  • Vielen Kolumbianern fällt es unendlich schwer, zwischen „Mein“ und „Dein“ zu unterscheiden. Und der fremde Besitz hat eine kaum zu bändigende Anziehungskraft auf sie. Es ist ihnen unverständlich, dass der Diebstahl, das Entwenden, entdeckt oder unentdeckt, jedes Vertrauen erwürgt und ein unerträgliches Misstrauen schürt. Als ausgleichende Erleichterung muss dann jeweils das Real-Magische herhalten.
  • Manche der erwähnten Eigenschaften treffen auf die eingeborene Bevölkerung wenig bis gar nicht zu. Gegenseitiges Verständnis zwischen dieser Bevölkerungsgruppe, den Spanisch-stämmigen Weissen und den Abkömmlingen der schwarzen Sklaven gibt es wenig. Mit andern Worten, man ist sich so fremd wie die Schweizer zu den Hottentotten.

Entgegen der weissen, Spanisch-stämmigen sind die Eingeborenen in Clans organisiert. Ihr Lebensziel ist es, vereinbar mit der Natur in dieser zu leben. Gewinnstreben und Vorteilsnahme sind ihnen nicht angeboren. Ob es zutrifft, dass die Spanisch-Stämmigen Kolumbianer unter den vererbten Charakterdefekten der Konquistadoren leiden, vermag ich nicht zu sagen. Es gibt natürlich auch Gutes zu berichten, davon soll in einem späteren Artikel die Rede sein.

Vorgestern Freitag fuhren wir nach Buenaventura und übernachteten dort im Hotel de la Estación. Von den Krawallen mit Toten war nichts zu spüren, mehr ein sehr friedliches Nachtleben und die einzigartige Atmosphäre einer tropischen Pazifik-Stadt. Wir sassen nach dem Nachtessen im Park beim embarqueadero gegenüber den stark frequentierten Spirituosenhandlungen. Gestern Samstag, nach einem Grosseinkauf von Fisch und Meerestier waren wir zum Mittagessen wieder zurück auf der Singapur.

Ich habe den Gasofen, der in der Coppélia sowieso zu viel Hitze verbreitet, auf die Singapur geholt. Der trocknet Früchte und Gemüse in Rekordzeit und energiesparend (gegenüber dem elektrischen „Peutêtre“). Wir nutzen nach dem Brotbacken die Restwärme und lassen bei leicht geöffneten Türen den Ventilator laufen. Ich weiss, dass die „pepperoncini cruschi“ eigentlich an der Sonne getrocknet werden. Aber dazu ist gegenwärtig das Wetter zu wechselhaft. Und der Ofen macht auch mit Tomaten kurzen Prozess.

Nach der „Elektrisierung“ durch das erwähnte, bestellte ich bei meinem Gast Samen für „Cima di Rapa“, den er mir netterweise neben vielen andern Samen mitbrachte. Im Internet bildeten wir uns für die Zubereitung von „Nduja“ aus, es ist bereits am reifen. Ein Problem war der breite Schweinedarm, aber Doña Claudia hat da ihre Quellen.

Bis zum nächsten

Markus

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Don Rotscher: Nicht nur Kaffee kann bitter sein…

Lieber Küse

Ja, mir geht es auch so, wenn ich aufgegossenen Kaffee rieche. Erst kürzlich wieder, als wir Dominiks und meinen runden (!) Geburtstag in Strasbourg gefeiert haben. Im dortigen Airbnb gab es nämlich auch nur so eine billige Filtermaschine.

Ich erinnere mich gut, wie meine Mutter am Sonntagmorgen in der Küche stand und mit viel Geduld das kochende Wasser aus einer Pfanne nach und nach in den Filter goss, der auf einem schönen Porzellankrug thronte. Der Geruch ist unverkennbar und tatsächlich etwas ganz anderes als der vielgepriesen Espressoduft, der natürlich auch fein ist. Für mich ist das der Duft von Kaffee. Aber jeder wird das auf seine Weise assoziieren.

So ich mich recht erinnere, hielt meine Mutter dann noch so einen Zusatz bereit, von dem sie einen Löffel oder zwei in das Kaffeepulver mischte, zwecks Aufwertung des Aromas oder von was auch immer.

Nachher stand der Krug unter einem warmhaltenden Kaffeehut auf dem einladend hergerichteten Sonntagstisch wartend, bis dann mein Vater noch verschlafen gähnend aus dem elterlichen Schlafzimmer geschlurft kam.

Du siehst, Gerüche wecken Erinnerungen. Sie sind fest in unserem Gedächtnis verankert und zaubern subjektive Empfindungen und Verknüpfungen aus der Tiefe unseres Unterbewusstseins hervor und für einen Moment glaubt man sich wieder in der Vergangenheit.

Beim Geruch von frisch verarbeiteter Baumwolle erinnere ich mich beispielsweise immer an meine Kindheit in Adliswil. Dort gab es die alte Spinnerei unten an der Sihl, wo wir mit den ausrangierten Metallteilen spielten. Die Tür zur Fabrik, in der sich die Baumwolle auftürmte, stand meistens offen und einmal durften wir sogar zusehen, wie hunderte von dünnen Fäden gesponnen wurden. Ich werde diesen Geruch nie vergessen, auch wenn es nun auch schon wieder Jahre her ist, dass ich ihn das letzte Mal, irgendwo auf meinen Reisen, wahrgenommen habe. 

Weitweniger angenehm sind kürzlich gemachte Erlebnisse, die ich Dir, wenn auch etwas bruchstückhaft, meinem Brief hinzufüge, weil wir das Thema Fahrzeugprüfung ja schon in Deinem Blog angeschnitten haben:

Brief an einen Land Cruiser Kollegen:

Das Elend nahm seinen Lauf, als ich von einem Experten-Novizen in Empfang genommen wurde. Der war schon schon vom Anblick des Wagens überfordert. Er war, dass muss ich fairerweise hinzufügen, sehr freundlich, aber eben auch unsicher und von daher sehr beflissen, alles überkorrekt abzuhandeln. 

Immer wieder musste er die alten Böcke über das Wie und Wo zu Rate ziehen, und die haben dann immer wichtigtuerisch abgewinkt und machten schadenfreudige Bemerkungen wie: „Das bringt der nie durch, das geht überhaupt nicht, da braucht’s eine Einzelabnahme, das kostet dann aber, hahaha“ usw. Das ganze Programm halt. Ich kochte innerlich, wie der famose Isländische Geysir…

Wohlgemerkt, ich wollte eigentlich lediglich neue Felgen zusätzlich eintragen. Dies ergab Probleme, weil die Einpresstiefen nicht mit den Angaben im Dokument übereingestimmt haben, und dann kam eines zum anderen. Mit dem ganzen Setup hatte ich vor 2 Jahren KEIN Problem gehabt, da wurden die Scheibenwischerblätter bemängelt und das war es dann auch schon!

Hinzufügen muss ich auch, dass ich für die ganze Höherlegung, sowie Laserlichter, Schnorchel usw. die notwendigen Unterlagen mitgeführte. Ausstehend blieb eben diese Doppel-Stossdämpfer-Aufnahme, von der immer ich annahm, sie sei als Bestandteil der Höherlegung anzusehen. Daran bissen sich Azubi und Chef so richtig fest. Und weil ich dafür keinen Fetzen Papier dabeihatte, zog ich ja sowas von einem Kürzeren, dass ich mich mit Mordgedanken und langer Pendenzenliste auf den Heimweg machen musste. Vorführkosten bisher CHF 208.-.

Am Dicksten kam dann die Angelegenheit „Laserlights“, die man mir auch vergönnen wollte. Die mitgebrachten Formulare seien nur für Hallo-Eugen-Lampen gültig und nicht für LED. Zu guter Letzt setzte sich dann gar noch der Neuling noch für mich ein, wohl aus schlechtem Gewissen. Und so machte er sich im Expertenraum in der Tabuzone noch einmal für mich stark. Die Beiblätter seien tatsächlich auch für LED gültig, hiess es nach 15 Minuten Beratung, aber eintragen würden man sie mir nicht, weil Beleuchtungsangelegenheiten schon aus Prinzip nichts im Fahrzeugausweis zu suchen hätten.

Bravo, so darf ich dann in zwei Jahren wieder dem nächsten Lehrling das kleine Einmaleins auf meine Kosten beibringen! Sofern es dieses nächste Mal geben wird, denn ob ich nun die notwendigen Papiere überhaupt erhalte, ist fraglich. Der Wagen ist aus dritter Hand und die groben Änderungen wurden im Welschen durchgeführt. Will heissen, was in Genf ohne Probleme geht, kann sich im Aargau als Staatsverbrechen herausstellen.

Als Sahnehäubchen wurde der Schnorchel auch noch kritisiert. Aber, weil ich ja ein Attest für Personenschutz (Splitterprüfung) mitführte, darf ich den künftig montiert belassen, wenngleich vom Luftfilter abgelöst. Also wird der Schnorchel zum Accessoire degradiert, ein eigentlich sinnvolles Instrument, das nur noch zur Show ausgefahren werden darf. An dem Punkt wünschte ich alle Experten dorthin, wo ein Schnorchel noch gebraucht wird, nämlich in die Wüste.

Und nebenbei: Ansaug-Geräusche macht der Schnorchel gleich viel, wie vorher (Lärmbestimmung!!) aber ganz bestimmt nicht so doll, wie die Harleys der Banker-Bruderschaft oder der „Jag“ vom Nachbar.

Du siehst, ich bin in Rage und die Vorurteile über gewisse Experten und Beamte sind zementiert.

Ach, und übrigens soll ich Dir von „der besten Ehefrau von allen“ (Kishon), ausrichten, dass Sie sich in der Vergangenheit selten so amüsiert hat wie bei Deiner Antwort an Deine Cousine bezüglich Versicherung und Kleidung! Alter Komiker!

Der Tag wird kommen an dem wir uns wieder um den schweren Tisch in Deinem Garten unter der Laube setzen, und bis tief in die Nacht dem Gesang der Frösche lauschen.

Gruss Roger

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Die Cousine zu Fussmärschen und Handy-Beschaffung

Hoi Markus

Das „Gschtürm“ betreffend Reiseversicherung hat sich erledigt. Meine Krankenkasse hat mir endlich Bescheid gegeben, dass ich im Falle eines Falles versichert bin. Susanna war letztes Jahr mit Freunden in den USA, und da musste sie so eine Reiseversicherung abschliessen. Deshalb hat sie mich überhaupt auf die Idee gebracht. Dass ich in Deinem Pool die Treppe runterfalle, glaube ich hingegen eher nicht. Da scheint uns ja auf dem Flughafen in Bogota ein rechter Fussmarsch aufzuwarten. Gut zu Fuss sind wir schon, das ist kein Problem. Fragt sich nur, ob man das Gepäck wieder neu einchecken muss. Wer weiss, vielleicht ändert sich bis dann in Sachen Flug wieder etwas.

Ob der Fotos von Frau Grete habe ich mich amüsiert. Die hatte es offenbar noch faustdick hinter den Ohren. 

Unsere Cousine Erica fragte mich schon ein paarmal nach Deiner Mail-Adresse, ich schrieb ihr diese jedes Mal, und immer schreibt sie mir, dass sie nicht funktioniere. Ich versprach ihr, Dich dann im Januar danach zu fragen. 

Ich muss mir ein neues Handy besorgen, da das Jetzige schon etwas in die Jahre gekommen ist und der Akku nachlässt. Bin extra früh losgezogen, aber da war vor mir schon eine Kopftuchfrau dort, und die wurde und wurde nicht fertig. Der Verkäufer war noch so nett mich zu fragen, ob es mir nichts ausmache zu warten, bis er mit ihr fertig sei. Logisch, was bleibt einem denn anderes übrig!! Als sich die Kopftuchfrau erledigt hatte, latschte grad noch ein Schwarzer herein und hinter ihm noch einer. Nachdem der Verkäufer diese abgefertigt hatte, durfte endlich auch ich mein Anliegen vorbringen. Eigentlich hatte ich alle Unterlagen dabei, ausser eben der Bank-Kontonummer. Erfolglos konnte ich nach 45 Minuten wieder gehen. Er versprach mir aber, dass wir das nächste Mal alles erledigen können. Mal schauen. 

Gestern fand bei noch wunderschönem Wetter die Wanderung statt. Der Aufstieg war ziemlich happig und bereitete einigen Schwierigkeiten. Mir nicht, denn wenn es brenzlig wird, nehme ich auch die Hände zu Hilfe, also auf allen Vieren. Vielleicht so wie einst die Neandertaler, die hatten ja noch keine Wanderstöcke. Heute ist es bedeckt und es könnte noch Regen geben.

Lieben Gruss y hasta la próxima, Elsbeth

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An Tscheff Rotscher: Chili und andere heisse Themen neu betrachtet

Hoi Don Rotscher

Mir kommt häufig dein geringer Respekt für Ungarische Zahnärzte in den Sinn, von wegen deren Preisbildung und Ausbildung. In der Schweiz zumindest sind die Preise ja gebunden und eine Kodifizierung der erhaltenen Rechnung verhindert ein vertieftes Verständnis für diese. Dies unter anderm, weil die Anbieter die aufgeführten Behandlungsschritte im Verein mit ihrer Standesorganisation halb-lateinisch aufbereiten. Das ist ja bei den Rechnungen anderer Gesundheit-Organisationen auch nicht anders. Wer will es einem harmlosen Kunden verargen, dass er nicht weiss, das „Extraktion“ das Ausreissen des Zahnes bedeutet. Oder dieser sich gar noch geschmeichelt fühlt, dass er einer „Extraktion“ bedürftig war. Nein, die Wortwahl hat durchaus etwas besänftigendes, stell dir vor, es wäre vom „Ausreissen (Backenzahn), 1 Stk. à —–“ die Rede.

Was die Höhe der Kosten für die Zahnärztliche Behandlungen hier in Kolumbien angeht, darf sich unsereiner wahrhaftig nicht klagen. Wenn da der „Rassismus“ nicht wäre: „Aha, dummer Europäer mit „Kohle“, den zocken wir ab!“ Es ist diese dumm-dreiste Kolumbianische Mentalität, die mir dann quer ins Gebiss kommt. Vor Zeiten war es mir die Zeit nicht wert, um über ein paar Kreutzer beziehungsweise Pesos zu streiten. Aber des erwähnten Rassismus wegen, dem unsereiner in Kolumbien besonders ausgesetzt ist, habe ich mich auf die Abwehr der (kurzsichtig) Gierigen spezialisiert, und kuriere ihre Perversion mit knallenden verbalen Watschen. Es fehlt mir zwar die Möglichkeit der Erfolgskontrolle, aber der gewatschte Gesichtsverlust ist für die wichtigtuerischen Kolumbianer schmerzhaft und deshalb appliziere ich ihn sozusagen als „Gegen-Rassismus“ mit grosser Befriedigung. Nur gilt es dafür die Nerven zu bewahren. Ich lebe nicht von ungefähr schon seit zwei Jahren mit einer Gott sei Dank nicht sichtbaren Zahnlücke, die auszumerzen aus technisch / pekuniären Gründen schwierig zu sein scheint. Die Deutungen der bisher kontaktierten Spezialisten auf dem Feld der Implantate bezüglich der für mich zu beschaffenden Schraube weckten wenig Zuversicht von wegen Kompetenz. Sodass ich mich dem Schicksal überantwortet habe.

Gottes Wege sind eigenartig, Zugeh-Frau Claudia empfahl mir eine Zahnärztin in Buga, deren Vater wiederum ein Kaffeegut in Calima besitze, welches einer ihrer Schwäger im Schuss hält. Als ich zum ersten Mal zur Konsultation erschien, war da neben der Empfangsdame noch eine rundliche Person, die eine Hornbrille wenig einnehmend aussehen liess. Erschwerend kam dazu, dass sie unablässig einen Kaugummi zur Blase blähte, um diese anschliessend geräuschvoll platzen zu lassen. Mein grosser Pessimismus liess die Frage in mir keimen, ob es sich bei dieser abstossenden Person gar um die Zahnärztin handeln möge. Ich verliess die Stätte fluchtartig und unter Abschreibung der landesüblich geleisteten Vorauszahlung für den Untersuch. Es stellte sich dann heraus, dass meine Befürchtung unbegründet war, und die erwähnte Person eine Neue sei, der man die Manieren erst noch beibringen müsse. Aber Bild und Geräusch des platzenden Kaugummi hatten sich tief in mein Bewusstsein eingegraben, so dass ich erst gestern die innere Bereitschaft zurück gewann, um in diese Zahnklinik zurück zu kehren.

Jetzt macht diese Zahnärztin durchaus etwas her, ist sympathisch und zudem gar noch hübsch. Ihr Handwerk hat sie in Deutschland studiert. Vom Implantat musste ich ihr nichts erzählen, sie schilderte in kurzen Worten, wie sie die Schraube beschaffen werde und ich mir dazu keine weiteren Gedanken machen müsse. Und dann ist es halt einfach meistens so, dass Frauen die angenehmeren Zahnärzte sind. Ich war zudem dankbar, auf die vielen Nachhilfeunterricht von J.P. zurückgreifen zu können. Mit andern Worten, man hat sich gegenseitig über Kaffee und im wahrsten Sinne des Wortes „unterhalten“. Die Frau Zahnärztin versteht offenbar etwas, auch von den unsäglichen Umständen, die das Gewerbe Kaffeeanbau in Kolumbien umwölken.

Möglicherweise handelt es sich ja beim Kaffee um das komplizierteste Genussmittel überhaupt. Warum? Weil der immer selbe Kaffee je nach Zubereitung immer wieder anders schmeckt. Weil, wie wir aus der Schweiz wissen, der gleiche Kaffee ja nach Art des Wassers nirgends gleich schmeckt. Die Italiener und Nestlé reduzieren dieses Problem auf „Espresso“, Zubereitungsform, die fast alles trinkbar macht. Aber gar so langweilig ist die Angelegenheit Gott sei Dank auch wieder nicht. In Italien kann man, wie man weiss, im Hotel keinen Frühstückskaffee trinken, weil er einfach völlig ungeniessbar ist. J.P. hat mir gestanden, dass es für ihn in London auf Grund der höchst unterschiedlichen Wasserqualität für guten Kaffee schwierig ist. Stimmt, es ist fast überall so. Aber: als Kind und als Jugendlicher trank ich wunderbaren Filterkaffee, der durchs ganze Haus duftete. Genauso wie der, den die Finca Singapur produziert. Aus dem sich Espresso, French-Press, Filter, Türkisch und was du willst machen lässt. Und in allen Lebenslagen eine gute Figur hinterlässt. Also: J.P. ist eine Koryphäe, ich weniger, er hat mit einer Rancillo Epoca und irgend einem exklusivem Kaffee nachstehendes produziert:

Klar, die Espressi von J.P. sehen sehr schön aus. Aber der „Singapur“ hat trotz wunderbarem Parfüm überhaupt nichts saures noch bitteres, so dass ihn gar Unbedarfte ohne Zucker geniessen können. „A class of it’s own“, sorry J.P.! Weil auch die French Press und Filter und Stampf-Espresso immer höchstklassig daherkommen. „Pero me dudaría con el tuyo!“ Die einzige Einschränkung, die ich gelten lassen muss, ist das hauseigene Finca Singapur Quellwasser.

Also Don Rotscher. Wie du siehst, Geld allein macht nicht selig, ich habe ja nichts zu exportieren. Aber unterdessen freue ich mich über meinen Kaffee und darauf, ihn mit dir zu teilen!

LG

Markus

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Der Dottore zur grünen Welle

Ciao Direttore!

Die neusten Ergebnisse der grünen Welle bei dir lassen sich sehen! Kennst du „peperoni cruschi“ aus der Basilicata oder die kalabresische „nduja“ Zubereitung? 

Der Dottore

Ciao Dottore

Eigentlich weisst du ja, dass ich das nicht kenne! Aber es wird nicht dauern, das kann ich dir versprechen!

Ich rechne es dir hoch an, dass du meinen letzten Beitrag im Blog publiziert hast. Ich hoffe, du weißt wie ich dich schätze und dir für alle Einsichten vor Ort und aus der Ferne dankbar bin. Ja, ich erlaube mir, den Bedenkenträger zu spielen. Ich meine, ein Vorhaben zu hinterfragen, auf mögliche Problematiken hinzuweisen und die eine oder andere Nachforschen anzuregen, habe erstmal wenig mit Fatalismus zu tun. Ich schreibe nicht „es isch e so“ oder „das geht nicht“ oder „ich kann es besser“. Wenn ich dein Vorhaben nach drei Beiträgen nicht verstanden habe und es mir im Betrieb nicht vorstellen kann, ist das ein Zeichen. Ist nicht ja auch nicht weiter tragisch. „Unter dem Strich“ müsste immerhin ausreichend für die beschäftigten Personen übrig bleiben, um ihre fortlaufende Grundversorgung an täglichen Produkten, Dienstleistungen und Lebensbedürfnisse sicherzustellen. Wie schwierig dies für den lokalen Naturell sein kann, gerade wenn man „nur“ 1-2x pro Jahr für die Ernte (kaum) entschädigt wird und mit dem Geld bis zur nächsten Ernte haushalten müsste und nicht das Einkommen in Lotterien, schicke Kleidung, Motorrad, Puffs, Wahrsagungen, Wetten, und Feste verschleudert, ist uns aus vielen Fällen in vielfältiger Kombinatorik bekannt.            

Der Dottore

Ich habe bei der Ernte der Mandarinen eine mich für mich berührende Erfahrung gemacht. Das Oberhaupt der Indios bezahlte mich nach der Ernte, mit der wir übrigens nicht das geringste zu tun hatten, sofort in bar. An keinem Baum wurde ein Ästchen geknickt, währenddessen an jedem ein paar Früchte hängen gelassen wurden. So wie es sich eben gehört. Tätig war eine Grossfamilie, die ebenso fröhlich wie respektvoll mit der Natur umging. Ihre Kleidung war ärmlich, die Camioneta für den Transport gemietet, aber eben, etwas schuldig bleiben oder mich vertrösten kam für sie nicht in Frage. Sie gehören einer eingeborenen Bevölkerungsschicht an, die Don Arturo nähersteht. Ich habe es unterlassen, mich mit ihnen zu unterhalten, sie sind scheu und wohl nicht von ungefähr misstrauisch. Ob sie in der „Vereda Calimita“ wohnen, oder allenfalls in einem Reservat, weiss ich nicht. Was sicher ist, dass die Nachkriegs-Schwejkiaden des Ota Sik mit diesen Einheimischen nichts zu tun haben. Darüber, dass die Soziale Marktwirtschaft von Erhard erfunden wurde und nicht von Professor Sik, wollen wir uns ebenfalls nicht auslassen. Nur hat diese Art von Marktwirtschaft den Makel, dass sie auf endlosem Wachstum fusst. Da müsste man sich etwas etwas Neues einfallen lassen. Hingegen dürfte ethische Vornehmheit sowohl für Ludwig Erhard als auch für Ota Sik eine zwingende Selbstverständlichkeit gewesen sein. Das wird heute leider vergessen. Freund Walter, wie sein Sohn selber ein St. Gallener Abgänger, wird meine diesbezüglichen Ansichten teilen.

Ich möchte festhalten, dass ich deine Sprachkenntnisse nicht angezweifelt habe! Wenn mich deine Zeilen sprachlich beeindrucken, habe ich dir das über die Jahre mehrfach auch geschrieben. 

Der Dottore

Ich will niemanden beeindrucken, sondern wollte auf einen möglichen Beitrag meinerseits zur Wiederaufforstung und zum Wiederaufbau eines ökologischen Kaffeeanbaus hinweisen. Und, dass mir da im Moment sprachlich allenfalls wenig Konkurrenz erwächst. Es ist eigenartig, aber in meiner zeitweiligen Eigenschaft als „Schreiberling“ oder „Tippse“ hatte ich diabolische Freude daran, Sachfragen mittels Sprachgewalt die „Kurve kratzen zu lassen“. Weil eben viele eitle Gockel nicht hinter die Rhetorik blicken.

Der Niedergang der kolumbianischen Kaffeeproduktion hat viele Ursachen. Selbstgemachte, aufgezwungene und externe in Form von gestiegener globaler Konkurrenz aus neuen Gegenden, wo die Herstellungs-Bedingungen (quantitativ) besser sind. Einen Umweltexperten habe ich nicht zur Hand. Aber man könnte bei NGO’s (z.B. Greenpeace, WWF, Conservation Land Trust, Slow Food, Max Havelaar, etc) versuchen anzufragen, wenn man wüsste, um was es nun geht. Mit den edleren Samen ist es dir gelungen auf gute Quellen zu stossen und vielsprachig bist du ja. Hast du von Douglas Tompkin gehört? Er war laut Wikipedia ein Öko-Unternehmer sowie Gründer und ehemaliger Chef der Textilmarken The North Face und Esprit Holdings. 1989 verkaufte er seine Anteile an Esprit für 250 Millionen Dollar an seine Frau, von der er sich getrennt hatte und zog nach Chile. Dort erwarb er in Patagonien riesige Gebiete, um Nationalparks zu schaffen. Er stieg damit zum größten Privatgrundbesitzer in Chile auf. 1991 kaufte er die Reñihué-Ranch in der Absicht, das mit Regenwald bewachsene Gelände zu schützen. In den Folgejahren erwarb er mit der US-amerikanischen Umweltstiftung „The Conservation Land Trust* weitere zusammenhängende Flächen. Das ging nicht reibungslos und er wurde stark von den Indigenen angefeindet. Er ist Ende 2015 beim Kajak-fahren tödlich verunfallt. Auf der chilenischen Seite konnte ein Teil der Ländereien in einen Nationalpark überführt werden, beim zweiten ist seine Stiftung noch daran. 

Der Dottore

Ich will nichts Ungewöhnliches erreichen. Was die erwähnte Bevölkerungsgruppe will, ist Selbstversorgung und der Verkauf des Überschuss‘ für das Leben. Weisst du, wenn mir Warren Buffet eine Milliarde schicken würde, wüsste ich wirklich nicht wohin damit. Es geht um wenig und eigentlich will ich es selber aufbringen. Der letzte Besuch von J.P. war für mich ein Schlüsselerlebnis. Weil ich ja eigentlich mit dem Kaffee nicht soo viel am Hut hatte. Aber Don Arturo röstet jetzt, dank der vorhandenen Einrichtung, und Prediger und Co. lernen mit. Ich habe mich geweigert, Kaffee zu rösten und tue das weiterhin. Aber ich finde es wichtig, dass diejenigen, die Kaffee gewinnen, wissen wie man damit umgeht. Und alle Arten der Zubereitung kennen. Wir vergleichen täglich und blind weiter, mit Gekauftem und Eigenem. Filter, Espresso, French Press, was du willst. Vom Blind-Vergleich her und dem Wissen ums Rösten wissen wir, dass Finca „Singapur“ zur Oberklasse gehört. Gestern sind dreihundert Stöcke „Bourbon-Amarillo“ angeliefert worden. Bis uns die Äthiopischen „Geisha“-Samen, die J.P. für mich gestohlen hat, im Verein mit dem bereits vorhandenen „Caturro“ in den Himmel befördern, gehen noch viele Monde ins Land. Aber weisst du was? Wir müssen das nicht einmal exportieren, weil man das auch vor Ort zu schätzen weiss. Wie du siehst, ein Kleinbisschen mehr wissen wir. Und die Wespenart, die die „Roja“ frisst, ist freiwillig zu uns zurückgekommen. Man könnte sie auch kaufen, aber das ist nur hilfreich, wenn man keine anderweitige Insektenvertilgung vornimmt.

Heute habe ich für einen Freund an einem Menu rumgepröbelt. Für das aus D.M. Fleisch bearbeitete Tartar habe ich kalabresische Ingredienzen verwendet: die bezgl. Grösse gemischten Salzkapern, der wilde intensive Oregano (grandios!) und ein Topping aus im Mörser zerstückelten Bronte (aus Sizilien) Pistazien. Danach spaghetti mit cima di rapa auf Anchovis-Peperoncino-Knoblauch-Weisswein Basis mit wenig Tomate (gnam gnam). Als dolce habe ich 2,5 Dl Halbrahm aufgekocht, ca. 110 g Santander 70 % reingeschmolzen, dann auf dem Balkon bei 3 C 4 Std abkühlen lassen und ohne es aufzuschlagen genossen. Empfehlenswert!

Falls deine Cousine nicht gut zu Fuss wäre, möchte ich darauf hinweisen, dass in Bogota der Wechsel vom internationalen zum nationalen Terminal eine rechte Distanz ist. Wenn gleichzeitig mehrere grosse Flieger ankommen, bildet sich in der Immigration trotz rascher Abfertigung eine beachtliche Schlange (= 20-30 Min). Das gleiche erlebt man kurz danach beim Zoll. Allenfalls wäre die Anforderung/Organisation von Bodenpersonal Unterstützung ratsam. 

Im Tessin gibt es zwei neue Ständerate! Zum ersten Mal eine SP und ein SVPler!

Der Dottore

Un caro saluto e buona domenica

F.      

Schmecken wie sie aussehen: Finca Singapur-Tomaten

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An die Cousine über die Versicherung in Kolumbien

Hoi Elsbeth

Gegen oder für was möchtest du dich denn versichern? Wenn du in eigener Regie die Treppe vom Schwimmbar herunterfällst, als Beispiel das Gott verhindern möge, werden wir dich ins Spital bringen, und zwar zu „Urgencias medicas“ in Buga. Dort ist es privat, gut und günstig, weil nur für „Selbstzahler“. Wenn du die Kreditkarte dabei hast, musst du nur mit dieser winken, so du es noch kannst. Sonst übernehme ich das. Wenn du wieder freigelassen wirst, kriegst du eine Abrechnung, und deine Versicherung wird froh sein, dass du so preisgünstig verunfallt bist. Wir werden dir auch eine Vierundzwanzig-Stunden-Unterstützungsperson beistellen, das ist hier so üblich. Dieser Job wird überwiegend von Verwandten übernommen, aber ich werde das nicht tun, sondern jemanden für dich organisieren. Hingegen werde ich dafür sorgen, je nach der dir widerfahrenen Beschädigung, dass du mit gutem Brot und Bünderfleisch sowie einem guten Tropfen versehen sein wirst. Eine Magenverstimmung ist mir seit einer in Buenaventura gemeinsam mit J.P. erlittenen nicht mehr und bei niemandem sonst vorgekommen. Unser Wasser wird täglich konsumiert und darf wie das damit produzierte Eis als sehr bekömmlich gelten. Ansonsten würde das selbe Prozedere, allerdings ohne Bündnerfleisch, wie oben erwähnt in Kraft treten.

Ich nehme an, dein Flug sei bei einer einzigen Airline gebucht, die ja dann dazu verdammt ist, dich bis Cali und auch wieder zurück zu bringen. Wenn man den Flug verpasst, hat man halt je nach Art des Tickets Pech und muss wiederum, zumindest für den Heimflug, die Zeche übernehmen. Falls im oder mit Auto etwas passiert, würden wir assistiert, es sind alle Insassen versichert. Also ausprobiert habe ich es offen gesagt noch nie, ich würde auch in jedem Fall und auf alle Fälle mit der Kreditkarte winken, so immer man dann noch dazu fähig ist. Ansonsten man sich dem Herrgott überantwortet. Aber es gibt selbstverständlich Ambulanzen, wie auch schon zu Zeiten der Grete beschrieben. Wer sucht, der findet, auch die Kreditkarte(n) im Portemonnaie. Womit du dann wieder eine gefragte „Particular“-Patientin bist. Und dann ist es, wie gesagt, sehr gut und günstig. Auch weil die Kolumbianer an sich sehr liebevolle Menschen sind. Letzthin, als die künstliche Intelligenz meine Fotos aufräumte (wer weiss, warum!) sind mir Selfies mit Frau Grete von und mit einem ihrer vielen Lieblinge, der ansonsten mitnichten ein Engel ist, unter die Augen gekommen. Ich kann mir die posthume Gemeinheit der Veröffentlichung nicht verkneifen. Frau Grete war abonnierte Konsumentin bei Augenarzt und Ärztin, halb-privat versichert, wie man sagt. Der getriebene Aufwand lohnte sich dann irgendwie doch nicht, der Schädeltumor blieb unentdeckt.

Nun, das sind Geschichten für sich, die nicht kurz zu erzählen sind. Mir kommt nur in den Sinn, dass das Deutsche Gesundheitsminister einen Vorstoss zur „Planbarkeit der Pflege“ unternehmen will. Das tönt pervers und ist es auch. Wenn er einen Vorstoss zur Vermeidung von Pflege machen würde, was durchaus auch möglich ist, schiene mir das passender. Weil man weiss, dass die Notwendigkeit einer früh anfallenden Pflege sehr häufig sozialen Ursprungs ist. Wenn man sie aber planbar zu machen glaubt (was sie nicht sein kann), könnte man es geradezu als Aufforderung verstehen, gelöst in sie hinein zu sinken. Das ist ebenso vermeintlich sozial wie die Übernahme der steigenden Krankenkassen-Prämien für Minderbemittelte in der Schweiz. Weil die (sozialdemokratische) Idee dahinter eine gänzlich hinterfotzige ist, nämlich den Playern (wie der Dottore sie nennt), oder eben den „Spielern“ am Gesundheitsmarkt Tür und Tor beziehungsweise alle Schleusen für ihr häufig sinnloses Tun zu öffnen. Dröhnende Hinweise dafür kann der geneigte Leser diesem Blog entnehmen. Sie wurden übrigens nie dementiert!!

Vielleicht hängt das mit des Menschen Neigung zusammen, die Verantwortung für sich selber an andere, am besten an den Staat zu delegieren. Bei all dem Ausgeliefertsein halt schwierig. Wies siehst du diesen Aufruhr in Hongkong? Mich wird es wenig wundern, wenn der Dichtestress Hongkongs irgendwann auf andere Chinesische Grossstädte übergreifen wird. Und das Ganze weniger ideologisch denn als Folge der Bevölkerungsexplosion anzusehen ist. Ich sage das in Bezug auf die Schweiz, die für mich das Hongkong Europas ist. Auch in Hongkong gibt es unbewohnbare Anhöhen mit wunderbarer Aussicht.

So, alle weiteren Fragen beantworte ich dir natürlich gerne. Ich ziehe mir, wenn es nächtens draussen kühl wird, eine Ruana oder Poncho über, von denen werde ich dir gerne einen leihen. Oder wir kaufen gar einen in San Antonio, oder sonst wo, wo es sie in Lama-Wolle gibt. Heute morgen hatten wir 19°, das Wasser im Schwimmbad 23°, dies, weil wir im Moment wenig Sonne haben.

LG bis bald

Markus

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Die Cousine zur Kleiderfrage und zur Reiseversicherung

Hoi Markus

Deine sechshundertgrämmige Jumbotomate habe ich ehrfürchtig bestaunt. Auch die Berichte über Chili sind interssant. Ich habe es auch schon ein paarmal versucht, ist mir jedoch nie gelungen. Da habe ich es aufgegeben. Bei uns ist es jetzt kühl geworden, muss bereits heizen, wenigstens so gegen Abend. Draussen bläst meistens ein giftiger Wind. Freue mich jetzt schon auf sommerliche Temperaturen bei Dir. Dann ist da noch die Kleiderfrage. Kann man eher etwas leichteres mitnehmen? Das denke ich eigentlich schon, oder vielleicht einfach etwas gemischt.

Nun habe ich noch die Frage betreffend Reiseversicherung, ich denke, dass ich da schon etwas machen muss. In meinem Krankenhausheft steht zwar, dass ich im Ausland ziemlich gut gedeckt bin. Fragt sich nur: welches Ausland. Bereits zweimal schrieb ich eine Mail an die Kasse um dies zu fragen. Leider kam bis heute keine Antwort. Wir versuchen diese Woche noch anzurufen, und sonst schliessen wir so eine Versicherung ab. Du kriegst ja hie und da Besuch aus der Schweiz, weisst Du was die machen? 

Momentan habe ich viel zu tun. Im Oktober war ja noch Verwandtschaft da, dann kam die Reise- und dann die Grippezeit. So geriet ich mit Hausputz und Garten ziemlich in Rückstand. Es ist ja nicht so, dass alles überperfekt sein muss, aber wenigstens einigermassen. Am Donnerstag nehme ich noch an einer organisierten Wanderung teil und hoffe natürlich auf gutes Wetter. Die Wanderleiter des CH-Club organisieren jeweils 4 Wanderungen pro Jahr. Da gehe ich noch gerne. Meines schlechten Gehörs wegen rede ich dann nicht viel. Ich habe teilweise Mühe mit den Schweizern, da sind so viele Kleingeister dabei, und den Quatsch den sie oft zusammenschwatzen. Halt einfach Füdlibürger. Was meinst Du?

Lieben Gruss, Elsbeth

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An Tscheff Rotscher über Kaffee und seinen Wasserbedarf

Querido Tscheff und Don Rotscher

Zu Schaffisheim: weisst du, wenn der Esel aufs Pferd steigt….! Man nimmt sich halt gerne selber wichtig. Ein freundliches Briefchen an den zuständigen Politiker könnte allerdings Erleichterung schaffen. Mir wird bei der Erhaltung von Epochen-Autos immer warm ums Herz, wann immer ich sie sehe.

Von wegen Politik: Die Geschäftsleitung des „Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, EZW“ hat auf der Internet-Seite des Unternehmens Fragen der Angestellten zur Digitalisierung veröffentlicht. Die Lektüre kann auf eine unvoreingenommene Person wegen viel unfreiwilliger Komik erheiternd wirken. Da die Geschäftsleitung mit Schlag- und Modewörtern hilflos um sich schlägt, soll sie hier nicht weiter blossgestellt werden. Einige Frage und ihre Antwort blieben mir allerdings derart im Hals stecken, dass ich nicht umhin komme, dem entschlossen entgegen zu treten:

„Sind Cristalp Wasser (Nestlé) und Nespresso (Nestlé) die nachhaltigsten Anbieter auf dem Markt? Wieso unterstützt man als nachhaltiges ewz solche Firmen? (Frage an Stéphanie)“

Frage eines Mitarbeiternden

„Wir nehmen die Nachhaltigkeitsthemen ernst und haben die Ökobilanzierung von Nespresso Pads geprüft. Sie schneiden im Vergleich mit anderen Lieferanten für Portionenkaffe gleich gut oder besser ab, mit Recycling der Pads. Kaffee an sich ist weniger nachhaltig als viele andere Getränke und benötigt für die Produktion sehr viel Wasser. Entscheidend ist die Kaffeemenge und da sind Pads gut. Nespresso arbeitet mit der Rain Forest Alliance und ist in der Schweiz der grösste Röster von Fair Trade Kaffee. Wenn, dann sollte auf Kaffee ganz verzichtet werden. Cristalp ist ein Schweizer Mineralwasser, welches mit erneuerbarer Energie produziert wird. Daher ist Cristalp im Vergleich mit anderen Mineralwasser bezüglich Nachhaltigkeit bei den Besten. Noch besser ist sicher Züriwasser aus der eigenen Trinkflasche und dies liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Mitarbeitenden. Nestle als Firma ist ein Grosskonzern und Grosskonzerne haben in der Regel zahlreiche Verbesserungspotentiale und stehen daher immer wieder in der Kritik. Das Nachhaltigkeitsrating der ZKB weist jedoch für Nestle ein A (C bis AAA, Bewertung 2017) aus. Auch nach anderen Bewertungsmethoden wie dem Dow Jones Sustainability Index oder dem CSR Hub liegt Nestle jeweils bei den besten Unternehmen.“

Antwort der Geschäftsleitung

Es werden hier Gemeinplätze bemüht, die in ihrer Einfalt nicht zu übertreffen sind. Aber seien wir doch froh, dass das EWZ die Ökobilanzierung der Nestlé Kaffee-Pads geprüft und für gut befunden hat. Und dass mit wenig Kaffee viel Wasser verbraucht wird. Oder wie war jetzt das? Schön auch, dass Cristalp-Wasser mit alternativer Energie „produziert“ wird. Und die ZKB einen Nachhaltigkeits-Index hat. Dieser leidet am lässlichen Makel, dass „Migros“ und „Coop“ dort nicht vertreten sind. Daher die Empfehlung, doch besser ganz auf Kaffee zu verzichten. Ob dieser präpotenten Blödheit mag man lachen, aber eigentlich ist das alles mehr als traurig. Ja, es ist so, zur Verarbeitung von Kaffee wird reichlich Wasser benötigt (das immer auch vorhanden ist, wo kein Wasser, wächst auch kein Kaffee!). Das beim Verrotten der Kaffeeschalen anfallende Ethanol (Alkohol) sollte rückgewonnen werden (wird meines Wissens überall nicht!). Auf diesen Umstand lässt sich Einfluss nehmen. Das aus dem Waschen der Kaffeebohnen resultierende Abwasser überdüngt die Gewässer, so immer das Waschwasser nicht zur Düngung zurückgewonnen wird. Die Dinge liegen selbstverständlich noch komplizierter, als dass dies eine Marketing-Düse des EWZ zu verstehen vermöchte. Ebenso wenig sollte sie über „Fairtrade“ und „Rain Forrest“ auslassen, weil sie von beiden Begriffen nicht wissen kann, was sie alles nicht bedeuten. Dem Anschein nach hat die Täterin oder Verursacherin dieser für das EWZ beschämenden Prostitution mittlerweile das Handtuch geworfen. Ich wünsche ihr für ihre Zukunft einschränkungslos alles Gute und rate ihr, es künftig mit Wahrhaftigkeit zu versuchen.

Der Umgang mit Schlagwörtern, Ideologien und und sogenannten Management-Praktiken wie „Agility“ ist erschreckend.

Welche Aufgabe hat das ACC aus Sicht der GL?

Frage eines Mitarbeiters des EWZ

Das Agile Competence Center ist die zentrale Anlaufstelle und Basis für eine nachhaltige Entwicklung und Verankerung von Agilität in den Geschäftsbereichen von ewz. Das ACC fördert nachhaltig Wissen, Kompetenzen und Mindset für agile Arbeitsformen bei ewz, damit wir gemeinsam Chancen der Zukunft effektiv nutzen.

Antwort der EWZ-Geschäftsleitung

Eine wolkige Plattitüde jagt die andere, dass es sich bei dem Ganzen um einen ausgekochten Blödsinn handelt, erschliesst sich hingegen auf den ersten Blick. Nachdem immer klarer wird, dass die immer knapper werdende elektrische Energie keine Agilität für ihren Absatz benötigt, sollte sich auch die dafür zuständige Dame ein neues Betätigungsfeld suchen. Wie wäre ein „agiler“ Einsatz im „Help Desk“ des Kundenzentrum?

Warum ich all dies immer wieder aufwärme, Don Rotscher? Es stellt sich doch die Frage, wie die Politik, die in Sachen „EWZ“ immer wieder ihr „Primat“ reklamierte, jetzt zu diesem Desaster steht? Wäre als erster Alt-Stadtrat und Gockel Andres Türler zu nennen. Er erwählte den amtierenden Direktor, dem von den Angestellten die Frage gestellt wird, wie lange er noch weiter zu wursteln gedenke. Er erwählte ihn nach eigenen Angaben aus zweiundsiebzig andern Bewerbern, obwohl nichts, aber auch gar nichts für eine Eignung des Erkürten sprach. Aber dieser nur scheinbare Sündenfall wird sich demnächst von selber begründen. Ähnlich wie die verspätete Auslieferung der Bombardier-Trams.

An sich ist es ja nie zu spät, Grösse zu beweisen und den Abgang zu wählen.

Das gilt natürlich auch für uns!

LG

Markus

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Tscheff zu Chili und anderen brennenden Fragen

Lieber Markus

Ja, mit den impotenten Samen damals war das tatsächlich ein Frust! Ich sehe mich ja selber nicht als Chili-Spezialist, als Geniesser jedoch schon. Mein Spezi Thomas ist hingegen eine Koryphäe und jedes Jahr fleissig am Ausprobieren, Kreuzen und Gärtnern. Er zieht wegen dem immer matschig dazwischenfunkenden und daher lästigen Schweizerwinter die Chili-Samen schon im Februar zu kleinen Setzlingen hoch. Dazu verwendet er ein ausgedientes Aquarium und das erwünschte Farbspektrum spendenden LED-Leuchten, die eine ganz eigentümliche Atmosphäre in seine gute Stube bringen. Es wundert einen von daher, dass die hiesige DEA noch nie bei ihm anklopfte…

Immer wenn es auf den Winter zugeht nutzniesse ich von seinen prachtvollen, heissblütigen Früchtchen aller Farben, von gelb bis dunkelrot. Die schmecken sehr und brennen allesamt zweimal. In besonderen Fällen ja sogar dreimal, nämlich dann, wenn man nach der Verarbeitung der Zwerge die Hände nicht sorgfältig genug wäscht und sich dann beim Augenreiben die Augen wischt, was wiederum in Panik ausarten kann…..

Was in Tscheffsfamily besonderen Anklang findet, sind meine Chili-Öl-Tunken, die ich liebevoll und zeitaufwändig 😉 zubereite und anschliessend in wenigen Minuten von Barbaren weggefressen werden. Mein Rezept, das ich für gespendete „Golden Lemons“ verwendet habe (letztere eignen sich, nebenbei erwähnt, hervorragend für ein „Chili con Carne“), ist:

Olivenöl, ca. 1 Deziliter, in ein altes „Gomfiglas“ geben, 10 Stk. Chili in feine Ringe geschnitten dazugeben, 2-4 Knoblauchzehen in ebenso dünne Scheibchen geschnitten dazugeben und mit feinen „Zitronengrasruggelis“ aus dem Thai-Shop aufwerten. Etwas schwarzen Pfeffer und Salz beigeben und fertig ist die „Plöfferei“! 

Die Saucen sind herrlich für gestandene Chiliesser und immer gut für einen Jux bei Neulingen. Uns und den Besuchern treibt dies jeweils die Tränen in die Augen, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen! Im Kühlschrank ist das mehrere Tage haltbar. Übrigens friere ich die Chilis jeweils ein und picke dann und wann zwecks würzen unserer Speisen ein Exemplar heraus. Im eisigen Zustand lassen sich die übrigens sehr gut verarbeiten!

Gut hast Du Dir einen sachkundigen Autokenner angelacht. Ob der aber etwas taugt, entscheide ich dann! Ich meine, dass es auch keinen Sinn macht nach Bogota zu hötterlen, in Kolumbien sind ja die Fahrzeuge, die wir im Auge haben, zum Glück noch keine Rarität. 

Ich für meinen Teil muss am kommenden Mittwoch den „Cruisi“ zum Strassenverkehrsamt bringen. Ein Spiessrutenlauf sondergleichen erwartet mich! Es ist unglaublich, wie man sich hier in der Schweiz drangsalieren lassen muss. Die Vorschriften sind derweil so unsinnig, dass mir davon schlecht wird. Und nicht etwa, weil es um ausgefallenes Tuning ginge, sondern um absolute Lappalien, wie beispielsweise praktische Windabweiser an den Frontfenstern, die unter anderem in Deutschland mit dem Segen des TÜV unter Offroadern mit gutem Recht Anklang finden.

Alles wird auf das Peinlichste untersucht und man wird während zwanzig Minuten zum Bretzenbub degradiert. Die schnoddrige Art und Weise der Abfertigung ist stossend. Wagt man auch nur eine Silbe, ist eine kostenpflichtige Ehrenrunde Programm, weil, wenn ein Graumantel etwas sucht, er immer fündig wird. Ich nenne keine weiteren Details, vielleicht ist ja dein Blog Pflichtlektüre der Informanten des „Bundesamtes für das Äusserste“ und in Schaffisheim harren dann vorab informierte Experten mit gezückten Spiegeln und Mikroskop meiner …

Es mag in Kolumbien nicht alles Kokain sein, was weiss schimmert, aber diesbezüglich geniesst man wohl einiges mehr an Freiheit als in Helvetien. Ich jedenfalls freue mich auf diese (vielleicht imaginäre) Unbeschwertheit! Wenn ich nur wüsste, wann wir es endlich wieder zu Dir schaffen, um unser Projekt „Papagonien“ in Angriff zu nehmen. Wir harren inzwischen der Dinge, die da kommen und träumen von Deinem Kleinod im fernen Südamerika! Möge das nächste Jahr Klarheit schaffen – ich habe die Tretmühle langsam aber sicher satt…

LG

Don Rotscher

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