10. Brief an die Cousine


Ich weiss nicht, wie du es mit Tieren hältst. Meine beiden schwarzen Kater und ich mögen uns gegenseitig, aber heute hat Balthasar wieder einen Kolibri getötet, was mich immer sehr ärgert. In Kolumbien lockt man die Kolibris mit Zuckerwasser an, was diesen mit Sicherheit nicht bekömmlich ist und ihren Bestand zusätzlich gefährdet. Wir versuchen, mit sehr stacheligen Beerensträuchern, die für Katzen unzugänglich sind, wenigstens geschützte Nistbedingungen zu bieten.
Aller Leute Liebling ist der Deutsche Schäferhund Paco. Wenn Dottore Fabio da ist, oder der Elektriker Alvaro, dann nimmt mich Paco kaum zur Kenntnis. Damit der Paco fit bleibt, hat der Dottore veranlasst, dass Paco am Morgen von einem Angestellten mit einem Rundgang durchs Finca-Gelände „bewegt“ wird, was letzterem natürlich grossen Spass bereitet. Er rapportiert unermüdlich, bergauf und bergab, und ist daher ein tatsächlich sehr fites Muskelpaket. Hündin Lula ist sehr eifersüchtig auf Paco und seit er als Welpen hier angekommen ist, seine Chefin. Das geht sich darum aus, dass Paco sehr nobel ist und sich, wann immer es ihr angemessen scheint, von ihr kujonieren lässt. Wenn dann menschliche Wesen eingreifen (ich tu das nicht mehr), dann erbittert sich Lula sehr und wird richtig pampig. Sie äussert das, indem sie sich beispielsweise dem Auto in den Weg legt und von da nicht weichen will. Oder nächtens sinnlos umher bellt, weil sie weiss, dass mich das ärgert.

Das Obenstehende ist jetzt eine Woche alt. Gestern stand ich eine Stunde im Stau, wegen den Radfahrern für den Frieden. Man hat hier eine Tendenz zum Pathetischen, zum Aufgeblasenen. Zu solchen Anlässen werden Heerscharen von Polizisten aufgeboten. Diese sind aber nicht fähig, wo nötig ein Schild „Strasse gesperrt“ aufzustellen, oder gar Umleitungen zu markieren. Besagte Polizei könnte man mit Gewinn auf einen Drittel ihres Bestandes reduzieren, diesen anständig bezahlen und ihm das Einmaleins beibringen.
Ich habe einen „Besuchstag“ für interessiertes Gastronomie-Personal organisiert. Von den sieben Teilnehmern kommt eine Kandidatin für die Küche in Frage, die ihr bisheriges Leben dort verbracht hat und entsprechend weiss, von was sie spricht. Die übrigen sind Studenten, alle Jugendlichen, so sie das Geld für die als Katze im Sack verkaufte Bildung zusammenkratzen können, „studieren“. Demgegenüber fehlen jenen, die irgendeine praktische Arbeit ausführen müssten, jedwelche Kenntnisse. Eine der Kandidatinnen studiert „ingeniera industrial“, aber auch sie vermochte mir nicht zu erklären, was diese Berufsgattung zu erledigen im Stande sein soll. So müssen denn viele Studierte froh sein, zu einem Mindest-Lohn unterzukommen, was natürlich sehr entwürdigend und wenig motivierend ist. Es wäre gelogen zu behaupten, ich hätte mein Leben lang „Kochen“ studiert, überhaupt nicht. Aber es ist mir mindestens bewusst, dass es, gleich der Sprache, eine lebenslange Aufgabe wäre. Es muss nicht immer Bocuse sein, aber der Verstorbene hat sich löblicherweise sein Leben lang um die Aus- und Weiterbildung gekümmert, auch bezüglich sich selber. Ich sag das jetzt nur, um meine gewisse Pikiertheit diesen Studenten gegenüber darzulegen. Was sagt und erzählt man denen? Am besten gar nichts! Für mich ist das ein Zeitgewinn, der mich entlastet. Es gibt nichts Schlechtes, das nicht auch Gute mit sich bringt. No hay mal que por bien no venga.

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