Brief an Don Fabio zu Soja und anderem Getreide


Bongiorno Don Fabio
Im Bild der Sohn des Jhon Freddy. Der ist super-schnüggelig! Nach dem sein Vater sich gebärdete, als müsse er und nicht seine Frau das Kind zur Welt bringen, ist es jetzt hocherfreulich, dass der Sohnemann endlich auf die Welt gekommen ist. Don Jhon Freddy ist ein glücklicher Bewohner der Grossstadt Cali, während ich, wie man weiss, für die Rückwanderung der emigrierten Städter aufs Land plädiere. So äusserte ich denn allergrösste Bedenken bezüglich der Zukunft von Maximiliano, wie das Kind heisst, wenn es in der unbestreitbaren Pestilenz der Grossstadt aufwachsen müsse. Und es für den Vater besser wäre, er würde sich um die Internetversorgung in der Provinz sorgen, (beispielsweise Sevilla) woher er ja auch stammt. Wahr ist, dass es nicht einfach sein wird, zum Rückzug aus Cali zu blasen. Für unser mittlerweile zum Glück der Vergangenheit angehörendes Signal-Debakel kann Jhon Freddy nichts. Aber es wäre im Interesse von ENSAT, wenn ich ihn aus Cali herauslocken könnte. Vielleicht ist der Maximiliano ein Hebel!

„Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass sich geschmacklose Soya aromatisch machen lässt!“ Gestern liessen wir dem Gesinde wunderschön frittierte Soja-Burger auffahren, die auch innerlich -wenigstens von der Farbe her- an Fleisch gemahnten. Die Farbe stammte von einer gekonnten Mischung aus Achiote und Randensaft. Die Bekochten tränkten das Elaborat mit Glutamat verstärkter Sojasauce und fanden das schmackhaft. Wohl wäre es nur schon für meinen kleinen Kreis wünschbar, wenn dieser weniger schlechtes Fleisch konsumieren und qualitativ besser essen würde. Aber für einen kulinarischen Höhenflug reicht unser Potential an Vegetarianischem mit Sicherheit nicht. Ich verstehe ausserdem wirklich nicht, warum die Menschheit auf Soja als ihre Rettung wettet. Falls unsere angesetzten Soja-Saucen binnen Jahresfrist, oder wann auch immer, irgend etwas werden, so soll mich das freuen. Aber irgendwie habe ich zu Kichererbsen, Gerste etc. mehr Vertrauen. Und wenn die ganze Wissenschaft gegen mich steht: Gestern habe ich die Mischung aus schwarzen Bohnen und Gerste fertiggestellt. Zu dem Behuf sind die Ingredienzen zu kochen und zu pürieren, Arbeit die eine Maschine namens „robot coupe“ übernimmt. Wenn es der zu dick kommt, stellt sie einfach ab und lässt sich dann nach kleistriger Bereinigung der Umstände wieder anwerfen. Wenn du eine Misopaste korrekt in den dafür vorgesehen Steinguttopf verbringen willst oder sollst, Dottore, dann musst du (angeblich) die Masse handballenweise hinein klatschen. Dies vermutlich um Luftblasen zu verhindern. Scheinbar haben schwarze Bohnen und Gerste eine andere Konsistenz als Soja, jedenfalls klatschte das hinein Geklatschte wieder zurück beziehungsweise mir in die Visage. Ich musste zwecks Rückgewinnung der Übersicht meine verklebte Brille mit verklebten Fingern vom verklebten Gesicht ziehen, während dessen mich eine unbändige Wut überkam. Nur das Wenige an Altersweisheit hielt mich davon ab, alles kurz- und klein zu schlagen. Dieselbe Altersweisheit liess es mir geboten scheinen, eine hohe Dosis an Whisky einzuschenken und mich zu fragen, was ich hier genau tue. Dieses Innehalten erinnerte mich wiederum an den wunderbaren, von einem ehemals glücklichen Schwein stammenden „jambon persillé“, der im Kühlschrank auf seinen Verzehr wartet. Davon schnitt ich mir eine grosse Hamme ab und verköstigte das mit Hausmachersenf und ein paar Gläsern Rotem. Das ist work in balance….!

Abrazo
Markus

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Ein Kommentar zu Brief an Don Fabio zu Soja und anderem Getreide

  1. Susanne sagt:

    Oh du Ärmster😂 Christian ist es leider schon zweimal ähnlich ergangen, als er die von seiner Mutter übernommene Teigwarenwalze in Betrieb nahm! Die Küche und er waren weiss gepudert, die Stimmung unterirdisch und Znacht gab es trotz meiner in der Not angebotenen Hilfe erst 2 Stunden später….
    Was dann wiederum meine Stimmung massgeblich beeinflusste😉
    Im Januar wird er nun einen Pastakurs in der Mühle Tiefenbrunnen besuchen😄
    Sein Motto lautet: Never give up!
    Lg, Susanne

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