Der Dottore zu Kolumbianischen Extremen

Buongiorno Direttore

Ich schrieb von “Freude am Schreiben”. Davon ist in deinem neuen Blog-Eintrag viel zu spüren! Das freut mich für dich (für mich als Leser sowieso!). J.P’s Ankunft wirkt sich sicher positiv auf die Stimmung aus. Und diese wiederum auf Kreativität und diszipliniertes Schreiben und das Kombinieren. Kreativität und Disziplin schliessen sich nicht zwingend aus. Kreativität braucht einen guten Boden (Umfeld) und hat eine (oberflächlich gesehen) zufällige, spontane Komponente. Die kreativen Eingebungen müssen vertieft und umgesetzt werden, was eben eine gewisse Konstanz (Disziplin) erfordert. Die Mischung macht es aus. Aufschieben kann aus mehreren Gründen keine gute Idee sein. Bitte dran bleiben!

La Gaffe, La brutta figura (figuraccia), oder El Papélon (Pons Dixionnaire dixit) ist amüsant, aber etwas übertrieben. Ich nehme an, J.P. hat mit Don Francisco und Don Arturo den Cafétal durchschritten und sich die Konstellation mit den getrockneten Bohnen angeschaut. Bei strenger Selektion der Bohnen (Selection Premium Absolue?) vor der Röstung und möglicherweise durch Aufteilung und Anwendung verschiedener Röstgrade, die schlussendlich in einer „Miscela Premium Assoluta Singapur“ in den richtigen Proportionen zueinander einfliessen, entsteht vielleicht doch etwas Ansprechendes? Umso mehr, wenn sich die Selektion auf Bohnen der Pflanzen im schattigen Hangteil beim Bach beschränkt? Was empfiehlt J.P.?

Der Barista „Barbudo“ aus Armenia kannte damals durchaus seine Momente des Dünkels und (Filisuur)Einbildung. Generalisierungen sind heikel. Mich stört „la présumption“ -das Anmassende- der Sommeliers, bei welchen Produkten auch immer. Wenn die einem etwas aufdrängen, oder mit ihrem Kauderwelsch belehren wollen, ohne sich auf ihr Gegenüber einzustellen. In der Gemischtwarenhandlung in Belen (Huila) behauptete die Verkaufsgehilfin auf meine Nachfrage hin anfänglich, es gäbe da keine Bohnen aus der Gegend. Erst durch das Gespräch mit der Besitzerin, durch Hochloben der Gegend und der prachtvollen Kaffeepflanzen, Fragen zu verwendeten Sorten, der Düngung und den Massnahmen gegen Ungeziefer sowie das grosse Bedauern, keinen authentischen Kaffee mitnehmen zu können, wurde sie willig, etwas von ihrer privaten Hausmacherröstung locker machen. Nähe, genuines Interesse, Freundlichkeit im Umgang: oder ist es mein trügerisches Gedächtnis und es war dein Charme? Der vom Ehemann der Ladenbesitzerin handgemahlene und auf dem Feuer selber geröstete Kaffee aus dem eigenen (vermutlich liebevoll gehegten) kleinen Cafétal war doch erstaunlich gut. Beweis (einmal mehr!) wie gut und zugleich schwierig das Einfache ist!     

Eine Santander Tafel (70%) hatte ich mir mal geleistet, zudem haben wir einen wohlriechenden Kg-Block des von dir genannten Herstellers mitgenommen. Überhaupt, auch beim Cacao eröffnet sich in Kolumbien eine Welt, sodass sich leider zunehmend eine gewisse Ernüchterung über die ach so gute Schweizer Industrie-Schoggi breit macht.    

Auch die (bereits etwas eingefallenen) Augen des Don Fredy erzählen Geschichten. Schon die zehnte Version? Doch interessant, wie schwierig es ist, konsistent zu lügen (speziell im Rauschzustand). Nach der Lektüre des Geldwäscher-Berichts zu Kolumbien kam mir Don Helio in den Sinn. Bei den Nachfragen zu seinen „Traumaticas“ erwähnte er den Polizisten und zu seiner Rechtfertigung, er hätte gelegentlich viel Geld im Auto oder müsse Geld transportieren. In Cali hat er nach eigenem Bekunden eine grosse, schöne und teure Eigentums-Wohnung. Bei seiner prachtvollen Hochzeit in einer der Hauptkirchen von Cali bekam er einen privaten Sicherheitsdienst, Polizeieskorte und die Blockierung der Zufahrtsstrasse hin. Ebenso bei der anschliessenden, prunkvollen Hochzeitsfeier. Nach kurzem Aufstieg zu den Mandarinenbäumen hoch, geriet er überraschend schnell ausser Atem, obwohl er bekundete, praktizierender Anhänger einer seltenen fernöstlichen Kampfsportart zu sein. Fungiert der als Strohmann und Geldkurier? Im IMF Bericht steht zu den Kurierdiensten folgendes: „From 2013 to March 2017, DIAN has applied 1,207 sanctions for Col$13,251,180,870, amounting US$4,732,756.” Das sind nur Gelder, bei denen versucht wurde mehr als 10’000 USD undeklariert ein/auszuführen. Ein Klacks im Verhältnis zum Ganzen oder „die grosse Dummheit“?! Der Bericht erwähnt dann den „azafata case“: 

The criminal organization used personnel from commercial airlines from Colombia, Spain, Mexico, and the United States. It was confirmed that these people received from third parties’ significant amounts of foreign currency to introduce into Colombia. In the framework of the investigation, 19 raids took place, 7 of which involved seizures of currency. It was determined that the group moved U.S. dollars and Euros with an approximate value of Col$8,500,000,000. Moreover, in March 2016, 13 persons were arrested, including flight attendants. They were charged with Money Laundering, illicit enrichment of individuals and conspiracy. Five of these accused persons made an agreement with the prosecutor and were convicted to 75 months of imprisonment.

Buona giornata

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