9. Brief an die Cousine


Bezüglich der Handwerker könnte ich auch Bücher schreiben. Es stimmt, man entwickelt ein Sensorium dafür. Illusionen darf man sich keine machen: Es fehlt den Arbeitskräften einfach die entsprechende Ausbildung. Und Handwerker sind ja rund um die Welt berüchtigt. Mein Freund Alvaro, der Elektriker, arbeitet jetzt fast nur noch für mich. Viele der Themata sind ihm verständlicherweise ebenfalls fremd: Energie-Speicherung, Schutz und dergleichen. Aber er behauptet nicht wie andere, sich auszukennen um anschliessend Scheisse zu bauen, sondern hört sich um und informiert sich. Sein Privatleben bereitet ihm einige Schwierigkeiten, die Lage der Singapur macht ihm das Ausweichen möglich. Und dann ist da noch eine Liebesbeziehung: Schäferhund Paco ist mit dem ständig mit ihm spielenden Alvaro glückselig und hat den Abschied vom Dottore entsprechend treulos überstanden.
Was das Personal und die Schwierigkeiten mit ihm anbetrifft: Man tut tatsächlich gut daran, sich etwas für dessen Privatleben zu interessieren. Ich hatte einen vorzüglichen Mitarbeiter, der sich für das Kochen interessierte, schnell lernte und mir insgesamt intelligent schien. Weil ich tratschsüchtig bin und auch durchaus zuhöre, so immer mich etwas interessiert, orientierte ich mich schnell über die sexuellen Vorlieben des Armen. Seine Frau, die nebenbei auch im horizontalen Gewerbe tätig ist, nützt dies routiniert und weidlich aus. Man kann derlei durchaus auch verifizieren: Mit der Frau Profe pflege ich über die „reuigen, sich Gott zuwendenden Huren“ zu scherzen und tat das einmal auch im Auto am Telefon über die Lautsprecher. Im Rückspiegel konnte ich feststellen, dass sich der mitfahrende Ausgebeutete die Tränen von den Augen wischte.
Soeben bin auch aus der Küche zurückgekehrt, wo ich mit Emilce und Andrés Ochsenschwanz-Ragout, Drei-Zwiebelarten-Suppe und Leberknödel zubereitet habe. In der Coppélia wird das „le Ragoût d’oxtail confit“, „la soupe aux trois oignons“ und „les Boulette aux Fois“ heissen. Die spanische Übersetzung werden wir auch noch klein dazuschreiben. Derweil ist auch „Spotify“ weitergelaufen, das heisst ich muss die exzellenten Mozart-Aufnahmen, die Peter Maag im vorigen Jahrhundert mit dem „Orchestra di Padua e del Veneto“ gemacht „zurückspulen“. Da ich im Netz nichts „mit Freunden teile“, tue ich es auf diesem Weg.
Wenn man in den Wald ruft: Apple ist gerade und scheinheilig daran, mir wieder einmal 2,6 Gigabytes für die Besserung begangener Untaten wie Lautstärke- und Prozessorenbremse über die Netze zu schicken. Ich freue mich sehr, dass dem Konzern mit dem gäx-nasigen Tim Cook (er ist sicher ein Frommer!) an der Spitze Sammelklagen ins Haus stehen. Nur zu, Geld ist genug da! Weisst du, es ist so: Für die Herstellung der iPhone-Batterien benötigt man seltene und teure „Erden“, die meistens aus China stammen. Damit wollte Apple wohl diskret sparen, daher die rasche Senkung der Preise für Ersatzbatterien. Das Eingeständnis des Betrugs liegt also bereits vor. Ich bin mit dem 6S ebenfalls ein Opfer. Fuck them! Du wirst sehen, die Aura des „Edlen“ ist letztlich auch für die vielen naiven Gläubigen schnell ruiniert. Die Chinesen warten schon!
Aus diesem Grund besuchte ich angelegentlich von Besorgungen in Cali eine Bekannte, die smartphone-Beschafferin für ENSAT ist. Sie hockt in einem „Centro Comercial“ den ganzen Tag in ihrer Kombüse und freut sich über jede Abwechslung. Und ich lerne bei ihr viel, daher ich habe ihr die Beschaffung eines Huawei-Phones mit Leica-Kamera in Auftrag gegeben. Für meinen Blog ist doch nur das Beste genug, gell? Es muss nicht immer Apple sein, wenn es billiger besser geht. Vielleicht haben die Schinesen leichteren Zugang zu den ihnen eigenen seltenen Erden und sagen sich: China first!

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