An den Dottore über das Böse

Ciao Dottore

Zuweilen, wenn Don J.P. zu Besuch weilte, pflegten wir uns mit dem Betrachten einer türkischen „Sultan“-Serie in Netflix zu ergötzen. Dem Vernehmen nach war die in ihrer Kitschigkeit amüsante Angelegenheit seinerzeit dem Herrn Erdogan zu explizit. Dass nämlich ein ganzer Harem immer nur danach trachtet, eine Nacht mit dem gütig-klugen Herrscher zu verbringen. Wobei dieser seine sexuellen Gelüste (in der TV-Serie!) mit epischem Süssholzraspeln verbrämt. Im Gegensatz zu uns fand Herr Erdogan diese Art pathetischer Schauspielkunst gar nicht lustig. Obwohl man ihnen eine Art von Kunstsinnigkeit nicht gänzlich absprechen kann, sind mir die zum Einschlafen hilfreichen Rosamunde-Pilcher-Elaborate etwas verleidet. Aber es gibt ja Netflix, wo es eine US-Amerikanische Serie namens „Once upon a time“ oder eben „Es war einmal…“ zu sehen gibt. Es geht um eine Märchenwelt mehrheitlich Grimm’scher Prägung, in die die Einwohner einer Gemeinde in „Maine“ stetig ein- und wieder zurück tauchen. Tragende Rollen sind die böse Königin, ein doof-getrostes Schneewittchen, ein schmalziger Prinz, Rumpelstilzchen (hier Rumpelstilzkin genannt), Feen, Drachen, Wölfe und eben: Viel Böses. Die Autoren der Serie vertiefen die oberflächliche Sicht der Grimm-Brüder auf die psychologische Seelenlage der bösen Königin. Sie ist nicht böse, weil sie ihre Schönheit durch Schneewittchen konkurriert sieht oder einfach die Schönste sein und bleiben will, nein, ihre Bösartigkeit entspringt erlittener Verletzungen in der Liebe. Im Gegensatz zu den Grimm’schen Märchen ist die Serie von daher auch nicht jugendfrei, sondern 13+. Das Böse manifestiert sich in einem donnernden Klamauk mit aus brennenden Händen fliegenden Molotowcocktails oder aus ihnen pulsierende elektrische Lichtbögen. Das alles ist grandios in Szene gesetzt, die Schauspielerinnen, insbesondere die böse Königin, sind immer spektakulär geschminkt und auch nach tagelangen Fussmärschen durch den Dschungel – oftmals in einem bodenlangen Ballkleid- immer makellos anzusehen. Das ganze ist nicht nur zum Todlachen, nein man lernt wie gesagt auch, woher das Böse wirklich kommt. Am überzeugendsten wie gesagt wirkt die böse Königin (Lana Parilla), die hier tatsächlich die Schönste ist und an der als Latina die künstlichen Wimpern nicht so angeklebt wirken.

Wie gesagt: eine Fernsehserie! Meiner unwesentlichen Ansicht nach wäre allerdings das Böse seitens der Gebrüder Grimm mit ihren Märchen ausreichend charakterisiert. Es erübrigt sich doch auch bei US-Präsident Trump zu grübeln, warum er sich als pathologischer Lügner so lange im Amt hält. Es ist, wie ich es zu dir von wegen des Wiederaufblühens des Kolumbianischen „Bösen“ bemerkt habe, im Grunde nur ein Mangel an Kultur und Bildung. Heisst, der primitive Baulöwe bleibt ein solcher, und wenn er noch so reich ist. Ein erspriessliches, befriedigendes oder gar herausragendes Leben bleibt mit Vulgarität aber unerreichbar, was die permanente Unruhe um die Person erklärt. Das „Böse“ schöpft seine Motivation aus falschem Ehrgeiz, falsch verstandenem Glück und Selbstüberschätzung. Die Schweizer Grossbanken machen ja gegenwärtig mit ihrem eigenartigen Führungspersonals ebenfalls weltweit über sich reden. Aber es hat dies schon immer gegeben, nur wurde weder jemand beschattet noch darüber gesprochen. Wie schon mit Helensche aufgewärmt: seinerzeit am Mythenquai war ich zur Feier einer Promotion in die Geschäftsleitung des Weltkonzerns geladen, die kurz vor ihrem Stattfinden abgesagt wurde. Was genau passiert war, kann man nur raten. Aber das abgesägte Opfer wurde bei der Konkurrenz nebenan entweder aus falschem Ehrgeiz oder verletztem Stolz gar straffällig. Bei den Streithähnen von der CS würde man vielleicht gerne psychologisierend auf ihre kulturelle Entwurzelung hinweisen. Aber Ambitionen Trumpscher Niedrigkeit genügen vollauf.

Einfach hat sie es nicht, die Frau Bundesrätin Sommaruga. A contre-coeur musste sie sich in weiteren Ankündigungen der für das Gemeinvolk seit einer Ewigkeit hängigen Strommarkt-Liberalisierung ergehen. Bei den Nachbarn ist das längstens erfolgreich eingeführt, die Deutschen zahlen für ihren liberalisierten Strom Höchstpreise. Und weil sie staatsgläubig viel Geld in die Windkraft pumpten, sind die Reserven an mit Windmühlen zu ruinierende Landschaften geschwunden. Die Schweizer haben für derlei Fortschritt laut EWZ-Pressesprecher Harry Graf kein Gemüt. Seine Welt bekam letzthin ohnehin gröbere Risse, wie er mit obrigkeitlicher Nachhilfe von der ökologischen Allgemein-Verdammung der Atom-Energie Abstand nehmen musste. Wenn der Stadtrat die Stadt-Zürcher Atomkraftwerk-Anteile doch nur schon verkauft hätte. Dann könnte man die Lücke diskret wieder zurück einkaufen und mit dem Label „weitere“ versehen. Die Welt wird tatsächlich immer komplizierter. Aber jetzt soll die Liberalisierung die Kreativität fördern. Etwa, indem sich Nachbarschaften energiemässig tätig unter die Arme greifen. Die „Branche“ reagiert auf die sich jetzt bietende „Planungssicherheit“ mit Erleichterung. Der Lobbyist derselben in Bundesbern und gleichzeitige Pressesprecher des stadteigenen Zürcher Elektrizitätswerk Harry Graf durfte also die Früchte seiner Arbeit ernten. Es ist wäre ja auch unfair, ihn für einen Wunderknaben zu halten. Wie sollte der Spagat möglich sein, mit einer aufgeblähten Marketing-Abteilung den Verkauf dessen zu fördern, was eigentlich eingespart werden müsste. Die Geister, die EWZ mit der Liberalisierung herbei redete, wird es nicht mehr los. Liberalisierung: nirgends. Im Grunde hat sie gar nie stattgefunden, weil es nämlich ausser „der Branche“ keine Sau interessiert. Obwohl man unter Aufbietung aller (holprigen) sprachlichen Kräfte sie herbeizureden trachtete. Zum Glück konnte sich EWZ auf die Promotion ständig wechselnder Strom-Labels verlegen. Dies immer mit dem Fokus, die Kundschaft zum Umstieg auf teurere, weil tatsächlich oder vermeintlich umweltfreundlichere, Stromprodukte zu motivieren. Bei soviel Agitation ist es nicht weiter verwunderlich, dass dem Unternehmen die Anteilsprozente der produzierten Stromarten untereinander geraten.

Weisst du was, Dottore? Manchmal findet man sich selber nur deshalb schon böse, weil man die Dinge so benennt, wie sie eben sind. Du fragst boshaft nach meinem Beitrag für eine bessere Welt? Also, ich hoffe fest auf einen kräftigenden Abschwung, der für mich Aufschwung bedeuten könnte, die Zeichen stehen ja gut. Und dann trage ich mit der Absicht, ein grosses Stück „verlorenes“ beziehungsweise abgeholztes Land zu ergattern und zu gucken, wie man das wieder bewaldet. Vielleicht bietet sich mir gar Zugriff auf einen schönen grossen „Blätz“ in der Nähe des Naturreservats Yotoco. Erfunden habe ich ja noch nichts, aber ich bin immer noch lernfähig. Meint, dass mir klar ist, dass ich das selber nicht erwerben soll, um keinen überhöhten Preis zu zahlen. Ursprünglich dachte ich an „John Wayne“ als Vermittler, dann schickte mir der aber eine Message in Form eines Gebets, welches ich für mein eigenes Glück weiterleiten hätte sollen, was wiederum gewisse Zweifel an seinem Gemütszustand in mir weckte. Bei Frömmeleien ist immer allergrösste Vorsicht angezeigt. Also muss ich mit Geduld und Trumpscher Hinterfotzigkeit wappnen. Beide sind meine Sache nicht unbedingt, aber wenn es denn sein muss! Kommt Zeit, kommt Rat. In dem Zusammenhang fällr mir Don Arturo ein, dem ich Anschaffungen und Aufträge jedwelcher Art an die Hand gegeben habe und seither alles günstiger geworden ist. Ganz ohne Flunkern geht das nicht, aber vielleicht macht es darum Spass.

Mit dem grossen und geräumigen Gewächshaus hat Don Arturo wider meiner Erwartung bisher recht behalten, es funktioniert. Wir waren ja auch nicht die Ersten. Ich kann mir allerdings immer noch vorstellen, dass eine Tomatenwelke oder was auch immer den Einsatz für eine Pestizid-freie Erzeugung von Tomaten behindern könnte. Aber dagegen hätten wir ja immer noch die „Ruda“-Pflanze in der Hinterhand. Unsere Sorte ist San Marzano und der Geschmack ist sehr ok, aber auch nicht mehr. Im „Cañaveral“ werden allerhand Bio-Produkte verkauft, China- und Federkohl beispielsweise, die durchaus von guter Qualität sind. Die (Bio)-Tomaten sind aber von derselben Geschmacklosigkeit wie die daneben angebotenen billigen Giftflutschen. Also hat sich die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt, dass den hybriden Sorten vor allem der Umami oder Wohlgeschmack abgewöhnt worden ist, was ja auch bei der Kaffeesorte Castilla der Fall ist. Im Internet-Versandhandel findet man glücklicherweise gentechnisch unveränderte Sorten, die aus den USA importiert werden (Amish Paste, Black Krim und so). Davon habe ich eine Auswahl bestellt. Jahrein jahraus frische wohlschmeckende Tomaten? Das wäre doch was. Und dann nähme mich dann noch wunder, ob die Produktion im Treibhaus in richtiger Erde soviel teurer zu stehen kommt als in Form von Pestizidbomben. Wir machen dann das wie mit dem Kaffee, mit Degustationen in verschiedener Form. Und wenn das nicht überzeugt, ja dann: Fresst weiter Euren Dreck!

Nicht alle diese Pfefferschoten sind scharf, oder wie etwa der Jalapeño nicht gar so irr scharf wie der Einheimische. Jalapeño will hier ausserhalb des Treibhauses nicht wachsen. Sämtliche Samen hat Don Arturo vom in Cañaveral gekauften „Biodynamischen“ aus Dapa abgekupfert. Hast du gewusst, dass „Chipotle“ gerauchter Jalapeño ist? Ich nicht, in der Alameda habe ich gefunden, der Verkäufer: keine Ahnung, weder was noch woher. Man würde das unter anderem für scharfgewürzte mexikanische Wurst brauchen.

Don J.P. hat mir Fotos aus Reims übermittelt, wo er eines speziellen Champagners und anderer Delikatessen halber weilte. Um auch davon zu kosten ich schon persönlich anreisen müsste, weil das ansonsten ausschliesslich für die „Haute Gastronomie“ sei. Aus Ärger über diese Demütigung habe ich mir im Cañaveral eine Flasche „Chandon“ gekauft und dazu in Ermangelung des Cassis-Likör einen „Dubonnet“, daraus mische ich mir eine Art „Kir Royal“, vom dem Don J.P.selber zugegeben musste, dass er wohlschmeckend sei. An der Kasse liess sich der Dubonnet nicht richtig scannen, sodass ein Administrator einschreiten musste. Dieser erkundigte sich bei mir, was denn dieser Dubonnet überhaupt sei. Jechter! Ein Aperitif aus Cassis! Was? Kenne er nicht. Ach so. Black current! Die Kassierin, der Einpacker und der Administrator starrten mich ungläubig an. Etwas wie die „groseilla“ in Kolumbien, nur schwarz. Haben wir auch noch nie gehört! Wisst ihr was, ich bin auch erst in Kolumbien darauf gestossen. Stimmt ja auch. Mit der Familie Tscheff hatten wir in Buenaventura zum Fisch Dubonnet getrunken, weil das Wein sei. Was ja auch wieder nicht vollständig falsch ist. Die Tscheffs trugen es mit Fassung. Obwohl Ziehkind des grossen Kronenhalle Bartenders Paul Nüesch kannte ich den Dubonnet ja auch nicht.

Bueno, querido Doctor, en espera de su apreciada respuesta!

Markus

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.