An die Cousine zum Tripp nach Feuerland und den entdeckten Schatz!

Hoi Elsbeth

Du musst wissen, dass du diejenige bist, die „weg“ ist. Unbewusst erwartet man von dir, dass du dich „meldest“. Und je länger die Zeit, je weniger man sich mitzuteilen hat, was verständlich ist, da man völlig unterschiedliche Leben lebt. Als ich anlässlich einer Klassenzusammenkunft das letzte Mal in der Schweiz war, hat mich kein Mensch über mein Leben in Kolumbien befragt, irgendwie hätte ich auch gar nicht gewusst, was zu erzählen. Wahr ist auch, dass es mir in der Schweiz einfach in jeder Beziehung zu eng ist. Ausserdem habe ich noch niemandem einen Besuch bei mir versagt. Aber: c’ist à prendre ou à laisser. Für den der fürchtet, er werde schon bei der Ankunft erschossen, ist es ohnehin besser, wenn er zu Hause bleibt. Wie du vielleicht bemerkst, haben wir uns aber durchaus etwas zu sagen, vielleicht auch, weil wir einen Austausch pflegen können, der durch wenig „Vergangenheit“ belastet ist. Bei mir wird Telefonieren noch durch die Zeitdifferenz verkompliziert, was die Verabredung noch schwieriger macht. Auf jeden Fall glaube ich weniger, dass du es deinen Schwestern nicht „wert“ wärst.

Von dem angeblichen auf dem Gelände der Finca Singapur vergrabenen Schatz habe ich ja erzählt. Die Saga stammt von der Indio-Frau Sachoy, die mir unter unter anderem mit dem Auftauchen dessen drohte. Ich wollte weder unhöflich noch rassistisch sein, ansonsten ich sie gefragt hätte, was ich denn mit diesem Scheiss-Schatz unternehmen würde sollen. Immerhin bemerkte ich, dass ich eigentlich keinen Schatz brauche, da bereits mit allem für das Leben notwendigen versorgt. Worauf sie erwiderte, dass man sich gegen die Fügungen des Schicksals vergebens wehre. Und da hat sie vielleicht etwas Wahres gesagt und ich deute jetzt halt ihre Prophezeiung auf meine Weise. Weil ich nämlich, das heisst besser gesagt Don Arturo, Folgendes in einer Orchidee erspäht hat:

Ein Nest in der Orchidee: „Angelitas“ Engelchen genannte stachelfreie Bienen. Der Pfeil deutet auf die Öffnung zum Nest.

Hier in der Gegend gilt sie als „verschwunden“, die Honigbiene „Angelita“, die kaum grösser als eine Fliege ist. Der von ihr stammende Honig ist ein medizinisch hochwirksames Fungizid (Greisenbrand etc.) und soll gar den grauen Star heilen. Die „Angelitas“ verschwanden mit dem Einsatz von Pestiziden in den Kaffeeplantagen, die unrentabel wurden und zum grossen Teil verschwunden sind. Darum ist die Wiederkehr der „Angelitas“ ein gutes Zeichen für die Finca Singapur.

Was den Feuerland-Tripp angeht: Mit dem Reisen habe ich es noch „nie“ besonders gehabt. Aber mit dem Tscheff ist es etwas anderes. Mit dem Dottore übrigens auch: Die haben Verständnis dafür, dass ich es mich immer nach einem Glas Wein gelüstet, wenn die Umsicht des Tscheff dann sogar einen Kühlschrank für den Gin&Tonic vorsieht: ja dann! Im Ernst, ich bin halt wirklich kein „Alpha-Tier“, aber wenn wenn man sich gut kennt, anpassen- und schliessen kann ich mich schon. Und mit beiden war ich schon problemlos unterwegs. An sich könnte morgen schon abreisen, ich weiss auch, dass ich mit meinen Traktor jederzeit nach Feuerland fahren kann. Tscheff wird sich wundern: Die für Feuerland passende Gewandung kann mach auch in Kolumbien kaufen. Man unterschätzt das, weil es Sechstausender auch in Kolumbien gibt und auf denen ist es auch kalt. Aber als altes Guetzli muss ich ja mir nicht unbedingt das beweisen, was mich im Leben nie herausgefordert hat. Und sonst reiben wir uns wie die ausgerotteten Ureinwohner von Feuerland eben mit Fett ein und hupfen wie diese nackig durch die Kälte. Eine bestimmte Fettbasis habe ich schon. Wahr ist, dass da noch die Hunde sind, deren Herz trotz aller Untreue an mir hängt. Obwohl, schlecht ginge es denen auch ohne mich nicht. Und dann muss man einfach wissen: irgendwann geht man sich im Verlaufe einer solchen Reise halt fürchterlich auf die Nerven, aber das Ehepaar Tscheff ist sich das von sich selber gewohnt. Ich sähe da auch einen „Alters-Job“ für Tscheff: mit Kunden durch Kolumbien und die restlichen Anden zu gondeln. Aber man wird alles sehen. Beispielsweise, ob wir mit Satelliten-Verbindung unterwegs sein wollen und über YouTube die „ora per voi“ ausstrahlen wollen.

Blöde Frage: Wäre bei dir die Petersilie nicht eher im Herbst zu sähen? Ich nehme allerdings an, dass du bei dir sowieso alles frisch kaufen kannst und es nicht wie in der Schweiz in Gold aufgewogen wird. Don Arturo hat mir einen Stock „Cola de Caballo“ (Pferdeschwanz –> Schachtelhalm) mitgebracht, mehr interessehalber, weil das ja sonst als Unkraut wächst und ohne hin billig zu kaufen ist. Unter anderem wird er als Tee getrunken. Es soll auch zur Mundpflege dienen. Das habe ich mit einem Auszug in Alkohol ausprobiert. Das schmeckt zwar auch stark verdünnt recht bitter, aber hinterlässt einem die Zähne strahlend sauber und putzt die letzte Plaque weg, ohne dass es angriffig wäre (kommerzielle Produkte greifen meiner Ansicht nach den Zahnschmelz an).

Ein Bild vom Kaffeehain.

Bis zum Nächsten! LG

Markus

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