Antwort an den Dottore zur CO-2 Bilanz und mehr

Ciao Dottore

Im Bild links eine hiesige Farnart, allgemein helecho benannt, das meterhoch wächst und an den Stielen bösartige Stacheln aufweist. Der Wurzelstock bindet Wasser, diese dekorativen Gewächse beschatten den sie umgebenden Boden. Rechts im Bild die künstliche Variante auf der Plattenwüste. Sehr begehrt ist der Wurzelstock als Blumentopf für Orchideen, weil er viel Wasser für diese speichern kann. Entsprechend wird die Pflanze Opfer von Wilderern wie Sancocho. Ich weiss nicht, wie man sie oder wie sei sich vermehrt, aber ich hätte gerne mehr davon. Auch eigenen Bambus (Gadua) werde ich in der Anhöhe pflanzen lassen. Idealerweise müsste jeder Meter mit Zier- oder Nutzpflanzen bepflanzt sein, um vor ausgedehnten Trockenperioden geschützt zu sein und sauberes Wasser für uns selber und die „Niedrigeren“ sicherzustellen. Der Basti teilt anscheinend meine Vision, wenigstens solange ihn keine real-magische Kolumbianische Halluzination auf Abwege bringt. Um dies zu vermeiden, muss man die Leute mit Geringschätzung behandeln, in Kolumbien ist das besonders wirkungsvoll. Es ist nicht gerade meine Spezialität, aber man lernt. Laut J.P. müsste ich dementsprechend akzeptieren, dass mir der Basti den Verschlag des Traktors zu öffnen pflegt und zu diesem Zweck gar ums Auto herumrennt, wenn ich darin vor dem Aussteigen noch etwas zu nesteln habe. Als würde ich darauf warten, dass er mir die Tür öffnet! Man empfindet das als eine Art Nötigung und fühlt sich daher älter, als man ist. Aber anstelle von Jähzorn wiederhole ich dem Basti getreu der Helene immer wieder eindringlich: „Schau, das ist wahnsinnig lieb von dir, aber wie du siehst, und so Gott will, habe ich das erst in zwanzig Jahren nötig. Und der Scheich von Benidorm bin ich Gott sei Dank ja auch nicht!“ Also sowieso, was die Helene ist, muss ich dir erzählen, dass sie nie wieder nach Buenaventura reisen wird. Hat sie wenigstens gesagt, nachdem ihr noch der Schreck von der Reise von der Schweiz nach Kolumbien ins Gesicht geschrieben stand und sich bei der Fahrt ins Fisch- und Meeresfrüchte-Paradies erneute Panik ergab. Die will ich auch gar nicht klein reden. Wenn sich die Indigenen oder wie Miller schrieb „Peonen“ unter den Augen der Polizei einen umgestürzten Laster plündern, ist das ein erschreckendes Bild. Besonders weil die Polizei, in Kolumbien eine nutzlose Spezie der Blödheit, sich nicht für imminente Auffahrunfälle interessiert. Mit den Lastwagen, oder besser gesagt mit den übermüdeten Fahrern derer, gerät man immer wieder in brenzlige Situationen. Das einzige, was sich dagegen sagen lässt, ist, dass ich mich bereits daran gewöhnt habe, weil ja insgesamt das ganze Leben tödlich ist und sich mittlerweile die Fahrweise des Basti meinen umsichtigen Vorgaben angenähert hat. Auch weisst du, dass mich Buenaventura fasziniert. Die herumlungernden Schwarzen verleiteten mich allerdings zu einer weiteren Steigerung des Entsetzens für die arme Helene mit der Bemerkung: „Lasst uns einen Sklaven kaufen!“ Das Kichern des Basti, dass ein solcher auf der auf Finca wenig nützen täte, verleitete mich zum Vorschlag, ihn (den Sklaven) solange zu schlagen, bis er nütze. Das sind keine politische oder ideologische Stellungnahmen, sondern Zeichen der Resignation entspringenden Witzes. Bei Helensche kam er nicht an. Wohl sei sie ein Gutmensch, so der Basti, habe aber wenigstens in Buenaventura Angst vor den Schwarzen.

Dem Paco ist die Lula mit ihrem Nachttopf um den Kopf ebenfalls unheimlich. So spielt er lieber mit dem übrig gebliebenen zähen Fetzen des Rugby-Balls, dem du ihm gekauft hast. Bis vor nicht zu langer Zeit war mir das schäbig gewordenes Spielzeug des Paco peinlich, weil er es allen Besuchern präsentiert. Es schien mit ökologischer, wenn er Zitronen, Orangen und Avocados zum Werfen herbeitrug. Und sein wahrhaft säuerliches verzogenes Gesicht, wenn sich deren Inhalt beim Zubeissen in seine Lefzen ergoss, ergötzte einen. Aber der Rugby-Ball-Fetzen macht keine Sauerei auf der Terrasse und sein Ende ist, wie gesagt, noch lange nicht abzusehen.

Was die von dir aus Argentinien herbeigetragenen Gesundheitstees und Kräuter betrifft, kann ich dir mitteilen, dass diese fast unendlich scheinen, das im Besonderen, wenn man ein Herzflattern vermeiden will. Samt und sonders bitter, wirken sie vor allem auf die Leber, was in meinem Fall ja nichts schaden kann. Sie eignen sich, wie da und dort kleinstgedruckt erwähnt, auch zum Räuchern am ersten August, was eine Bewandtnis ist, die sich mir noch nicht erschlossen hat. Hingegen bin ich bei der Enträtselung der Eigenschaften des Holzes vom Quassiabaums schon viel weiter. Die sind so vielfältig, dass man es kaum glauben mag. Also, als Auszug, wenngleich grausam bitter, wirke es sich ebenfalls wohltuend auf strapazierte Lebern aus. Daneben würden viele Arten von Fliegen vertrieben. Was ich besser finde als Abtöten, weil davon auch an einem selber etwas hängen bleiben kann. Im weiteren erhalte es (angeblich wissenschaftlich erwiesen) die Feuchtigkeit der Haut. Was willst du mehr, Dottore? Darüber hinaus kann ich dir sagen, dass der Auszug des im reinen Alkohol eingelegten Quassia-Holz einen gewissen Wohlgeruch entwickelt, sodass sich man ihn (diesen Auszug) an und in beliebige Körperstellen und Räumlichkeiten wie beispielsweise die Küche sprühen kann. Der Fliegen, besonders der hier jetzt wegen dem Regen in Schwärmen auftretenden Fruchtfliegen, werden tatsächlich viel weniger. Noch besser wirkt mein „Beauty Splash“, den ich wegen des Hohns der Helene auf meine grünfärbende erste Entwicklung mit Kurkuma formuliert habe. Als dickflüssige Lotion, eben namens „Beauty Splash“, sieht sie auch grünlich aus, färbt aber nicht. Sie basiert auf Aloe Vera sowie Nopal (Feigenkaktus), ausserdem Bergamotte-Öl, Rosenwasser und dem alkoholischem Auszug von Orangenblättern. Das duftet wunderbar, hinterlässt eine Haut wie ein Babyfüdli und keine Fliegen und Stechmücken! Wie man es macht, sag ich natürlich des vielen in Aussicht stehenden Geldes wegen nicht! Vorerst kommen ohnehin nur Gäste der Finca Singapur in den Genuss dieses Aroma-Therapeutischen Allheilmittels, das man, wenn man will, oder als notwendig erachtet, auch gefahrlos zu sich nehmen kann. Die Helene ist für immer ausgeschlossen, ich bin nachtragend!

Bald mehr, viele Grüsse

Markus

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