Antwort an die Cousine unter anderem zur Sprache

Hoi Elsbeth

Ja, tatsächlich habe ich selber zur Kelle gegriffen, anscheinend hat es sich gelohnt:

“The finca and the whole experience was amazing. We are planning on coming back soon! The food that is cooked there is definitely worth it, it is one of the best I have had in Colombia. The best part is it is all organic and grown there! The 2 dogs are also great and super friendly. Words really cant describe the experience. I recommend 10000%”

Wenn auch gar US-Amerikanisch angehaucht, das Echo hat mich trotzdem gefreut. Nur mit dem Reisen ist es halt so eine Sache. Der Flug der Weltenbummlerin Helene, die sich dem Reiten hier verschrieben hat, wuchs sich ob der Verspätungen in der Europäischen Beengtheit zu einem Horrortrip (für sie) aus. Sie wurde nach ihrer ausnahmsweise nicht verspäteten Ankunft in London mit der Swiss mit einem Herrn ins Vernehmen gesetzt, der ihr riet, ob der kurzen Umsteigezeit um ihr Leben zu rennen, wenn sie den nächtlichen Avianca-Flug nach Bogotá noch erreichen wolle. Ihr Koffer werde es sowieso nicht schaffen. Wohin und wo durch wusste er hingegen nicht. Die einer Übernachtung in London widerstrebende Reisende setzte hierauf zu einer Hetzjagd durch Heathrow an, um an den Gate der Avianca zu gelangen, die angeblich ohnehin schon abgeflogen war. Dort aufgelöst angekommen, wurde die Arme gefragt, ob sie sie sei und überhaupt in der Lage, den Flug anzutreten. Ansonsten solle sie flugs einsteigen und wurde dann auch Kolumbianisch liebevoll zu ihrem Sitzplatz geleitet. Dort sass sie bis zum Abflug des „Dreamliner“ dann noch eine Stunde. Wie Figura zeigt, hat sie sich von den Strapazen der Reise erholt. Und während es in der Schweiz für richtiges Reiten kaum Platz mehr gibt, hier kann sie sich in den Weiten der Anden wie eine Amazone austoben.

Weisst du, zu meinen Zeiten war eine Kochlehre Bestandteil einer umfassenden gastgewerblichen Ausbildung und „gehörte“ sozusagen dazu. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Der Lehrmeister konzedierte, dass man bei ihm weniger kochen lerne, dafür umso mehr arbeiten. Was, wie man sieht, auch sein Gutes hat.

Die Sprache hat mich von Kindheit an fasziniert, als Waffe zur Gegenwehr, um sich mit ihr, mittels ihrer und dank ihr zu amüsieren. Obwohl, amüsant war das nicht immer. Warum weibliche Mitglieder der Familien unserer Väter als Sache „es“ bezeichnet wurden, vermochte mir niemand je zu sagen: „S’Elsbeth isch halt tüchtig, es hätt……“ Das war wohl eher liebevoll als frauenfeindlich gemeint, allgemein gebräuchlich war sonst das persönliche „sie„: D’Elsbeth isch tüchtig, sie hätt….! Ich pflege keine Professoren-Sprache, das wäre kein Kompliment, weil die Sprache von Professoren überwiegend schlecht ist. Trotzdem, Schweizerdeutsch als nur gesprochener Dialekt funktioniert halt auch mit der Elision, dem Weglassen von Vokalen. Oder meint: Man sagt nicht „Diä Elsbeth“, sondern eben „d’Elsbeth“. Weil sich sonst auch im nur gesprochenen schweizerdeutschen Dialekt wie in in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch oder sonstigen Sprache „Misstöne“ oder Kakophonien ergeben. „Die Elsbeth“ in Hochdeutsch funktioniert hingegen hörbar, auch wenn das für den Deutschschweizer (erneut) befremdlich klingen mag.

Das eben. Oder damals wie heute gestelzt Wirkendes „vom“ kultivierten Tante Bethli, die in der Runde der Tanten verkündete, man solle (oder wolle) über („dem“) Erika den Stab nicht brechen (immer die arme Erika!!). Mir als Kind schien nur schon bedrohlich, dass wenigstens die Absicht bestanden haben musste, der Erika bis zum Zerbrechen des verwendeten Stecken auf den Lockenschopf zu geben.

Als Ablenkung während schlafloser Nächte schaue ich mir auf dem Tablet neuerdings Videos an. Da inhaltlich voraussehbar und somit nervenschonend mit Vorliebe „ZDF-Herzkino“ und seine Rosmarie-Pilcher-Folgen. Höchstens vom Blick von hohen Klippen, von wo vermeintliche und tatsächliche Paare immer wieder aufs weiter Meer hinunterschauen, werden mir manchmal die Knie weich. Weil Erika bei mir immer „dran“ kommt, widme ich ihr demnächst das Drehbuch für die letzte Szene einer Südthurgauer Pilcher Adaptation der Sechzigerjahre.

Fortsetzung folgt also demnächst, liebe Grüsse

Markus


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