Brief an den Dottore über die angekündigte Erbsünde

Ciao Dottore

Eine tote Giftschlange hatte er dir vorgeführt, oder etwas ähnliches, am Eingang zur Finca Singapur. Wir schüttelten damals den Kopf über ihn. Er, der legitimierte, finstere Vater dessen, der gestern mit vierzehn Jahren seinen achtjährigen Bruder erschossen hat. Nicht zu Hause, nein, beim Auftraggeber des Vaters, dem schwarzen Drogenschieber, dem der Schreiner seine ebenfalls vermeintliche Tochter, hier jeweils Kaulquappe genannt, minderjährig zugeführt hat. Dort, im Hause des negritüden Grüsels, habe der ältere der beiden Söhne mit der geladenen Waffe des Vaters „gespielt“, aus der sich dann der angeblich versehentliche Schuss löste und den achtjährigen mitten ins Herz traf. Es ist bereits das dritte unselige Mitglied der unheimlichen Nachbarschaft, das aus Versehen erschossen wurde. Gnädigerweise führten alle drei Versehen zum unmittelbaren Tod.

Der Täter gehörte zur fröhlichen Truppe der Kinder, die ich zu Beginn meiner Anwesenheit hier aussandte, um gegen einen Batzen Kuhfladen für die Rosen einzusammeln. Im Gegensatz zu den Brüdern war er eher schweigsam. Die Mutter hatte Mann und die drei Söhne aus welchen Gründen immer verlassen. All das steht in diesem Blog beschrieben. Dass der Täter als angeblich oder tatsächliches Kuckucksei immer schlecht behandelt wurde, wohl auch. Der Bub pflegte mich, wenn ich mit dem Auto durch die Einfahrt fuhr, immer mit sehnsuchtsvollen Augen anzusehen. Was mich wiederum anhalten und in die Parkgeldbüchse greifen liess. „Wie geht es dir? Schau!“ – „Bien Señor, muchas gracias Señor“. „Trag Sorge, cuídate!“ – „Bueno Señor, Gracias“. Vom Batzen kaufe er sich hier äusserst preiswert erhältliche Drogen, informierten mich die Neunmalklugen vorwurfsvoll. Was sonst hätte er sich kaufen können, ich habe kein schlechtes Gewissen. Sein jüngerer Bruder hingegen sah dem Vater sehr ähnlich, das vom unreinlichen Blut des Bruder wird er wohl auch er mitbekommen haben. Der Rest bleibt abzuwarten

Ja Dottore, so ganz leicht nimmt man das nicht. Die Kaulquappe wartet unterdessen beim Vater lebend immer noch auf ihren angeblichen Prinzen, mit dem sie weit fort wollte und der sie wohl vergessen hat. Ihre Mutter hat sich inzwischen nach Spanien abgesetzt, während sie sich als Opfer mit dem Quälgeist gemein machen muss.

Die indianische Seherin unterhielt sich unterdessen nicht nur mit Pflanzen, sondern auch mit den Toten. Dass der Geist der Frau Grete ihre Leichenfledderer verfolge, die die Personenwaage, Schmuck und dergleichen erstaunlicherweise gar nicht verbrannt hätten, sondern selber eingeheimst. Ich kann ihr schlecht erklären, dass es mir eigentlich höchst egal war und ist, wohin all diese Preziosen gingen, ich hätte mich im Gegenteil nicht darum kümmern mögen. Gott habe Frau Grete selig und Dank dafür, dass er sie zurückgenommen hat. Erinnerungen an sie habe ich genug, der Rest ist Schweigen. Aber das Schicksal holt mich jetzt eben auch hier ein. Die Hausdame hatte sich wohl etwas an die Selbstbedienung gewöhnt, ihr ebenso falscher Mitarbeiter und Kochzögling deiner ebenfalls. Es frage sich einfach, wieviel erträglich sei, hast du einmal bemerkt. Es ist also nicht so, dass ich es nicht gewusst hätte, oder dass man mich als Mensch der nobleren Sorte (wie Chasoy zu glauben meint) mit Getränkebeimischungen gefügig gemacht hätte. Selbst der gütigen, wenngleich nicht gar so frommen Helene blieben all diese Zeichen der Lüge nicht verborgen. Nachdem die vom Geist der Grete heimgesuchte Hausdame deren Schneiderei-Werkzeug zurückgelegt hatte, war sie endgültig enttarnt und ihre Wegweisung selbstgefügtes Schicksal. Es trifft sie sehr hart, weil sie aus den Liebkosungen des Lebens nicht viel gelernt hat. More to come!

Wenn ich dir jetzt Fotos beigelegt hätte, dann würdest du darauf drei meter hohen Mais sehen, mit Hülsen übervolle Bohnenstöcke, aufschiessende Erdnüsse und viel mehr noch sehen. Chasoy ist immer im Cauca unterwegs, am Sonntag kehre sie für eine weitere Runde im Abwehrkampf gegen die bösen Geister wieder. Ich hoffe, sie bringt mir Pflanzen mit, wenigstens habe ich ihr diese gedanklich in Auftrag gegeben. Sie hat übrigens zweimal mit uns Mittag gegessen. Einmal, zum ersten Mal in ihrem Leben, Spaghetti in der Darreichungsform Carbonara und gestern Rösti, die Basti zubereitet hatte. Mit der Papa Parda ist die Rösti hier ein Knüller.

Cari saluti

Markus

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