Brief an den Dottore über vergrabene Schätze

Ciao Dottore

Wie ich dir ja schon fernmündlich mitgeteilt habe, liegt auf dem Gelände der Finca Singapur mindestens ein (wenn nicht mehrere!!) Schatz des Goldes der früherzeitlichen Indios vergraben. Weil man Gold ja nicht verzehren kann, lässt mich die Kunde der Chasoy vergleichsweise kalt. Aber Gold ist Gold und wenn es auf einen zukommt, muss man es akzeptieren, sagt zumindest Chasoy. Ehrlich gesagt wirkt das ganze Drumherum durchaus elektrisierend auf mich. Sagt die Chasoy, dass mein ganzes Umfeld darüber im klaren sei, dass ich sozusagen auf Gold sitze, wozu ja auch das prunkvoll empfundene Umfeld passe. Warum die das glauben? Es geht die Sage um, die Indios hätten vor der Ankunft des Spanischen Gesindels ihr Gold unter Felsen versteckt und letztere gar unter Einsatz von unmenschlichen Kräften herbeigeschleppt. Und davon liegen auf der Finca ja tatsächlich viele Kaliber. Stell dir vor, wie knüllerig sich das sich auf mein Drehbuch auswirkt. Das bekommt jetzt von selber diesen Touch veredelter Rosamunde Pilcher. Weil nämlich die eitle und reiche Dütsche als Protagonistin durch das Inferno der Gier der andern gehen muss, bis ihr -dermaleinst geläutert- das Gold in die Hände fällt, dass sie gar nicht braucht. Wunderbar! ich hab dir immer gesagt, dass Inspiration unabdingbar ist. Ein Zeitfenster allein genügt nicht!

Vielleicht ist das mit dem Goldschatz ja auch nur ein Symbol. Vor dem Gewächshaus oberhalb der unfruchtbaren Pomarosa steht eine Tomatenstaude, die noch von den goldlüsternen Vorgängern des Don Arturo gepflanzt wurde. Dieser hat etwas widerwillig die rüden Rudas, die meine imaginäre Kletterpracht bedrängten, dorthin verpflanzt. Die Tomate sei jetzt, da eh schon viel zu lange dort, endgültig moribund, meinte er harmlos. „Wart’s ab“ erwiderte ich, weil gestern nach einer einzigen Nacht der Tomatenstock aus seinen abgestorbenen Armen wieder zu treiben begann. Heute morgen war er bereits wieder reich behangen, ich lüge nicht, während die noch wenigen reifen Früchten von den Vögeln angepickt wurden. Die lassen sich eben auch nicht mit Banane allein abspeisen.

Du brauchst es der Helene ja nicht erzählen, aber ich habe vom Kurkuma-schneiden hepatitisgelbe Fingernägel abbekommen. Das fiel mir auf der Fahrt nach Cali auf, wo ich die effiziente Haar- und Klauenschneiderei aufsuchen wollte. „Sie scheinen aber heftig zu rauchen“ meinte die mit Stoffzöpfen behangene Negritüde, die zu meiner Behandlung abgestellt war. „Du isst zuviel Fleisch, darum hast du soviel Mitesser und stumpfe Haut!“ erwiderte ich boshaft. Zum Glück verstand sie mich nicht und begaffte nachdenklich meine gelben Fingernägel. Mir kam derweil die Geschichte von meinem beim Schneiden abgehackten Fingernagel in den Sinn, was nachher aussah wie von Lepra befallen. Und die im Nagelsalon, ansonsten weiss der Herr was für Artifizien montierend, sich ausserstande sahen, mir eine Prothese in Form eines eingesetzten Kunstnagels einzusetzen. Falls du dir noch nie einen Fingernagel abgehackt hast, kann ich dich darüber aufklären, dass das ein scheussliches Gefühl ist, und dass man einen Nagel nie fadengerade abhackt, sondern der in Form von zwei Dornen nachwächst, mit denen man überall schmerzhaft hängen bleibt. Es sei denn, man feilt das täglich ab. Die Negritüde konstatierte derweil, dass meine Nägel nicht nur gelb, sondern auch eingerissen seien. Ich klärte sie darüber auf, dass das Gelb von Kurkuma stamme, Wurzel die ihr unbekannt war. Aber sie versicherte mir glaubhaft, dass Acryl-Nägel immun gegen Verfärbungen seien. Wie es mit dem Abhacken sei, wollte ich nicht fragen. Immerhin kam mir in den Sinn, dass die Helene, wie ich sie dort von der Nagelpflege abholte, gerade eben die Finger in einem Öfchen stecken hatte, zwecks Erhalt einer vierzehntägigen Haltbarkeits-Garantie. Es verstrahlt Licht, mit dem auch die Zahnärzte den Zweikomponentenkleber in Zahnhohlräumen härten. Ich werde selbstverständlich farblos behandelt, versicherte die multibezopfte Negritüde. Obwohl anfänglich misstrauisch, kann ich nun diese stinkende Behandlung jedem empfehlen, der viel mit aggressiven Säuren in Lebensmitteln hantieren muss.

Der ultimative Test, hatte mir Helensche mitgeteilt, sei Mückenabwehrmittel, mit dem jeder gewöhnliche Nagellack matschig werde. Tröstlich, dass wenigstens unsere Natur dem Anti-Brumm widersteht. Jetzt kommt er wieder mit Quassia, wirst du sagen und hast recht. Das Holz davon vergrämt den hochprozentigen Alkohol, wenn einer mag, kann er es trotzdem trinken und es wird ihm nichts schaden. Und in der Küche spritze ich frohgemut damit um mich. Weg die Fliegen. aber als Pflanzenschutz dient der alkoholische Auszug weniger. Was ich ansonsten im Wasser hatte, hat sich allsamt in stinkende Brühen verwandelt. Diese habe ich über die Orchideen gegossen, die das zu mögen scheinen. So ist nie etwas verloren, Dottore! Auch Hopfen und Malz nicht!

Bei Pricesmart werden gegenwärtig unter der Marke „Hatsu“, in umweltunverträglicher Verpackung und schreienden Life-style-Farben ebensolche Snacks verkauft. Die Firma versucht, abenteuerliche Geschmackskombinationen von „Superfood“ premium-medioker-artig unter die Leute zu bringen. Mehr als ein Typ dieser Snacks weist eine Yoghurt genannte Couverture auf, die aus Kakao-Butter besteht, oder eben „weisser Schokolade“, der wohl ein Yoghurt-ähnlicher Geschmack beigemischt wird. Im selben Pricesmart verscherbelt „Nacional de Chocolate“ seine wahrhaftige Premium-Schokolade. Angesichts der Dumping-Preise konnte nicht widerstehen, gleich mehrere Packungen zu kaufen. Die Kolumbianer stürzten sich nicht auf diese Klasseware, sondern kaufen Lindt premium medioker. Dieselbe „Nacional de Chocolate“ vertreibt aber auch ein „Chantilly“ (was an sich Schlagrahm wäre) genanntes Pulver, das aus dem Rahmbläser eine nicht geschmacklich aber Konsistenz-mässig dem Schlagrahm ähnliche Masse ergibt. Das Pulver hat eine unendliche Haltbarkeit, klar. Gegen die Vermarktung von Kakaobutter hat ja niemand etwas einzuwenden, aber die Lektüre der Inhaltsstoffe macht einen schwindlig.

LG

Markus

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