Brief an den Dottore zur Halluzination des goldenen Büffel (2)

Ciao Dottore

Vor kurzem hat mir Manuel aus Havanna mitgeteilt, dass in Kuba ein neuer „periodo especial“ angekündigt worden sei. Das letzte Mal war das nach dem Ende der Sowjetunion der Fall. Damals wie heute liegt der Grund im Zusammenbruch eines Bündnispartners, diesmal ist es Venezuela. Als ich vorletztes Mal in Havanna weilte, fand gerade ein Staats-Besuch von Chavez statt, der als grosser Gönner auftrat und mit dem damals noch amtierenden Fidel Castro ein weiteres mittlerweile wieder gefloptes Auslandengagement Cubas nach Afghanistan und Angola einläutete. Auf dem Weg nach Guantánamo bay kamen mir lange Karawanen von Bussen entgegen, die für das Ankarren der jubelnden Massen Richtung Havanna unterwegs waren. Die Arbeitenden bekamen für das Jubeln frei. Zum Jubeln gab es allerdings auch damals nichts. Die Devisenläden, mit dem die Militärs die Überweisungen der Auslandkubaner abschöpfen, boten schon damals praktisch ausschliesslich miserable Importprodukte an „Premium Spanien-Scheisse. „Um sich über Wasser zu halten“, wie deine Mutter zu sagen pflegt, müsste sie wohl an einer organisierten Reise teilnehmen. Kulinarische Freuden kommen so oder so selten und nie auf. Obwohl die Kubanische Küche ihre Qualitäten hat, von wegen der Mangelwirtschaft kommt man wohl nur in Miami, der Fluchthochburg der Kubaner, in ihren Genuss. Das Schlechte ist darüber hinaus auch noch schrecklich überteuert. Kuba ist wohl das einzige Land Welt, wo allenfalls Touristen hin flüchten. Bei privaten Gastgebern darf man man lebensnah am Beschaffungsnotstand teilnehmen und sich allenfalls als Gutmensch abzocken lassen. Ich denke, dass ist nichts für Muttern. Sie soll sich der musikalischen Halluzination der „Guántanamera“ hingeben! By the way: J.P. war ja mit der kulinarischen Nobel-Universität in Kuba, frag ihn einmal! Noch ein „Übrigens“: Derselbe J.P. hat mich mit Fotos von herrlichen „Coeur de boeuf“ und anderem Deliziösem aus Italien geärgert. Dort ist er wieder bei dieser Mathilde gehockt, die angeblich besser kocht als ich. Er ist mit ihr seit gemeinsamen Zeiten an dieser „Schnäderfräs-Akademie“ befreundet. Dank gutem Gedächtnis und vernetztem Denken kann ich nun auf Rache sinnen. Vor Jahren hatte ich für teures Geld (zum Glück das meiner Mutter!) von „Wolf Premium-Medioker“ Tomatendünger bei der „Migros“ gekauft und musste mich bei meinem widerborstigen und seligen Bruder dafür entschuldigen, dass ich diesen in den Boden eingearbeitet hatte. Der (Dünger) enthielt „Steinmehl“ vom Vesuv oder was weiss ich wie exklusiv klingend woher. Interessanterweise ergaben sich auch in der Rabatte an der Hauswand, die mit Beton verunreinigt ist, ausgezeichnete Resultate. Die Hauswand liess übrigens die Tomaten dem für sie meistens miserablen Schweizer-Klima besser trotzen Meine Schwester profitiert nach eigenen Angaben noch heute von diesen Erkenntnissen und grämt sich über den überflüssigen Tomatensegen. Im Ernst, es geht auch um den Geschmack, Arturo, mein entfesselter Gärtner, soll es jetzt mit etwas Betonmehl und meinen weiteren Geheimtipps probieren. Von seinen Anbaukünsten profitierte auch die „Nicht-Gernerin“ Helene, abwechselnd beschickten wir Flammkuchen oder Spaghetti mit seinen Produkten. Oder etwa Suppe von frischen Erbsen vom Feinsten. So ergab sich trotz ihrer leicht einseitigen Sicht der Dinge immer wieder Abwechslung. Ich will auch gar nicht undankbar sein: Dank Helene weiss ich jetzt, obwohl ich es gar nie wollte, alles über Pferde, die verschiedenen Rassen, Reitstile, das Reiten, und dass letzteres unwissentlich zu tun gefährlich ist. Was das das bisher Einzige war, was ich schon immer geahnt hatte. Daher gucke ich mir die schönen Tiere lieber von weitem an. Bei den Erbsen oder eben Hülsenfrüchten seiend, kann ich dich über Interessantes aufklären: Zwei Prozent der weltweiten CO2-Belastung stammen von der Energie für die Herstellung von Stickstoff, der für die Bodendüngung benötigt wird. Hülsenfrüchte binden Stickstoff selbsttätig im Boden, weitere Gaben sind bei Fruchtwechsel überflüssig. Jetzt muss man der Menschheit nur noch besser beibringen, das zu fressen. Deiby musste einen (indischen) Dahl aus (gekauften) Mungobohnen herrichten, man muss Senfkörner und what not dazu rösten, ich jagte ihn demonstrativ mit geröstetem Mehl aus Bockshorn abschmeckend ins Bockshorn.

Hund Lula ist eigentlich ganz glücklich mit ihrer Halskrause, aus der sie doof guckt wie eine exotische Pflanze aus ihrem Topf. Sie weiss, dass ihr die Krause liebevolles Mitleid sichert, was wiederum ihre Eifersucht auf Paco erfreulich mindert. Dies verringerte weiterhin den Stress für Helensche, die mit Fug behaupten darf, von den Hunden während ihres Aufenthalts keine Sekunde in Ruhe gelassen worden zu sein. Das nervte sie zeitweilig schon etwas, auch sie wurde sprachlich aus dem Tritt geworfen. Ich lachte schadenfroh, weil sie P.D. James lesend, Englisch in verständnislose Gesichter rief. Trotzdem begab es sich eines Nachts, dass Lula ob dem Jucken ihrer riesigen Operationswunden versuchte, ihre Halskrause geräuschvoll abzustreifen. Was ihr am Morgen auch gelang, und ermöglichte, die Hefte der kürzeren Schnittwunde aufzureissen. Ich war ob dem unaufhörlich lautstarken Schlenkern der Krause an der Hauswand und dem grauslich offenliegenden Fleisch sehr ungehalten. Was der arme Basti zu spüren bekam, den ich frug, ob er noch nie von Bepanthen von der allgegenwärtigen Glyphosat-Bayer gehört habe. Er nahm eine neuerlich blutige Notoperation vor, er nähe schöner als der Tierarzt. Die Lula nahm es dank ihrer Schmerzunempfindlichkeit und Anästhesie-Spray sehr gelassen oder gar genüsslich, während sich die besorgte Helene angewidert abwendete. Nächtens schleifte Basti die mit Bepanthen versehene Widerstrebende erneut in sein Gemach, wo sie glücklich wedelte. Ich bin jetzt überzeugt, dass es Masochismus auch in der Tierwelt gibt.

Bald trifft die Helene in wieder in Zürich ein und bringt dir Exklusives mit. Nämlich Flakes aus einer gerauchten Paste aus Peperoncino, Peperoni und Aubergine (tönt geil, gell!). Das sollte jetzt ein weniger tierisch-scharfes Genusserlebnis ergeben.

Interessant, wie die UNO zusammenzählt, wo überall um uns herum geflüchtet wird. Von den Vertriebenen Kolumbianern gibt es halt auch in Venezuela welche, die sich wohl wiederum der hier auf der Autostrasse sichtbaren Flüchtlingswelle von dort nicht anschliessen können. Die Vertreibenden waren nicht nur die Paramilitärs, die für die Grossgrundbesitzer deren Land zurückholten. Der Neid-geplagte Kolumbianer stiehlt dem Harmloseren gerne das von diesem Geschaffene weg. Beispielsweise gestohlenes Land, das er zur roten Zone erklärt und darauf in seiner Habgierigkeit Drogen anpflanzt. Würde Trump seinen Mitbürgern erklären, dass sie soviel Drogen fressen sollen, wie es sie gelüstet, könnte er das Handelsdefizit kürzen, den Konsum mindern, sich die Mauer zu Mexiko sparen und den Südamerikanischen Ländern zu Fortschritt verhelfen. Zu schön, um wahr zu sein.

So, Dottore, das wars wieder einmal. No worry mit dem Drehbuch, sobald man weiss, was man schreiben will, geht das uhuereschnell.

LG

Markus

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