Brief an den Dottore zur Halluzination des goldenen Büffel

Ciao Dottore

Leider haben die Bilder, die Emilce mit ihrem Huawei P20 von den Büffeln geschossen hat, durch die Vermittlung mittels WhatsApp stark an Qualität verloren. Sie sind „schön“, aber das Phänomen des goldenen Büffel, das Helene vom Pferd aus wahrnehmen konnte, kommt nur bedingt herüber, auch weil beim „shooting“ gerade kein Büffel aus dem Wasserloch gestiegen war. Ansonsten versichert Helene, dass zwei pudelnasse Tiere wahrscheinlich vom Effekt des lehmigen Wasser und der Sonneneinstrahlung wie in pures Gold getaucht anzusehen waren. Vielleicht käme zur Erklärung des brennenden Dornbusch mit dem darin hockenden Gott Moses‘ im Sinaï jetzt auch noch jene für den Tanz um das goldene Kalb hinzu.

Siebenundzwanzig Kilo wog die Lula gestern beim Tierarzt in Buga, jetzt wird sie etwas leichter sein, es wurden ihr zwei Tumore, glücklicherweise leicht erreichbar, aus dem Leib geschnitten. Dass er keinen Assistent habe und entweder ich oder Sebastian, der glücklicherweise Hilfs-Tierarzt ist, zudienen müsste. Stell dir mich vor, der kein Blut sehen kann, bei einer solchen Fleischerei. Diese Assistenz-Tierärzte gibt es zuhauf, fast jede Finca Ganadera (mit Tieren) leistet sich einen solchen, aber auch „richtige“ oder solche ohne Abschluss….! Auf Biopsie haben wir verzichtet. Was würde es mir nützen zu wissen, dass ihr Tumor bösartig ist, weil eine Chemotherapie Quälerei mit Sicherheit nicht in Frage käme. Das erzähl ich jetzt so pragmatisch, mir tat die Lula natürlich leid. Mir oblag es dann, die zwei, Lula und Basti, wieder in Buga abzuholen. Natürlich brach genau in diesem Moment einer dieser tropischen Platzregen aus. Die sind unheimlich, hinter dem Wasservorhang lassen sich heroische Töfflifahrer und andere talwärts rollende Gefährte nur schemenhaft ausmachen. Allmächtiger! sagt man sich und starrt ebenfalls in Halluzinationen! Aber von wegen, Lula war ja so glücklich, wie ich sie abholte. Den Basti liebt sie ohnehin heiss und hat in seinem Zimmer die erste Nacht nach der Operation verbracht.

Eben, durch die Sturzbäche irrend gehen einem viele (unnütze?) Gedanken durch den Kopf, unter anderem über die eigene Endlichkeit, weil einem ja jederzeit ein Felsbrocken auf den Grind stürzen kann. Und dass ich meine Situation dem Basti zu verdanken habe, da im Gegensatz zu ihm schon am Morgen dafür, ob eines Verkehrschaos, nicht des Wetters, sondern eines umgestürzten Lastwagens wegen, den Rückzug zur Finca Singapur anzutreten. Ausserdem bin ich im Moment einen Shit-Storm seitens meiner Schwester ausgesetzt. Sie verlangt in herablassendem Ton, man könnte ihn als seit Jahrzehnten gewohnt „dreckig“ bezeichnen, meine Einwilligung zu einem Bauvorhaben.

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Ein Kommentar zu Brief an den Dottore zur Halluzination des goldenen Büffel

  1. Susanne sagt:

    Oh die arme Lula! Von Herzen gute Besserung! Lieber Gruss aus der kühlen Schweiz. Susanne

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