Brief an die Cousine in Spanien

Hoi Elsbeth

Ja, du hast recht, bei mir geht immer etwas ab. Gestern widerfuhr mir, was ich immer besonders schätze, nämlich morgens beim Frühstückskaffee überfallen zu werden. Es ging wieder einmal um Schäferhund Paco. Der hob einmal mehr dieselbe und anscheinend äusserst schmerzhafte Tatze hoch und jammerte dazu herzergreifend. Die bemühend werdende Thematik des Vorderlaufes des Paco liess mich ihn erst einmal Ruhe gebieten. Es wurden die immer selben Theorien von „von einem Hunde (in die Tatze??) gebissen worden“, Fehltritt etc. In der Tierklinik hätte man ihn gewinnträchtig auf Hüft-Dysplasie geröntgt, obwohl er am Vorderlauf hinkt.

Ich musste wieder einmal alle meine Prinzipien über Bord werfen und den Veterinärstudius aufbieten, mit dem ich ansonsten noch ein Hühnchen von wegen der Geschichte mit der verschwundenen und wieder aufgetauchten Geldbörse zu rupfen hätte. Dem den Semester-Ferien halber zu Hause weilenden drohte ich mich Schlimmem, so er denn nicht unverzüglich auftauche und den armen Paco versorge. 

Der gute Paco, der mir eben sehr viel zu verdanken hat, äusserte mit innigen Heullauten grosse Freude über das Erscheinen des angehenden Veterinärs. Der untersuchte die Tatze umsichtig und liebevoll, während Paco ihm das Gesicht leckte. Weil keine äussere Verletzung sichtbar sei, und alle Knochen intakt, müsse es sich um den äusserst schmerzhaften Stich eines Alacran (Skorpion) handeln. Auf einen solchen dürfte Paco nicht zum ersten Mal getreten sein. Paco erhielt vom Veti eine Schmerzspritze und von mir Anti-Histamin Tabletten. 

Später, In trauter Zweisamkeit, machten Paco und ich das Hundeflüsterer-Spiel. Er reichte mir mit tieftraurig-zutraulichem Blick seine Pfote, die ich ihm mit Eiswürfeln kühlte und dann mit einer Zwiebel einrieb. Er liebt diese Umstände wie ein kleines Kind. Zu seinem Glück bin ich momentan von Extrakten und Aromen besessen, so erinnerte ich mich der Calendula in reinem Alkohol, das für die Behandlung der Pfote wie gerufen kam. Heute morgen bekam der Paco ein Fussbad mit Cocablättern und ebensolcher Calendula verabreicht. So hoffe ich nun, dass sich Paco dem heute Abend eintreffenden Dottore einigermassen wieder hergestellt präsentiert.

An dich viele Grüsse

Markus 

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Ein Kommentar zu Brief an die Cousine in Spanien

  1. Susanne sagt:

    Dem Paco von Herzen gute und rasche Besserung!!
    Lg, Susanne

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