Brief an die Cousine mit kulinarischen Aussichten für sie

Hoi Elsbeth

Gestern war seit fast über einem Jahr wieder einmal die Seherin Chasoy, die Indio-Frau, auf der Finca Singapur zu Gast. Dies, weil ich in der Galeria in Buga vor ein paar Tagen ihren Ehemann an seinem Verkaufsstand für indianische Produkte antraf. Ich kaufte eine Sandelholzseife, um so elegant meine Neugier bezüglich dem Verbleib seiner Gattin befriedigen zu können. Im Cauca sei sie tätig, wo sie aufgrund der schwierigen dortigen Situation in den Dörfern und Weilern ihren Artgenossen mit Rat und Naturheilmitteln zur Seite stehe. Nur schon das von der „Situation“ machte mich auch aus eigener Erfahrung neugierig. Ich bräuchte sie dringend, wegen dem Pomerosa-Baum, der keine Früchte trage und ebenso unbefriedigend sei wie die Kumquatbäume. Obwohl der Gatte nicht wusste, was Kumquat ist, weiss er anderseits sehr wohl, dass seine Chasoy mit den Pflanzen in Dialog tritt und sie befragt, warum sie nur da stehen und keine Früchte tragen. Gestern holten wir Chasoy an der Bahnstation in Buga ab, wo keine Züge fahren, dafür aber Busse. Schon die Höflichkeits-Unterhaltung im Auto erwies sich als spannend. Die Indio-Frau teilt weitest gehend und ungenötigt meine Sicht der Dinge, sieht also auch in dieser Hinsicht klar. Als Erfrischung nimmt sie allenfalls Wasser ab der Leitung, alles andere ist ihr traditionsgemäss verboten. Das wird ein durch die Spanische Conquista verursachter Teil des Erbgutes sein, die Pest und Cholera über ihre Vorfahren brachten. Als unbestreitbar sofort als solche erkenntlich, habe sie als Indio-Frau meistens keine Probleme beim Passieren der mittlerweile wieder abgeräumten Strassensperren gehabt. Aber das Leben ihrer Landsleute sei wesentlich gestört verlaufen, gebracht habe er nur den Rowdies etwas, die von der Regierung Geld (aber nur für sich) erpressten. Auf der Finca angekommen, kroch Chasoy sozusagen in den unfruchtbar-prachtvollen Pomerosabaum, von dem ich vermutet hatte, dass er gerne ein andersgeschlechtliches Pendant gehabt hätte. Der Baum antwortete, dass der Bruto, der ihn gepflanzt habe, von Mondphasen keine Ahnung hätte. Aber demnächst werde er Früchte im reichem Masse abwerfen. Die ehemalige Topfpflanze, für die jetzt der Kletterspinat in den toten Olivenbaum wächst, beklagt sich über die rüde Ruda, die ihr beigestellt ist. Im nahen Kaffeehain -auch für mich von beinahe überirdischer Schönheit- jubelte Chasoy, dass sie eigentlich nur im Nebenher katholisch sei, aber die wahre Göttin Mutter Erde sei. „Hörst du denn nichts?“ Leider vernahm ich nur mein Ohrensausen, das mich seit Jahren plagt. Immerhin, Mutter Erde als Gottheit scheint mir höchst akzeptabel, weil sie mir auf der Finca Singapur alles gibt, was ich gerne will.

Nachdem wir gestern über zwanzig weitere Bäume gepflanzt haben, dreihundert Kaffeestöcke der Sorte Criollo Amarillo folgen im Herbst, werden morgens unterhalb des Wasserspeichers dreissig Gaduasprossen (Bambus) in eine Senke gepflanzt. Dies ist nicht nur ökologisch gut, es lässt mich auch auf köstliche mundende Bambussprossen hoffen. Obwohl, über Mangel an Abwechslung kann ich nicht klagen. im Delikatesse-Laden in Cali, wo im ersten Stock drei Negritüden exzellent kochen (anscheinend kann man sie, als Köchinnen, auch mieten), hatte ich einmal empanadas (gefüllte Maiskrapfen) vom Allerfeinsten goutiert. Mich faszinierte weniger die durchaus wohlschmeckende Füllung mit Garnelen, als die überaus krokante und aromatische Masse. Solche Inspirationen lassen mir jeweils keine Ruhe, mit Basti versuchte ich überaus erfolglos, mit dümmlichen YouTube-Videos nachgemischten Rezepten diese Qualität einzustellen. Im Wahn! Kam der Deiby und tat kund, alles was es brauche sei Wasser und Maismehl, und an Gewürzen und Schärfe was man wolle. In den ausgewallten Klatsch füllte er Dahl mit Yoghurt. Die Negritüden können sich vergessen. Wunderbar! Auch J.P. wird seine Grüntee-Gnocchis wieder einpacken, sobald er Deibys‘ köstliche Crackers aus eben dieser Masse mit eingemixtem Spinat und Nopal goutiert hat. Gerade dieser Nopal, eine Art Kaktus, ergibt gekocht eine geschmacklich zwischen Artischocke und Spargel liegende Köstlichkeit. Angeblich kann man auch dem schnoddrigen Gelee beikommen, das sein Inneres leicht Appetit-tötende Fäden ziehen lässt. Der Basti schmilzt bei aus dem Slow-Cooker stammenden Gemisch aus Bohnen, Erbsen, Tomaten, Zwiebeln und Gewürzen (heute ausnahmsweise mit Schweinefleisch). Und preist den Herrn und Don Arturo für die Singapur Huerta.

Siehst du, liebe Elsbeth, vielleicht preist du die Huerta demnächst ebenfalls!

Liebe Grüsse

Markus

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