Brief an die Cousine über eine Reise nach Tierradentro

Hoi Elsbeth

Eigentlich gibt es bereits den Entwurf eines Schreibens an dich, nämlich zum Missbrauch, aber ich bin dabei stecken geblieben. Mittlerweile sind wir zu einem Ausflug nach Tierradentro gestartet, das in der mit dem Auto in einer Tagesreise erreichbaren mittleren Cordillera Kolumbiens liegt. Wir hatten geplant, auf den Strassen gegen Süden zu kurven, die sich an die imposanten „Nevadas de Neiva“ schmiegen, mit ihren verschneiten Gipfeln in besagter Cordillera. Von diesen wird behauptet, dass sie in Zuge des Klimawandels nicht mehr lange verschneit bleiben, was ein Grund schien, einen Blick auf sie zu werfen. So konnten wir Cali noch weiter (in Fahrtrichtung) rechts liegen lassen und das mächtige Cauca-Tal dort bewundern, wo es noch richtig schön ist und mit wunderbarer Vegetation prunkt.

Von Corinto gedachten wir zu einem Ort namens Santo Domingo zu gelangen, fanden allerdings die Abzweigung nicht. Fahrer Alvaro wurde zur Erkundung ausgeschickt und kam mit einer Frau zurück. Diese stellte uns in Aussicht, wir würden Kinder des Todes, sollten wir uns ins Rebellengebiet der „ELN“ wagen. Wir könnten nur dahin, wenn wir eine uns begleitende „Bezugsperson“ herbeirufen könnten.. Da wir keine solche kennen und auch keines frühen Todes sterben wollten, mussten wir unser Vorhaben aufgeben und in Santander de Quilichao den üblichen Weg gen Süden nehmen.

Mehr wolle sie uns nicht sagen, hatte die hilfreiche Dame uns erklärt. Wobei doch eigentlich das Thema Guerilla immer noch reichlich zu reden geben müsste. Es ist doch interessant, dass ein Staat solche „no go“ Gebiete toleriert, auch wenn sie im Vergleich zum Rest des Landes unbedeutend sind. Kein Mensch soll glauben, dass es nicht ein Leichtes wäre, solch ein Gebiet auszuhungern, auch wenn es sich um eine abwegige Bergregion handelt. Auch wenn die Kolumbianische Armee ein Fehlkonstrukt ist, glaube ich, dass sie in der Lage wäre, diese Eiterbeule auszutrocknen. Aber Charakterzüge wie Verlogenheit, Heuchelei und Opportunismus (die Garcia-Marquez in die real-magische Aura überführte), verhindern das Gesunden des Staatswesen stets aufs Neue. Das ist sehr bedauernswert. Umso schneller ist man dann mit einem pathetischen Wortschwall dabei, der jeden vernünftigen Ansatz in sich ertränkt.

Die Fahrt in den Nationalpark „Tierradentro“ war wegen vieler Bauarbeiten etwas abenteuerlich langfädig, aber die wunderbare Natur entschädigt dafür vielfach. Der Parque sei ein „Kraftzentrum“ hat der Dottore herausgefunden. Er ist für mich selber eines: Er hat liebevoll guten Wein, Singapur Salami und Brot etc. liebevoll vorbereitet. Der Wein lässt auch die Mahlzeiten in den Restaurants glänzen, wo es einfache aber gut gekochte Menüs gibt. Und zum Abschluss gibt es immer Tee aus einer wuchtigen Vielzahl aus Argentinien mitgebrachter Kräuter. Mit all dieser Kraft müssen wir wohl ewig weiterleben.

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