Brief an die Cousine zu den Flüchtlingen

Hoi Elsbeth

Wo du gerade von Venezuela sprichst: Argentinien steuert gerade wieder einmal auf einen Staatsbankrott zu. Es ist bemerkenswert, beide Länder, wie Kolumbien auch, gehören zu den reichsten der Welt, jedenfalls was die Ressourcen anbelangt. Meine Bekannte in der Schweiz, die mich jeweils aufzudatieren pflegt, rechnet mit einem baldigen „Knall“, der dann aber alles ins Positive wenden soll. Allerdings rechnet sie schon bald fünfzig Jahre mit diesem. Ich denke schon, dass die Hauptursache für die Desaster wie in Brasilien an der Wundergläubigkeit der Bevölkerung liegt. Und am nicht vorhandenen Gemeinsinn. Wenn sich gerade so Gelegenheit ergibt, ist man korrupt, die andern sind es ja auch. Korruption ist als nicht Mangel an Staatsgläubigkeit, sondern eher das Gegenteil dessen. „Wenn wir nur die richtige Regierung hätten, ginge es uns gut!“. Darum schaukeln die Exekutiven zwischen links und rechts, die mangelnde Bildung macht die Wähler wundergläubig, was wiederum die nächste Katastrophe in sich birgt. In Kolumbien ist der Arm der Staatsgewalt zu kurz, ansonsten herrscht das Gleichgewicht der Korruption, welches auch den Staat zusammenhält. Ansonsten hoffe ich, dass die Informationstechnologie die Bildung demokratisiert. Ein Smartphone ist heutzutage fast für jeden zugänglich, wobei dessen technische Leistungsfähigkeit auf den Nutzen wenig Einfluss hat. Die Fähigkeit lesen und schreiben zu können hingegen schon.Da hilft das smartphone kräftig mit, zum Literaten wird damit keiner, aber es greift den Analphabeten wirkungsvoll unter die Arme. Dort, wo das Internet hinkommt, ist Bildung möglich und solange die schmackhaft ist, kommt sie auch an. Möglicherweise ist Demokratie nach westlichem Verständnis eben nicht überall möglich. Ich meine das beispielsweise im Hinblick auf China, das vielerorts als Gefahr gewertet wird. Wird es auch sein, aber ich glaube eher, dass sein möglicher Zerfall eine grössere Gefahr bedeutet. Weil dieser Staat mit Gewalt zusammen gehalten wird. Was auf längerfristig selten gut geht.

In Deutschland musste ein Fussballfunktionär vor ein Tribunal treten, weil er vorgeschlagen hatte, in Afrika Kraftwerke zu bauen, damit die Leute vor dem Fernseher sässen, anstatt sich in Ermangelung erbaulicher Alternativen fortzupflanzen. Es ging ein Aufschrei durch die Hochburg der Heuchelei, die in Deutschland liegt. Es leuchtet den leicht einfältigen Flüchtlingsfischern nicht ein, dass man das Übel an der Wurzel packen müsste. Möglicherweise bedarf es hierzu einer Art Neokolonialismus. Und, dass man in Afrika wieder mehr Flagge zeigt. Wenn die Realität zuungunsten von rassistischer Gleichmacherei verdrängt wird, hilft das niemanden, am wenigsten beim Flüchtlingsfischen.

Dass sich Nestlé und andere der Produktion von Ersatzfleisch annehmen, scheint erfreulich. Ich nehme an, dass man sich den geänderten „Bedürfnissen“ der Konsumenten anpassen will. Besser wäre es natürlich, wenn der Konsument selber wüsste, wie man Veganes schmackhaft und ohne Konservierungsmittel und Verpackung kostengünstiger herstellt. Auch sollte man nicht so tun, als könne man aus Hülsenfrüchten Ersatzfleisch herstellen. Aber als wohlschmeckende, einfach herzustellende Alternative dienen sie natürlich schon. Don Arturo pflanzt neuerdings auch Erdnüsse an, die werden wiederum Anforderungen an die Kreativität stellen. Da ist auf der andern Bockshornklee, der Fenegreco. Ich bin auch Fan von Blattkohl und dem Wirsing, für beides lässt sich kein Samen auftreiben, oder allenfalls Mengen für eine Grossplantage. Aber eine Cousine aus Nariño, zu Visite bei Don Arturo angesagt, bringt Jungpflanzen von dort mit. Und dann hätten wir ausgesorgt, weil sich das sozusagen von selber vermehre. Ich dämpfe den Kohl im Gusseisen-Kochtopf mit Zwiebeln, Knoblauch und Kümmel und finde das wunderbar.Das ergänzt sich natürlich mit Kartoffeln und/oder Lammfleisch hervorragend. Eigentlich bin ich sehr spezialisiert auf Eintöpfe, ich glaube ich werde dem auch auf der Reise nach Feuerland frönen. Du weisst ja, dass Tscheff Rotscher einstmals und Ungarn über den Nahen Osten nach bis nach Kenia getuckert ist, was heutzutage gar nicht mehr möglich wäre. Aber da war als Delikatesse „Staldencrème“ aus der Büchse ein Highlight, ich glaube, dass das künftig besser kommt! Oder was meinst du?

Einstweilen herzliche Grüsse

Markus

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