Brief an die Cousine zum Ein- und Ausstieg

Hoi Elsbeth

Also mit dem Telefonieren habe ich es nicht so, meistens kommt mir dabei gerade nicht in den Sinn, was ich hätte sagen wollen, oder man kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Geschriebenes, was zugegeben dein Hörproblem nicht angenehmer macht, hat den Vorteil, dass man es zweimal lesen kann, und dann, wenn’s am besten passt. Zudem gefallen mir deine Briefe halt. Ich komme nochmals auf die Kräuter und die Kunde über sie zurück. Rosmarin, Thymian, Melisse, Kamille, Minze, halt das, was in der Schweiz so wächst, war immer dann, wenn man es gebraucht hätte, gerade nicht verfügbar. Das Zeug hat ja auch sein Ablaufdatum. Interessant ist ja auch, dass unsere Hefti-Spoerry-Cousine mit ihrem Gatten in den Kräuterbusiness einstieg. Die hatten in Spanien eine Plantage. Irgendwie floppte das, sodass er in Griechenland einen Berg bestieg, von wo er nie mehr zurückkehrte, während sie in Deutschland unter eigenartigen Umständen ums Leben kam. Ich weiss das ja alles nur vom Ditteli, die ja jetzt auch nichts mehr berichten kann. Ich erzähl dir das, weil ich mit Don Arturo und der Doña Cornelia nach Ginebra gefahren bin, und wir dabei in der Galeria in Buga noch Kräuter eingekauft haben. Diejenigen, die da verkaufen, haben allerdings keine allzu grosse Ahnung von ihrem Geschäft, sowieso ist das Wissen beim gemeinen Volk sowohl botanisch als medizinisch-weltanschaulich sehr verkümmert. Es für mich also eine harte Lehre, bei der ich nur auf mich selber zählen kann. Das eigentliche Motiv für den Ausflug war allerdings der Ort Ginebra, über den ich auch schon berichtet habe, weil dort die Orchideen-Matrone des Valle eines ihrer Geschäfte betreibt. Es ist sowohl Aufzucht- als auch Verkaufsstätte und die prächtigen Pflanzen wirken hinter mannshohen Stacheldraht-Befestigungen wie Häftlinge. Es herrscht aber sehr schrille Schönheit, wie sie der Kolumbianer (und manch anderer) liebt.

Hier „Bandas“ genannte von Importen stammende Hybriden

Warum ich denn überhaupt hingegangen bin? Also der Don Arturo ist eben wahrhaft fleissig, wohl hat er den Prediger zur Stütze, der ist aber ebenso willig wie linkisch. Manchmal lasse ich auch Doña Cornelia in der Küche unter der Beihilfe des Predigers leiden. Dass das wahres Christentum sei, pflege ich ihr dann zu sagen. Also, mit andern Worten wollte ich ihnen eine ausgleichende Freude bereiten, aber gleichzeitig auch „deutlich“ machen, dass unsere Orchideen, wenn auch weniger machtvoll chemisch eingreifend, sich vermehrt vermehren könnten. Der Prediger war unterdessen beauftragt, Schäferhund Paco die Unterwolle mit dem dafür vorgesehen Rechen aus dem Fell zu zupfen. Das tat er mit Hingabe und Paco liess sich das auch gefallen, auch darum, weil der in ihn vernarrte Prediger die Pein der Fellpflege mit Ballwerfen versüsste. Zurück zur Orchidee: obwohl das keine zwingende Notwendigkeit darstellt, könnten wir ja beispielsweise andernorts einen Orchideen-Park dotieren. Zum Zwecke der vermehrten Vermehrung liesse sich für wenig Geld Torfmull „stehlen“, ich schlug Don Arturo aber vor, die Holzverrottung selber vorzunehmen. Für die bessere Speicherung der Feuchtigkeit schlage ich die Zugabe von Pop-Corn in das Substrat vor. Ob das funktioniert, weiss ich allerdings nicht.

Es gibt übrigens auch in Sirnach TG, unweit der Stätte unserer holden Jugend, ein „Orchidarium“, gemäss deren Internet-Seite das grösste der Welt. Unter hängenden Wurzeln werden dort auch Anlässe veranstaltet, mit catering und allem was dazu gehört. Bevor du mich dorthin einladen darfst, möchte ich allerdings wissen, ob es da auch so nach Fungizid stinkt wie in Ginebra Valle. Falls die aber den organischen Dreh aber raus hätten (wie ich), ja dann….! Ich würde dann den dort stattfindenden Wochenmarkt, wo sehr individuelle Produkte angeboten werden, mit meinen Kolumbianischen Heilkräutern bereichern und Frau Nationalrätin Edith Graf-Litscher mit der Promotion (gegen Obolus natürlich!) beauftragen. Lach nicht so blöd!!!

Also, ich wollte dir eigentlich über den Einstieg in den Ausstieg schreiben, aber irgendwie habe ich es wieder verpasst!

Trotzdem liebe Grüsse

Markus

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.