Brief an die Cousine zur Anpassung

Hoi Elsbeth

Eine Bekannte in der Schweiz, mit der ich letzthin einige Male telefoniert habe, äusserte sich in einer für mich geradezu erschreckenden Weise zum von ihr empfundenen Stand der Umwelt. Über Rückstände im Trinkwasser, die nicht einmal mehr die Natur herausfiltern kann, Antibiotika, Drogen, Östrogene, was immer du willst. Ich hatte bisher immer nach dem Motto gelebt, dass man daran ja sowieso nichts ändern kann, und dass es durchaus ok ist, wenn Flugzeuge aufsteigen, um die Plage der Stechmücken zu mildern. Kannst du dich erinnern, zu Zeiten unserer zarten Jugend pflegten schon Flugzeuge aufzusteigen, um die Plage der Maikäfer zu bekämpfen. Beim damaligen Stand der Technik dürfte es sich um DDT gehandelt haben, ein der Volksgesundheit wenig zuträglicher Wirkstoff. Das Sprühen mit dem Flugzeug, zielgenau natürlich, fast auf dem Millimeter, wird heute auf der ganzen Welt gepflegt. Auch im Valle werden die Zuckerfelder so bearbeitet und eben nach der Ernte abgebrannt. Glyphosat-Bayer -von der übernommenen Tochtergesellschaft und Erfinderin Monsanto „Round-Up“ genannt- wird auf grossflächigen Werbetafeln immer noch als Weg in eine glücklichere Zukunft gepriesen. Ach, schon wieder dieser Fingerzeig über die Schweizer Grenze, wo doch auch die Schweizer Syngenta sich sehr um das Fortkommen der Andenvölker bemüht. Mit Gen-Mais, der sich nicht reproduzieren lässt, dafür dem Maiszünsler widersteht. Und einer riesigen Palette von Pflanzenschutzmitteln, deren sachgemässe Verwendung dem geistig weniger bemittelten Campesino von geschultem Verkaufspersonal näher gebracht wird. Da fällt mir die Tochter der Rosmyra ein, letztere, die Rosmyra hat ja ihre Kurzwarenhandlung in eine lukrativere Freikirche umgewandelt, während ihre Tochter als „Ich-AG“ im chemischen Pflanzenschutz aktiv ist oder war. Ich habe schon seit längerer Zeit nichts mehr von beiden gehört, möglicherweise ist ja die Tochter mittlerweile an Krebs verstorben. Nicht, dass ich es ihr wünschen täte, aber erstaunen würde es mich wiederum auch nicht. Sie pflegte mit vollbeladenem Pick-up durch die Gegend zu brausen und füllte aus grossen Kanistern die für die Kleinbauern adäquate Menge an Chemikalien um. Und tat so Gutes, indem sie die Segnungen der Neuzeit auch in den letzten gottverlassenen Winkel brachte.

Auch unsere Orchideen wurden teilweise mit Chemie gegen einen Käfer, Babosa genannt, am Leben erhalten. Damit ist jetzt Schluss, Don Arturo besprühte sie heute mit einer Brühe aus Pepperoncino Typ superscharf und Knoblauch. Das hat im Gegensatz zu meiner vermoderten Brühe aus Quassia-Holz gar noch sehr appetitlich gerochen. Aber die Orchideen leben von Natur aus vom vermoderten Holz und dies kann je nach dem überriechend sein.

Nein, Rosamunde Pilcher ist mir jetzt wieder etwas vergangen, obwohl mich die überkandidelten Gärten und die immer gleichen spinnerten Stories sehr amüsierten, oder mindestens nach durchwachter Nacht einschläferten. Aber letzthin musste ich ein krasse Fehlbesetzung erdulden, die dann doch störte. Da wollte eine als Tatort-Kommissarin abonnierte Schauspielerin das Oberhaupt eines Clans abgeben, was der Sache den kitschigen Charme raubte. Die Kostüme hingen an ihrer sportlichen Figur wie die Fetzen einer Vogelscheuche und sie stakste mit Stöckelschuhen herum, als wären es Holzböden. In einer falschen Umwelt echt zu wirken, das geht halt wirklich nicht.

Eben, man muss sich anpassen, so habe ich heute gegrillte Maiskolben gegessen. Die hatte ich gestern kräftig mariniert. Das war noch nie meine Leibspeise. Vielleicht das nächste Mal mit Kräuterbutter? Die Bohnen, die Don Arturo im Bild drischt, sind auch billig zu kaufen. Aber der Düngeeffekt und das viele Fasermaterial für den Boden machen es aus.

Einstweilen liebe Grüsse

Markus

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