Brief an die Cousine zur Rückreise von Tierradentro

Liebe Elsbeth

Von den vielen exotischen Pflanzen auf den Bildern oben, eignen sich die von der Hochebene für unsere Gärten nicht. Immer feucht, immer kühl, nimmer Frost.

Die Mehrheit der Bevölkerung des Riesenlandes Kolumbien wohnt in Städten. Da macht das Land fast menschenleer. Ein wenig unheimlich wirkt da die Durchfahrt durch die gespenstischen Szenerien auf der Hochebene des Puracé-Nationalparks. Selten begegnete uns ein Fahrzeug auf dem Weg von Tierradentro zurück nach Popayán. Dazu ist die Unendlichkeit abwechslungsreich. Mit den klimatisierten Autos ist das so eine Sache. Schon bei der Hinfahrt herrschten im Cauca-Tal 32°, aber auf den Höhen des Hinterlandes fiel die Temperatur bis auf 11°. Beim Aussteigen aus dem Auto auf dem ebenso kalten Hochplateau des Puracé-Nationalparks fiel dazu noch Regen, was einen zittern und nach einem Überwurf greifen liess. Aber es lohnte sich. Die Vegetation ist bei näherem Hingucken überall sensationell. Bei der Rückkehr waren es in Buga dann 34° und auf der Finca Singapur dann glücklicherweise nur noch deren 27°.

Wenn man in all dieser Einsamkeit auf einen Imbiss stösst, wo einem eine gut gekochte, aber immer gleiche Fleischbrühe mit Kartoffel, Kochbanane und Koriander und ein ebenso unvermeidlich unabänderlich Huhn mit Reis und Fritten serviert wird, ist man es sich zufrieden. Dass im „Kraftzentrum“ Parque Tierradentro im von der öffentlichen Hand gesponserten Hotel „Refugio“ ausser Frühstück nichts serviert wird, und sich das indigene Personal auch ansonsten für gar nichts zu interessieren scheint, ist dann eher stossend. Während ich annehme, die wüssten es nicht besser, ist der Dottore der Ansicht, die wollten nicht. Die kombinierte Unterkunft mit Restauration, wo wir uns zu speisen gezwungen sahen, ist ein amüsantes Konstrukt aus einem Korridor, in dem drei grosse Tische stehen, von dem aus direkter Zutritt zu dem Gästekammern geboten wird. Der anschliessende Salon der Betreiber-Familie ist bis zur Küche hin voll einsehbar. Bei den mit Vorhängen anstelle von Türen versehenen Pforten zu den Privatgemächern war ein stetiges Kommen und Gehen wie in einem absurden Theater zu beobachten. Da trat der Grossvater von der einen Seite auf, von der andern Seite ein Enkel, beide naschten aus einem Kochtopf und zogen sich wieder zurück, um später wiederkehrend in den Fernseher zu starren. Eine stetig zirkulierende vielfältige Damenwelt zupfte an den Vorhängen, ohne dabei irgendeine Intimität zu wahren. Die Dueña hastete mit dem Handy nach mobilfunkender Abdeckung lechzend an den Gästen vorbei durch den Korridor ins Freie und zurück. So wurde der Abend durchaus amüsant. Mehr folgt!

LG

Markus

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