Brief an Tscheff zum Recycling

Hoi Rotscher

Wieder etwas banales: Etwas asthmatisch wirkte es mittlerweile schon, das MacMini-Truckli, das seinerzeit im Fluggepäck von Zürich nach Cali umzog. Die wenig liebevolle Behandlung, die man den Koffern bei Flugreisen angedeihen lässt, konnten ihm nichts anhaben. Fast zehn Jahre herrscht es über meine Hires-Musiksammlung -mittels dem darauf installierten Logitech-Server- und führt dem Fernseher das Videosignal zu. Für all das scheint es mir noch immer mehr als tauglich, aber irgendwann, wie du mir immer eingeschärft hast, muss man um das Leben der alternden Festplatte fürchten. Eine SSD von Amazon ist bot sich als preisgünstige Alternative an, ein Typ in Cali hat mir die eingebaut und gleich noch das Innenleben des Kästchens vom Staub befreit. Wie war das früher? Da wurde doch mit irgendeinem Befehl ein Speicher „boot fähig“. Das war jetzt nicht der Fall, ich musste sieben Gigabyte Betriebssystem herunterladen. Die Mühe hat sich aber gelohnt, das Truckli bootet jetzt wieselflink und ich kann zu neueren MAC’s keinen grossen Unterschied in der Geschwindigkeit mehr ausmachen.

Ist es nicht so, dass der technische Fortschritt irgendwann keinen nennenswerten Zugewinn mehr bringt? Der selbe Mensch hat meinem alten iPhone einmal mehr das Glas gewechselt, zudem habe ich es wieder in eine Schutzhülle gesteckt. Sowohl das Original-Glas als auch die mittlerweile deutlich intelligenter gestalteten Hüllen sind von wegen Masse günstig.

Die naturgegebene Erde hier ist nicht von selber fruchtbar, die Kombination mit Kompost lässt die Pflanzen aber durchstarten. Wir hatten endlich nennenswerten Regen und der scheidende J.P. wunderte sich, wie die Bäume über Nacht ausschlugen. Der Anbau von Kaffee bringt einen Anstieg der Produktion von Humus, diesen muss man natürlich anreichern, was wir mit gekauftem Kuhmist tun, mittlerweile haben wir viele Tonnen eingebracht. Der Humus lässt sich hier klimabedingt jahraus jahrein kompostieren. Nachstehend ein paar Impressionen:

Vor seiner Abreise haben J.P. und ich wie auf einer „Insel“ gelebt. Es würde nicht lange dauern, bis wir unsere eigenen Sprache hätten. Zurück von seinem täglichen Spaziergang mit den Hunden meinte J.P.: „De Paco het wieder d’cabras i de huerta asuschtiert. Une on a encontré morte.“ Den Ziegen einen Schreck einzujagen, war schon immer Spezialität von Hueber’s Hunden. Von wegen denen man schon früher im Calanca-Tal zu ungern gesehenen Sommergästen wurde. Aber die Geissen halten es wie Kater Balthasar, der gerne den Paco herausfordert. Letzthin hatte er das Pech, dabei in dessen Fängen zu geraten, sodass er schreckliche Schreie ausstossen musste, worauf ihn Sebastian aus der Todesangst befreite. Aus der seither herrschenden Ruhe zu schliessen, hat er seine Lektion gelernt. Der feingliedrige Balthasar wird von J.P. als „tête de maigre“ bezeichnet, in maliziöser Abwandlung des rassistischen „tête de nègre“, was auf Schweizerdeutsch ein „Mohrenkopf“ wäre.

Von wegen der politischen Korrektheit, Don Rotscher, letzthin habe ich von „MusikerInnen“ eines Orchesters gelesen. Das klingt so trostlos blöd, es ist eben einfach nicht wirklich deutsch, sorry to say so. Die Deutsche Grammatik sieht vor, dass eine geschlechtlich gemischte Mehrzahl der Einfachheit halber maskulin ausgedrückt wird. Dass die weiblichen Mitglieder also ebenfalls dem „starken“ Geschlecht zugeordnet werden. Es braucht einen fürchterlichen Minderwertigkeitskomplex, in dieser einfachen Logik eine Diskriminierung zu sehen.

Noch einmal viele Grüsse

Markus

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