Brief von der Cousine

Lieber Markus

Herzlichen Dank für Deine Zeilen, die ich wie immer geniesse. Hast Du denn Werbung gemacht, dass Du jetzt Gäste hast? Ja, warum nicht, umso besser dass es ihnen gefällt. Ich nehme an, dass Du sie bekochst. Deren Ausflug ist auch ins Wasser gefallen, wie bei uns. Wir haben seit letzten Donnerstag Dauerregen, gestern schüttete es sogar grausig, begleitet von Blitz und Donner. Die Osterurlauber schleichen vermummt und mit eingezogenen Köpfen umher. Hie und da bläst es Einem den Schirm fort. Dann muss ich, so boshaft wie ich bin, immer lachen. Das tragische für mich ist, dass ich letzten Montag Terrasse und rundum Blütenstaub, Piniensamen und anderen Dreck gefegt und geputzt habe, Sonnenschirme platziert, und einfach alles schön gemacht habe auf Ostern. Jetzt regnet es Saharastaub und alles sieht schlimmer aus als vorher. Das Auto sieht aus, wie wenn jemand draufgeko… hätte. Da werde ich wieder einen Tag beschäftigt sein.

Wenn ich jeweils Deine Berichte lese, die ganzen Texte in Deiner gehobenen Ausdrucksweise frage ich mich immer warum man Dich zu einer Kochlehre verknurrte. Oder hast Du Dir die Professorensprache erst später angeeignet? Manchmal öffnet man ja den Knopf erst später. Im Sprachen lernen hattest Du ja auch keine Schwierigkeiten. Deine Gedanken, wie man in der deutschen Sprache (Geschlechtertrennung) gewisse Wörter ändern könnte, finde ich gut. Ich finde es sowieso blöd immer dieses „Innen“ hinten anzuhängen. Was mich heutzutage stört, sind die Abkürzungen. Für Alles und Jedes werden nur noch Abkürzungen verwendet, oftmals weiss man gar nicht, was es eigentlich bedeuten soll. Ich bilde mir ein eigentlich ein, noch „up to date“ zu sein, aber offenbar ist es das Gegenteil. 

Ich amüsierte mich, wie Du mit Deinem Traktor den Rückzug antreten konntest. Du bist in jeder Beziehung gut ausgerüstet. Da können Deine Gäste noch Erlebnisse mit nachhause nehmen. Besser Steine im Weg als bewaffnete Typen. Nur  hätte es bei bewaffneten Typen wahrscheinlich keine „Gaffer“. Es wird auch hier so sein, dass Steine runtergefallen und Mauern eingestürzt sind. Gesehen habe ich noch nichts, war noch nicht unterwegs. 

Du hast aber viele Kaffeemaschinen, gibt es die alle in Colombia zu kaufen? Für feinen Kaffe muss ich mir bei Dir jedenfalls keine Sorgen machen.

Am 28. April ist es bereits ein Jahr seit dem Cousinentreffen in Wil. Cousine Ursula hat Pech gehabt. Sie hatte einen Darmdurchbruch, ein paar Operationen und Reha, nach drei Monaten nochmals Operation für die Rückbildung. Das Problem ist dass ihr Mann Alzheimer hat, und so ist ihr Leben geprägt von Sorgen. Ich bin dankbar für meine Gesundheit und freue mich jeden Morgen wenn ich wieder gesund aufstehen kann, man weiss ja nie wie lange.

Du kriegst wieder Besuch von Helene, da freust Du Dich sicher. Ich finde es schön, dass sie Englisch-Unterricht geben wird.

Lieben Gruss bis zum nächsten Mal, Elsbeth

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