Brief von der Cousine in Spanien

Hoi Markus

Wunderschöne Blumenfotos habe ich wieder erhalten. Das Wetter sei bei Euch schön, da bin ich grad neidisch. Hier bläst schon seit einiger Zeit ein heftiger Wind. Der macht rundum eine Sauerei und wirft Blumentöpfe um, das habe ich nicht so gerne. Nun, es wird auch wieder einmal besser. 

Du kannst jetzt Deinen Besuch geniessen. Es ist doch toll, dass sich auf Deiner Finca soweit alles gut eingespielt hat. Es brauchte wohl einfach seine Zeit und auch Geduld, vielleicht hie und da auch Nerven.

Die Jugend von gestern und heute, das ist ein Thema für sich. Ich beneide die Jungen von heute wie die selbständig, aufgeschlossen und unternehmungslustig sind. Klar, sie können sich natürlich viel mehr leisten als wir konnten. Meine Eltern sagten,  auch ich sei verklemmt, dem war jedoch nicht so, sondern es war die Angst. Einmal, als sie wieder ausrastete, sagte ich zu meiner Mutter, ob sie wohl nach dem Mond gehe. Das kam dann gar nicht gut an, und sie rannte mir mit einem Besen durchs ganze Wiezikon nach. Ich rannte natürlich schneller und schliesslich gab sie auf. Da habe ich mich schon gefragt, ob sie sich nicht geschämt habe. Aber ich denke die Nachbarn hätten dann eher mich verurteilt. Ich hatte viele gute Ideen und Interessen, aber da wurde alles zum Vornherein blockiert. Aber Du weisst ja wie das lief. Ist es in Kolumbien nicht eher so, dass die Familien zusammenbleiben?

In Spanien ist der Zusammenhalt schon noch eher festzustellen. In Calpe sieht man immer viele abuelos/as mit ihren Enkeln da beide Eltern arbeiten müssen um einigermassen über die Runden zu kommen. Aber das betrifft natürlich die ärmere Schicht. Ich lebe an der Küste. Als ich vor 20 Jahren hierher kam war es noch schön. Mittlerweile sind viele reiche Leute, hauptsächlich Belgier und Russen hergezogen, jedes Mausloch wird bebaut, Villen mit hohen Mauern rundum, alles anonym. Mein Häuschen befindet sich in einer Urbanisation, das ist wie ein Dörfchen und nicht alle Häuser haben eine Mauer, ich auch nicht. Trotzdem, wenn ich heute wählen müsste, würde ich eher ins Hinterland ziehen, wo es eher noch original spanisch ist. Dazu kommt dass in der Sommersaison die Touristeninvasion mittlerweile unerträglich geworden ist. 

Diese Woche  hatte ich die Grippe, nebst den Erkältungserscheinungen hatte ich fürchterliche Kopfschmerzen. Jetzt geht es wieder besser. Unkraut verdirbt ja nicht.

Ich wünsche Dir eine schöne Zeit mit Deinen Freunden.

Lieben Gruss, Elsbeth

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