Cartagena


Cartagena de Indias gehört in das Besuchsprogramm der Kolumbienreisenden. So wollte denn auch meine Schwester hierher und so bin ich jetzt halt auch da. Es herrscht eine bespiellose Bruthitze über die selbst die Einheimischen klagen. Cartagena mag noch so touristisch sein, seine Einwohner sind demgegenüber hingebungsvoll liebenswürdig. Nächtens an der Strasse zu sitzen, das bunte Treiben beobachten und mit Krämern zu scherzen hat sich zu einem Zeitvertreib der Christa entwickelt.
Europa sei an Lateinamerika wenig interessiert und das kontrastiere zum Popularitätshoch, in dem sich der vor einem Jahr verstorbene Schriftsteller Garcia-Marquez weltweit befinde. Dieser Schluss ist in einem Beitrag der NZZ gestern gezogen worden. Das mag auch touristisch zutreffen, den anderswo in Schwärmen auftretenden Schweizern und Deutschen begegnet man auch in Cartagena selten. Ich mag das nicht als Nachteil sehen, trotzdem stellt sich die Frage, ob sich das mangelnde Interesse u.a. an einem derart vielfältigen Land wie Kolumbien nur auf der überkommenen Furcht vor Terrorismus gründet. Vielleicht ist es eher die Sprachbarriere, während man sich in Asien die Mühe schenken kann, in einer lokalen Sprache zu radebrechen und man sich dafür Englisch abmühen darf, wird es mit letzterem in Lateinamerika eng. Die Lektüre von Garcia-Marquez vermittelt da keine Einsichten, sein „Realmagisches“ ist mehr Ausdruck eines bereits überkommenen Zeitgeistes. Die Darstellung der Kolumbianer als „dumpftumb“ bedarf tatsächlich realmagischer Nachhilfe. Das ist alles irgendwie einfältig, öfters langweilig und wenn nicht zumindest naiv, etwa so wie die Affinität des Schriftstellers zu Fidel Castro.

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Ein Kommentar zu Cartagena

  1. alex sagt:

    Da haben jastin und ich gleich fernweh. Grüsst die stadt und kolumbien von uns.

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