Cosa combini? Brief vom Dottore

Buongiorno Direttore,

come va, come stai, cosa combini?

Die äusserst einfach „strukturierten“ Tage al mare haben gut getan. Möglichst einfach, aber nicht einfältig! Das gute Wetter, nicht zu warme bis milde Temperaturen, das warme glasklare karibikfarbige Meer, das lebendige aber nicht überfüllte Treiben am Strand, in den Gassen und den Restaurants, der normal wie auch der stark rauchende Stromboli gegenüber, Klassik und Jazz, das Temperament der Calabresi, die tägliche Commedia des don Michele von der Osteria della Cipolla Rossa. Welch eine vielfältige Gestik und Mimik der hat! Da kommt man sich im Vergleich schon etwas verkümmert vor. Bei Francesco, den besten Dorf-Traiteur, gab es wie üblich ausgesuchte und ansonsten schwierig zu findende Leckereien (z.B. capocollo di suino nero della Sila). Ich habe ihm übrigens etwas CH- und Luker-Schoggi geschenkt. Von der Kolumbianischen Single Origin hat er dann geschwärmt. Beim sich neu angesiedelten Donna Orsola gab es für das Dorf, das sonst leider oft auf Masse und Touri-Einheitsbrei aus ist, sehr gepflegte, lokalgeprägte und raffinierte Küche. Der Einsatz der kalabresischen Wildkräuter in der ganzen Palette bei den Gerichten fand ich bemerkenswert. Dr junge Chef traut sich was (zu). Doch schön und wenn es mal ausnahmsweise nicht ganz überzeugend ist (z.B frittierte frische Steinpilze, wo das drumherum zu dominant war) was soll’s.

Carpe diem und mens sana in corpore sano: viel geschwommen, von einem Strand zum anderen gelaufen und Treppen hoch und runter gestiegen. Das auf Tufstein errichtete Dorf liegt ca. 200 Stufen über dem Meer. Von oben sieht man bei trockener Luft 5 der 7 eolischen Inseln. Die Buchhändlerin, die mir letztes Jahr Krasnohorkai empfohlen hatte, gab mir dieses Jahr ein Buch einer jungen Schriftstellerin aus Iowa: L’estate che sciolse tutto. Ein Anwalt, ehemaliger Staatsanwalt, verheiratet und Vater zweier Kinder ist sich nicht mehr sicher, das Gute vom Bösen unterscheiden zu können. Er gibt ein Inserat in der Zeitung auf: „Cercasi diavolo“ (Teufel gesucht). Nach geraumer Zeit präsentiert sich ein 13jähriger farbiger Junge. Ab da passiert viel, zuweilen fast zu viel. Immerhin eine gelungene Fiktion darüber wie der Schein trügt, wie man zu gern projiziert oder spiegeln lässt (und darin gefangen bleibt), auch wie der Teufel in einem selbst steckt. Das Ende ist happig. Ich wollte mir daraufhin etwas „fröhlicheres“ empfehlen lassen, aber die Ersatzbuchhändlerin konnte mir da nicht helfen. In der Not nahm ich eine Sammlung von zwälf Beiträgen über das Internet, ein Sequel zu Baricco’s „The Game“ mit dem Titel „The Game Unplugged“. Wie vertraut bist du mit Begriffen wie: Soziales oder symbolisches Kapital im Internetkontext, mal d’archivio (Archivleiden), Meatware (in Ergänzung zu Hardware und Software), Überwachungskapitalismus, Shitposting Kultur (als eine Form von Rebellion zu dem was im Internet vorgeht beziehungsweise was von der Glanzlichtgesellschaft erwartet wird), CPA (continuous partial attention) versus Multitasking, personal greenwashing, „Incel“ und „going postal“ oder „digital heroin“?

Zu meatware habe ich vorgestern einen erschütternden investigativen Beitrag im staatlichen französischen Fernsehen gesehen. Dazu und zu den obigen Begriffen demnächst mehr.

“L’inferno dei viventi non è qualcosa che sarà: se ce n’è uno, è quello che è già qui, l’inferno che abitiamo tutti i giorni, che formiamo stando insieme. Due modi ci sono per non soffrirne. Il primo riesce facile a molti: accettare l’inferno e diventarne parte fino al punto di non vederlo più. Il secondo è rischioso ed esige attenzione e apprendimento continui: cercare e  saper riconoscere chi e cosa in mezzo all’inferno, non è l’inferno, e farlo durare, dargli spazio.” (Italo Calvino)

Un caro saluto

F.

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