Den Tscheff Rotscher anschwärzender Brief an die Cousine

Farblich eintönig, geschmacklich aber sehr schmackhaft: Sauerkraut mit Ingwer und Karotten. Daneben selbstgerauchter Speck.

Hoi Elsbeth

Eigentlich hätte ich dir über meine Universal-Heilcrème oder Krem gegen Hautverletzungen und Schlimmeres berichten wollen. Und über dem Mann im Rollstuhl, der zwecks Verrichtung seiner Notdurft sehr wohl alleine aufstehen kann und auch das Bett selbsttätig aufsucht, aber sich ansonsten weigert, sich aus seinem Fahrstuhl zu erheben. Seine verzweifelte Familie wandte sich in ihrer Not an mich, nachdem ruchbar geworden ist, dass ich zwar keine übersinnlichen Fähigkeiten, aber zumindest solche Kontakte pflege. Aber stell dir vor, wenn ich jetzt da hinginge und den im Rollstuhl sitzenden wirkungsvoll anschreien würde: „Steh auf du Totsch, nimm deinen Rollstuhl und gehe hin!“ Eben, du spürst etwas! Man würde mich für denselbigen Erlöser halten und das wäre so brandgefährlich wie der unter dem Boden der Singapur vergrabene Goldschatz. Immerhin bin ich, unter Auswertung der Aussagen Dritter, darauf gekommen, dass das Opfer im Rollstuhl beim Holzfällen am Kopf getroffen wurde. Und dass es sich in seinem Fall um ein Blutgerinnsel handeln muss. Wie ich auf das komme? Wegen der Gotte Miggi selig! Die stürzte seinerzeit die halbstöckige Treppe ihres Hauses hinunter, weil sie ökologischerweise, oder besser gesagt: weniger aus Sparsamkeitsgründen als der Bequemlichkeit halber kein Licht gemacht hatte. Während die Gotte Miggi den Unfall anfänglich bagatellisierte und zugab, dass es unklug ist, sich im Dunkeln im Treppenhaus zu bewegen, konnte sie mir wenige Tage später keinen Kaffee mehr einschenken, ohne dass sich dieser nicht auf das Tischtuch ergossen hätte. Die Verschlechterung ihres Zustands motivierte die Gotte Maggi, einen andern Schuldigen für die erlittene Unbill zu suchen. Da kam ihr die Zugehfrau Emmeli gerade recht, die ob ihrem Putzfanatismus die Treppe so glänzend-glatt gewienert habe, dass sie, die Gotte Miggi, auf dieser ausgeglitten sei. Die Beschuldigte, ein Opfertyp, an der die Gotte Miggi genüsslich all ihre Launen ausliess, beklagte sich bei mir über ihr Schicksal, immer an allem schuld sein zu müssen. Ich tröstete sie mit dem Hinweis, sie solle jetzt einmal kein Totsch sein und die Ungerade gerade sein lassen. Die Gotte Miggi begab sich derweil ins Spital zur Untersuchung. Dort eröffnete ihr ein liebevoller Arzt, man müsse ihr den Schädel aufbohren, nachdem dieser vorgängig kahlgeschoren worden sei. Und durch die entstandenen Bohrlöcher werde wiederum das geronnene Blut abgesaugt. Die entsetzte Gotte Miggi, mit der Übeltäterin Emmeli als Stütze erschienen, schrie laut auf: Lieber sterben! Dem armen Emmeli fuhr die Theatralik der Gotte Miggi wie ein Stich ins Herz, so dass sie ebenfalls lauthals „Nein!“ sekundierte. Die Wirkung der Schreie abwartend, musterte die Gotte Miggi das Namensschild, das besagter Arzt als Etikette auf sich trug und las den Namen „Soundso“. „Sind sie jetzt nicht auch aus Münchwilen, wenn sie doch Soundso heissen?“ frug die Gotte Miggi heimtückisch den notorisch als Kinderschänder Verurteilten und bewies, dass ihr Gedächtnis beim Sturz keinen Schaden genommen hatte. Ihr erbleichende Peiniger offerierte unverzüglich eine medikamentöse Behandlung. Dessen ungeachtet legte sich die Gotte Miggi ab dieser Stunde ins Bett und erhob sich kaum mehr von diesem, vermutlich, um das Emmeli weiter zu strafen. Nachdem ihr Leben wider Erwarten kein Ende nahm, entschloss sich die Gotte Miggi theatralisch zum Umzug ins Altenheim, wo sich alle auf sie freuen täten. Dort lebte sie noch zwanzig Jahre liebevoll umsorgt weiter, bis sie, an sich gesund, an der Essenverweigerung verstarb. Aber im Ernst: Man sagt, dass solche Blutgerinnsel auch eine Charakterveränderung mit sich bringen können. Da ich mich nicht mit weiteren Zukunftsschauen mit der Indio-Frau belasten möchte, entschloss ich mich, nach bestem Wissen und Gewissen ein für solche Fällen höchstwahrscheinlich wirksames Gebräu aus Katzenkralle, Kurkuma, Ingwer und einem „Pferdeschwanzhaar“ genannten Kraut herzustellen. Daran befestigte ich die Etikette mit dem für den Patienten unverständlich-eindrücklichem Französisch: „Bouges-toi“. Das selbe soll übrigens wegen beförderlicher „Mikro-Blutzirkulation“ auch für Tinnitus und andere Gehörprobleme wirksam sein. Der Verunfallte nimmt die Tinktur jedenfalls zu sich und hat sich auch über die Massagecrème auf der Basis von Vaseline gefreut, die mir ebenso wie der „Repelente“ gegen Insektenstiche mit Lanolin sehr gelungen ist. Zudem parfümierte ich diese mit dem authentischen Klon des Markenwassers „Invictus“. Das Psychologische ist ja auch wichtig und wenn die Wirkung wie bei Placebo, so ist es ja auch recht. Aber eine nerventreibende Angelegenheit ist die Herstellung von Salben schon, wenngleich küchentechnische Kenntnisse bezüglich Emulsionen wie Mayonnaise oder Hollandaise sehr hilfreich sind. Aber jeder Emulgator, da natürlich, funktioniert wieder anders, und wandelt sich von flüssig zu hart; ich wollte Bienenwachs probieren und hatte keinen. Da erinnerte ich mich des Don Jairo, der mit der Bienenfarm, und rief ihn an und am selben Nachmittag hatte ich Pfund köstlich duftendes Bienenwachs auf dem Tisch liegen, das er mir mit seiner Frau vorbeibrachte.

Wie auch immer, du wirst nachvollziehen können, dass ich unter grossem sozialem Stress stehe. Und da kommt einer wie Tscheff Rotscher, der sich partout nicht unterordnen will und immer wieder an meinem Podestlein rüttelt. Weisst du, er gehört, wie dein seliger Götti und Onkel Viktor, zu den Personen, bei denen das Einfache urplötzlich grauenvoll kompliziert wird. Dass es einem, vor lauter Feintuning und künstlicher Intelligenz, kaum gelingt, mit ihm per E-Mail in Kontakt zu treten. Ich sage das ja nur dir, aber nachdem ich dank meiner phänomenalen Lernfähigkeit zurückgekrebst und bereit bin, in kruden Gefährten die Fahrt nach Feuerland anzutreten, deutet er das bereits wieder als Schwächezeichen meinerseits. Lies nachstehend sein freches Schreiben.

Dem Sohn des Paralysierten habe ich die zystische Akne hinweg gehext. Wobei interessant ist, dass die Hörner und Beulen wochentags verschwunden bleiben, aber montags, nach der Sonntags-Besinnung, er wieder mit einem Horn am Grind zurückkehrt.

Hallo Markus
Nachstehend meine wertvollen Überlegungen zu einer Reise von Kolumbien nach Feuerland betreffend eines in Frage kommenden Fahrzeugs.
Wenn wir zu fünft reisen, müssen wir uns überlegen, ob das mit nur einem oder aber zwei Fahrzeugen machbar ist. Varianten gibt es viele, aber einen trifft immer der Schlaf im (Dach)-Zel
t:

  • 2 Fahrzeuge 2 Sitzplätzen und je zwei Betten + 1 Dachzelt auf einem der Fahrzeuge
  • 1 Fahrzeug mit 5 Sitzplätzen und ein grosses Familienzelt für alle

Wenn Du als als Beckenrand-Schwimmer auf 4500 m.ü.M. nicht im Zelt schlafen magst, dann fällt letztere Option weg, ebenso die erste, weil einer immer der „Arsch“ ist, der in der Kälte pennt. (Das wärst vorzugsweise du, der ja seine Militärzeit immer so abfeiert und man deshalb annehmen darf, dass Dich „Lagerromantik“ anspricht. Ganz nebenbei bemerkt, hatte es bei meiner Dienstzeit der „Küsche“ immer gut: er war sowohl in der Nähe der Futtertöpfe als auch der Wärme der Öfen und musste nicht im Dreck herumsecklen wie unsereins. Zudem gab es immer irgendwelche offene Schnaps oder Weinflaschen und hohe Offiziere, die beim Käffelen blöd herumquatschten. Unsererseits haben wir es gerne wohlig warm, was eine Heizung bedingt. Was mich nun zum Thema Ausbau bringt:

Deine Unbedarftheit wie auch das penetrante Desinteresse betreffend der bisherigen Ausbauarbeiten an meinem Schweizer Wagen verleitet dich – wie bei allen meinen Unterfangen zur Illusion, es sei alles ein „piece of cake“ und liesse sich so schnell in ein paar Tagen erledigen.

Wie bei andern handwerklichem und informatischen Projekten befindest Du dich da aber wieder auf dem Holzweg! Das Ganze ist äusserst zeit- und kostenintensiv! Die benötigte Ausrüstung wie Heizungen, Frischwassertanks, Campingartikel etc. wird sich nicht oder nur sehr umständlich finden lassen, auch wenn Du der irrigen Meinung wärst, in Kolumbien finde sich jeder erdenkliche Artikel. Aber Kolumbien ist nicht das klassische Campingbus-Gebiet – was für das übrige Südamerika auch zutreffen dürfte.

Bevor über die Art und Weise der Fortbewegung keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, nach einer Karre Ausschau zu halten. Zwei Wagen auszubauen ist zu aufwändig, da könnte ich auch gleich meinen verschiffen. Du würdest dann im Anhänger schlafen, es gibt solche bei Billig-Bus-Reisen, in denen liegt man wie die Leiche in der Gerichtsmedizin in einer Schublade – sofern Du da überhaupt reinpasst. Hahahahahahaha

Also, bis Du Dich nicht herablässt und Dir handfest-reale (nicht realmagische) Gedanken über diese Reise macht, läuft bei mir gar nichts. Einmal an dem Punkt angelangt, wo Du einsichtig wirst, dass ich viel mehr von allem verstehe und Du ein Mega-Scrub bist, dann haben wir wieder eine Basis, auf der wir aufbauen können.

Und versuch nicht immer so zu tun, als würdest Du alles völlig überblicken, in der Regel kommst Du ohnehin Monate später mit Ideen, die meine waren, neu angekrochen und verkaufst diese, als ob sie auf Deinem eigenen kalten Kaffeekompost gewachsen wären. Also mich täuschst Du nicht mehr!

So isch das nämli!

Gruess, Rotscher

Und einer von mir an Dich!

Markus


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