Der Dottore zu Erkenntnissen des IMF

Buongiorno Direttore

Vielen Dank für deine Antworten und Updates. 

Es überrascht mich, dass der vermeintliche Hardliner Duque (und Uribe Freund!) es im Süden derart schlittern lässt. Versuchte er es vor einem Jahr mit zu grossen Subventions- und Finanzierungskürzungen und muss nun zurück krebsen? Pecunia non olet, als Konfliktlösung: gehen dafür die Mautgebühren jetzt entsprechend hoch? Kommt ihm das sogar gelegen, weil er an der Autobahngesellschaft beteiligt ist? Es sind gar keine gute Nachrichten! Die Reise- und Sicherheitshinweise des auswärtigen Amts zu Kolumbien Stand 9.4.19 sind sehr dezidiert in ihren Warnungen (mehr als auch schon!).    

Perplex lässt mich, wie Grosszügigkeit (Gutmütigkeit?) als selbstverständlich vorausgesetzt wird; diese ausbleibende oder kleinmütige Dankbarkeit! Ohne wenn und aber den Dienst nicht antreten, als ob jedwelches Verhalten in trockenen Tüchern sei.

Der Gedanke deines Schwarzkopf Zitats ist mir auch durch den Kopf gegangen. Ein delikates Thema mit sehr grossen Empfindlichkeiten. Selbst wenn man sich (viel) Zeit für Nichten, Patenkinder, oder Kleinkinder von Freunden nimmt. Es bleiben nur punktuelle Ausschnitte, Einblicke und Erfahrungen. Und doch fällt mir dies oder das auf, auch Unterschiede und ich frage mich gelegentlich, woran das liegen mag.  

Etwas „Besseres“ oder „Anderes“: ich würde hinzufügen, dass selbst wenn man sich darüber tatsächlich (und nicht suggestiv!) im Klaren wäre, das nicht einfach vom Himmel fällt und zweitens Erziehung eine derart lang angelegte Aufgabe mit soviel Wechselwirkungen ist, dass mit Überraschungen und Plananpassungen nolens volens zu rechnen ist.

Bei der Suche nach dem Carlyle Text bin ich auf der Gutenberg Plattform auf die Erzählung „El Verdugo“ von Balzac gestossen. Ebenso auf einen lesenswerten Essay von Zweig zu „Drei Meister“ (Balzac, Dickens, Dostojewski). Zu Balzac meint er: „In einer Epoche so nie erlebter Veränderungen mußte ihm früh die Relativität aller Werte bewußt werden. Daß jeder seinen Rubikon, sein Waterloo hat, daß die gleichen Schlachten sich in Palästen, Hütten und Tavernen liefern, zeigt Balzac, und daß unter den abgerissenen Kleidern Priester, Ärzte, Soldaten, Advokaten die gleichen Triebe entäußern. …Wer zeitlebens Virtuose einer einzigen Leidenschaft war, Athlet eines einzigen Gefühls, ist Stümper und Schwächling auf jedem anderen Gebiet.“

Ich finde es bemerkenswert, dass EWZ 91 Windturbinen in 17 verschiedene Windparks hat. Ergibt ein Durchschnitt von 5 pro Windpark. Ist das nicht seltsam wenig? Die norwegischen Windparks sind doch riesig. Ist das eine notgedrungene, bewusste, teuer erkaufte und effiziente Diversifizierung? Hat es etwa von jedem Park eine dedizierte Stromlinie in die Schweiz? Norwegen zeigt ein ambivalentes Verhalten! Man nutzt die sehr grossen fossilen Reserven (Erdöl, Gas) und hinterlässt dadurch einen gewaltigen CO2 Fussabdruck. Der Staatsfond (Statoil) verwaltet die Erlöse zum Wohle der Nation und zur Förderung von Massnahmen, die u.a. ein klimafreundlicheres Verhalten unterstützen. So liegt beispielsweise der Anteil Elektroautos bei den Neuwagen in Norwegen inzwischen bei über 52 % (in der Schweiz knapp 2 %). Die Norweger hoffen, dass durch die hohen Subventionen bald auch ein echter Elektroauto-Occasionsmarkt entsteht, der noch mehr Dynamik in die Ablösung der fossilen Motoren bringen wird.    

Interessantes fand ich in diversen IMF Berichte. Dazu einige Ausschnitte:

“The minimum wage is clearly quite low in Mexico and Brazil while it appears relatively high in Colombia and to a lesser degree in Peru. A country’s income level (demand for formality) and the level of education of its workforce (supply of formality) have been found to be two key determinants of informality. Controlling for both, we show that certain dimensions of stricter employment protection legislation increase informality, most notably higher redundancy costs and cumbersome dismissal regulations.“

Was kannst du zu SENA (Servicio Nacional de Aprendizaje), oder “ Programma Jóvenes en Acción“ oder „Gran Encuesta Integrada de Hogares” sagen?

Bei der Schattenwirtschaft glauben sie eine U-Kurve, also eine Nicht-Linearität entdeckt zu haben: „Our results reveal that, after controlling for key economic, policy, and institutional variables, the economies at a low development level witness a negative relationship between the size of the shadow economy and GDP per capita, but when GDP per capita exceeds a threshold, the size of the shadow economy goes up with per capita income. The non-linearity finding implies that the shadow economy is able to co-exist with different levels of development and the shadow economy does not disappear in the long run. …The estimated average size of the shadow economy in 158 countries over 1991 to 2015 is 31.9 percent relative to GDP.” Schätzung für die Schweiz (8%), Italien/Spanien (25 %): Siehe Graphik!

Sehr pointiert ist eine Untersuchung zur Effizienz und Wirksamkeit von Insolvenz Systemen bzw. Regulierungen. Der Versuch zu den Indikatoren „Zeit“, „Kosten“ und „Revovery Rate“ (Gläubigerrückzahlungen zu Gesamtschulden einer Konkursmasse) Erkenntnisse zu gewinnen. “The most significant thing about the role of empirical research in bankruptcy policy has been its insignificance”. Und dann fand ich als lobenswerte Ausnahme: “In Colombia, the Superintendencia de Sociedades combines the role of adjudicating authority and insolvency regulator. This places the Superintendencia in a unique position to gather data and produce reports that cover both general information on insolvency proceedings, and information on the performance of insolvency administrators. The statistics also show general characteristics of the insolvent businesses (size of enterprise, number of employees, location, etc.).” Es wird auf einen Link verwiesen:

http://www.supersociedades.gov.co/delegatura_insolvencia/Paginas/publicaciones.aspx

Donnerwetter: Kolumbien als lobenswerte Ausnahme? Ich habe mir die Webseite angeschaut. Das kolumbianische Recht kennt mehrere Insolvenz Kategorien: Sociedades en Reorganización y Validación Judicial; Sociedades en Liquidación Obligatoria (bis 2008); Sociedades en Liquidación Judicial (ab 2008); Sociedades en Concordatos; Sociedades en Acuerdos de Reestructuración. Zu jeder „Art“ gibt es vielfältige statistische Informationen. Bei der Liquidacion Judicial sehe ich, dass im Schnitt pro Jahr ca. 160 Firmen darunter fallen, dass inzwischen 75 % der seit 2008 1721 angesammelten Fälle erledigt seien, bei gesamthaft involvierten 185 Mio COP Aktiven und 560 Mio Cop Passiven. Also wieder ein Vollzugsproblem, ein Fall von Papier ist geduldig? 160 Fälle pro Jahr für ganz Kolumbien!? Wenn mich das Gedächtnis nicht trügt, gehen in der Schweiz pro Jahr ca. 23’000 Firmen Konkurs.

Buona giornata

F.

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