Der Dottore zu Italien-Rating und Warren Buffet

Ciao Direttore

Schön, dass J.P. bereits vorbeikommt! Er wird sicher einiges zu erzählen haben. Sehr gespannt, was du davon berichten kannst. Ich wünsche euch auf alle Fälle eine gute und anregende Zeit.

Ein BBB Rating ist für Italien wenig schmeichelhaft! Mit BBB ist eine beträchtliche Risikoprämie (Kreditzins-Aufschlag) verbunden. Es ist ein starkes Signal an Investoren (die Italien notwendig bräuchte) vorsichtig zu sein. Aktuell ist es „politisch“ interessant zu verfolgen, was mit dem Movimento 5-Stelle vorgeht, so etwa die Basis-Mitgliederbefragungen via die Rousseau Plattform; ob man sich effektivere Parteistrukturen geben sollte; und wie das Movimento dem Wählerschwund begegnen will. Auch ob sich die Lega Nord wegen dem freien Fall der 5Stelle neu positionieren wird und darum die 5Stelle fallen lassen könnte. Ex-Premier Renzi hat ein Buch geschrieben und war vorgestern zum Interview bei Dr. Vespa in Porta a Porta (die politische Sendung bei Rai 1, Vespa macht das seit Jahrzehnten und ist mit allen Wassern gewaschen). Natürlich machte Renzi die neue Regierung für das Abrutschen in die Rezession verantwortlich, oder Toninelli (5Stelle Infrastrukturminister) für das Blockieren sämtlicher grosser Infrastrukturvorhaben (obwohl hierfür das Parlament viele Projekte und Gelder gesprochen habe), oder das andauernde parlamentarische Verordnungschaos bezüglich Grundeinkommen und vorgezogene Rente von Minister Di Maio. Ausgelacht hat Renzi dessen neueste Idee „Navigatoren“ zu bestimmen, die im Süden darüber wachen sollen, dass Arbeitslose erstmal drei vorhandene Jobangebote / Umschulungen annehmen sollen, bevor sie Grundeinkommen beziehen. Mit den dort seltenen offenen Stellen würde es sich sowieso sofort herumsprechen, wo es eine freie Stelle gebe, dafür brauche man keine Navigatoren. Er hinterliess den Eindruck, als ob er taktisch auf den derzeitig schwach dastehenden politischen Teil der Regierung einhaue. 

Die „Buffett Häme“ präsentiert sich vielschichtiger. Der Guru aus Omaha hat über Jahrzehnte mit aktivem Anlagestiel eben beachtliche Wertsteigerungen erzielt. Beim überwiegenden Teil der aktiv verwalteten Banken-Fonds trifft das nicht zu, obwohl die „Bänker’s“ mit Kleckern, Betrügen und Abkassieren nie sparen! Darum war und ist der „Guru“ eine Quelle des Neids und für das „Abkupfern“ von Anlageideen. Die Allgemeinheit immer zu übertreffen, ist nicht möglich. Insofern ist der Buffet-Ausrutscher sozusagen überfällig und gleichzeitig „nur“ eine (buchhalterische) Momentaufnahme, die sich immer wieder ändern kann. Der Abschreiber von Kraft ist von der Grössenordnung und vom Tun her eindrücklich und vermutlich eher ein Zeichen von „good governance“. Ein Leitspruch von Buffett ist, nur in Firmen zu investieren, die etwas produzieren und das erfolgreich verkaufen, was für ihn nachvollziehbar ist. Das hat zu Beteiligungen in Firmen mit hohem Cash-Flow und regelmässigen Dividendenzahlungen geführt. Die grosse Liquidität ergibt sich durch auch durch den kontinuierlichen Fluss an Dividendenzahlungen und ist wohl eher ein Luxusproblem. Mit Swiss Re hatte er vor Jahren eine für ihn äusserst lukrative Notfinanzierung abgeschlossen. Wieso er in Apple zu einem Zeitpunkt mit sehr hoher Bewertung eingestiegen ist, weiss ich nicht. Vielleicht, weil die riesigen Cash-Polster von Apple ein geringes Risiko versprechen und eine grosse Verlockung für einen aktiven Investor sind. Vielleicht hat er das diversifizierte Apple Geschäftsmodell mittlerweilen verstanden und verspricht sich davon sichere und stetige Erträge. Er dürfte wissen, dass der S&P500 Wachstum zu drei Viertel von fünf Firmen abhängt, eine davon eben Apple. Der Herdentrieb. Aber es ist sicher tröstlich, dass auch er das richtige Timing nicht immer trifft. Mit der Grundsatzfrage, wo Geld anlegen in der derzeitigen „Makro-Lage“, triffst du einen Nerv. Soll man einfach passive, nicht synthetische Indexfonds mit tiefen Gebühren wählen und sich dann je nach Entwicklung wie ein Banken-Kundenberater einfach sagen „es isch halt eso“? Oder wagt man es, aktiv unternehmerisch Anlagemöglichkeiten aufzuspüren, mit dem Risiko, daneben zu greifen und dabei Liquidität zu vernichten? 

Zu Saccheri’s Buch hat unsere Argentinische Freundin Perla bemerkt, dass auf sie die Lektüre auf merkwürdige Weise beklemmend wirkte. Weil die Argentinier zur Zeit der Handlung (noch während der Diktatur!) diese Art von Sprache und Vokabular benutzt hätten. Sie kam sich wie zeitlich zurückversetzt vor. Bedingt durch die Qualität der Ausbildung und der Faulheit vieler Argentinier ist es nicht erstaunlich, dass mit Konjunktiven und Grammatik gepatzt wird. Insofern wären diese Dialoge ein Abbild der „Realität“. Marta (die Nachhilfe-Profe in Barreal) empfahl mir gar, die Konjunktive zu vergessen. Wenn ich Vergangenheit, Gegenwart und Futur ausdrücken könne, würde das (dort) reichen.

Die passende Sprache (und den Sprachrhythmus) für eine Handlung und für die Darsteller zu finden, ist aus meiner Sicht je länger je mehr das Alleinstellungsmerkmal guter Schriftsteller. Gar nicht einfach. Ich hoffe, du schaffst es, für das Schreiben deines „Drehbuchs“ dir die nötige Disziplin/Konstanz aufzuerlegen, das störungsfreie Zeitfenster für die (tägliche) Ausarbeitung zu finden, und dass sich beim „Hirnen“ kreative Eingebungen und Geistesblitze für Plot und Charakter der Darsteller ergeben.Vor allem, dass du Freude beim Ausarbeiten hast!  

Im Tagi von gestern war ein teilweise lesenswerter Blog vom Tilgner, über das Bedürfnis für Spezielles (und sich dadurch selbst für etwas Besonderes zu halten). Die Antwort der breit diversifizierten Industrie ist das sogenannte „Premium Mediocre“ (Premium Economy, Migros Selection, Coop Fine Foods, H&M Premium Line, etc).

Un caro saluto

Fabio

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