Der Dottore zu Versorgungsengpässen bei Medikamenten

Ciao Direttore

Hier ist die zweite Hitzewelle angekommen. Der Mais ist von Kleinvögeln und Insekten begehrt, auch von Feldmäusen, -aber du hast ja Katzen! 

Freut mich sehr für J.P., was du berichtest. Leidenschaft für das Produkt, Fachwissen, Felderfahrung und Engagement sind mit Sicherheit gegeben: also möge die Saat so aufgehen, wie er sich das vorstellt.

Die Versorgungsprobleme bei Medikamenten und Impfstoffen haben viele Gründe. Schlampigkeit in der Verwaltung des Bestands, so wie es unsere Argentinische Freundin mit gebrochenem Arm wegen fehlendem Gips im Spital erfahren durfte, passt nicht ganz in unsere Vorstellungen. 

Welche Folgen Medizinalskandale auf die behördliche Reglementierung(swut) haben und diese wiederum auf die Produktion und Verfügbarkeit von Medikamenten, ist undurchsichtig. Die EU hat jüngst strengere Zulassungs- und Zertifizierungsrichtlinien beschlossen. Nach letzteren muss oder müsste beispielsweise ein mittelständisches Deutsches Familienunternehmen, erfolgreich spezialisiert im Bereich von Spezial-Gelenkprothesen, die nur in Kleinstserien hergestellt werden und seit Jahrzehnten bewährt sind, für diese sowohl Zulassungen als auch Zertifizierungen komplett neu einreichen. Diese neuen Richtlinien gelten rückwirkend und nicht nur für neue Produkte. Diese strengeren Auflagen führen zu Flaschenhälsen bei den Zertifizierungsstellen, von denen es zu wenige gibt. Da operativ ob der zu geringen Serien nicht umsetzbar und weil sich Kleinstserien nicht rechnen, werden diese Produkte vom Markt verschwinden. 

Die Globalisierung hatte dazu geführt, dass viele Produktionsanlagen nach Fernost ausgelagert und so konzipiert wurden, dass sich mit ihnen unterschiedlichste Medikamente herstellen lassen. Allerdings mehrheitlich sequentiell (eins nach dem anderen) als parallel (mehrere gleichzeitig). Wenn also der Bedarf für ein bestimmtes Produkt zu tief eingeschätzt wurde, kann nicht einfach die Produktion erhöht werden, sondern es muss ein neues „ordentliches“ Produktionsfenster abgewartet werden.  

Nebulös ist mir, auf welche Art die Pharmariesen dabei von Subcontracting Gebrauch machen. Dass die Subcontractor aus Gewinnsucht unterschreiben was kommt und die Zertifizierung entsprechend „suggestiv halluzinatorisch“ ausfällt, verwundert wenig. So kommt es zu Verunreinigungen und Fehlern bei der Rezeptur (unter anderem letztes Jahr bei einem vielfach verwendeten, den Augendruck-senkenden Wirkstoff), die zu Rückrufen und Versorgungsengpässen führen.

Wie sich unter anderem die Ausbreitung der Tigermücke in neue Gebiete auf den Bedarf an BTI- Granulat, Mückenspray, Mückennetzen für das Bett oder Fenster-Mückenschutzeinlagen auswirkt, könnte sich zu einem Spezialfall der Versorgungsproblematik (Thema neue Krankheitserreger) entwickeln. Ein weiterer Fall sind wirkungslos gewordene Medikamenten wie zahlreiche Klassen von Antibiotika (wo ein Engpass entsteht, wenn kein Ersatzprodukt vorhanden ist oder dieses nur noch in absoluten Notfällen benützt werden darf).

Der Zugang zu Medikamenten kann aus wirtschaftlichen, gesundheitspolitischen,  machtpolitischen oder gesetzlich-moralischen (z.B die Sterbe- oder die Abtreibungspille) Gründen ganz oder teilweise eingeschränkt sein. 

Umstritten ist, ob und wie weit alle von den Ärzten verschriebenen Medikamente notwendig sind. Entsteht eine Versorgungsknappheit erst durch übertriebenes Verschreiben? Oder die Wechselwirkung von X-Medikamenten gleichzeitig über längere Zeit für verschiedene Übel eingenommen – unabhängig von meheren Göttern in weiss verordnet. Die Beipackzettel künden von möglichen und beängstigender Nebenwirkungen, aber wer verfügt tatsächlich über das Wissen und die Erfahrung im Überblick der Nebenwirkungen? Interessiert das überhaupt noch? Und was ist mit all den gefälschten Medis, den falschen Apothekern, Chiropraktikern, Zahnärzten und Ärzten?

Was, wenn die „Versorgungsscherheit“ die neuste Masche der Lobbyisten wäre, um die Wertschätzung und Preise von Produkten und Leistungen neu zu positionieren? Um so dem Preisdruck durch die Behörden auszuweichen. Mit dem Schüren der Angst um Versorgungsknappheit lässt möglicherweise „Sicherheit“ teurer verkaufen. Also „Marktpreise“, die sich am künstlich verknappten Angebot und oder einer steigender Nachfrage orientieren?

Ob es auch für die Graf-Litscherische Placebo-Komplementärmedizin Versorgungsengpässe gibt? Auch ein Sugus, Gugus oder Humbug will offenbar seinen Preis haben, weil was nichts kostet, nichts wert ist!

Buona giornata

F.

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