Der Dottore zum Wahlerfolg der Grünen

Buongiorno Direttore!

Vor dem Lesen deines letzten Eintrags schaute ich mir die Bilder der Wanderung auf dem Leistchämm an: einfach grandios die Rundum- und Fernsicht! Dabei hat mich allerdings dieses Schwindelgefühl wieder eingeholt, das mich am Gipfel beim Blick nach Süden und Westen fast übermannte: die annähernd 1’700 Höhenmetern, die beinahe senkrecht zum Walensee fallen. Nach der Lektüre stellte sich mir die Frage, ob und wie Schwindel im Sinne von Höhenangst und Schwindel im Sinne von Betrug zusammenhängen. Ich fand dazu: „schwindeln Vb. ‘sich schwindlig fühlen, betrügen’, ahd. swintilōn ‘in Ohnmacht fallen, Schwindel empfinden’ (um 800)…Durch freieren Gebrauch entwickelt sich im 18. Jh. ‘sich (wohin) versteigen, abenteuerliche Entwürfe oder Versprechungen machen’ und unter Einfluß von Schwindel ‘Betrug’ und Schwindler ‘Phantast, Flunkerer’ die heute vorherrschende Bedeutung ‘die Unwahrheit sagen, lügen’.    

Erfolg der Grünen? Bis jetzt ist es immer noch nicht mehr als „nur“ ein Wahlerfolg. Gemäss Wahlanalysen sind dafür die vielen Neuwähler ursächlich. Obwohl die Stimmbeteiligung im Vergleich zur letzten Wahl nochmal abgenommen hat. Es wird zwar viel geredet -doch ob man etwas tut und wie es mit Verhaltensänderungen steht?- Davon sehe ich kaum etwas. Durchschnittlich besitze ein Haushalt hierzulande 10’000 Gegenstände. Ob akkurat oder nicht, es ist immerhin ein Hinweis darauf, dass ein guter Teil des Wirtschaftsmodells auf Konsum basiert. Oder wie das vorherrschende Wirtschaftssystem durch Wachstum, Innovation, Handel, Produktion, Logistik und Konsum breiten Kreisen dieser Welt zu besseren Lebensbedingungen verholfen hat, obwohl die Weltbevölkerung über 150 Jahren trotzdem markant zunehmen konnte. Wie sieht nun das Wirtschaftsmodell der Grünen aus? Da bleibt fast alles diffus. Monsieur le Prof. T. Piketty hat sein neustes Werk publiziert: „Capital et idéologie“ (1200 Seiten). Im letzten Kapitel sind seine Vorschläge mit Schwerpunkt „Ungleichheit“ zu lesen. Die NZZ nahm dazu letzten Montag umfangreich Stellung: Prädikat hanebüchen. Ich will jetzt nicht Rawls oder Dworkin nochmal bringen… 🙂 

Weltweit hungern rund 250 Mio Menschen oder sie ernähren sich ungesund einseitig (siehe dazu z.B. El Hambre von M. Caparros). Die Weltbevölkerung steigt unterdessen weiter. Der Feldertrag ist in vielen Regionen am abnehmen oder wird für die Produktion von Tierfutter (Mais, Soja) für die Fleisch- oder Edelfisch verwendet. In der Ernährungspyramide der Schweizer Diätologen kommen Hülsenfrüchte wenig beziehungsweise kaum erkennbar vor. Die Bereitschaft Hülsenfrüchte zu essen, stagniert in der Schweiz auf tiefstem Niveau. Für die zu erwartende Weltbevölkerung und fürs Klima müssten wir aber vermehrt vegetarisch oder gar vegan ernähren. Die Zubereitung solcher Gerichte erfordert Umdenken, Zeit und vielfältige Zutaten, sofern man es nicht der Convenience Food Industrie abdelegieren will. An Zeit fehlt es bekanntlich fast allen. Die Kenntnis von (saisonalen, lokalen) Gemüsesorten und Gemüsegerichten dürfte durchschnittlich im tiefen Bereich liegen. Besserung unrealistisch? Vergessen geht dabei oft, dass in weiten Teilen der Schweiz noch vor 100 – 150 Jahren wegen Klima und mangelnden Ressourcen gehungert wurde und der Speiseplan einseitig war. Von daher beispielsweise die Tessiner Auswanderungswellen nach Kalifornien oder Südamerika. Wie hart und ärmlich die Lebensbedingungen im Bavona Tal waren, ist etwa bei Plinio Martini zu lesen oder lässt sich erfahren, wenn man die uralten Wege zu den schwierig zu erreichenden Alpwiesen ( genannt — nomen est omen – „gli alpi della fame!“) bewandert.  

Woher hast du die aus meiner Sicht unkritisch übernommene Beurteilung wonach, es Ursula gelang „die Deutsche Bundeswehr zu einer beeindruckenden Ordnungsmacht aufzubauen“?  Ich meinte, die letzten Jahresberichte des Generalinspektors der Bundeswehr waren unverändert erschütternd, was die tatsächliche Einsatzbereitschaft (Panzer, Flugzeuge, Schiffe, Waffensysteme) betrifft. Vergessen der Sommer-Skandal um die Restaurierung der Gorgh Foch oder die mehrfachen Ausfälle im 2019 der Regierungsflugzeuge der Bundeswehr (z.B. G20 Panne)? 

Königin oder Prinzessin sein: Javier Marias hat – ich glaube- in „Berta Isla“ zur Frage geschrieben, ob man sich das eigene Schicksal aussuchen kann oder es umgekehrt läuft. Und dabei auch auf die Königin verwiesen. Als ob sich die Königin Schicksal, Leben und Umstände aussuchen könnte und nur Freude daran hätte! 

Beim Coop fand ich dreierlei Erdnüsse: 600 g Qualité et Prix aus Ägypten (CHF 3,80), 300 g Havelaar aus China (CHF 3,90) und 300 g Primagusto (nicht geschaut woher sie kamen, für CHF 5,90). Ersteres duftet und schmeckt gut. Wo hast du deine Erdnuss-Sträucher?

Interessant fand ich einen Bericht über die zunehmende starke Kurzsichtigkeit bei Jugendlichen, verstärkt auftretend im asiatischen Raum und bei Jugendlichen, die lange Studiendauer haben. Ursächlich dazu seien fehlendes Spielen im Freien und übermässiges Starren in Displays von Smartphones und Tablets. 

Don’t cry for me Argentina, einen guten Start in die Woche, ciao

F.

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