Der Dottore zur Erziehung

In der Enge

Ciao Direttore

Mich freut, dass du mit J.P. so viel unternehmen, erfahren und lernen konntest.   

Das mit den Spielregeln der Coppélia hatte ich befürchtet. Mich hatte das Verhalten beim abendlichen Besuch der Lokalitäten und danach bei den vermeintlichen Vorbereitungen  befremdet. Gut, dass du die „einfältige Konspiration“ noch früh genug gekappt hast. Auf die Gefahr hin langweilig oder pedantisch zu sein, ruf ich wieder einmal Javier Marias Beobachtungen zum Reden, Reden, Reden und Tun (oder eben wenig oder gar nichts tun) in Erinnerung. Geredet oder besser herumgeredet wurde schon. Dabei hätte es im Szenario „Risiko tragen“ vorbereitende Taten benötigt. Deiby redet wenig (er mag introvertiert sein), dafür macht und dirigiert er tagtäglich ausreichend bis viel. Vor allem hat er Freude und Lernbereitschaft. Und ärgert sich, wenn ihm etwas misslingt oder die Arbeits- und Zusammenarbeitsbedingungen unzumutbar werden. Nun, du hast es versucht und womöglich daraus weitere Erkenntnisse gewonnen. „Die eigene Seele richtig spüren und darum alles von sich hinweg lügen muss“: eine Steigerung von kognitiven Dissonanzen?  

Ist der „biologisch organische“ Schweineforscher mit seinem Baby vorbeigekommen? Kann er in seinem Labor einen DNA-Test durchführen? Wünscht er sich dich gar als Pate? Don Helio wünschte sich das von uns, noch bevor das Kind dazu geboren ist.     

Erschreckend, dass das südliche Cauca weiterhin unerreichbar ist! Was ist da los, tut sich gar nichts, was sind die Aussichten?

Ist das der Basti, der schon mal bei dir war? Wie ist das zu Stande gekommen, was tut er genau und wie funktioniert das mit Francisco und Arturo? Der Grossvater mit den sieben Fincas hat keine Aufgabe für ihn? 

Wie geht es übrigens Paco? Ist er weiterhin abtrünnig?

Die Registrierung im Grundbuch ist möglicherweise eine Singularität über die geschrieben werden müsste. Welches Grundbuch (Wie viele gibt es? Welches gilt?), wie zuverlässig ist es (Brände, Leserlichkeit, Widersprüchlichkeiten, Systemfehler, Manipulationen unter Gewaltandrohung,..), wer darf Eintragungen vornehmen und beglaubigen, welche Rechtssicherheit hat es, wie verhält es sich mit den Landenteignungsklagen der vermeintlichen Indios, etc.?

Einen Metzger mit einem Machetero zu vergleichen, mag angehen, vielleicht auch nicht. Die Aufgabenvielfalt des Metzgers schiene mir höher, abwechslungsreicher, grobschlächtig und feinhandwerklich zugleich und die Arbeit über’s ganze Jahr gegeben. Mengenmässig erledigen die Maschinen heutzutage das meiste, und doch sind mir immer wieder ganze Trupps von Machetero’s aufgefallen, die offenbar für gewisse Stellen oder Arbeiten weiterhin vorübergehend benötigt werden. 

Was die Mosquitos anbelangt sind mehrere Erklärungen denkbar: Übermass von wegen El Ninõ, fehlende natürlicher Feinde in hochgetrimmten künstlichen Monokulturen, das Ausbleiben von grossflächigem toxischem Sprühen aus der Luft, ungenügende Anwendung des Rebellen (rasche Verdunstung bei warmfeuchten Bedingungen), Man-Made Dummheiten bei stehenden Gewässern (Dolinen, Schächte, Untertöpfe, Pneus…),..

Fortino del Café: Die verfügen mit über 80 Jahre Geschichte über einen sehr langen Track Record. Das ist mit viel guter Arbeit vor Ort und in der Vermarktung verbunden. „Sichtbarkeit“ führt mit der Zeit zu guten Beziehungen im Netzwerk. Oder, dass man einer bestimmten Güte-Schublade zugeordnet, aus dieser schwer wieder rausfällt? Es gibt bestimmt viele unbekannte Perlen, die die Qualität hätten, es aber entweder nicht auf den Radar schaffen oder dies gar nicht wollen. 

Kompliment an Tscheff für den persönlichen, differenzierten und engagierten Beitrag!

„Weise Lebensführung gelingt keinem Menschen durch Zufall. Man muss, solange man lebt, lernen, wie man leben will“ (Seneca). 

„Shakespeare says, we are creatures that look before and after: the more surprising that we do not look round a little, and see what is passing under our very eyes” (Carlyle). 

Wo lernt man denn „Erziehung“? Lehrer haben dazu Fächer: Pädagogik, Didaktik, Kinder- und Jungerwaschsenenpsychologie oder wie das gegenwärtig heissen mag. Wobei die Erziehung schwergewichtig bei den Eltern und nicht bei den Lehrern liegen soll. Grau ist die Theorie. (Werdende) Eltern haben Vorbilder, einen verschiedenartig gearteten Erfahrungshintergrund und schöpfen daher (vermeintliches?) Know How aus vielfältigen Quellen. Von einer möglicherweise vorhandenen und im besten Fall von den Eltern geteilten Vorstellung zur Erziehung wird in der Praxis festgestellt, ob sie gänzlich, nur teilweise oder gar nicht umsetzbar ist. Zum Beispiel dann, wenn die Natur die Talente ungerecht verteilt und vieles vom Vorgenommenen sich als nicht umsetzbar erweist, oder halt eben einfach Unerwartetes auf einem zukommt. Also ein doing on the job?! Perfektion und „Planungssicherheit“ kann es anscheinend nicht geben.  

Zuhanden einer egoistischen Position kann es Sinn machen, Zeugungsakt und Erziehung und die sich ergebenden Kombinationen zu differenzieren: zeugen und erziehen (wollen, können) versus zeugen und nicht erziehen, immer auf beide Elternteile bezogen. Der Ausgangslagen sind viele: Eltern mit geteiltem oder ungeteiltem, Paare mit unerfülltem und solche mit „ambivalenten“ Kinderwunsch, wo auf „Wunder“ oder „Kunstgriffe“ zurück gegriffen werden muss (Postbote, Kuckucksei, Leihmutter, künstliche Inseminationen, etc). Das kann folgendes ergeben: Getrennte Eltern mit geteiltem oder bei einem Elternteil liegendem Sorgerecht, Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, die Kinder adoptieren gegenüber jenen, die das nicht dürfen. Daraus ergeben sich wiederum vielfältige „Patchformen“: Getrennte Eltern (mit und ohne Sorgerecht) in neuer Beziehung mit einem Partner (getrennt/ledig) mit und ohne Kinder aus einer oder mehrerer früherer Beziehungen. Allein schon die Auflistung ist aufwendig, nicht zu reden von den entstehenden Kombinationen von „Eltern“-Charakteren und der räumlichen und zeitlichen Anwesenheit. Was passiert in der Erziehung beziehungsweise in den vom Kind erlebten aufeinanderprallenden  „Erziehungswelten“? Ist die Realität einfach mächtiger als jede Vorstellung? Wie bei Julio, der im gleichen Monat mit zwei unterschiedlichen Frauen Vater wurde. Oder Don Helio mit seinen 37 Geschwistern. Gibt es „Prinzipien“ in der Erziehung, die bei Kindern unabhängig von leiblichen Eltern „funktionieren“? In unterschiedlichen „Settings“? Ich vermute, dass ja. 

Übertriebene Gutmütigkeit und eine gebotene „Comfort Zone“ können insofern kontraproduktiv sein, als sie Erwartungshaltungen festigen, die später zu Auseinandersetzungen führen können. Darüber, ob zur Selbständigkeit eine „ad hoc Erfordernis“ ausreicht, bin ich mir nicht so sicher. Selbständigkeit erfordernde Umstände sind nicht immer auf Einfaches beschränkt. Anspruchsvolleres zu packen setzt Entwicklung und Übung voraus. Eine so erlangte Selbstsicherheit und Lockerheit lässt bei einem späteren Vergleich von „Jünglingen“ im Umgang mit Herausforderungen frappante Unterschiede erkennen.  Selbständigkeit mag teuer oder entbehrungsreich sein, Unselbständigkeit kann aber im späteren Leben für „ungeübten“ Nachwuchs (und möglicherweise weiterhin hilfsbereite Eltern) noch teurer zu stehen kommen. 

Un caro saluto

F

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