Der Dottore zur misslungenen 1.-August Ansprache

Ciao Direttore,

Danke, dass du dir die Zeit für eine 1. August-Nachrede genommen hast. Obwohl, viel zum Reden bist du ja nicht gekommen, vielmehr wurde viel dreingeredet und gestört. Es scheint, als wollten beim Prediger nur noch die Wenigsten eine Rede hören. Es kommt zu einer vom Zufall geprägten Zusammenkunft und beliebig wirkenden verbalen Interaktion. Waren Deine Bekannten wegen einer versäumten Einladung nicht teil, oder weilten sie am Strand, oder, für diesen Anlass auf dem Rütli? Und der im Plot gross angekündigte Alphornbläser kommt im weiteren Verlauf schon gar nicht vor. Also ist entweder erst gar nicht erschienen, oder eben sofort in die naheliegende Beiz seines Vertrauens, also die Bierhalle „gelber SVP-Grind“ zur Patrioten-Suppe enteilt. 

Ohne im Plot angekündigt zu sein, gesellt sich eine je Gruppe von ex-Jugoslawen und Nordafrikanern dazu. Caroline Emke hat zur Frage „was denn ein Nordafrikaner überhaupt sei“ nach den am Kölner Weihnachtsmarkt begangenen Delikten allerhand Kluges geschrieben. Erschütternder noch waren ad hoc Interviews mit zufällig ausgewählten Passanten auf einer starkfrequentierten Strasse der Innenstadt zur Frage: „Wie würden Sie einen Nordafrikaner beschreiben?“ Ein Sammelsurium an Antworten! Niemand kann das! Also ein „unsägliches“ Label, das wahrscheinlich von einem populistisch angehauchten Politiker stammt. 

Am treffendsten und zuverlässigsten in Sein und Verhalten beschrieben sind ausgerechnet die Kolumbianer! Ist das gewollt oder zufällig so? 

Suspekt und dennoch vielsagend sind die „Hongkong, Hongkong“-Rufe der Gruppe von Chinesen. Suspekt, denn nur konformistische Chinesen mit überdurchschnittlich positivem (digitalem) Kontostand bei der Vergabe von Punkten für Wohlverhalten dürfen überhaupt eine Auslandreise unternehmen. Insbesondere in das gelobte Land der direkten Demokratie –etwas, was einem Chinesen sich ganz und gar nicht vorstellen kann– dürften nur „gut beleumdete“ Chinesen reisen. War es demzufolge der Impakt des „Schweizer Geistes“ am Prediger, der „Hongkong, Hongkong“-Rufe auslöste? Die kuriose Gestalt mit Indianer Poncho und die im Handy wegen fehlerhafte Übersetzungs-Algorythmen unverständliche Ansprache können es nicht gewesen sein. 

Vielsagend, weil das Urbedürfnis der menschlichen Freiheit existentiell ist und früher oder später in jedem Wesen durchbricht. Und sei es nur die Freiheit, auf einem bedeutenden öffentlichen Platz in kurioser Bekleidung ein Wirrwarr vorzutragen oder/und sich trotz unterschiedlicher Herkunft und Ansichten vermeintlich friedlich auszutauschen.

In der „Geburt der Tragödie“ gibt es diverse Passagen über die Bedeutung von Mythen und noch mehr dazu, wie wichtig es sei, die Mythen fortlaufend mit Leben zu nähren, damit sie nicht blutleer dahinvegetieren und unbedeutend würden. Ob das (nomen est omen) von einem oder anderen „Zugewanderten“ zu wörtlich genommen wird und sie dazu veranlasst, völlig unvorbereitet die unwegsamen 47 Kehren zur Besteigung des Berg „Grossen Mythen“ auf sich zu nehmen? Um dabei und oben angekommen, diesen Schweizer Mythos mit allen (ramponierten) Sinnen zu erfahren?

Vorerst rätselhaft bleibt, wieso du und der Dottore für ihre Aktivitäten ins Gefängnis müssen. Auf „direktem Weg“, also ohne vorherige Anhörung und Untersuchungshaft? Bedeutet das, dass Chinesen, Russen und Venezolaner zwischenzeitig die Schweiz aufgekauft ihren wirksameren Justiz-Vollzug schleichend anwenden? Oder war der Alphornbläser in Tat und Wahrheit eine dir und dem Dottore feindlich gesinnte Person, die der Veranstaltung maskiert und versteckt nur kurz beiwohnte, um sicher zu gehen, den zwei grösstmöglichen Arschlöchern begegnet zu sein, um anschliessend dieses Gespann sinnbildlich für alle seine anderen Verbrechen bei der Polizei anzuzeigen? Weil nämlich der Sonderabteilung „Ansprachen und sonstiger ruhender Humbug“ keine Unregelmässigkeit bei der Rede-Bewilligungsprüfung auffiel. Die inzwischen legendär funktionierende Vernetzung der verschiedenen Polizeilichen Spezialabteilungen hätte nämlich in diesem Fall – von wegen Touristenfluten – verantwortlichen Blondi-Polizei* (—> Seepolizei), sofort gestattet, mit einem Frage-Rate-Spiel die Legitimation der Veranstaltung auch ohne Vorhandensein von Bewilligungspapieren festzustellen. Nein, es war dieser als Alphornbläser maskierte Spitzel, der zur unverhofft bedeutsamen Festnahme mit unmittelbarem Richterlichem Arrest-Entscheid verhalf! Und die rechtlich geschulten Herren Türler und Jositsch unterstützten und beschleunigten das Verfahren, weil eben immer die Freunde deiner Feinde die besten Helfer sind! Die offizielle Presse-Mitteilung des Herrn Cortesi bezüglich der Festnahme steht wegen polizeilich-ermittlungstechnischen Finten noch aus.  

„No hay mal que por bien no venga“ pflegts du in solchen Situationen zu sagen. Dieser Spanische Refrán erinnert an das Schicksal Cervantes, der einst im Gefängnis landete und dort den Urfunken seines Meisterwerks (Don Quijote) entwarf. Dem Dottore sind zwei Stellen aus dem Werk eingefallen:

„… que el hacer bien a villanos es echar agua en la mar.“ (Bösewichten Gutes zu tun, ist wie Wasser ins Meer zu tragen)

“… -Señor -respondió Sancho-, que el retirar no es huir, ni el esperar es cordura, cuando el peligro sobrepuja a la esperanza, y de sabios es guardarse hoy para mañana y no aventurarse todo en un día.” („Herr!“ erwiderte Sancho, „ein Rückzug ist weder Flucht noch ist Warten Vernunft, denn wenn die Gefahr grösser als die Hoffnung ist, dann ist es ratsam, heute für Morgen gerettet zu sein und nicht alles am selben Tag zu wagen.“

More to come?

Cari saluti

F.

Erstaunlich delikat: Huhn mit Maisfüllung.
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