Die Cousine und der Dottore zum Tripp nach Feuerland

Lieber Markus

Da hat Dich aber Dein Freund Tscheff ganz böse runtergeputzt! Mit dem möchte ich nicht nach Feuerland reisen! Das würdet Ihr ja zu fünft machen wie ich sehe. Wer käme dann noch alles mit? Das ist ja, auch mit Auto, ein enormer Trip, der seine Zeit dauert. Kannst Du denn so lange von der Singapur weg, und wann würdet Ihr das machen, wenn überhaupt? 

Ich habe im Internet nachgeschaut, das muss sehr interessant und auch schön sein. 

Du hast doch auch Skype. Benutzt Du es oft? Das könnten wir doch auch mal machen, was meinst Du?

Liebe Grüsse, Elsbeth

Der Dottore:

Hast du vom „outofedenwalk.org“ schon gelesen? Herr Salopek versucht, die prähistorische Migration und menschliche Weltbesiedelung von Afrika startend bis hinüber nach Amerika und hinunter nach Feuerland zu Fuss nachzuvollziehen. Gestartet ist er 2013, mittlerweilen ist er in Indien unterwegs. So ich mich nicht irre, hat sich für das „Overland“ Abenteuer ein russischer Lastwagen wiederholt besonders ausgezeichnet (z.B. Dakar Rally). Auf dem Ladedeck lässt sich eine Art Container mit allem Lebensnotwendigen anbringen. Unverwüstlich und zuverlässig. Das Thema ist ungeheuer suggestiv: Fake und Fiktion? Route, Bequemlichkeitsbedürfnisse, verfügbare Zeit und Budget sind wichtige Leitplanken. Anzumerken ist, dass sich Herausragendes ausserhalb ausgetretener Pfade ohne Ortskenntnisse / Ortskundige nur schwer oder wenn, unter grossem Risiko (Lebensgefahr!) erkunden lässt. Viele andere Teile sind heutzutage von der Infrastruktur einigermassen ausgebaut („Grand Tour“) und eben nicht mehr das grosse Abenteuer, das sie einstmals waren (z.B. Ruta 40 in Argentinien). Das „Gängige“ ist weitestgehend mit dem Bus (Halbbett!) oder den Micro(-bussen) machbar, sowohl mit ordentlichem Mittag- und Abendessen als auch Bett in einer Herberge. Das Aussergewöhnliche muss dagegen mühselig recherchiert, kombiniert und sorgfältig organisiert werden. Der Versuch, erst vor Ort zu organisieren, kann nicht nur sehr anspruchsvoll, sondern sogar lebensgefährlich sein (kein Funksignal, kaum Verkehr, also niemand den man fragen könnte, keine zuverlässigen Karten, widersprüchliche Wegweiser, kein Wasser, keine Tankstelle, kein lokaler Vermittler im Konfliktfall, versteckte Landminen, grosse Ländereien in Privateigentum, für die eine Bewilligung nötig wird. Allenfalls strapaziert und gefährdet man sein eigenes Gefährt über Gebühr auf den ungewöhnlichen Pisten (wer repariert, wenn Ersatzteile überhaupt erhältlich wären?). Von Lokalmatadoren organisiert lässt sich unserer Erfahrung manches machen, ohne dafür eine allzu aufwendige Ausrüstung nötig wäre. Will man den „Ausnahmezustand“ oder den „Normalfall“ planen? So er denn überhaupt planbar ist? Ein rotes „Rotel“, ein rollende Hotel, machte ich in El Chalten (Cerro Torre / in der Gegen des Fitzroy) auf dem Vorplatz eines guten Hotels aus. Die darin reisenden „Abenteurer“ hatten die Wahl zwischen Hotelbett oder eben „Rotel-Schublade“. Das schwere Gefährt hätte bei vielen aussergewöhnlichen Pisten für ein Durchkommen sowieso gar keine Chance. Was wurde den Konsumenten da verkauft? Fake und Fiktion? Wie lässt sich Fiktion in Realität oder Realität in Fiktion überführen, oder wie wahrscheinlich ist die Wirklichkeit? Warum das glaubwürdig Unmögliche dem unglaubwürdigen Möglichen vorzuziehen ist, beschreibt T. Sträessle in einem empfehlenswerten Essay. Dazu mehr ein anderes Mal!

Cari saluti

F.      

Schaut her, sozusagen zum „Kommen und Gehen“: der Fruchtstand der abgebildeten Algarve ist über zwei Meter hoch, die Pflanze selber scheint am Absterben, aber sie treibt schon zum zweiten Mal so ein Ding, das hart wir Holz ist. Daneben der „Kletter-Spinat“, der vom abgestorbenen Avocado-Baum immer mehr Besitz ergreift. Avocados haben wir ja immer noch mehr als genug, obwohl sich Paco und Lula nunmehr auch nur noch gereifte Früchte im „richtigen Stadium“ zu Gemüte führen (lassen). Don Arturo guckt zu alldem, ich kann schon weg, aber natürlich nicht leichtfertig, wie es der Tscheff insinuiert. Für so einen Trip lohnt sich doch auch das Satelliten-Telefon, von dem ich immer weiter giften kann! Auch Cari saluti!

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