Die Knöcherne


An dieser Stelle wurde berichtet, dass sich die Motorrad-Amazone, Tochter der Ex-Mayordomos und Mutter der Ungebärdigen nach Chile abgesetzt hat. Von dort sandte sie einen Hilferuf in die Heimat, worauf ihr treusorgender und vielfach gehörnte Ehegatte sein Motorrad verkaufte, um sich zu ihrer Rettung aufzumachen. In Chile angekommen konnte er sein ungetreues Weib jedoch nicht lokalisieren, diese liess ihn über Mobiltelefon lediglich wissen, dass sie mittlerweile ihr Glück gefunden habe und nichts mehr weiter wissen wolle. In grosser Desesperation kehrte der einmal mehr Betrogene zurück. Das nächste Kapitel folgt.
Hier auf dem Lande sei der Aberglaube weit verbreitet, sozusagen allgegenwärtig. Ob ich die Figuren in Büschen und unter Bäumen im parque del Café nicht gesehen habe, wollte die Frau Profe wissen. Im Quindío seien die Mythen speziell verwurzelt, ab auch am Calima würden die Leute an Wichte, Zwerge und Hexen, vor allem aber an die „huesuda“ die „Knöcherne glauben, die eben als Skelet in Erscheinung tritt. Heute kam die Rede beim Personal auf die Doña Rosmira, die einer göttlichen Eingebung folgend vor zwei Jahren auf den Verkauf ihres Business verzichtet habe. Auf meinen Einwurf, vielleicht sei ihr auch die huesuda begegnet, verfinsterten sich die Gesichter. Die huesuda erteile keine Ratschläge, sondern packe einen von hinten. Dem Cristián ist dies passiert, eine eiskalte knöcherne Hand habe ihn geschüttelt. Gesehen habe er die huesuda zwar nicht, aber etwas Schwarzes sei über ihm geschwebt. Einem verstorbenen Kollegen habe ebenfalls einen Encounter mit ihr kurz vor seiner Ermordung erlebt. Ich habe mich gehütet, die Begebenheiten in Frage zu stellen, und sei es nur, um nicht weiteren wohlig-schauerlichen Geschichten verlustig zu gehen. Sowieso, ein Lügner ist der Cristían nicht, etwas hat er erlebt, es wäre interessant wissen, wie es dazu kam. Vielleicht handelt es sich um eine „alma errante“, eine irrende Seele, die von den Antennen der Unverdorbenen geortet werden kann. Jechter!
In Ermangelung eines Bildes der huesuda habe ich auf Bilder vom Garten zurückgegriffen. Die ultimative Autorität in Sachen Zierpflanzen ist Mutti Orfa, wobei ihre Begeisterung für die hiesige Pflanzen- und BLumenvielfalt von den Söhnen durchaus geteilt wird. Am nächsten steht mir allerdings Raúlito, der meinen Intentionen am meisten abgewinnen kann, handle es sich um Zier- oder Gemüsepflanzen. Es besteht die Absicht, auf der Plattenwüste vor dem Haus ein Orchidearium zu errichten. Dabei würde sich unter der grossspurigen Bezeichnung einfach um eine hölzerne Pergola handeln, unter die die Orchideen gehängt würden. Keine grosse Sache in dem Sinn.

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