Don Fabio mit Fakten zur Geldwäsche in Kolumbien

Ciao Direttore

Tutto bene?

Ich habe auf der Webseite des Internationalen Währungsfonds zu Colombia den Bericht von November 2018 gefunden.

„DETAILED ASSESSMENT REPORT ON ANTI-MONEY LAUNDERING AND COMBATING THE FINANCING OF TERRORISM” (IMF Country Report No. 18/314) .

Der Bericht umfasst 207 Seiten! Die für Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierung besonders exponierten Ländern durchlaufen periodisch eine Beurteilung entlang 40 Indikatoren der FATF (Financial Action Task Force). Ein Überfliegen des Berichts kann ich empfehlen, denn es lassen sich interessante Informationen entnehmen. Papier ist wohl geduldig und für die Öffentlichkeit bestimmte Informationen aus Länder Beurteilungen werden diplomatisch verklausuliert: z.B. „Colombia has an reasonable understanding of its main domestic money laundering/terrorist financing (ML/TF) risks.”

Schätzungen gehen von jährlich zwei Milliarden Dollar produzierter Coca-Paste aus -der Produktionswert entspricht nicht dem Endverbraucherwert!- dazu kommt der Produktionsertrag aus illegalen Minen (vor allem Gold; ca. 50 % der Minen sind illegal), der sogar höher sein soll als jener aus der Coca Produktion. Schliesslich muss auch der auf vielfältige Weise erwirtschaftete Ertrag aus Korruption gewaschen werden: dabei wird von siebeneinhalb Milliarden Dollar jährlich ausgegangen (zehn Prozent der budgetierten Staatsausgaben). Money Laundering Schätzungen der Weltbank gehen von 7,5 % des Brutto-Inlandprodukts des Landes aus: Das ist beachtlich!

Daneben eher bescheiden muten doch die ansehnlichen Beträge an, die die Behörden über die Jahre konfiszieren (immerhin). Eine Tabelle mit Stand Juni 2017 gibt darüber Aufschluss: rund 1,6 Milliarden US-Dollar an Mobilien/Immobilien und circa 6 Milliarden USD sollen die 1’700 Firmen wert sein, die definitiv oder provisorisch konfisziert sind.

Zum Thema „Non Profit Organizations (NPO)“ vermutet der Internationale Währungsfond grosse,Risiken. Das Handelsregister verzeichnet 263’506 Nicht-Gewinnorientierte Unternehmen und ein Register des Innenministeriums führt gar 6’335 religiöse NPO’s!! Welche Finanzen diese jonglieren, wissen die Behörden nicht wirklich. Übrigens wurden während der Jahre 2008 und 2014 die Zahl von 33’225 Erpressungsfällen gemeldet. Im 2016 hat die Justiz 1’191 Erpressungs-, 135 Kidnapping- und 4 Testafferato-Fälle verurteilt. Im Visier für Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierungs-Hilfsdienste sind 1’000 Immobilien-Firmen, 280’000 Anwälte, 900 Notare, und 250’000 lizensierte Buchhalter dieses Landes. Dunklen Zwecken dienlich sind auch die 53 % der arbeitenden Bevölkerung, die informal (schwarz) Arbeiten.  

Insgesamt bekommt man den Eindruck, Kolumbien habe auf dem Papier zwar gute Standards, doch für ein so Geldwäsche-exponiertes Land kommen aus dem Vollzug nur Krümmel.

Das Vollzugsproblem in verschiedenen Facetten ist uns ja auch während unseres Aufenthalts aufgefallen und war Anlass für vielerlei Diskussionen!

Wie Buffett müssen die Geldwäscher kreative, unternehmerische Anlageideen entwickeln. Der Taxifahrer, der uns von Buenaventura zurückbrachte, erzählte, dass er in der Schweinezucht tätig war. In Restrepo auf einer Familien-Finca, ca. 400 Schweine ohne Auslauf, nach 3 ½ Monate Aufzucht verkaufsfertig, ca. 15 Angestellte, Futter selber hergestellt -teilweise mit Schmuggelware aus Buenaventura-, ein grosser Kunde aus Pasto (!), der die Ferkel mit Tractomula (Sattelschlepper) alle vierzehn Tage lebend abholte, mit kleiner, aber guter Marge. Das hätten die „Narcos“ bemerkt die mittels Konsortium aggressiv -und ohne Rücksicht auf Verluste nehmen zu müssen- einstiegen. Die Produktion wurde skaliert: eine Grossfarm mit über 10’000 Schweinen. Zudem wurde den Grossabnehmern die Lieferung frei Haus angeboten. Die Kunden wanderten ab. Die Kleinproduzenten haben da keine Chance. 

Varias:

1) Hast du mehrtägige Sonnen-Mazeration der Blüten/Kräuter in Sesamöl (soll besonders gut in die Haut eindringen) mit Glasbehältern schon versucht?

2) Das Nildelta soll ein Zentrum für Anpflanzung und Extraktion von Essenzen für die Parfümerie sein. Ich sah einen Bericht bei dem sie die Jasminblüten in „Xexan“ als Lösungsmittel legten. Vielleicht lässt sich die Firma des Herrn Hussein Fakhry, ursprünglich ein Meeresbiologe, der u.a. mit Piccard auf Expedition war, ausfindig machen? Der Herr erwähnte, dass die Verbena in der Fein-Parfümerie verboten sei, daher biete er Zitronenbasilikum an. Es scheint ein Protokoll der Organisation der Fein-Parfümerie zu geben (IFRA oder IPRA?).

3)      Nachtrag zu Benzinbetrügereien: In Italien ist ein Schmuggler Ring aufgeflogen, der (illegal abgezwacktes) lybisches Erdöl von den lybischen Warloards abkaufte, dieses in Malta oder Slowenien „reinwaschte“ (Herkunftszertifikate), dann legal in Italien zu grossen Depots brachte und es den Grossverteilern, den kleineren Tankstellen oder ein ad hoc aufgebautes Netz von Tankstellen unter Preis angeboten hat. Ohne Mwst oder Steuern zu zahlen. Die Gewinne wurden fortlaufend über ein verschachteltes System an Statthalter(firmen) ausser Land gebracht. Der Menschenschmuggel ist dauernd auf dem Radar der Politiker, der Erdölschmuggel kaum: wieso wohl?

4)      Im Coop fand ich gestern den Special Cut „Flank Steak“. In den Erklärungen fand ich den Hinweis, es sei ein beliebter Cut in Kolumbien (Sobrebarriga), der für eine Spezialität im Ofen verwendet würde (welche?). Auf der schweren Grillgusspfanne zubereitet, ist das sehr schmackhaft geworden (war fingerhoch, wie ein Lappen, gut von allen Sehnen und Fett befreit).      

Buona domenica

F.

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