Nachtrag an den Dottore zur Totenwache

Ciao Dottore

Also wenn ein Kind das andere erschiesst und der (zuständige) Vater die Waffe dafür zur Verfügung hält, dann hat das auch für abgebrühte Kolumbianer etwas Pikantes. Die traditionelle Totenwache gestattet es jedem Interessierten, unter dem Mäntelchen der Anteilnahme Maulaffen feilzuhalten. Aufgrund des grossen Andrangs fiel es mir zeitweilig schwer, mir mit dem Fortuner-Traktor Zugang zur Finca Singapur zu verschaffen. Ein wenig erinnerte alles an die absurde Kurzgeschichte „Los funerales de la mamá grande“ von Garcia-Marquez. Als unmittelbarem Nachbarn hätte es mir wohl angestanden, mich ebenfalls beim aufgebahrten Kind einzufinden. Aber weil ich weder agonisierende Sterbende noch blutüberströmte Leichen filme und mich auch ansonsten am fremden Leid nicht zu ergötzen pflege, habe ich mir das geschenkt. Für mich war das Erlebnis bizarr genug, im Auto durch den Menschenauflauf zu fahren, spiessrutenmässig sozusagen, und unfreiwillig einen Augenblick lang den starren Blick des kindlichen Kindsmörder zu erwidern.

Aber weisst du Dottore, das soll mich nicht anfechten. Ich habe mich, und das begeistert mich jetzt, notgedrungen selber an die Herstellung von Garbanzo-Burgern gemacht. Und wie immer in solchen Fällen ein besseres Resultat erzielt. Mit der ganzen Kräuterpalette, Zwiebeln, Knoblauch, gerauchten Aji und, vor allem, frischer Kurkuma-Wurzel. Von wegen, meine verfärbten Kunstnägel habe ich mir kostenpflichtig wieder abmontieren lassen. Die Garantie sehe das Hantieren ohne Handschuhe mit Kurkuma nicht vor. Die Nägel sind jetzt halt auch wieder gelb, aber das könnte ja noch ein Markenzeichen meinerseits werden. Frau Nestlé kann jedenfalls nicht konkurrieren, zusammen mit einer japnesischen Sauce, gegebenenfalls nur Soja, ist das ein Gedicht.

In der Galerie in Buga habe ich vor ein paar Wochen eine Dame namens Angela kennengelernt, die ebenfalls in den Kräutern wühlte, weil sie in ihrem herrschaftlichen Haus Anlässe für zahlende Kundschaft zelebriert. Das ist in Kolumbien recht populär, weil sich die Gastgeber in solcher Umgebung auch selber herrschaftlich fühlen können. Zahlen tut man ja so oder so. Nicht, dass ich mir solches auf der Finca Singapur wünschen würde, aber anscheinend möchte sie ihr Angebot mit meinen Produkten anreichern. Auch auf die Coppelia hat sie ein Auge geworfen. Man wird sehen, es würde einigermassen in meinen Alltag passen. In meinem Alter stellt man sich nicht mehr selber an den Herd.

Im übrigen harrt jetzt der junge Mais meiner. Ausser für Polenta hatte ich bis zum heutigen Tag für Mais wenig übrig. Aber das wird sich ändern, man kann ihm gegen die Süsslichkeit ja mit Fermentation und Pikanterie auf den Leib rücken. Glaub mir, dass das spannend wird.

Fast vier Meter hoch ist diese wild wachsende Maisstaude. Eben kein gentechnisch manipulierter Hybrid!

So, auf bald wieder, take care!

Markus

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