Neujahrsgruss an die Cousine in Spanien

Das mit dem Zunehmen hast du richtig gesehen, nicht wenig, aber zum Glück bin ich wieder auf den absteigenden Ast. Noch besser wird’s, wenn ich nach Feuerland unterwegs sein werde, weil ich dann in der Küche nichts zu entwickeln und noch weniger fünfmal zu probieren habe. Also für Feuerland wird der Weg das Ziel sein. Ganz unmittelbar steht der Tripp ja auch noch nicht vor der Tür. Aber Pläne muss man haben, sonst wäre man ja tot. Ich glaube, irgendwo im Blog ist davon die Rede, dass der Rotscher vor fast zwanzig Jahren mit einem zum Wohngefährt umgebauten Saurer Militär-2DM von Ungarn, wo er Frau und Kinder verliess wie einst Bruder Klaus (wenigstens bei ihren Eltern bzw. Grosseltern!) über Jordanien, Ägypten, Sudan, Abessinien bis nach Kenia düste. Ich wäre auch zur Teilnahme eingeladen gewesen, was mich zwar gebauchpinselte, aber die Feigheit überwog. Die Gattin des Rotscher ist zwar hochintelligent, aber ein unrettbar gutmütiger Totsch wie ich. Weil der Rotscher ein Alpha-Tier ist und sie langmütig, kann er machen, was er will. Die zwei hatten ein Anwesen in Ungarn, so etwas K.u.K. Hochherrschaftliches, das hat mich sehr für die Finca Singapur inspiriert. Eine Zufahrt von fast einem halben Kilometer ab dem Eingangstor, eine porch wie bei „vom Winde verweht“, eine Riesenküche, ein herrschaftlicher Salon wie ein Fussballfeld, an dessen Tisch wir fünf uns sehr verloren vorkamen. Und abends hallte Orchestermusik durch die Räume, ich weiss nicht mehr was, ich glaube „Die Planeten“ von Gustav Holst und „Symphonie Fantastique“ des Berlioz Hector.

Der Konflikt zwischen uns (Rotscher ist herrisch und ich demgegenüber sanft) eskalierte wegen meiner Langmut gegenüber dem frechen Kolumbianischen Personal. Und den Geschichten von Nähe und Distanz zum Personal. Ich hatte aber keinen Hang zum Küchenpersonal (Wilhelm Busch). Aber rächen will ich mich trotzdem, und dies, indem ich Rotschers Familie auseinander zu bringen trachte. Mit über den Atlantik gesandten Sirenenklängen über schöne Frauen, feines Essen und schnelle Autos will ich mir den blitzgescheiten Sohn Dodo (Dominique) nutzbar machen. Du glaubst, dass ich das nicht schaffe? Aha, liebe Elsbeth, die du als Kind im Garten arbeiten musstest und nichts recht machen konntest! Genauso erging es diesen zwei armen kleinen Buben des Rotscher damals in Ungarn. Der perfektionistische Vater nervte umgemein, sodass sie sich verständlicher Weise zu meiner gütigen Person hingezogen fühlten. Ein altes Foto dokumentiert das!

Von wegen neuen Ideen: In der Jugend litt ich jahrelang an schrecklicher Akne. Ich kann mich der vielen wohlfeilen Ratschläge bezüglich deren Bekämpfung noch gut erinnern. Iss Heidelbeeren, ja keine Salami, als ob das damals zur gewohnten Diät gehört hätte. Die Erica hatte das auch. Es ist eine üble Angelegenheit, man wirkt entstellt und abstossend und entwickelt Komplexe. Viele machen sich zudem noch einen Spass daraus, und glauben, dass sei etwas zum Necken. Dumm halt, nicht mehr.

Im Moment ist der sechzehnjährigen Sohn der Maria Clara zur Schnupperlehre auf der Singapur, der hat das auch. Jetzt bin ich daran, für den eine Maske zu entwickeln, die aus Aloe Vera, Kakao-Butter, Bockshorn und Quassia (Fliegenholz) besteht. Mit Emilse sind wir am ausprobieren, indem wir Eiweiss, Gelatine und Gummi-Arabicum dazumischen. Wir haben die „abziehfähige“ Maske fast schon von der Konsistenz, dass sie sich nach dem Trocknen am Stück wegziehen lässt und mit ihr die Verstopfung aus den Poren. Weisst du, das Mark der „Blätter“ der Agave ist sozusagen ein Wundermittel. Gegen Falten, Altersflecken, Rheuma, für den Haarwuchs, was du willst. Ja, ich weiss, aber dort wo draufsteht „mit Aloe Vera“ dominieren vor allem die Nebenprodukte der Erdölindustrie. Zu behaupten, das sei alles einfach, wäre gelogen. Das „Gelée“ schnodderiger Konsistenz hält nur gekühlt längere Zeit, der Rest sind Extrakte mit Alkohol. Im Moment müssen wir die Proben im Kühlschrank aufbewahren. Günstig wäre, das Ganze mit Ascorbinsäure haltbar zu machen. Ironie an der Sache: Ohne Küchenkenntnisse bezüglich Verflüssigen und Emulgieren (wie Mayonaise etc.) und ohne Bamix wäre man verloren. Apropos Alkohol: Ich kaufe den Typus „industrial“ mit über achtzig Volumenprozenten, der nicht einmal vergällt, also mit Bitterstoffen vermischt ist. Man könnte ihn also theoretisch trinken. Derweil braucht man in der Schweiz für dergleichen einen Giftschein, dafür erhält man unnütze „Spadyrik“ von der Krankenkasse bezahlt.

Heutzutage scheint in der „haute cuisine“ Petersilienwurzel „Schrei“ zu sein, ich muss zugeben, dass auch beim Koriander die Wurzel am besten schmeckt. Nur, ob man das immer handy hat? Die gewöhnliche Petersilie neigt hier zur Bildung von langen Stängeln, die koche ich mit wenig Wasser und wenig Bockshornsamen im Dampfdrucktopf aus, was dann extracto de perejil ergibt. Mal schauen, wie lang sich dieses hält. Weisst du, im Kampf für wohlschmeckend Vegetarisches ist einem jedes Mittel recht.

Ich wünsche dir für 2019 ebenfalls alles Gute!

Lg Markus

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