Brief an die Cousine mit kulinarischen Aussichten für sie

Hoi Elsbeth

Gestern war seit fast über einem Jahr wieder einmal die Seherin Chasoy, die Indio-Frau, auf der Finca Singapur zu Gast. Dies, weil ich in der Galeria in Buga vor ein paar Tagen ihren Ehemann an seinem Verkaufsstand für indianische Produkte antraf. Ich kaufte eine Sandelholzseife, um so elegant meine Neugier bezüglich dem Verbleib seiner Gattin befriedigen zu können. Im Cauca sei sie tätig, wo sie aufgrund der schwierigen dortigen Situation in den Dörfern und Weilern ihren Artgenossen mit Rat und Naturheilmitteln zur Seite stehe. Nur schon das von der „Situation“ machte mich auch aus eigener Erfahrung neugierig. Ich bräuchte sie dringend, wegen dem Pomerosa-Baum, der keine Früchte trage und ebenso unbefriedigend sei wie die Kumquatbäume. Obwohl der Gatte nicht wusste, was Kumquat ist, weiss er anderseits sehr wohl, dass seine Chasoy mit den Pflanzen in Dialog tritt und sie befragt, warum sie nur da stehen und keine Früchte tragen. Gestern holten wir Chasoy an der Bahnstation in Buga ab, wo keine Züge fahren, dafür aber Busse. Schon die Höflichkeits-Unterhaltung im Auto erwies sich als spannend. Die Indio-Frau teilt weitest gehend und ungenötigt meine Sicht der Dinge, sieht also auch in dieser Hinsicht klar. Als Erfrischung nimmt sie allenfalls Wasser ab der Leitung, alles andere ist ihr traditionsgemäss verboten. Das wird ein durch die Spanische Conquista verursachter Teil des Erbgutes sein, die Pest und Cholera über ihre Vorfahren brachten. Als unbestreitbar sofort als solche erkenntlich, habe sie als Indio-Frau meistens keine Probleme beim Passieren der mittlerweile wieder abgeräumten Strassensperren gehabt. Aber das Leben ihrer Landsleute sei wesentlich gestört verlaufen, gebracht habe er nur den Rowdies etwas, die von der Regierung Geld (aber nur für sich) erpressten. Auf der Finca angekommen, kroch Chasoy sozusagen in den unfruchtbar-prachtvollen Pomerosabaum, von dem ich vermutet hatte, dass er gerne ein andersgeschlechtliches Pendant gehabt hätte. Der Baum antwortete, dass der Bruto, der ihn gepflanzt habe, von Mondphasen keine Ahnung hätte. Aber demnächst werde er Früchte im reichem Masse abwerfen. Die ehemalige Topfpflanze, für die jetzt der Kletterspinat in den toten Olivenbaum wächst, beklagt sich über die rüde Ruda, die ihr beigestellt ist. Im nahen Kaffeehain -auch für mich von beinahe überirdischer Schönheit- jubelte Chasoy, dass sie eigentlich nur im Nebenher katholisch sei, aber die wahre Göttin Mutter Erde sei. „Hörst du denn nichts?“ Leider vernahm ich nur mein Ohrensausen, das mich seit Jahren plagt. Immerhin, Mutter Erde als Gottheit scheint mir höchst akzeptabel, weil sie mir auf der Finca Singapur alles gibt, was ich gerne will.

Nachdem wir gestern über zwanzig weitere Bäume gepflanzt haben, dreihundert Kaffeestöcke der Sorte Criollo Amarillo folgen im Herbst, werden morgens unterhalb des Wasserspeichers dreissig Gaduasprossen (Bambus) in eine Senke gepflanzt. Dies ist nicht nur ökologisch gut, es lässt mich auch auf köstliche mundende Bambussprossen hoffen. Obwohl, über Mangel an Abwechslung kann ich nicht klagen. im Delikatesse-Laden in Cali, wo im ersten Stock drei Negritüden exzellent kochen (anscheinend kann man sie, als Köchinnen, auch mieten), hatte ich einmal empanadas (gefüllte Maiskrapfen) vom Allerfeinsten goutiert. Mich faszinierte weniger die durchaus wohlschmeckende Füllung mit Garnelen, als die überaus krokante und aromatische Masse. Solche Inspirationen lassen mir jeweils keine Ruhe, mit Basti versuchte ich überaus erfolglos, mit dümmlichen YouTube-Videos nachgemischten Rezepten diese Qualität einzustellen. Im Wahn! Kam der Deiby und tat kund, alles was es brauche sei Wasser und Maismehl, und an Gewürzen und Schärfe was man wolle. In den ausgewallten Klatsch füllte er Dahl mit Yoghurt. Die Negritüden können sich vergessen. Wunderbar! Auch J.P. wird seine Grüntee-Gnocchis wieder einpacken, sobald er Deibys‘ köstliche Crackers aus eben dieser Masse mit eingemixtem Spinat und Nopal goutiert hat. Gerade dieser Nopal, eine Art Kaktus, ergibt gekocht eine geschmacklich zwischen Artischocke und Spargel liegende Köstlichkeit. Angeblich kann man auch dem schnoddrigen Gelee beikommen, das sein Inneres leicht Appetit-tötende Fäden ziehen lässt. Der Basti schmilzt bei aus dem Slow-Cooker stammenden Gemisch aus Bohnen, Erbsen, Tomaten, Zwiebeln und Gewürzen (heute ausnahmsweise mit Schweinefleisch). Und preist den Herrn und Don Arturo für die Singapur Huerta.

Siehst du, liebe Elsbeth, vielleicht preist du die Huerta demnächst ebenfalls!

Liebe Grüsse

Markus

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Antwort an den Dottore zur CO-2 Bilanz und mehr

Ciao Dottore

Im Bild links eine hiesige Farnart, allgemein helecho benannt, das meterhoch wächst und an den Stielen bösartige Stacheln aufweist. Der Wurzelstock bindet Wasser, diese dekorativen Gewächse beschatten den sie umgebenden Boden. Rechts im Bild die künstliche Variante auf der Plattenwüste. Sehr begehrt ist der Wurzelstock als Blumentopf für Orchideen, weil er viel Wasser für diese speichern kann. Entsprechend wird die Pflanze Opfer von Wilderern wie Sancocho. Ich weiss nicht, wie man sie oder wie sei sich vermehrt, aber ich hätte gerne mehr davon. Auch eigenen Bambus (Gadua) werde ich in der Anhöhe pflanzen lassen. Idealerweise müsste jeder Meter mit Zier- oder Nutzpflanzen bepflanzt sein, um vor ausgedehnten Trockenperioden geschützt zu sein und sauberes Wasser für uns selber und die „Niedrigeren“ sicherzustellen. Der Basti teilt anscheinend meine Vision, wenigstens solange ihn keine real-magische Kolumbianische Halluzination auf Abwege bringt. Um dies zu vermeiden, muss man die Leute mit Geringschätzung behandeln, in Kolumbien ist das besonders wirkungsvoll. Es ist nicht gerade meine Spezialität, aber man lernt. Laut J.P. müsste ich dementsprechend akzeptieren, dass mir der Basti den Verschlag des Traktors zu öffnen pflegt und zu diesem Zweck gar ums Auto herumrennt, wenn ich darin vor dem Aussteigen noch etwas zu nesteln habe. Als würde ich darauf warten, dass er mir die Tür öffnet! Man empfindet das als eine Art Nötigung und fühlt sich daher älter, als man ist. Aber anstelle von Jähzorn wiederhole ich dem Basti getreu der Helene immer wieder eindringlich: „Schau, das ist wahnsinnig lieb von dir, aber wie du siehst, und so Gott will, habe ich das erst in zwanzig Jahren nötig. Und der Scheich von Benidorm bin ich Gott sei Dank ja auch nicht!“ Also sowieso, was die Helene ist, muss ich dir erzählen, dass sie nie wieder nach Buenaventura reisen wird. Hat sie wenigstens gesagt, nachdem ihr noch der Schreck von der Reise von der Schweiz nach Kolumbien ins Gesicht geschrieben stand und sich bei der Fahrt ins Fisch- und Meeresfrüchte-Paradies erneute Panik ergab. Die will ich auch gar nicht klein reden. Wenn sich die Indigenen oder wie Miller schrieb „Peonen“ unter den Augen der Polizei einen umgestürzten Laster plündern, ist das ein erschreckendes Bild. Besonders weil die Polizei, in Kolumbien eine nutzlose Spezie der Blödheit, sich nicht für imminente Auffahrunfälle interessiert. Mit den Lastwagen, oder besser gesagt mit den übermüdeten Fahrern derer, gerät man immer wieder in brenzlige Situationen. Das einzige, was sich dagegen sagen lässt, ist, dass ich mich bereits daran gewöhnt habe, weil ja insgesamt das ganze Leben tödlich ist und sich mittlerweile die Fahrweise des Basti meinen umsichtigen Vorgaben angenähert hat. Auch weisst du, dass mich Buenaventura fasziniert. Die herumlungernden Schwarzen verleiteten mich allerdings zu einer weiteren Steigerung des Entsetzens für die arme Helene mit der Bemerkung: „Lasst uns einen Sklaven kaufen!“ Das Kichern des Basti, dass ein solcher auf der auf Finca wenig nützen täte, verleitete mich zum Vorschlag, ihn (den Sklaven) solange zu schlagen, bis er nütze. Das sind keine politische oder ideologische Stellungnahmen, sondern Zeichen der Resignation entspringenden Witzes. Bei Helensche kam er nicht an. Wohl sei sie ein Gutmensch, so der Basti, habe aber wenigstens in Buenaventura Angst vor den Schwarzen.

Dem Paco ist die Lula mit ihrem Nachttopf um den Kopf ebenfalls unheimlich. So spielt er lieber mit dem übrig gebliebenen zähen Fetzen des Rugby-Balls, dem du ihm gekauft hast. Bis vor nicht zu langer Zeit war mir das schäbig gewordenes Spielzeug des Paco peinlich, weil er es allen Besuchern präsentiert. Es schien mit ökologischer, wenn er Zitronen, Orangen und Avocados zum Werfen herbeitrug. Und sein wahrhaft säuerliches verzogenes Gesicht, wenn sich deren Inhalt beim Zubeissen in seine Lefzen ergoss, ergötzte einen. Aber der Rugby-Ball-Fetzen macht keine Sauerei auf der Terrasse und sein Ende ist, wie gesagt, noch lange nicht abzusehen.

Was die von dir aus Argentinien herbeigetragenen Gesundheitstees und Kräuter betrifft, kann ich dir mitteilen, dass diese fast unendlich scheinen, das im Besonderen, wenn man ein Herzflattern vermeiden will. Samt und sonders bitter, wirken sie vor allem auf die Leber, was in meinem Fall ja nichts schaden kann. Sie eignen sich, wie da und dort kleinstgedruckt erwähnt, auch zum Räuchern am ersten August, was eine Bewandtnis ist, die sich mir noch nicht erschlossen hat. Hingegen bin ich bei der Enträtselung der Eigenschaften des Holzes vom Quassiabaums schon viel weiter. Die sind so vielfältig, dass man es kaum glauben mag. Also, als Auszug, wenngleich grausam bitter, wirke es sich ebenfalls wohltuend auf strapazierte Lebern aus. Daneben würden viele Arten von Fliegen vertrieben. Was ich besser finde als Abtöten, weil davon auch an einem selber etwas hängen bleiben kann. Im weiteren erhalte es (angeblich wissenschaftlich erwiesen) die Feuchtigkeit der Haut. Was willst du mehr, Dottore? Darüber hinaus kann ich dir sagen, dass der Auszug des im reinen Alkohol eingelegten Quassia-Holz einen gewissen Wohlgeruch entwickelt, sodass sich man ihn (diesen Auszug) an und in beliebige Körperstellen und Räumlichkeiten wie beispielsweise die Küche sprühen kann. Der Fliegen, besonders der hier jetzt wegen dem Regen in Schwärmen auftretenden Fruchtfliegen, werden tatsächlich viel weniger. Noch besser wirkt mein „Beauty Splash“, den ich wegen des Hohns der Helene auf meine grünfärbende erste Entwicklung mit Kurkuma formuliert habe. Als dickflüssige Lotion, eben namens „Beauty Splash“, sieht sie auch grünlich aus, färbt aber nicht. Sie basiert auf Aloe Vera sowie Nopal (Feigenkaktus), ausserdem Bergamotte-Öl, Rosenwasser und dem alkoholischem Auszug von Orangenblättern. Das duftet wunderbar, hinterlässt eine Haut wie ein Babyfüdli und keine Fliegen und Stechmücken! Wie man es macht, sag ich natürlich des vielen in Aussicht stehenden Geldes wegen nicht! Vorerst kommen ohnehin nur Gäste der Finca Singapur in den Genuss dieses Aroma-Therapeutischen Allheilmittels, das man, wenn man will, oder als notwendig erachtet, auch gefahrlos zu sich nehmen kann. Die Helene ist für immer ausgeschlossen, ich bin nachtragend!

Bald mehr, viele Grüsse

Markus

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Antwort des Dottore zu Kuba und viel mehr

Ciao Direttore

Ich will ja nicht nach Cuba und habe meiner Mutter davon abgeraten. Insofern sind die News von Manuel sehr hilfreich, vielen Dank dafür. In Argentinien sind unter Kirchner’s immer wieder grosse Strassenveranstaltungen mit organisierten Busreisen (à la SVP: Busreise, Bratwurst (Choripan) und Bier, unter Umständen gar ein Paar Pesos als Taschengeld) inszeniert worden. Über Argentinien las ich zuletzt: Kurs Dollar zu Pesos bereits auf 44 (letzen Dezember 37 bis 40 Pesos für ein USD), ein in der Nähe des Kongresspalasts ermordeter Parlamentarier und das Urteil des obersten Gerichts in einem der hängigen Verfahren gegen Kirchner, das ihr wieder für längere Zeit Luft verschafft (im Oktober sind Neuwahlen!) wegen angeblichen Verfahrensfehler der Staatsanwaltschaft. In Kolumbien ist der oberste Staatsanwalt zurückgetreten, nachdem der ehemalige Farc Chef im JEP Tribunal von den Beschuldigungen (umfangreicher Kokain Schmuggel in die USA nach in Kraft treten des Acuerdo de Paz) freigesprochen wurde und somit die Extradition in die USA verwehrt wurde. Dafür kann er nun seinen Sitz im Parlament gelassen einnehmen. Auch in der Schweiz ist der Chef der Bundesanwaltschaft im Kreuzfeuer der Kritik. Seltsam diese Häufung. Im Corriere della sera war übrigens ein lesenswerter online-Bericht über eine Joint-Force-Antidrug Behörde in Lissabon, die suspekte Schiffe entlang ihrer Reise von Süd-/Mittelamerika verfolgt und bei Gelegenheit zuschlägt. Demnach hat der Handel seit dem Friedensabkommen massiv zugenommen. Interessant ist, dass durch diese Drogenschwemme der lukrative Markt sehr umkämpft ist. Das führt dazu, dass die Differenzierung über die Reinheit erfolgt. Man versucht eine Qualitätsmarke zu etablieren: Ungestrecktes statt gestrecktes Premium Mediocre!

J.P. meint es wohl gut und hat gleichsam Lust zu provozieren? Nun coeur de boeuf ist leider nicht immer das wonach es aussieht. Da wurde in den letzten Jahren mit Hybriden viel geschummelt, um den grossen Lebensmittelkonzernen viel grössere Margen auf Tomaten zu ermöglichen! Ich hatte grad welche in Aktion der Migros, die inzwischen (leider) visuell die charakteristische Form haben, aber nicht den erhofften Geschmack. Visuelle Halluzination! In Ascona konnte ich allerdings beim guten Traiteur und bei Manor viele sehr gute Produkte erwerben, die glücklicherweise keine Halluzinationen sind. Val d’Ossola Polenta mit Mortadella Cotta bzw. Gorzonzola al cucchiaio oben drauf: sensationell fein, purer Geschmack. Gar nicht teuer, auf die Kombination muss man auch erst kommen. Oder Kartoffel-Carciofi Eintöpfe auf die zuletzt guter Rohschinken geschmolzen wird: gnam gnam. Der Capretto in der Pfanne mit viel Weisswein und am Ende Marillen-Marmelade war super lecker. Vom übriggebliebenen Fond konnte ich noch einen super Risotto danach basteln können. Von den gut gelagerten Tessiner Alpkäsen möchte ich gar nicht reden. Welch ein Glück! Zuletzt sah ich beim Manor super frischen Mangold aus der Magadino Ebene. Kleine Sträucher, nicht die riesigen Blätter. Den habe ich schonend gedünstet: war eine butterzarte Delikatesse ohne den sonst typischen eisenhaltigen Nebengeschmack.

Die Gegend um den Vesuv ist für ihre Tomaten sehr bekannt. Leider ist Kampanien auch wegen dem uferlosen und illegalen Vergraben von toxischen bis radioaktiven Abfällen der italienischen und deutschen Grossindustrie via Camorra tragisch bekannt. Ganz wenige Landflecken sind davon nicht betroffen. Und trotzdem wird darauf weiterhin Landwirstchaft betrieben, als ob nichts wäre. Man traut sich nicht, das Geschäft mit akribischen Bodenkontrollen zu ruinieren.

Zur CO2 Bilanz: im Tagi-Magi fand ich die Frage „Wie schlimm sind Milchprodukte für das Klima?“ „Ziemlich schlimm. Bei Fleisch und Fisch beträgt der jährliche CO2-Austoss in der Schweiz etwa 550 Kg pro Kopf, bei Milchprodukten und Eiern etwa 400 Kilo. Veganer ernähren sich darum noch einmal deutlich klimafreundlicher als Vegetarier.“ Im gleichen Tagi-Magi ist ein Bericht von Eduard Kiener, ex Direktor des Bundesamts für Energie, der für die Nuklearenergie eintritt und mit „Abgesehen von der Kommunikationsindustrie leben wir im Zeitalter der grossen Versprechungen und kleinen Verbesserungen“ schliesst. Aus seiner Sicht ist die beschlossene Energiewende faktisch nicht umsetzbar.  

Auf dem Annapurna Trek (fast drei Wochen lang) hatte ich viel Dahl-Bat. Gut gemacht ist das etwas Leckeres und Energiereiches zugleich. In Mexico gibt es in manchen Gegenden eine dicke braune Bohnensauce, die ich auch sehr loben kann. In Italien werden aus mehrere autochthone Bohnensorten viele Leckereien (primi e secondi) zubereitet. Gute Produkte, Geduld und Zeit (fürs Einweichen und Zubereiten und Kochen) machen es halt aus.

Im Radio hörte ich am morgen ein Bericht über die Cannabis Legalisierung in Canada. Recht interessant! Ein Unternehmen ist bereits börsenkotiert (Canapy irgendwas). In Zürich findet gerade im Hotel Atlantis und in der Halle 662 in Oerlikon die Cannatrade Messe und die International Cannabis Business Conference statt!

Beiliegend noch zwei schöne Abendstimmungsbilder: Vogorno (oberhalb Verzasca Stausee) und Nommom (Misox).

Buon weekend

F.

Ich bin auf „In the Wilds of South America“ zufällig gestossen, ein Bericht aus 1916 von einem amerikanischen Biologen / Ornithologen (Leo Miller). Er ist lang und mehrfach in Kolumbien unterwegs gewesen. In Buenaventura angekommen und von dort ins Cauca Tal und von dort in die verschiedenen Klima-, Fauna- und Florazonen. Die „wissenschaftlicheren“ Teile sollte man eher überspringen. Die Eindrücke und Beschreibung der Reise sind, wenn man die Gegend ein wenig kennt, interessant, wenn auch Miller nicht gerade ein begnadeter Reiseerzähler ist (für mich).

The peons are of Spanish, Indian, and negro blood, or of a mixture of any two or all three, and require constant supervision to secure the best results.

While still several miles distant from Popayán we began to meet smallparties of Indians that dotted the trail, slowly wending their waytoward the Mecca of the Upper Cauca. By the time we had reached Belen,a settlement of about twenty houses, the trail had widened into abeautiful thoroughfare and was crowded with oncoming hordes. These Indians are probably descendants of the ancient Guanacas, while someare doubtless the offspring of the tribe of Paeces which inhabits the Cordillera Central to the north. Many, no doubt, still preserve theoriginal purity of the old stock, but the vast majority have mingledand intermarried with the native Colombians until one finds every possible stage of intergradation.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Brief an den Dottore zum trickigen Englisch

Ciao Dottore

Wahrscheinlich hat dir schon Helene erzählt, dass unser Experiment mit wenigen Stunden Unterricht -von unserer Warte aus- für die Gesamtschule von Jiguales nicht zustande kam. Ich hatte vorgesehen, die zwei Lehrerinnen neuerlich zu einem gemeinsamen Mittagessen mit Helene einzuladen. Anscheinend interessierten sie sich die Beiden dafür nicht, was ich ihnen gerne nachsehe, hingegen fragten sie per WhatsApp beiläufig an, ob ich in meiner „gewohnten Güte“ bereit wäre, für die „Muttertags-Verlosung“ drei Preise zu spenden. Ich wurde schon ob der Erwähnung „meiner gewohnten Güte“ fuchsteufelswild, besann mich dann aber anders. Dass ich von ihnen, den zwei Lehrerinnen, intelligente Vorschläge dazu erwarte, was sinnvolle Preise seien. Seither herrscht Funkstille, die offen gestanden auch in Zukunft ganz angenehm wäre. Worum es geht? Eigentlich darum, dass einem ungeschminkt dargelegt wird (gewohnte Güte), dass man „Güte“ oder eher Gutmütigkeit mit Blödheit verwechselt. Natürlich sind diese fast immer dubiosen Verlosungen allgegenwärtige Kolumbianische Realität und ich gönne jedem die dümmliche Freude, aber eben, mich für gar blöd halten, schätze ich weniger.

Bei Derartigem drohe gar ich den Humor zu verlieren, beziehungsweise verliere ihn tatsächlich, nämlich bis ich alle Zumutungen zurückgeben habe. Eines meiner Opfer ist im Moment unsere Hausdame, die wahrscheinlich durch die Aussicht auf das künftige Ausreiten mit Singapurgästen bereits einen Dollarsegen vor Augen hatte. Vermutlich hat sie diesen diesen auch schon ausgegeben, so dass er ihr in Buga realmagisch gestohlen werden musste. Es gibt auf der Finca Singapur keine Vorschüsse mehr und der von ihr eingeführte Basti glaubt ihr die Story so wenig wie ich. Dafür schnauzt er sie an, was alles nicht blitzblank sei und sie dann mit rotem Grind erledigen muss. Fertig lustig! Mir war und ist solches immer leicht peinlich, der Fremdscham wegen. Die stieg mir auch angesichts des Ueli Maurer-CNN-Interview auf. Ich habe allerdings die die Fragen-stellende negritüde Schönheit (oder sagt man schöne Negritude?) auch nicht verstanden. Weil ich mich mein ganzes Leben noch nie darauf konzentrieren konnte, was die Leute sagen, sondern von Nebensächlichkeiten abgelenkt werde. Etwa dass, wie man weiss, es für die Herrichtung der Haartracht der Schönheit Stunden braucht, und es nicht anders sein kann, als dass sich auf das Interview vorbereitete, während ihr stundenlang mit dampfenden Eisen am Grind beziehungsweise an den Haaren gerissen wurde. Diesem Prozedere muss sich dem Vernehmen auch die Herzogin von Sussex unterwerfen. Was wiederum der Grund für das verspätete öffentliche Auftreten nach der schweiss- beziehungsweise Krausen-treibenden Geburt ihres Sohnes gewesen sei. Der Maurer Ueli aus Hombrechtikon oder so, der sich schon in Bern im Feindesland befindet und nie zum Ulrich werden wird, wurde von seinem Bruder im Geiste Trump vor Fake-News-CNN gewarnt. Und dass er einfach sagen solle: I can nothing say. Weil der Trump gesagt hatte: „Don’t say anything“ ist der kleine idiomatische Irrtum in der Satzstellung lässlich. Wahrscheinlich behauptet Adlatus Peter Minder durchaus zu Recht, dass er der Ueli in Englisch fliessend sei. Musste er doch die Schweizerdeutschen Zwischenrufe des einstmals erfolgreichen Spiegelfechters und SF-Kommentator Minder simultan übersetzen. Wahr ist auch, dass wenn die Fragen von CNN per WhatsApp vom zuständigen und polyglotten Ignazio Cassis beantwortet worden wären, Ueli Maurer folgendermassen geantwortet hätte: We are no(w) global player, I’m lonely Bundespräsident and I’am here for Publicity only. Ich würde mir wünschen, dass sich Birgit Steinegger und Victor Giacobo noch einmal aus der Versenkung erheben und ein politisch inkorrektes Remake geben (heutzutage darf nicht einmal Othello schwarz geschminkt sein).

Liebe Grüsse

Markus

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Brief an den Dottore zur Halluzination des goldenen Büffel (2)

Ciao Dottore

Vor kurzem hat mir Manuel aus Havanna mitgeteilt, dass in Kuba ein neuer „periodo especial“ angekündigt worden sei. Das letzte Mal war das nach dem Ende der Sowjetunion der Fall. Damals wie heute liegt der Grund im Zusammenbruch eines Bündnispartners, diesmal ist es Venezuela. Als ich vorletztes Mal in Havanna weilte, fand gerade ein Staats-Besuch von Chavez statt, der als grosser Gönner auftrat und mit dem damals noch amtierenden Fidel Castro ein weiteres mittlerweile wieder gefloptes Auslandengagement Cubas nach Afghanistan und Angola einläutete. Auf dem Weg nach Guantánamo bay kamen mir lange Karawanen von Bussen entgegen, die für das Ankarren der jubelnden Massen Richtung Havanna unterwegs waren. Die Arbeitenden bekamen für das Jubeln frei. Zum Jubeln gab es allerdings auch damals nichts. Die Devisenläden, mit dem die Militärs die Überweisungen der Auslandkubaner abschöpfen, boten schon damals praktisch ausschliesslich miserable Importprodukte an „Premium Spanien-Scheisse. „Um sich über Wasser zu halten“, wie deine Mutter zu sagen pflegt, müsste sie wohl an einer organisierten Reise teilnehmen. Kulinarische Freuden kommen so oder so selten und nie auf. Obwohl die Kubanische Küche ihre Qualitäten hat, von wegen der Mangelwirtschaft kommt man wohl nur in Miami, der Fluchthochburg der Kubaner, in ihren Genuss. Das Schlechte ist darüber hinaus auch noch schrecklich überteuert. Kuba ist wohl das einzige Land Welt, wo allenfalls Touristen hin flüchten. Bei privaten Gastgebern darf man man lebensnah am Beschaffungsnotstand teilnehmen und sich allenfalls als Gutmensch abzocken lassen. Ich denke, dass ist nichts für Muttern. Sie soll sich der musikalischen Halluzination der „Guántanamera“ hingeben! By the way: J.P. war ja mit der kulinarischen Nobel-Universität in Kuba, frag ihn einmal! Noch ein „Übrigens“: Derselbe J.P. hat mich mit Fotos von herrlichen „Coeur de boeuf“ und anderem Deliziösem aus Italien geärgert. Dort ist er wieder bei dieser Mathilde gehockt, die angeblich besser kocht als ich. Er ist mit ihr seit gemeinsamen Zeiten an dieser „Schnäderfräs-Akademie“ befreundet. Dank gutem Gedächtnis und vernetztem Denken kann ich nun auf Rache sinnen. Vor Jahren hatte ich für teures Geld (zum Glück das meiner Mutter!) von „Wolf Premium-Medioker“ Tomatendünger bei der „Migros“ gekauft und musste mich bei meinem widerborstigen und seligen Bruder dafür entschuldigen, dass ich diesen in den Boden eingearbeitet hatte. Der (Dünger) enthielt „Steinmehl“ vom Vesuv oder was weiss ich wie exklusiv klingend woher. Interessanterweise ergaben sich auch in der Rabatte an der Hauswand, die mit Beton verunreinigt ist, ausgezeichnete Resultate. Die Hauswand liess übrigens die Tomaten dem für sie meistens miserablen Schweizer-Klima besser trotzen Meine Schwester profitiert nach eigenen Angaben noch heute von diesen Erkenntnissen und grämt sich über den überflüssigen Tomatensegen. Im Ernst, es geht auch um den Geschmack, Arturo, mein entfesselter Gärtner, soll es jetzt mit etwas Betonmehl und meinen weiteren Geheimtipps probieren. Von seinen Anbaukünsten profitierte auch die „Nicht-Gernerin“ Helene, abwechselnd beschickten wir Flammkuchen oder Spaghetti mit seinen Produkten. Oder etwa Suppe von frischen Erbsen vom Feinsten. So ergab sich trotz ihrer leicht einseitigen Sicht der Dinge immer wieder Abwechslung. Ich will auch gar nicht undankbar sein: Dank Helene weiss ich jetzt, obwohl ich es gar nie wollte, alles über Pferde, die verschiedenen Rassen, Reitstile, das Reiten, und dass letzteres unwissentlich zu tun gefährlich ist. Was das das bisher Einzige war, was ich schon immer geahnt hatte. Daher gucke ich mir die schönen Tiere lieber von weitem an. Bei den Erbsen oder eben Hülsenfrüchten seiend, kann ich dich über Interessantes aufklären: Zwei Prozent der weltweiten CO2-Belastung stammen von der Energie für die Herstellung von Stickstoff, der für die Bodendüngung benötigt wird. Hülsenfrüchte binden Stickstoff selbsttätig im Boden, weitere Gaben sind bei Fruchtwechsel überflüssig. Jetzt muss man der Menschheit nur noch besser beibringen, das zu fressen. Deiby musste einen (indischen) Dahl aus (gekauften) Mungobohnen herrichten, man muss Senfkörner und what not dazu rösten, ich jagte ihn demonstrativ mit geröstetem Mehl aus Bockshorn abschmeckend ins Bockshorn.

Hund Lula ist eigentlich ganz glücklich mit ihrer Halskrause, aus der sie doof guckt wie eine exotische Pflanze aus ihrem Topf. Sie weiss, dass ihr die Krause liebevolles Mitleid sichert, was wiederum ihre Eifersucht auf Paco erfreulich mindert. Dies verringerte weiterhin den Stress für Helensche, die mit Fug behaupten darf, von den Hunden während ihres Aufenthalts keine Sekunde in Ruhe gelassen worden zu sein. Das nervte sie zeitweilig schon etwas, auch sie wurde sprachlich aus dem Tritt geworfen. Ich lachte schadenfroh, weil sie P.D. James lesend, Englisch in verständnislose Gesichter rief. Trotzdem begab es sich eines Nachts, dass Lula ob dem Jucken ihrer riesigen Operationswunden versuchte, ihre Halskrause geräuschvoll abzustreifen. Was ihr am Morgen auch gelang, und ermöglichte, die Hefte der kürzeren Schnittwunde aufzureissen. Ich war ob dem unaufhörlich lautstarken Schlenkern der Krause an der Hauswand und dem grauslich offenliegenden Fleisch sehr ungehalten. Was der arme Basti zu spüren bekam, den ich frug, ob er noch nie von Bepanthen von der allgegenwärtigen Glyphosat-Bayer gehört habe. Er nahm eine neuerlich blutige Notoperation vor, er nähe schöner als der Tierarzt. Die Lula nahm es dank ihrer Schmerzunempfindlichkeit und Anästhesie-Spray sehr gelassen oder gar genüsslich, während sich die besorgte Helene angewidert abwendete. Nächtens schleifte Basti die mit Bepanthen versehene Widerstrebende erneut in sein Gemach, wo sie glücklich wedelte. Ich bin jetzt überzeugt, dass es Masochismus auch in der Tierwelt gibt.

Bald trifft die Helene in wieder in Zürich ein und bringt dir Exklusives mit. Nämlich Flakes aus einer gerauchten Paste aus Peperoncino, Peperoni und Aubergine (tönt geil, gell!). Das sollte jetzt ein weniger tierisch-scharfes Genusserlebnis ergeben.

Interessant, wie die UNO zusammenzählt, wo überall um uns herum geflüchtet wird. Von den Vertriebenen Kolumbianern gibt es halt auch in Venezuela welche, die sich wohl wiederum der hier auf der Autostrasse sichtbaren Flüchtlingswelle von dort nicht anschliessen können. Die Vertreibenden waren nicht nur die Paramilitärs, die für die Grossgrundbesitzer deren Land zurückholten. Der Neid-geplagte Kolumbianer stiehlt dem Harmloseren gerne das von diesem Geschaffene weg. Beispielsweise gestohlenes Land, das er zur roten Zone erklärt und darauf in seiner Habgierigkeit Drogen anpflanzt. Würde Trump seinen Mitbürgern erklären, dass sie soviel Drogen fressen sollen, wie es sie gelüstet, könnte er das Handelsdefizit kürzen, den Konsum mindern, sich die Mauer zu Mexiko sparen und den Südamerikanischen Ländern zu Fortschritt verhelfen. Zu schön, um wahr zu sein.

So, Dottore, das wars wieder einmal. No worry mit dem Drehbuch, sobald man weiss, was man schreiben will, geht das uhuereschnell.

LG

Markus

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Brief an den Dottore zur Halluzination des goldenen Büffel

Ciao Dottore

Leider haben die Bilder, die Emilce mit ihrem Huawei P20 von den Büffeln geschossen hat, durch die Vermittlung mittels WhatsApp stark an Qualität verloren. Sie sind „schön“, aber das Phänomen des goldenen Büffel, das Helene vom Pferd aus wahrnehmen konnte, kommt nur bedingt herüber, auch weil beim „shooting“ gerade kein Büffel aus dem Wasserloch gestiegen war. Ansonsten versichert Helene, dass zwei pudelnasse Tiere wahrscheinlich vom Effekt des lehmigen Wasser und der Sonneneinstrahlung wie in pures Gold getaucht anzusehen waren. Vielleicht käme zur Erklärung des brennenden Dornbusch mit dem darin hockenden Gott Moses‘ im Sinaï jetzt auch noch jene für den Tanz um das goldene Kalb hinzu.

Siebenundzwanzig Kilo wog die Lula gestern beim Tierarzt in Buga, jetzt wird sie etwas leichter sein, es wurden ihr zwei Tumore, glücklicherweise leicht erreichbar, aus dem Leib geschnitten. Dass er keinen Assistent habe und entweder ich oder Sebastian, der glücklicherweise Hilfs-Tierarzt ist, zudienen müsste. Stell dir mich vor, der kein Blut sehen kann, bei einer solchen Fleischerei. Diese Assistenz-Tierärzte gibt es zuhauf, fast jede Finca Ganadera (mit Tieren) leistet sich einen solchen, aber auch „richtige“ oder solche ohne Abschluss….! Auf Biopsie haben wir verzichtet. Was würde es mir nützen zu wissen, dass ihr Tumor bösartig ist, weil eine Chemotherapie Quälerei mit Sicherheit nicht in Frage käme. Das erzähl ich jetzt so pragmatisch, mir tat die Lula natürlich leid. Mir oblag es dann, die zwei, Lula und Basti, wieder in Buga abzuholen. Natürlich brach genau in diesem Moment einer dieser tropischen Platzregen aus. Die sind unheimlich, hinter dem Wasservorhang lassen sich heroische Töfflifahrer und andere talwärts rollende Gefährte nur schemenhaft ausmachen. Allmächtiger! sagt man sich und starrt ebenfalls in Halluzinationen! Aber von wegen, Lula war ja so glücklich, wie ich sie abholte. Den Basti liebt sie ohnehin heiss und hat in seinem Zimmer die erste Nacht nach der Operation verbracht.

Eben, durch die Sturzbäche irrend gehen einem viele (unnütze?) Gedanken durch den Kopf, unter anderem über die eigene Endlichkeit, weil einem ja jederzeit ein Felsbrocken auf den Grind stürzen kann. Und dass ich meine Situation dem Basti zu verdanken habe, da im Gegensatz zu ihm schon am Morgen dafür, ob eines Verkehrschaos, nicht des Wetters, sondern eines umgestürzten Lastwagens wegen, den Rückzug zur Finca Singapur anzutreten. Ausserdem bin ich im Moment einen Shit-Storm seitens meiner Schwester ausgesetzt. Sie verlangt in herablassendem Ton, man könnte ihn als seit Jahrzehnten gewohnt „dreckig“ bezeichnen, meine Einwilligung zu einem Bauvorhaben.

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Der Dottore zur sozialen Halluzination

Ciao Direttore

Ich hoffe, es geht dir gut, und dass Alltag und Umfeld +/- erträglich sind.

Wir haben heute einen regnerischen Tag. Es ist also „Regenprogramm“ angesagt, was für mich Wirtschaftsliteratur, Sauna oder Schwimmbad bedeutet. Kombiniert wird das mit dem Test eines seit Jahren gelagerten Not-Neoprenanzugs, der mir letztes Jahr viel zu eng vorkam. Ich möchte den heute nochmal probieren und dann im Schwimmbad testen. 

Die „soziale Halluzination“ ist mir in Form eines philosophischen Berichts über den Weg gelaufen. Eine interessante Formulierung! Es geht um eine Reflektion über Apps wie „Replica“. Diese wurde für einsame Städter weiterentwickelt. Sie gaukelt dem einsamen Handy-Besitzer soziale Kontakte und eine rege Kommunikation vor. Der Handy Besitzer kann der App auch Fragen stellen. Der Name „Replica“, nomen est omen, deutet auf den ursprünglichen Gedanken hin, nämlich, eine verstorbene oder verloren gegangene Person „fiktiv“ ins Leben zurück zu holen. Je mehr Infos man der App über diese Person zuzufügen in der Lage ist (beispielsweise Daten von Whatsapps, Facebook, Instagram Historien etc.), desto mehr kann die App damit „konstruieren“ und mit einem „in Dialog“ treten. Eine soziale Halluzination eben. Das Gebet ist übrigens die Urform des sozialen Halluzination. Ein „Dialog“ mit göttlichen Instanzen. Daneben dünkt mich, dass uns heutzutage immer mehr mittels ansprechender Verpackung oder suggestiven Geschichten „verkauft“ wird. Sprechblasen, diese soziale Halluzinationen oder schlicht die auch schon erwähnten Täuschungen à la „Premium Mediocre“.  

Beispiele zu Premium Mediocre:

  • Pasta fresca “Cicche del nonno agli spinaci” bio: Erste Zutat “Wasser”, Spinatanteil knapp 4 %. Sehr schön verpackt, schöne Form und Farbe, teuer. Premium Mediocre beziehungsweise eine kulinarische Halluzination. Wenn ich Spinatgnocchis zubereite, liegt der Anteil an Spinat bei etwa fünfzig Prozent und so schmeckt das dann auch.  
  • Bio Frischmilch von der Alp: Aus der Etikette sind drei Monate Halt- oder Geniessbarkeit und „UHT“ zu ersehen. Das hat mit Frischmilch also nichts zu tun. Der Kassensturz deckte unlängst auf, dass wegen der Dürre länger Heu verfüttert wurde. Was dann dann nicht mehr Bio-konform wäre. Trotzdem durfte man das als viel teurere Bio Alpmilch verkaufen. Täuschung und Premium Mediocre!
  • RS Aero: Dabei handelt es sich um eine neuartige Segeljolle. Der Name suggeriert Leichtbau (knapp 35 Kg) und eben „Geschwindigkeit“. RS will damit die Hegemonie des inzwischen über 50jährigen „Lasers“ brechen. Laser ist eine weit verbreitete Einhandjolle (über 250’000 Exemplare) und olympisches Boot mit Konstruktionsklasse Status. Das heisst, alle Boote sind identisch und die Unterschiede ergeben sich aus den Fähigkeiten der sie nutzenden Segler. Nun stellt sich heraus, dass eine der drei Laser produzierenden Werften und ausgerechnet jene, die am meisten davon produziert, sich nicht an den Vorgaben der Klasse hält und auch Produktions-Inspektionen des Segelweltverbands verbietet. Das hat dazu geführt, dass der Segelweltverband für die Olympiaden 2024 eine Untersuchung in Auftrag gegeben hat, die ein Nachfolge-Boot eruieren soll. Das neuartige RS Boot ist bei einer Stunde Regatta keine vier Minuten schneller als ein Laser. Mir scheint das bemerkenswert, keine zehn Prozent schneller, obwohl auf dem neusten Stand der Technik und Materialien! Wie gut das alte Laser Design sein muss. Eine Kombination von Täuschung und Sprechblase.
  • Die Geschwindigkeit Suggestion der „Foilers“: Wenn man „cooler“ und „schneller“ sein will, muss man  auf eine Foiling Klasse umsatteln. Internation Moth ist hier das Mass der Dinge, besonders seit die Australier das Boot mit Leichtbau und Foils (Tragflügel) zum Fliegen über das Wasser gebracht haben. Pfeilschnell (> 40-60 Km/h!). Allerdings sehr delikat, mit hohem Bruch- und Bastelanteil, steiler Lernkurve und sehr teuer (> 25 k CHF). Das hat findige Geister inspiriert robustere, günstigere und weniger schnelle foiling Boote zu konzipieren. Waszp (13 k CHF) und Ufo-Foiler ( 9 k CHF) sind solche Beispiele. Im Sailing Anarchy Forum gehen zwischen den Seglern dieser Klassen die Wogen hoch. Ein Moth-Segler meint beispielsweise hämisch, es könne keinen Spass machen im Zeitlupentempo zu „foilen. Geschwindigkeit ist nicht alles und doch verlockend. Auf dem Salzsee bei Barreal bin ich mehrfach mit den Segelkärrelis mit 80 bis 100 km/h rumgebrettert. Ein intensiver Adrenalinkick, aber auf Dauer kein zwingendes Erlebnis. Ich schätze das eher langsame, aber meditative Feeling in den Elementen bei schöner Landschaft viel mehr. Über’s Wasser einigermassen „sicher“ zu fliegen -ohne den ganzen Verdrängungswiderstand- würde mich hingegen schon mal faszinieren. Im Club hatten wir einstmals 7 Moths mit hohen Team- und Wettkampfansprüchen, inzwischen gibt es noch drei, von denen zwei selten benutzt werden. Eine soziale Halluzination und eine verstekte Botschaft?
  • Bitcoin: Eine Währung im engen Sinne ist es nicht. Ein anonymes Zahlungsmittel mit Premiumkosten vielleicht. Als Spekulationsobjekt haben sich viele die Finger verbrannt. Eine Sprechblase?
  • Digitale Ethik versus Designing Moral Technologies: Sprechblasen?

Einen „realmagisch“ anmutender Fall aus dem Tessin möchte ich noch unterbreiten. Er datiert aus dem Jahr 1978. Der „Fast-Greis“ und sehr wohlhabende Chemie-Magnat X verliebt sich in die jüngere südamerikanische Muse namens Vera. Diese war ihm schon aus früheren und wilderen Zeiten bekannt, bevor sich ihre Wege trennten. Mit 38 Jahren will sich Vera mittels Magnat und in Ermangelung einer für sie noch besseren Lösung absichern. Die Hochzeit wird geplant. Dann wird dem Magnaten über die weiterhin gepflegten horizontalen Beziehungen der „Vera T. International“ berichtet. Diese waren weit herum bekannt und männiglich kicherte vor sich hin, ausser eben der Magnat selber. Inne geworden verschickt dieser daraufhin seinem engsten Freundes- und Bekanntenkreis einen dreiseitigen A4-Brief (mit Schreibmaschine verfasst). Darin lässt er alles fein sarkastisch Revue passieren: mit einem Mix aus Anprangerung der besagten Vera und einem eigenen Offenbarungseid. Der Brief schliesst mit der bemerkenswerten Aufforderung, ihn weiterhin ungeniert in seiner Villa zu besuchen und für allfällige Dienste der Vera Geld in einem extra dafür bereitgestellten Kässeli zu hinterlassen. Was hat er sich davon versprochen? Ist der Ruf ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert? Oder hoffte er, dass das „Reizvolle“ dadurch implodieren würde, seine gute Vera in den besten Kreisen „gebrandmarkt“ werde und ihr dergestalt nur noch er als der treue „Greis“ bliebe? Und ging er davon aus, dass jemand der feigen (Verräter)Freunde tatsächlich etwas im Kässeli hinterlassen würde? Was meinst du?

Un caro salutoF. 

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Antwort an die Cousine unter anderem zur Sprache

Hoi Elsbeth

Ja, tatsächlich habe ich selber zur Kelle gegriffen, anscheinend hat es sich gelohnt:

“The finca and the whole experience was amazing. We are planning on coming back soon! The food that is cooked there is definitely worth it, it is one of the best I have had in Colombia. The best part is it is all organic and grown there! The 2 dogs are also great and super friendly. Words really cant describe the experience. I recommend 10000%”

Wenn auch gar US-Amerikanisch angehaucht, das Echo hat mich trotzdem gefreut. Nur mit dem Reisen ist es halt so eine Sache. Der Flug der Weltenbummlerin Helene, die sich dem Reiten hier verschrieben hat, wuchs sich ob der Verspätungen in der Europäischen Beengtheit zu einem Horrortrip (für sie) aus. Sie wurde nach ihrer ausnahmsweise nicht verspäteten Ankunft in London mit der Swiss mit einem Herrn ins Vernehmen gesetzt, der ihr riet, ob der kurzen Umsteigezeit um ihr Leben zu rennen, wenn sie den nächtlichen Avianca-Flug nach Bogotá noch erreichen wolle. Ihr Koffer werde es sowieso nicht schaffen. Wohin und wo durch wusste er hingegen nicht. Die einer Übernachtung in London widerstrebende Reisende setzte hierauf zu einer Hetzjagd durch Heathrow an, um an den Gate der Avianca zu gelangen, die angeblich ohnehin schon abgeflogen war. Dort aufgelöst angekommen, wurde die Arme gefragt, ob sie sie sei und überhaupt in der Lage, den Flug anzutreten. Ansonsten solle sie flugs einsteigen und wurde dann auch Kolumbianisch liebevoll zu ihrem Sitzplatz geleitet. Dort sass sie bis zum Abflug des „Dreamliner“ dann noch eine Stunde. Wie Figura zeigt, hat sie sich von den Strapazen der Reise erholt. Und während es in der Schweiz für richtiges Reiten kaum Platz mehr gibt, hier kann sie sich in den Weiten der Anden wie eine Amazone austoben.

Weisst du, zu meinen Zeiten war eine Kochlehre Bestandteil einer umfassenden gastgewerblichen Ausbildung und „gehörte“ sozusagen dazu. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Der Lehrmeister konzedierte, dass man bei ihm weniger kochen lerne, dafür umso mehr arbeiten. Was, wie man sieht, auch sein Gutes hat.

Die Sprache hat mich von Kindheit an fasziniert, als Waffe zur Gegenwehr, um sich mit ihr, mittels ihrer und dank ihr zu amüsieren. Obwohl, amüsant war das nicht immer. Warum weibliche Mitglieder der Familien unserer Väter als Sache „es“ bezeichnet wurden, vermochte mir niemand je zu sagen: „S’Elsbeth isch halt tüchtig, es hätt……“ Das war wohl eher liebevoll als frauenfeindlich gemeint, allgemein gebräuchlich war sonst das persönliche „sie„: D’Elsbeth isch tüchtig, sie hätt….! Ich pflege keine Professoren-Sprache, das wäre kein Kompliment, weil die Sprache von Professoren überwiegend schlecht ist. Trotzdem, Schweizerdeutsch als nur gesprochener Dialekt funktioniert halt auch mit der Elision, dem Weglassen von Vokalen. Oder meint: Man sagt nicht „Diä Elsbeth“, sondern eben „d’Elsbeth“. Weil sich sonst auch im nur gesprochenen schweizerdeutschen Dialekt wie in in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch oder sonstigen Sprache „Misstöne“ oder Kakophonien ergeben. „Die Elsbeth“ in Hochdeutsch funktioniert hingegen hörbar, auch wenn das für den Deutschschweizer (erneut) befremdlich klingen mag.

Das eben. Oder damals wie heute gestelzt Wirkendes „vom“ kultivierten Tante Bethli, die in der Runde der Tanten verkündete, man solle (oder wolle) über („dem“) Erika den Stab nicht brechen (immer die arme Erika!!). Mir als Kind schien nur schon bedrohlich, dass wenigstens die Absicht bestanden haben musste, der Erika bis zum Zerbrechen des verwendeten Stecken auf den Lockenschopf zu geben.

Als Ablenkung während schlafloser Nächte schaue ich mir auf dem Tablet neuerdings Videos an. Da inhaltlich voraussehbar und somit nervenschonend mit Vorliebe „ZDF-Herzkino“ und seine Rosmarie-Pilcher-Folgen. Höchstens vom Blick von hohen Klippen, von wo vermeintliche und tatsächliche Paare immer wieder aufs weiter Meer hinunterschauen, werden mir manchmal die Knie weich. Weil Erika bei mir immer „dran“ kommt, widme ich ihr demnächst das Drehbuch für die letzte Szene einer Südthurgauer Pilcher Adaptation der Sechzigerjahre.

Fortsetzung folgt also demnächst, liebe Grüsse

Markus


Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Brief an Tscheff zu Elektroautos und mehr….

Das ist ein Motorrad, das auf der Rückfahrt von Buenaventura neben uns her tuckerte. Leider nicht erkennbar das gottergebene Huhn, das im Plastiksack auf dem Schoss des Lenkers mitreist.

Ciao Don Rotscher

Mittlerweile ist doch schon ein Jahrzehnt ins Land gegangen, seit man uns das Elektroauto als der Weisheit letzter Schluss für eine sauberere Zukunft angedient hat. Jetzt scheint dem aber plötzlich nicht mehr so und wird wissenschaftlich bestritten. Diese Behauptung hat wiederum den Volkswagen-Konzern, der sich mit Haut und Haar dem Elektroauto verschrieben hat, zu einer Gegenanalyse veranlasst. Diese relativiert die festgestellte Unnützlichkeit der Elektro-Gefährte dahingehend, als dass sich deren Nachteile nach einer Fahrleistung von Hunderttausend Kilometern in einen Vorteil wandle. Soviel Kilometer seien nötig, damit sich die Waage von Umwelt-Justizia dem Elektrogefährt zuneige. Ist es vorstellbar, dass Batterien eine Kilometerleistung von Hunderttausend gar nie erreichen werden? Oder gibt im dem Fall VW den Kritikern des Elektroautos indirekt recht? Spannend ist derweil zu hören, dass das Schwer- und Gegengewicht Bosch in Brennstoffzellen investiert.

Die Menschheit mag in Sachen Computertechnik Triumphe feiern, aber keine Geiss schleckt weg, dass wir immer noch mit derselben Uralt-Technik unterwegs sind, die in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts als innovativ gelten konnte. Wenn ich mich richtig erinnere, war man vor Jahrzehnten auf Binnenflügen in Latein-Amerika problemlos mit Flugzeugen des Typs Boeing 737 unterwegs. Unangenehm überrascht nimmt man nun zur Kenntnis, dass dasselbe Flugzeug neuester Machart grosse Mühe bekundet, sich in der Luft zu halten. Eine kostensparende Art von „Avionik“, die ansonsten den Transport der Menschen-Massen durch die Luft erst ermöglicht hat. sei unter anderem daran schuld. Sowohl Boeing wie Airbus nehmen für ihre technischen (Fehl)-Leistungen gar noch Subventionen in Empfang. Nachdem Airbus seinen Albatros A380 als Flop wieder abtakeln kann, wurde diskret nach der Rückgabe der gewährten Unterstützung gefragt. Aber nein doch, die Zeitläufte hätten sich halt geändert, die Zeit des Grössenwahns vorbei. Dass Boeing nun das vielfach kostengünstig wieder aufgewärmte 737-Guetzli als „Gegenmodell“ buchstäblich auf den Grind fällt, ist eine Ironie des Schicksals. Der Dottore wird’s Häme nennen!

Henun, Don Rotscher, bisher nahm ich an, 4G-Mobiltechnik sei das erstrebenswerte Mass der Dinge, und an den wenigen (Ballungsräumen)-Orten Kolumbiens, wo man in den Genuss dessen kommt, scheint mir das unter wohlmeinenden Umständen rasant zu funktionieren. Über 5G brauche ich mich insofern nicht zu erregen, da voraussichtlich über Jahre hinaus nicht damit konfrontiert. Es sei für das Internet der „Dinge“ und für die selbstfahrenden Auto. Aber irgendwie scheint mir das ein Selbstläufer. Der Nutzen scheint zu angeblich, die Amis wähnen dafür, dass ihnen mit den Chinesen Konkurrenz beim Schnüffeln erwächst. Es ist in dem Zusammenhang die Feststellung interessant, dass die Börsen anscheinend weniger auf Wirtschaftswachstum, als auf die Einsparung von Arbeitskräften spekulieren. Mit all den einsparbaren Fahrern liegen da wieder viele Milliarden drin.

Google und Apple werden kaum fertig damit, sich davon zu überzeugen, dass ich ich bin. Mit Microsoft habe ich keine Erfahrung (mehr), aber dem Vernehmen nach funktionieren die wenig perfekten Dienstleistungen, die MS (wieder) zum grössten Unternehmen der Welt machen, ebenfalls ziemlich hakelig. Aber wenn damit Genüge getan ist: „More power to you!“

Ich habe ja nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich den Streaming-Dienst von Apple schätze. Mittlerweile habe ich auch mitgekriegt, dass man sich die Musik auf’s Handy lädt und sie so auch dann spielt, wenn das Internet ausfällt. Ich bin Fan der dirigierenden Ungarischen Fischer-Brüder. Von Adam hatte ich bei Radio Swiss Classic Sprengsel von Haydn-Sinfonien gehört, die mehr als bruchstückhaft zu hören mir erstrebenswert erschien. Mit etwas Ausdauer liess sich das auch bei Apple finden. Allerdings ist dieser Haydn bei Apple nur als Gesamtaufnahme verfügbar. 36 Stunden oder 414 canciones lang dauere sozusagen das orchestrale Lebenswerk des Herrn Haydn, das in Minutenschnelle und sozusagen am Stück auf dem iPhone landete. An dessen Speicherauslastung änderte sich nichts Spürbares. Auf LP würde das wahrscheinlich ein ganzes Gestell füllen.

Bald mehr und herzliche Grüsse

Markus

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Brief von der Cousine

Lieber Markus

Herzlichen Dank für Deine Zeilen, die ich wie immer geniesse. Hast Du denn Werbung gemacht, dass Du jetzt Gäste hast? Ja, warum nicht, umso besser dass es ihnen gefällt. Ich nehme an, dass Du sie bekochst. Deren Ausflug ist auch ins Wasser gefallen, wie bei uns. Wir haben seit letzten Donnerstag Dauerregen, gestern schüttete es sogar grausig, begleitet von Blitz und Donner. Die Osterurlauber schleichen vermummt und mit eingezogenen Köpfen umher. Hie und da bläst es Einem den Schirm fort. Dann muss ich, so boshaft wie ich bin, immer lachen. Das tragische für mich ist, dass ich letzten Montag Terrasse und rundum Blütenstaub, Piniensamen und anderen Dreck gefegt und geputzt habe, Sonnenschirme platziert, und einfach alles schön gemacht habe auf Ostern. Jetzt regnet es Saharastaub und alles sieht schlimmer aus als vorher. Das Auto sieht aus, wie wenn jemand draufgeko… hätte. Da werde ich wieder einen Tag beschäftigt sein.

Wenn ich jeweils Deine Berichte lese, die ganzen Texte in Deiner gehobenen Ausdrucksweise frage ich mich immer warum man Dich zu einer Kochlehre verknurrte. Oder hast Du Dir die Professorensprache erst später angeeignet? Manchmal öffnet man ja den Knopf erst später. Im Sprachen lernen hattest Du ja auch keine Schwierigkeiten. Deine Gedanken, wie man in der deutschen Sprache (Geschlechtertrennung) gewisse Wörter ändern könnte, finde ich gut. Ich finde es sowieso blöd immer dieses „Innen“ hinten anzuhängen. Was mich heutzutage stört, sind die Abkürzungen. Für Alles und Jedes werden nur noch Abkürzungen verwendet, oftmals weiss man gar nicht, was es eigentlich bedeuten soll. Ich bilde mir ein eigentlich ein, noch „up to date“ zu sein, aber offenbar ist es das Gegenteil. 

Ich amüsierte mich, wie Du mit Deinem Traktor den Rückzug antreten konntest. Du bist in jeder Beziehung gut ausgerüstet. Da können Deine Gäste noch Erlebnisse mit nachhause nehmen. Besser Steine im Weg als bewaffnete Typen. Nur  hätte es bei bewaffneten Typen wahrscheinlich keine „Gaffer“. Es wird auch hier so sein, dass Steine runtergefallen und Mauern eingestürzt sind. Gesehen habe ich noch nichts, war noch nicht unterwegs. 

Du hast aber viele Kaffeemaschinen, gibt es die alle in Colombia zu kaufen? Für feinen Kaffe muss ich mir bei Dir jedenfalls keine Sorgen machen.

Am 28. April ist es bereits ein Jahr seit dem Cousinentreffen in Wil. Cousine Ursula hat Pech gehabt. Sie hatte einen Darmdurchbruch, ein paar Operationen und Reha, nach drei Monaten nochmals Operation für die Rückbildung. Das Problem ist dass ihr Mann Alzheimer hat, und so ist ihr Leben geprägt von Sorgen. Ich bin dankbar für meine Gesundheit und freue mich jeden Morgen wenn ich wieder gesund aufstehen kann, man weiss ja nie wie lange.

Du kriegst wieder Besuch von Helene, da freust Du Dich sicher. Ich finde es schön, dass sie Englisch-Unterricht geben wird.

Lieben Gruss bis zum nächsten Mal, Elsbeth

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar