Der Dottore zu Versorgungsengpässen bei Medikamenten

Ciao Direttore

Hier ist die zweite Hitzewelle angekommen. Der Mais ist von Kleinvögeln und Insekten begehrt, auch von Feldmäusen, -aber du hast ja Katzen! 

Freut mich sehr für J.P., was du berichtest. Leidenschaft für das Produkt, Fachwissen, Felderfahrung und Engagement sind mit Sicherheit gegeben: also möge die Saat so aufgehen, wie er sich das vorstellt.

Die Versorgungsprobleme bei Medikamenten und Impfstoffen haben viele Gründe. Schlampigkeit in der Verwaltung des Bestands, so wie es unsere Argentinische Freundin mit gebrochenem Arm wegen fehlendem Gips im Spital erfahren durfte, passt nicht ganz in unsere Vorstellungen. 

Welche Folgen Medizinalskandale auf die behördliche Reglementierung(swut) haben und diese wiederum auf die Produktion und Verfügbarkeit von Medikamenten, ist undurchsichtig. Die EU hat jüngst strengere Zulassungs- und Zertifizierungsrichtlinien beschlossen. Nach letzteren muss oder müsste beispielsweise ein mittelständisches Deutsches Familienunternehmen, erfolgreich spezialisiert im Bereich von Spezial-Gelenkprothesen, die nur in Kleinstserien hergestellt werden und seit Jahrzehnten bewährt sind, für diese sowohl Zulassungen als auch Zertifizierungen komplett neu einreichen. Diese neuen Richtlinien gelten rückwirkend und nicht nur für neue Produkte. Diese strengeren Auflagen führen zu Flaschenhälsen bei den Zertifizierungsstellen, von denen es zu wenige gibt. Da operativ ob der zu geringen Serien nicht umsetzbar und weil sich Kleinstserien nicht rechnen, werden diese Produkte vom Markt verschwinden. 

Die Globalisierung hatte dazu geführt, dass viele Produktionsanlagen nach Fernost ausgelagert und so konzipiert wurden, dass sich mit ihnen unterschiedlichste Medikamente herstellen lassen. Allerdings mehrheitlich sequentiell (eins nach dem anderen) als parallel (mehrere gleichzeitig). Wenn also der Bedarf für ein bestimmtes Produkt zu tief eingeschätzt wurde, kann nicht einfach die Produktion erhöht werden, sondern es muss ein neues „ordentliches“ Produktionsfenster abgewartet werden.  

Nebulös ist mir, auf welche Art die Pharmariesen dabei von Subcontracting Gebrauch machen. Dass die Subcontractor aus Gewinnsucht unterschreiben was kommt und die Zertifizierung entsprechend „suggestiv halluzinatorisch“ ausfällt, verwundert wenig. So kommt es zu Verunreinigungen und Fehlern bei der Rezeptur (unter anderem letztes Jahr bei einem vielfach verwendeten, den Augendruck-senkenden Wirkstoff), die zu Rückrufen und Versorgungsengpässen führen.

Wie sich unter anderem die Ausbreitung der Tigermücke in neue Gebiete auf den Bedarf an BTI- Granulat, Mückenspray, Mückennetzen für das Bett oder Fenster-Mückenschutzeinlagen auswirkt, könnte sich zu einem Spezialfall der Versorgungsproblematik (Thema neue Krankheitserreger) entwickeln. Ein weiterer Fall sind wirkungslos gewordene Medikamenten wie zahlreiche Klassen von Antibiotika (wo ein Engpass entsteht, wenn kein Ersatzprodukt vorhanden ist oder dieses nur noch in absoluten Notfällen benützt werden darf).

Der Zugang zu Medikamenten kann aus wirtschaftlichen, gesundheitspolitischen,  machtpolitischen oder gesetzlich-moralischen (z.B die Sterbe- oder die Abtreibungspille) Gründen ganz oder teilweise eingeschränkt sein. 

Umstritten ist, ob und wie weit alle von den Ärzten verschriebenen Medikamente notwendig sind. Entsteht eine Versorgungsknappheit erst durch übertriebenes Verschreiben? Oder die Wechselwirkung von X-Medikamenten gleichzeitig über längere Zeit für verschiedene Übel eingenommen – unabhängig von meheren Göttern in weiss verordnet. Die Beipackzettel künden von möglichen und beängstigender Nebenwirkungen, aber wer verfügt tatsächlich über das Wissen und die Erfahrung im Überblick der Nebenwirkungen? Interessiert das überhaupt noch? Und was ist mit all den gefälschten Medis, den falschen Apothekern, Chiropraktikern, Zahnärzten und Ärzten?

Was, wenn die „Versorgungsscherheit“ die neuste Masche der Lobbyisten wäre, um die Wertschätzung und Preise von Produkten und Leistungen neu zu positionieren? Um so dem Preisdruck durch die Behörden auszuweichen. Mit dem Schüren der Angst um Versorgungsknappheit lässt möglicherweise „Sicherheit“ teurer verkaufen. Also „Marktpreise“, die sich am künstlich verknappten Angebot und oder einer steigender Nachfrage orientieren?

Ob es auch für die Graf-Litscherische Placebo-Komplementärmedizin Versorgungsengpässe gibt? Auch ein Sugus, Gugus oder Humbug will offenbar seinen Preis haben, weil was nichts kostet, nichts wert ist!

Buona giornata

F.

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Die Cousine in Spanien zu Kreuzfahrten und Avocados

Du hast doch wohl auch ein Móvil? Könntest Du mir nicht die Nummer mitteilen, dann könnte ich Dir hie und da ein Foto senden, sofern ich mal eines habe, das es wert ist.

Soeben las ich Deinen letzten Eintrag. Ja! die Kreuzfahrtschiffe, also ich bin kein Fan davon. Vor ungefähr fünfzehn Jahren machte ich meine erste, eine Mittelmeerkreuzfahrt. Die gefiel mir, obwohl schon damals eigentlich sehr viele Passagiere drauf waren. Die Landgänge waren schön. Zehn Jahre später machte ich die Zweite, organisiert vom Schweizerclub. Die war der blanke Horror. Eine schwimmende Stadt mit etwa 4500 Passagieren. Die Landgänge waren zu kurz und für das, was sie boten auch zu teuer. Bei schönem Wetter auf dem Deck einen Liegestuhl zu finden, im Pool zu baden oder Wirlpool benutzen konnte man vergessen. Nach dem Nachtessen konnte man durch die Bars flanieren, nur liess sich nirgends ein Sitzplatz eigentlich. Die Reisequalität hängt natürlich davon ab, welche Preisklasse man bucht, notwendigerweise halt eben dort, wo Kreti und Pleti nicht mithalten können. Diese Schiff, es war vor 4 Jahren, ist zwar sehr schön und edel ausgebaut. Ursprünglich war es noch von Gadaffi in Auftrag gegeben worden, und als der seinerzeit dann aussortiert wurde, kaufte eine italienische Gesellschaft das halbfertige Schiff (Name habe ich vergessen), die es für ihre Zwecke- um und ausbaute. Das noch von Gadaffi eingeplante Haifisch-Aquarium wurde dann weggelassen!! Mit der Umweltverschmutzung ist auch noch so eine Sache, aber ich glaube schon, dass man jetzt da am Umdenken ist.

Deiner Meinung über die Tatortkrimis kann ich nur beipflichten. Klar, es gibt hie und da mal einen, der sehenswert ist. Aber immer die schreckliche Musik, besonders für jemanden der Hörprobleme hat, zudem sprechen die Schauspieler heutzutage oft nicht mehr deutlich und verschlucken die Hälfte.

Hab ich Dir schon erzählt, dass mir mein Kühlschrank mitten in der grössten Hitze den Geist aufgegeben hat? Das ist ein eingebautes riesiges Möbel, oben Kühlschrank, unten Tiefkühler. Man eröffnete mir, dass gute drei Wochen Lieferfrist. Ja, sagte ich, dann kommt der August, wo ohnehin nichts mehr läuft, schöne Aussichten! Die haben sich jedoch Mühe gegeben und alles etwas zügig organisiert. Letzten Freitag wurde er geliefert. Die ganze Technik ist ganz anders, moderner und gut durchdacht, ein grosser, aber erfreulicher Unterschied zum alten.

Hast Du auf Deiner Finca auch Avocados? Die habe ich sehr gerne, aber leider ist es hier Glücksache, mal eine gute zu finden. Meist sind sie steinhart, dann behalte ich sie zwei Tage, aber dann haben sie schon braune Stellen. Überhaupt ist es doch mit vielen Früchten dasselbe. Pfirsiche kaufe ich schon lange keine mehr, aussen sehen sie schön aus, sind aber auch noch hart, und inwendig beim Stein sind sie schon braun. Da ziehe ich die Paraguayos vor. 

Wir mussten hier eigentlich lange auf den Sommer warten, aber plötzlich kam er dann mit seiner ganzen Kraft. Jetzt ist es heiss. Arbeiten muss man entweder morgens sehr früh oder abends. Tagsüber schleiche ich möglichst nackt im Haus rum. Also, jetzt beim Schreiben bin ich angezogen! Die Pflanzen brauchen viel Wasser. Wie ist es eigentlich bei Dir mit dem Wasser, habt ihr keine Probleme damit? In der Gemeinde Benissa, wo ich wohne, haben wir gutes Wasser, das kommt aus dem Bergen und ist trinkbar. 

Nachdem ich sechs Wochen einen erfolglosen Telefonkrieg geführt habe, hat sich die Sache jetzt eingerenkt. Das heisst, mein Informatiker hat meine Hilferufe erhört und hat mir eine gute Sache gebracht. Der Anbieter heisst Hotspot, der Router ist von Huawai. Ist nur schade, jetzt wo ich ein gutes Telefon habe mein Gehör nicht mehr so ist, wie es sollte. Ja nu, man kann bekanntlich nicht alles haben. 

Ich freue mich wieder auf Neuigkeiten deinerseits, vom Zwirbelbart, der Hellseherin usw. Hat sich beim angesprochenen Baum schon etwas geregt?

Heute abend, aber erst wenn die Sonne weg ist, gehe ich mit einer Kollegin in die Altstadt Tapas essen.

Liebe Grüsse, Elsbeth

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Diskussion mit dem Tscheff von wegen Übersinnlichem

Ciao Rotscher

Es ist ganz klar, du bist nicht der richtige Ansprechpartner für das „Unheimliche“, dass du deine Antwort mit riverrafting oder ähnlich beschliesst, lässt darauf schliessen, dass du für die Subtilität des Unheimlichen keine Sensorium hast. Als Ehemann einer Ungarin! Nun, ich werde trotzdem an deine Gattin gelangen, in allem Anstand natürlich, und sie an die seinerzeitige Visite auf dem Hof des Brandmalgezeichneten Vater erinnern, wo ihre Einschätzungen unmittelbar zukunftsschwangere Bedeutung erlangten. Also, man hat’s oder eben nicht; du hast es nicht! Zum Beweis: Du erinnerst dich an die an dieser Stelle aufgeführte Aussage der Sehenden Indiofrau Chasoy, dass auf der Finca Singapur ein Schatz lagere und dass böse Mächte mir den zu entreissen trachteten. Und weil kurz zuvor im Hexenhaus, was die zum Quartier gewordene ehemalige Rosstränke ist, vom Schwarzen Fredy, hierzulande „Negro Fredy“ genannt, eine Bibel hinterlassen wurde. Die war, wie dir nicht erinnerlich, bei den Psalmen, „der Herr wird dich erquicken“ aufgeschlagen. In meiner alerten Art war mir sofort klar, dass nicht meine Erquickung Ziel dieses biblischen Anschlags war. „War das wieder dieser Schwarze?“ frug die eigentlich wegen eines unfruchtbaren Baumes beigezogene Chasoy und ich bejahte erregt. Dies in der Überzeugung, sie beziehe sich auf Negro Fredy. Aber….

Letzten Samstag, ich hatte es mir nach Abgang des Personals gerade mit einem Glas Wein auf der Terrasse annehmlich gemacht, fuhr ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse durch die Einfahrt vor. Diesem entstieg -oder besser: wuchs aus diesem hervor- derselbige Monostatos. Abgesehen davon, dass ich es nicht mag, wenn ungefragt durch das offenstehnde Einfahrtstor gefahren wird: Mir war, bevor ich seine Gesichtszüge identifizieren konnte, fast ein wenig unheimlich. „Ooolllaaa Markus“ rief schleimig der hochaufgeschossene Mulatte, der nichts mehr mit dem Bürschchen gemein hat, das mir vor Jahren zur Unterstützung anempfohlen worden war. Er zeigte mir Fotos von seiner provinzübergreifenden Tätigkeit bei einer grossen Heimmarktkette. Und auch Fotos, wo glücklich blickende Mitarbeiter in Incentiv-Hühnerwadeln beissen. Andere zeigten ihn wiederum als geschmackvoll gewandeten Manager an einer Unternehmensveranstaltung. Auf besagten Fotos lächelt er gutaussehend-strahlend in die Kamera, derweil er mir in Realität mit unruhig schielenden Augen um sich zu blicken schien. Ob er Kräuter suchen gehen dürfe, fragte er in Richtung Kaffeehain deutend. Die Frage schien mir wenn nicht unheimlich sogar alarmierend, und ich war froh, die Flasche für die Abwehr des Bösen auf dem Küchenbuffet zu wissen. Sag einmal, sagte ich, um was geht es und was für Kräuter willst du dort suchen? Die Antwort fiel unbefriedigend aus. Während dessen fiel mir ein, dass sich die Chasoy anlässlich ihrer Weissagung wohl auf einen Schwarzen bezogen hatte, der Böses im Schilde führe, aber nicht spezifisch auf Negro-Fredy. Und schwarz ist Monostatos ja auch, zwar deutlich heller als beispielsweise Obama, aber es gibt wie man weiss Nuancen der Schwärze. Da sehe man wieder, entgegnete der Monostatos, dass ich mein Misstrauen gegenüber zuneigungsvollen Kolumbianern immer noch nicht abgelegt habe. Ich pflichtete ihm bei, froh ihn wieder abfahren zu sehen. Dafür war nachdem hier frühen Einnachten die Unheimlichkeit da, wenn sich im Widerschein des Mondlichts die aufgehängten Orchideen drehen, man im Augenwinkel jemanden vorbeischleichen glaubt. So kam es, dass ich dem Vermeintlichen ins Halbdunkel nachrief: „was willst du“ und Paco mir wedelnd entgegen kam. Er legte mir mit dem lächelnd scheinenden Gesichtsausdruck eines Schäferhundes seine Riesenpfote auf die Hand. Ich hingegen musste laut herauslachen, weil mir in den Sinn kam, dass ich der alten Grete einmal ins Zimmer geschrien hatte: „weiche von ihr, Satan!“ Und sie verängstigt ihre Widerborstigkeit für mehrere Tage verlor. Überhaupt war die Chasoy ursprünglich herbestellt worden, um der Frau Grete den Weg zurück zu erleichtern, wo sie nach Aussage der Chasoy noch immer nicht angekommen ist. Trotz des beissenden Weihrauchs verklärten sie ihre Züge wie zu Zeiten, wenn sie nach den routinemässigen Besuchen bei ihrer Oerlikoner-Ärztin mir deren Privatleben haarklein schildern konnte. Ich ersparte ihr die Demütigung, dass mein Coiffeur – wenn auch nach anderer Tariftabelle- dasselbe mache. Sicher stammte der nicht aus akademischen Kreisen, aber die ich fand die haarsträubenden Krisen seiner Homo-Ehe alleweil amüsanter.

Angesichts Dodo’s wiederaufgefrischten Land-Cruiser wurde ich sehr nostalgisch. Die Pagodenform erinnert an mein seliges „Gartehüsli“, auf das du verächtlich herunter zu sehen pflegtest. Obwohl es sich mit seinen 75 Pferdestärken und Zweigang-Overdrive von agilen Fahrern auch sehr sportlich fahren liess. Ich muss also mein Ansinnen revidieren, mit dir im Land-Cruiser 200 nach Feuerland zu fahren. Weil ich Machtentfaltung auf der Strasse weniger brauche, kaufen wir uns hier je nach Bedarf eine oder zwei dieser Land-Cruiser-Art aus dem letzten Jahrtausend, von denen es hier noch massenweise gibt. Und ohne die lästige Elektronik. Der Pianist ist sogar mit dem Motorrad bis Feuerland und zurück gebraust. Allerdings mit einem Landstrecken-Apparat und nicht auf dem roten Feuerstuhl. Was übrigens keine Sache sei, einmal aus Kolumbien heraus, habe man das Schlimmste in Sachen Strassen bereits hinter sich. Zwischendurch werde ich den Volant selber übernehmen und wie zu Zeiten der Armut von Hand schalten, um dir ein wenig Angst einzuflössen und so die Hackordnung gewahrt bleibt.

Verfügt der Dodo über das notwendige Gerät, um seine Bartfrisur immer millimetergenau herzurichten? Die gibt es auch mit Batteriebetrieb, sodass er auch auf einer langen Reise abseits der Landstrasse immer begehrenswert wäre. Ich brauche das nicht, ich habe meinen Charme, gell!

Liebe Grüsse speziell an deine aufgeklärte Ehefrau

Markus

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Antwort von Tscheff zum Übersinnlichen

Tschau Schtüngge!

Mit dem Aberglauben verhält es sich wie mit der Religion, entweder man glaubt daran oder eben nicht. Beides ist meiner Meinung nach identisch und auch unter der Bezeichung Humbug bekannt.

Würde grad noch fehlen, dass Du meine Frau Gemahlin dem Dunstkreis von Wahrsagern und Hexen näherbringst, habe ich doch selber schon genug damit zu tun, ihr all den esoterischen Quatsch auszureden, den sie sich per YouTube und Hörbüchern reinzieht! 😊

Unheimlich ist vielerlei. Das Bad im Meer, nachdem man den weissen Hai einmal gesehen hat, die Prophezeiung einer zahnlosen Indio-Frau auf Coca oder eben auch die Erzählung meines Jungendfreundes, welcher einst an einer Seance teilnahm, die vorgeblich aus dem Ruder lief, weil er von einem Nachttischli verfolgt aus dem Hause des Mediums flüchten musste.

Ich habe mich als Kind davor gefürchtet, meinem Vater das Bier aus dem Keller zu holen, vor allem, weil es dort unten muffig und schummrig war und unter uns Gleichaltrigen schaurige Geschichten vom schwarzen Mann (nein, kein Afrikaner!) kursierten.

Die meisten mir bekannten Menschen würden nächtens keinen Wald durchqueren, am allerwenigsten ohne Begleitung. Die meisten haben Angst vor Spinnen und Schlangen, fahren dafür aber tagtäglich im Stadt-Zürcher Verkehr zur Arbeit, oftmals sogar mit einem Überschall-E-Velo.

Man muss standhaft bleiben und all diesem Mist die Stirne bieten und das Gruslige nicht noch heraufbeschwören (hrhrhrhr)! Wenn Du also nur für den Nervenkitzel und aus lauter Langeweile zur Zigeunerin pilgerst, dann bleibt mehr hängen als nur die klebrige Hanf-Tinktur! Ob Du willst oder nicht, dein Kopfkino vollendet danach noch den Rest und Jahre später endest Du dann doch noch unter dem Tram, nur weil Dir das eine räuschige, irre Alte dies einmal als Schicksals-Option angeboten hat.

Unheimliches und Schauriges findet im Kopf statt, allein mit vegetativem Nervensystem würdest Du wohl mit ausdruckslosem Gesicht über Klippen springen, unerschrocken Javelwasser saufen und / oder dubiose, zwirbelbärtige Amerikaner in deinem Airbnb einquartieren.

Also, mach Dir keinen Schrumpfkopf und vergiss das Unheimliche – und das unheimlich schnell!

Zum Thema Helm fällt mir ein, dass ich als Töfflibueb auch konsequent ohne Helm unterwegs war. Es war einfach lässiger. Bis ein guter Kamerad bei einem Motorradunfall einen tödlichen Unfall erlitt. Mit Helm hätte er es gut überstanden…! Heute sehe ich es eher so: wer wenig Hirn hat, muss dieses auch nicht unbedingt schützen. Wer verschwitztes Haupthaar nicht in Kauf nehmen will, sollte besser aufs Motorradfahren verzichten.

Auf unserer Kolumbien-Tour hätte sich uns Gelegenheit geboten, auf Lastwagenschläuchen einen Fluss hinunter zu «raften» (mit Helm, Schwimmweste und allem PipaPo). Die Anfahrt zum Startpunkt hingegen hätte nur als Sozius auf einem Moped unternommen werden können, auf Grund der Erfahrungen, welche wir auf der Hinfahrt mit zahlreichen lebensmüden Biker machten, verzichteten wir gerne auf den Spass…

Jeder setzt seine Prioritäten eben anders.

Grüsse aus Ungarn

Don Rotscher Dein Tscheff

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An den Dottore von wegen Zitrusbäumen und anderem

Ciao Dottore

Die Finca Singapur ist halt kein königlicher Garten! Nun, im Ernst, die Bäume sind halt vernachlässigt worden, weil sie ökonomisch keine Rolle spielen. Diese Uralt-Pflanzen wie Rosen und Zitrusbäume in Palastgärten werden hingegen gehätschelt. Aber keine Angst, wir hätscheln auch, ich habe auf deine Beunruhigung hin Nachschau gehalten, (ich hätte das vorher machen sollen!) das Pflanzen von Bohnen und Mais vor kurzem wirkt und scheint auch weit Hang abwärts Wirkung zu zeitigen. Paradise regained. Und vom Schwimmbad her gibt es elektrisch und Wasser, sodass der Pilz probeweise mit der Hochdruckspritze entfernt werden kann. Ansonsten muss er weggebürstet werden.

Ja, und das ist nicht die einzige gute Nachricht, oder hast du schon gehört, dass J.P. im selbigen London die Lancierung einer italienischen Cafeteria-Kette kaffee-technisch (einschliesslich Rösten und allem) übernimmt. Und wenn ihm Johnson einen Strich durch die Rechnung machen sollte: Ab September tritt er ohnehin in den Adelstand als Q-Grader, offizieller Qualitätsbeurteiler also. „Höher“ geht es dann nicht mehr, es sei denn, ich würde ihn noch als „sole distributor of Finca Singapur reserva“ erheben. Aber da ist er mir immer noch zu wenig demütig…..! Nein, im Ernst, eigentlich ist das ja nur die logische Folge seines konsequenten Engagement für die „Sache“, für mich sind Krumen ja nicht nur mit dem Kaffee abgefallen, sondern auch mit vielem andern. Er hat doch einige Scheuklappen weniger als ich, aber man lernt und lernt. Auch von einen „urban Dictionary“ hatte ich noch nie gehört, ehrlich gesagt von ruralen Hunden auch nicht. Wobei für mich das auch besser ist, ansonsten ich mit meinem Hang für’s Vulgäre prompt jemanden „dickhead“ nennen würde. Aber das ist auf der anderen Seite wahrscheinlich einfach „geil“, man sagt’s ohne zu wissen, was ursprünglich gemeint war. Gehe ich richtig in der Annahme: Sophisto an sich jemand „sophisticated“ wäre und weil er ebenso ist, er in der urban-vulgären Wahrnehmung zum „Schwanzkopf“ wird? Ich möchte nichts verniedlichen, aber mir vorstellen, dass die Sprücheklopfer in der Marketing-Abteilung von BMW das ebensowenig wissen wie ich bisher. Mit der Machtausübung beim Autofahren, ja, das ist dann derart verzweifelt blöd, dass gar das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung erreicht wird. Wie wenn die Thurgauische Nationalrätin und Gattin des EWZ-Sprechers und Bundesberner Lobbyisten für die Elektrowirtschaft, Harry Graf, auf ihrer Web-Seite den Slogan stehen hat, sie sei schon als Kind immer für andere da gewesen. Wurde sie missbraucht? Beiläufig sei erwähnt, dass die Bundesberner Partnerschaft der Gewerkschaftssekretärin Edith Graf-Litscher mit ihrem Gatten durchaus einmal das Einreichen einer Interpellation für die Energie-Wirtschaft darstellen kann. Ansonsten konzentrieren sich die von ihr stammenden auf ihre Aktivitäten als Pharma-Lobbyistin. Eben, immer für andere da! Nähme mich wunder, wie das die ehemalige Konsumentenschützerin, Frau Bundesrätin Sommaruga, sieht. Voll normal?
Dazu kam da die Idee für den Schweizer Tatort als Polit-Thriller mit dem Ehepaar Graf-Litscher, mit anderem Namen natürlich, in der Hauptrolle. Unheimlich sind die beiden ja und ich könnte mir vielleicht einen Teil der Stadt-Zürcher Tatort-Subventionen sichern.

Man glaubt es nicht, Don Arturo ist bereits wieder im Einsatz. Er freut sich über das über meine Kenntnisnahme der Revitalisierung, und ich darüber, dass ich so tun konnte, als hätte ich die Massnahmen nicht vergessen. Im Moment geht gerade ein gemässigter Tropenregen nieder. Und erst noch gnädig ohne furchteinflössendes Donnern und Blitzen.

Bis bald und liebe Grüsse

Markus

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Der Dottore zu „nice che dice“

Buon lunedì Direttore

Musste Don Arturo genäht werden? Ich hoffe, er ist wohlauf!

Hier liefere ich den Wortlaut der Zeilen von M. Küng an BMW zum „BMW Monster SUV“ nach: „Ihr Brachialmodell X6 wird im Prospekt mit folgenden Sätzen und Slogans beworben: „Einzigartigkeit in ihrer dominantesten Form. – Makellose Macht – Geschaffen, um anzuführen. Eine neue Form der Machtausübung.“ Eine wahrhaft problematische Wortwahl. Zur Farbe: „Laut Prospekt ist es „Sophistograu Brillanteneffekt metallic“. Wissen Sie (BMW), wie das „Urban Dictionary“ den Begriff „sophisto“ definiert? „Used as a generic term to describe any dickhead belonging to the middle class“.
Ergo: Die Macht der Wörter oder die Zertrümmerung des Scheins des Scheins*?

Bäume zu schneiden finde ich beunruhigend: Mandarinen- wie Zitronenbäume haben im Januar prächtig geblüht, geduftet und Früchte getragen. Die Fauna (Vögel, Schmetterlinge, Käfer, Impollinatoren, Paco) hatte Freude, Nahrung, Spielzeug und Unterschlupf darin. Die ältesten Zitronenbäume sollen um die 300 Jahre haben und sind in den Orangerien der Königsresidenzen zu finden.

Diderot’s Französisch liest sich doch gut, nicht wahr? Viele elegant hämische und ironische Formulierungen. Kompliment für die Übersetzung.

Angesagt aus aktuellem Anlass wäre anstelle der mittlerweile vulgarisierten Kreuzfahrt die Raumfahrt ! Privatpersonen mit dem nötigen Kleingeld (25 Mio. Franken für einen zwei – dreiwöchigen Ausflug ins Weltall?) dürfen bei der Internationalen Raumfahrtstation ihre Bewerbung einreichen. Wer in die engere Auswahl kommt, muss vorher ein hartes, mindestens dreimonatiges Astronauten Training – schwergewichtig in Russland – absolvieren. Dem Vernehmen nach werfen viele Kandidaten schon nach wenigen Wochen dieses Trainings das Handtuch. Immerhin wird eine beeindruckende Kulinarik angeboten: im Verlauf der Vorbereitungszeit können über 50 gefriergetrocknete (lyophilisierte) Menu-Optionen ausprobiert und jene auswählt werden, die (dem Kandidaten) am besten munden. Dem erfreulichen Geschmackserlebnis im All steht gegenüber, dass sich der Geschmackssinn im Weltall verändere; so hat beispielsweise einem im Kosmos angekommenen Astronauten das Menu auf der Basis von Langusten plötzlich nicht mehr geschmeckt. Selbstverständlich wird man mit der Funktionalität der Toilette (mittels „succion“, also eine Art „Scheiss-Sauger“), der Dusche und dem stehend Schlafen in einen an der Wand fixierten Schlafsack vertraut gemacht. Die persönliche „Kabine“ entspricht in etwa einem etwas grosszügigeren Garderobenschrank mit Falttüre. Pro Woche hat man Anrecht auf ein Set an Kleidung. Verlorenes lässt sich zumeist nicht mehr auffinden (Schwerelosigkeit). Klettverschlussband und Klebeband seien daher wichtigste Grundutensilien.

*Unheimlich kommt mir da und dort das Sprach- und Gedankengut in Nietzsche’s „Geburt der Tragödie“ vor. Mehrere Passagen daraus kamen wohl den Nazis damals wie gerufen oder von diesen gar als eine Aufforderung zum „Handeln“ verstanden. Ein altes Lied des italienischen Cantautore Zucchero trägt den Titel „Nice (Nietzsche) che dice? Boh?!“ (boh bedeutet keinen Schimmer haben). Solche „Boh“ Erlebnisse habe ich bei der Lektüre und andere vermutlich auch. Die Anstrengung der Lektüre wird dennoch mit interessanten und weiterbildenden Passagen belohnt. Der Blick auf die alten Griechen, deren Tragödienwerk, dem Wettkampf zwischen dem Apollinischen (Form, Ordnung) und dem Dionysischen (das Rauschhafte, yin yang (Dao) der Chinesen) und der Einfluss Sokrates (Rationalität, theoretischer Mensch, Wahrheitssuche…). Das Drama der Individuation (Werdegang eines Individuums) mit eben dieser schwierig zu findenden Balance zwischen Apollo und Dionysus, die (nur vemeintliche) Rettung durch Kunst und Kultur. Ein sich fortwährend aufbauender und umhüllender Schleier, der (An)Schein, Schein des Scheins und wiederum das Zerbrechen von all dem, nur um wieder von neuem anzufangen) Bemerkenswert sind die Passagen zur Musik. Wie die dionysiche Urform und Ur-Inspiration sich dem Künstler (Dichter, Maler, Plastiker) als Musik manifestiere und erst anschliessend Bilder, Sprache, Geschichte daraus entstünden. Passt dazu die Beobachtung Borges, dass in der Erinnerung die Stimme eines Menschen als letztes verbleibe bzw. erlösche?

„Könnten wir uns eine Menschwerdung der Dissonanz denken – und was ist sonst der Mensch? – so würde diese Dissonanz, um leben zu können, eine herrliche Illusion brauchen, die ihr einen Schönheitsschleier über ihr eignes Wesen decke. Dies ist die wahre Kunstabsicht des Apollo: in dessen Namen wir alle jene zahllosen Illusionen des schönen Scheins zusammenfassen, die in jedem Augenblick das Dasein überhaupt lebenswerth machen und zum Erleben des nächsten Augenblicks drängen. Dabei darf von jenem Fundamente aller Existenz, von dem dionysischen Untergrunde der Welt, genau nur soviel dem menschlichen Individuum in’s Bewusstsein treten, als von jener apollinischen Verklärungskraft wieder überwunden werden kann, so dass diese beiden Kunsttriebe ihre Kräfte in strenger wechselseitiger Proportion, nach dem Gesetze ewiger Gerechtigkeit, zu entfalten genöthigt sind.“ (Nietzsche, Geburt der Tragödie)

Buona settimana!

F.

PS: „In diesem Sinne hat der dionysische Mensch Aehnlichkeit mit Hamlet: beide haben einmal einen wahren Blick in das Wesen der Dinge gethan, sie haben erkannt, und es ekelt sie zu handeln; denn ihre Handlung kann nichts am ewigen Wesen der Dinge ändern, sie empfinden es als lächerlich oder schmachvoll, dass ihnen zugemuthet wird, die Welt, die aus den Fugen ist, wieder einzurichten. Die Erkenntniss tödtet das Handeln, zum Handeln gehört das Umschleiertsein durch die Illusion – das ist die Hamletlehre, nicht jene wohlfeile Weisheit von Hans dem Träumer, der aus zu viel Reflexion, gleichsam aus einem Ueberschuss von Möglichkeiten nicht zum Handeln kommt; nicht das Reflectiren, nein! – die wahre Erkenntniss, der Einblick in die grauenhafte Wahrheit überwiegt jedes zum Handeln antreibende Motiv, bei Hamlet sowohl als bei dem dionysischen Menschen.

Jetzt verfängt kein Trost mehr, die Sehnsucht geht über eine Welt nach dem Tode, über die Götter selbst hinaus, das Dasein wird, sammt seiner gleissenden Wiederspiegelung in den Göttern oder in einem unsterblichen Jenseits, verneint. In der Bewusstheit der einmal geschauten Wahrheit sieht jetzt der Mensch überall nur das Entsetzliche oder Absurde des Seins, jetzt versteht er das Symbolische im Schicksal der Ophelia, jetzt erkennt er die Weisheit des Waldgottes Silen: es ekelt ihn. Hier, in dieser höchsten Gefahr des Willens, naht sich, als rettende, heilkundige Zauberin, die Kunst; sie allein vermag jene Ekelgedanken über das Entsetzliche oder Absurde des Daseins in Vorstellungen umzubiegen, mit denen sich leben lässt: diese sind das Erhabene als die künstlerische Bändigung des Entsetzlichen und das Komische als die künstlerische Entladung vom Ekel des Absurden.“ Nietzsche, Geburt der Tragödie

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Brief an Tscheff über „Unheimliches“ und fine food

Hoi Rotscher

Motorsägen gehören für mich zur Kategorie des Unheimlichen und das seit eine deren wegen meiner völligen Unkenntnis ein Eigenleben in einem Haselnussstrauch überkam. Don Arturo schwang die unserige triumphierend und sozusagen binnen eines Wimpernschlags lagen altersschwache Zitrusbäume in wohl-geordneten Scheitern am Boden. Mein ungutes Gefühl dabei ordnete ich der geschliffenen Sägekette zu. Oder der Verlustangst, hat doch Don Arturo mit Peperoni, Tomaten und vielem andern geschmacklich und anderweitig beachtliche Erfolge aufzuweisen. Aber die Gefahr lauerte nicht in der Säge, sondern in seiner Aufregung, nach Buga zu gelangen, wo sein Sohn, wie dessen Mitstudierenden mit Doktorhut, zum Hilfspfleger promoviert wurde. Zum Unglück kam es aber nicht der Kette der Säge wegen, sondern derjenigen des Motorrads. Deren Springen aus dem Zahnrad brachte Don Arturo zum Sturz und eine klaffende Wunde am Kopf. Auf das Abklingen des ersten Schreckens folgte in mir der Zorn über den nicht getragenen Helm. Trotz Angehörigkeit zu einer pietistischen Gemeinschaft wurde gelogen, der Helm sei ihm vom Kopf gerissen worden. Was ich wiederum hätte glauben sollen. In meiner Erleichterung habe ich ihm trotzdem einen Zitronenkeks gebacken. Ich weiss ja, und das nicht nur vom Zwirbelbärtigen, dass der Helm in der prallen Sonne das Hirn darunter zum Schmelzen bringt. Tatsächlich möchte ich auch keinen tragen, aber das Leben macht ihn für die einen zwingend.

Zum Zwirbelbärtigen habe ich dir eine erhebendere Geschichte zu bieten. Weisst du, dieser gezwirbelte Schnauz, der ja nur mit Pappe in der Gesichtslandschaft stehen bleibt, erinnert eher an die historische Abbildung eines verwegenen Spanischen Eroberer. Man ist dann fast überrascht, dass er eigentlich ein empfindsamer Pianist ist. Er brachte die ansonsten meistens schweigende Amazon-Alexa dazu, Jorge Bolet mit Franz (Finöm) Liszt auch ohne Amazon-Abonnement aufspielen zu lassen (schwindelerregendes Klavierspiel->Spotify!!). Nett ist nun, das ihn Gott, an den er ansonsten nicht glaubt, nicht nur zur Finca Singapur geführt hat, sondern auch zur Liebe seines Lebens. So hat er dies(e) wenigstens empfunden und die Furcht von mir genommen, er möchte mir geradezu erhalten bleiben. Dazu kam es, als er in Cali auf seinem spektakulären Motorrad zum Christo Rey hinauf brauste, eben der Christus Figur, die von dort den Sündenpfuhl überblickt. Und wie sich der Zwirbelbärtige im Macho-Gewand vom Rad schwang und den Helm vom Konquistadoren-Kopf zog, ja da konnte eine Gruppe Touristinnen aus Bogotá nicht mehr an sich halten. Sie baten ihn, ein Foto von sich zu schiessen. Dem sonderbar sehnsüchtigen Blick einer der Bogotenserinnen vermochte er nicht zu widerstehen. Da war er hier schnell weg und seither mit der Schönen auf der Heimreise. Mir hat er bei Airbnb folgendes hinterlassen:

“I think discovering Mark’s finca was something planned by God. Absolutely beautiful, i have been in a lot of bnb, hotels and houses in South America and i am glad to say Finca Singapur is simply the best. Mark is the coolest dude in Lago Calima!! My belly is so full of delicious food and beer that i am gonna explode. The finishings in bedroom and bathroom are top quality, super comfy bed. I love Paco y Lula, they are the nicest rural dogs i’ve ever seen. I will come back with my family in August. No doubt about that.”

Die Drohung in US-Amerikanischen Automaten Übersetzung muss nicht Realität werden. Trotzdem, das dank vergleichsweiser hoher Preis sich in Grenzen haltende Besuchsaufkommen ist, wie du siehst, eine Abwechslung.

Sven wird sich doch nicht wirklich graue Haare wachsen lassen? Da ist Entspannung nötig, man könne auch das üben. Ich denke, die Frau Csilla weiss da sicher Bescheid. Ich weiss, dass die Lektüre meines Blogs, besonders wenn der Dottore mir „Hafer“ gibt, anstrengend zum Lesen wird. Das vom „Unheimlichen“ vermittelt mir aber viele Denkanstösse, also für mich selber ist das aufschlussreich, auch wenn es die abschliessende Wahrheit nicht gibt. Aber manch „Unheimliches“ möchte man, wenn man es hinter sich hat, nimmer aus seinem Leben streichen. Es scheint beinahe unmöglich, dass deine Gattin die Chasoy näher kennenlernen könnte. Aber es wäre spannend für mich, ihre Meinung zu hören. Nämlich, ob die mindestens oftmals „sehende“ Indio-Frau unheimlich ist, weil sie mir auch Dinge sagte, die ich nicht hören will, oder sie mittels Beängstigung ein Geschäft machen will. Es wird eine Mischung von allem sein. So interessant und durchaus hilfreich sie sein kann, mir ist das jetzt eben „unheimlich“. Durch Regen und Nebel von Popayán nach San Agustin zu fahren, fand ich auch unheimlich. Warum? Es herrscht eine völlig andere Stimmung als bei strahlendem Sonnenschein, grosse Teile der Landschaft bleiben verborgen, obwohl man weiss, dass sie da ist, man sieht es trotzdem nicht. Aber genau das ist hier so „unheimlich“ spannend, die sich in jeder Beziehung schnell ändernden „Beleuchtungen“.

So, das war’s für heute, viel Spass und Entspannung in „weiss nicht mehr, wie es heisst“.

LG

Markus

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Brief an den Dottore zu SUV und Kreuzfahrtschiffen

Ciao Dottore

Ich muss dir gestehen, dass ich noch nie auf Kreuzfahrt war, schlimmer noch, der Kreuzfahtschiffe in natura wurde ich bisher nur in Havanna vom Malecón aus ansichtig, wo sie elegant und majestätisch in die Lagune gleiten. Das ist schon beindruckend anzusehen. Irgendwann möchte ich eigentlich auch auf Kreuzfahrt, einfach um auch zu wissen, wie sich das anfühlt. Wenigstens muss man nicht all zu viel studieren. Und ob man gerade in Venedig, Aruba oder Kapstadt ist, muss wer will zur Kenntnis nehmen. Die Tradition des zeremoniellen „Captain’s Dinner“ wird auch nur noch wegen der Naivität der nostalgischen Massen hochgehalten und braucht einen auch nicht zu belasten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kreuzfahrtschiff zum Albtraum-Schiff wird, oder gar Venedig weg pflügt, ist doch immer noch sehr gering, oder eben abschätzbar.

Da hatte doch vor vielen Jahren jemand die Idee, man könnte Kreuzfahrtschiffe auch als Altenheime ummünzen. Und gar so abwegig schien mir das gar nicht, das „pflegende“ Personal ist grösstenteils und kostengünstig eh vorhanden, Steuern sind keine zu entrichten und Subsidien entfallen dementsprechend ebenso. Aber durchgesetzt hat sich diese Idee zur Entlastung des Sozialstaats ebenfalls nicht, die Kunden wollen eben ihr trautes Stübchen zuhause und auch im Pflegeheim.

Was die SUV’s angeht: Warum sollte es nun plötzlich schwierig zu vermitteln sein, dass sozusagen mehrere hundert Pferdestärken nötig sind, um sich auf der verstopften Autobahn mit dem Geländewagen vorwärts zu bewegen? BMW liegt goldrichtig und ist nicht wie behauptet „angeschlagen“. Die Oberklasse-Kunden werden sich die elektrische Energie für die SUV’s immer leisten können, während es bei der grossen Masse zu einem umweltbedingt erwünschten Clearing kommen wird.

Dass der Stadtrat der Stadt Zürich die Schweizerische Ausgabe des „Tatort“ mit 1 Punkt vier Millionen unterstützen will, hat in Deutschen Landen Aufsehen erregt. Wer weiss, vielleicht wird das Schweizer Tatort-Produkt trotz deutscher Skepsis mittels Zustupf aus der Zürcher Stadt-Kasse plötzlich ein Knüller. Eine konsequent auf Erfolg ausgerichtete Strategie fordert aber auch Opfer. So behauptet der Schauspieler Stefan Gubser -bis anhin im Luzerner Tatort als Polizist abonniert- er sei von Fernsehen SF im Glauben gelassen worden, man werde ihn als Tatort-Polizist verrenten, meint bis zur Pensionierung beschäftigen. Ausserdem sei er sei nicht schuld daran, dass die Drehbücher Scheisse sind. Hoppla! Er müsste das aber aus eigener Anschauung besser wissen, denn seine Kollegin Barbara Wussow ist in der Lage, ein gequältes Lächeln unendlich zu variieren und der Art gar die inhaltliche Öde einer Rosemarie Pilcher-Produktion überbrücken. Die zur Institution gewordenen „Tatorte“ leiden dem Vernehmen nach an inhaltlich weither gezerrten Drehbüchern. Ich kann da nicht mitreden, weil mir entweder die bummsige Musik das Gehör überstrapaziert oder ich ansonsten die Dialoge nicht verstehe.

Wünsche ein wunderschönes Wochenende!

Markus

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Antwort an den Dottore über Schein und Sein

Ciao Dottore

Jetzt hast du meine Bildungsbeflissenheit beinahe überfordert, von Diderot habe ich wohl gehört, aber nicht gewusst, dass es da so eine Art „Don Quijoterie“ von ihm gibt. Ich gestehe, dass ich die Übersetzung aus dem Französischen als ausgesprochen herausfordernd empfand. Sind wir da wieder beim Thema? Der sich ändernde Gebrauch der Sprache? Verwendet dieser Diderot für Jacques ein (damaliges) Französisch des kleinen Mannes? Ich bin mir sicher, dass das für viele Leser der Lektüre zu viel war und es von daher niemand wagen wird, mich für irrtümliche Übersetzung zu kritisieren.

Von wegen grossflächigem Versprühen von Weihwasser muss ich dir widersprechen. Nicht das Ausmass der Kriminalität Buenaventuriense hat den Weg in die Spalten internationaler Blätter geebnet, sondern eben das Unterfangen mit dem Weihwasser. Ich konnte nicht anders, als mich an Uriella zu erinnern, die volle Badewannen zu wundersamen Wässern panschte. Lebt die noch? Und jetzt stell dir den Bischof vor! Auch wenn schon homöopathische Dosen hülfen, von denen heutzutage behauptet wird, dass nein. Trotzdem müssen viele Tanklaster bei der Diözese vorfahren, um das darin enthaltene Wasser geweiht zu machen. Ich meine, damit jede Ecke von Buenaventura ihren Spritzer abkriegt und sich das Böse nicht verstecken kann.

Dem immer wiederkehrenden Zwirbelbärtigen habe ich entgegen seinem Zaudern den Besuch von Buenaventura empfohlen. Und dass nichts dabei ist. Was ja auch stimmt, unsereins ist ja weder hie noch da mit der Mafia beschäftigt, sowenig man gezwungen ist, in New York oder Bogotá in der jeweiligen Bronx zu verkehren. Er kam (zu recht) begeistert mit seinem röhrenden Motorrad zurück. Er hatte auch nach Maguippi übergesetzt und fand nach der Rückkehr seinen Feuerstuhl unversehrt auf dem Parkplatz.

In the quest of Umami, dem Wohlgeschmack, bin ich ein wenig unsicher geworden. Also, meine mittlerweile vergärte Soja-Sauce, wenigstens die erste, die ich bisher verkostet habe, ist eher gewöhnungsbedürftig ausgefallen. Ich würde frei nach Helensche sagen: Hani nöd gern! Auch dieses Miso-Zeug erfüllt meine wahrscheinlich überzogenen Erwartungen nicht. Ich bin ja auch mit mit unseren Bohnen dran. Gestern assen wir Burger aus diesen Feuerbohnen. Don Arturo behauptete, sie seien besser als die aus Kichererbsen. Ein Vorurteil wahrscheinlich. Und die aus fermentierten schwarzen Bohnen sich ergebende Sauce mit gefritteten Zwiebeln, Knoblauch und allem möglichen ist auch noch kein Knüller. Die habe ich versuchsweise noch mit Crevetten und dem Sud aus den gerösteten Schalen der Langostinos angereichert. Das hat irgendwie auch noch nichts Unwiderstehliches ergeben, wenigstens nicht in dem Ausmass, dass man sich dafür umbringen würde. Dem „bisque d’homard“ ging irgendetwas ab, er war mir verleidelig und ich rührte ein Päckchen Maggi-Suppe von Knorr, „Camarón“ genannt, hinein, um das Zeug zu binden. Der Zwirbelbärtige behauptete zu meiner grossen Irritation, dass er noch nie etwas besseres gegessen habe. Was ist aus dem zu schliessen, Dottore? Genau! Mehr Glutamat!! Sogar unter der Ur-Marke Ajinomoto habe ich es in Cali angetroffen (aber nicht gekauft). Spannend die Verteufelung, die man im Internet dazu findet. Es existiert praktisch keine Krankheit, die nicht dem Glutamat zugeschrieben wird. Einfach so, derweil kein einziger begründeter Nachweis dafür existiert. Skeptisch bin ich dennoch. Aber im Grunde genommen handelt es sich unbestreitbar um einen Teil dessen, was sich beim jahrelangen Fermentieren sowieso (noch) bilden müsste. On a l’air con. Und wenn wir schon dabei sind: wenn Nestlé seinen Vegi-Burger unter dem Maggi-Label vermarktet, wären sie ja „back to the roots“ oder „Erbs mit Sago“.

Für den ewigen Veterinär-Studenten hege ich halt nur noch akademisches Interesse. Im Ernst, was soll sich von diesem Taugenichts, was sein Vater ist, Gutes ergeben? Das Mildeste was sich sagen liesse wäre: Er erzählt uns das, was wir gerne hören wollten. Und fand sich selber raffiniert. Aber nun, auch in den sozialen Medien beginnen die Gesichtszüge langsam zu entgleisen, es folgt die Pein (l’embarras!) der geistigen Verrenkungen, die Zuweisung des völligen Scheiterns an das Schicksal, notwendigerweise Rückenschmerzen oder ähnlich, weil sich auch der Körper mitverrenkt. Früher oder später wird auch die grosse und hochverschuldete Finca, von Eingeweihten „die Glyphosat-Wüste“ genannt, das Wirken in und an ihr zurück zahlen. Du wirst mir Zeuge sein: Sie wissen, was sie tun! Entsprechend darf man sich an ihrem Elend weiden. Nur, das mit der Finca könnte für mich zum Bumerang werden, nämlich, wenn ich diesen Scheiss übernehmen müsste!!

Es gibt so viel Erfreulicheres: Auf der Finca Singapur steht eine Unzahl Mandarinenbäume, die wahrscheinlich in einer Zeit gepflanzt wurde, als in Kolumbien die Mandarine angesagt war. Andere Zitrusbäume sind alt und müssen schon vom Auge her ersetzt werden. Der höchstdekorative Toronja-Baum (Grapefruit-Art) mit seinen Fussball-grossen Früchten vermehrt sich anscheinend von selber und hat schon zwei Nachkommen. Mit Helensche war ich ja nach Candelaria gedüst, wo im Restaurant neben der Baumschule dieses furchtbare Essen serviert wurde. Also, diese Baumschule scheint der Ort für Zitrusfrüchte im Valle zu sein. Umso grösser meine Überraschung heute, als mich Don Arturo im Auto auf eine Gärtnerei aufmerksam machte, die ihre „Zelte“ in Restrepo aufgeschlagen hat. Bis vor nicht allzu langer Zeit gab es in Restrepo überhaupt keinen „Vivero“. Ich sag dir: so schöne Pflanzen habe ich ganz Kolumbien noch nie angetroffen. Wir waren in Sachen Motorsägen-Kette unterwegs, die für das Fällen der alten Zitrusbäume scharf sein muss. So viele schöne Bäume habe ich mir gekauft, bis der Traktor voll war und ich freue mich darüber wie ein Kind.

Von wegen Bäumen: Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) hat in Herrliberg eine Anlage gebaut, die nach Aussage desselben soviel CO2-Ausstoss verringert, wie 80’000 (in Worten achtzigtausend) Bäume absorbieren würden. Toll, gell! Erfreulich, dass sich die Goldküstengemeinde Herrliberg dieses Projekt dank Stadtzürcher Stromsparbatzen leisten konnte. Das sind diese Win-Win-Projekte, bei denen es nur Gewinner gibt. So schön: die tun was! Leider kann man da nicht konkurrieren.

Von wegen Bäumen: In Kolumbien wird die Avocado-Krise in Mexiko in der Aussicht lüstern kolportiert, lukrativ in die Mexikanischen Lücken zu springen. An allem sind wieder der Trumpli und seine Superfood und -drogen konsumierenden Landsleute die Ursache. Ach, man erinnere sich meines Freundes mit den unendlich vielen Avocado-Bäumen, seiner flussdurchströmten Plantage, mit soviel Wasser, dass die klammen Mexikaner ins Träumen geraten würden. Der hoffte, ich würde mit ihm mittels einer Ölpresse von Bühler Uzwil in’s Avocado-Öl-Geschäft einsteigen. Wäre ihm damals der Kolumbianische Boden unter den Füssen nicht zu heiss geworden: heute wäre er auch ohne Ölpresse ein gemachter Mann. Obwohl, seine Finca war und ist ohne Grundbuch-Eintrag, wie ich mittels „John Wayne“ herausgefunden hatte. Wem immer sie heute gehört…. , Avocado-Bäume benötigen sehr viel Pflege.

Hier herrscht jetzt dieses „grand Beau-Wetter“, bei dem die Sonne stichig wird man sich auf dieser Höhe vor Sonnenbrand schützen muss. Ich hoffe einfach, dass es nicht allzu lange trocken bleibt.

Viele Grüsse

Markus

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Der Dottore zu entre dicho y hecho u entendido hay un trecho

Buon lunedì Direttore!

Tutto bene?

Im Tagi vom Samstag fans sich eine Notiz über den Bischof von Buenaventura, der mit grossflächigem Versprühen von Weihwasser den Belzebue von Mord und Aktivitäten der „Casas de Pique“* austreiben wollte. Ursprünglich war ein Helikopter für die Verteilung vorgesehen, aber dann sollte ein Feuerwehrwagen die Aufgabe übernehmen. Trist, dass Buenaventura dadurch einer Randnotiz in New York Times, Guardian und Tagi würdig wurde!
*casa de pique: Örtlichkeit der Mafia, in dem einem gekaperten Opfer der „Konkurrenz“ Information abgepresst und dieses anschliessend umgebracht verstümmelt wird. 
Eine ganze Seite hat der Tagi der WUSAWM gewidmet: der Wurst Salat Weltmeisterschaft. Diese wurde von Schweizern vor einigen Jahren ins Leben gerufen und findet Ende Juli mit derzeit 200 angemeldeten Teilnehmern im Baselbiet statt. Im „Tagi Magi“ hat M. Krogerus einen -für mich guten- Text zu „Wie man sich richtig entschuldigt“ geschrieben und Küng einen bissigen Brief an den ehemaligen Vorstandschef von BMW, indem er die Werbung zum neusten und grössten BMW SUV sarkastisch seziert. Ansonsten herrscht Sommerloch, Ferienzeit oder eben Hitze, wegen der das Hirn trotz weitverbreiteter AirCon der schreibenden Zunft den Dienst versagt. 

Vergnüglicher fand ich die Lektüre von „Jacques le fataliste et son maître“ von Diderot. Dies und deine Zeilen zu Don Nico im Blog motivieren mich zu einem Essay:

Variationen zu Don Nicolas.
Der hat mir gegenüber im Januar 2019 behauptet, er habe seine für Kolumbien „bahnbrechende“ Diplomarbeit im Bereich Schweinezucht eingereicht, aber er rechne nicht vor Juni mit einer Benotung oder Besprechung. Auch gebe es bereits Interessenten für seine Erkenntnisse und mögliche Optionen zwecks Vertiefung oder eine Berufseinstieg im „Grossraum“ Bogota.

Wenn der Spruch „Taten sprechen von selbst!“ zutrifft, was kann Dr. Nico in dem Fall vorweisen? Über tiefere Erkenntnisse verfüge ich selber natürlich nicht und dafür könnte man mich der Willkür zeihen. In meiner Erinnerung haften geblieben sind: 

  • gelungene, aufgeschobene und verweigerte Veterinärdienste für Paco
  • gut ausgeführte und geschwänzte Chauffeurdienste
  • Aushilfsdienste auf der Finca als „Kumpan“ von Eberardo mit zweifelhaftem Ergebnis, Eifer und Fortschritt wie z.B. der ominöse Bambus-Zaun 
  • Arbeiten als Chefgärtner/Mayordomo in spe (Säuberung entlang des Baches)
  • Mehrfach unentschuldigtes Fernbleiben bei Verabredungen
  • Merkwürdige Behauptungen in seinem eigentlichen Fachgebiet (z.B. Forellenfleisch ist immer rosafarbig).
  • Schuldenstand bei dir, den er abzuarbeiten hatte oder wo er mit der Tilgung in Verzug war (wie sieht es damit inzwischen aus?)
  • Verkauf von überdimensionierten, alten, zähen Suppenhühnern aus den Beständen des Vaters (anstelle der erwarteten feinen Güggeli’s!) zu Mistkratzerli Preisen.
  • Nicht eingehaltene Ankündigungen oder Versprechen 
  • Veterinär-Studium an der Uni in Popayán (inzwischen 8. oder 10. Semester?)
  • Praktikumsarbeiten im Bereich Forellenzucht, Diplomarbeit im Bereich Schweinezucht. Demgegenüber aber mehr Kleintieroperationen in seinen Profilen in den sozialen Medien.

Ein roter Faden ist schwer erkennbar?  „Mon maître, on passe les trois quarts de sa vie à vouloir, sans faire. Et à faire sans vouloir.“ (Herr, wir verbringen drei Viertel unseres Lebens mit Wollen und tun nichts. Und tun, ohne zu wollen.)

Hingegen scheint sich bei ihm der kolumbianische Hang, dem Schein mehr Bedeutung zu schenken, durchzusetzen. Frei nach Diderot’s Jacques le Fataliste „ce n’est pas le linceul qui fait le mort” (das Totenhemd macht den Toten nicht aus), was wohl Frau und Schwiegereltern jetzt bitter erfahren.  „On ne peut s’intéresser qu’à ce qu’on croit vrai.“ Nico: “J’avais tout juste le vice qui vous convenait”. (Man kann sich nur für das interessieren, was man für tatsächlich hält – Nico: Ich hatte genau das Laster, das zu euch gepasst hat.)

Und dann: “Il vit qu’il faisait un temps détestable. Ils jouèrent supérieurement l’embarras. Elles eurent l’inhumanité de le faire parler dévotion pendant trois heures de suite. Je suis comme anéanti, ma tête s’embarrasse: je deviens stupide, et ne sais que devenir. On le reçut avec un visage où l’indignation se peignait dans toute sa force.” (Er sah, dass widerliches Wetter herrschte. Sie spielten die Peinlichkeit überlegen. Sie hatten die Unmenschlichkeit, ihn drei Stunden hintereinander über Demut reden zu lassen. Ich bin wie vernichtet, mein Kopf ist verlegen: Ich werde dumm und weiß nicht, was ich aus mir wird. Er wurde mit einem Gesicht empfangen, auf das sich die Empörung in all ihrer Kraft gezeichnet hatte.

Besser mehr Lügen, als die Sachen so zu sagen, wie sie eben sind? 

“JACQUES.
Cela n’est pas aisé. N’a-t-on pas son caractère, son intérêt, son goût, ses passions, d’après quoi l’on exagère ou l’on atténue? Dis la chose comme elle est!… Cela n’arrive peut-être pas deux fois en un jour dans toute une grande ville. Et celui qui vous écoute est-il mieux disposé que celui qui parle? Non. D’où il doit arriver que deux fois à peine en un jour, dans toute une grande ville, on soit entendu comme on dit. (Einfach ist das nicht. Hat man nicht seinen eigenen Charakter, sein Interesse, seinen Geschmack, seine Leidenschaften, je nach denen man übertreibt oder nachgibt? Nenn die Sache, wie sie ist! … Das kommt vielleicht auch in einer ganzen großen Stadt nicht zweimal am Tag vor. Und der auf einen hört, ist er besser daran, als der der spricht? Nein. Daher kommt, dass man kaum zweimal am Tag in einer ganzen grossen Stadt so verstanden wird, wie man es sagt.)

LE MAÎTRE.
Que diable, Jacques, voilà des maximes à proscrire l’usage de la langue et des oreilles, à ne rien dire, à ne rien écouter et à ne rien croire! (Was zum Teufel, Jacques, was für Prinzipien, die den Gebrauch von Sprache und Ohren verbieten, nichts zu sagen, nicht zuzuhören und nichts zu glauben!)

JACQUES.
Mon cher maître, la vie se passe en quiproquo. Il y a les quiproquo d’amour, les quiproquo d’amitié, les quiproquo de politique, de finance, d’église, de magistrature, de commerce, de femmes, de maris…” (Mein lieber Meister, das Leben verläuft in Missverständnissen. Es gibt das Missverständnis der Liebe, das Missverständnis der Freundschaft, das Missverständnis von Politik, Finanzen, Kirche, Behörde, Handel, Frauen, Männern … „)

Hast du Nico gefragt, ob er dir eine Kopie seiner Diplomarbeit oder seiner Bewerbungsunterlagen geben könnte? Gibt es denn auf der Finca des Vaters keine Betätigungsfelder für ihn? Was und wo sucht er überhaupt: Kleintier oder Zuchtbereich? Wenn er so gut ist, wieso ist es denn so schwierig für ihn?
Wofür gibt er Geld aus bzw. wofür gibt er an Geld zu benötigen? Was ist sichtbar: Kleidung, Motorrad, Auto, Haus, Spiel, Drogen, unnötiger Luxus? In einer Szene des „Fataliste“ wird der Maître von einem (vermeintlich) befreundeten Ritter wegen akutem Geldbedarf zu einem Freund des letzteren geführt. Dies in der Meinung, dieser könne helfen (wollen). Man trifft sich mit diesem Freund (der in Tat und Wahrheit ein Wucherer ist) und wie folgt auf die Geldbitte reagierte: „M. de Merval prit un air tout à fait affectueux et triste et nous dit avec le ton de la componction qu’il était au désespoir; qu’il avait été dans cette même matinée obligé de secourir un de ses amis pressé des besoins les plus urgents, et qu’il était tout à fait à sec. Puis s’adressant à moi, il ajouta: «Monsieur, n’ayez point de regret de ne pas être venu plus tôt; j’aurais été affligé de vous refuser, mais je l’aurais fait: l’amitié passe avant tout…» (Herr von Merval blickte teilnahmsvoll und traurig und sagte uns mit bedenklichem Ton, er sei verzweifelt; da am selbigen Morgen gezwungen, einem seiner Freunde in dringender Not zu helfen, und er daher blank sei. Dann sprach er mich an und fügte hinzu: „Sire, bereuen Sie nicht, dass Sie nicht früher gekommen sind. Es hätte mir leid getan, ihr Ansinnen abzulehnen, aber ich hätte es getan: Freundschaft steht an erster Stelle … „

Als Notlösung schlägt er den beiden vor, von einer befreundeten Händlerin Ware „günstig“ anzukaufen und gegen Kommission verkaufen zu lassen. Was der Maître in der Not dann auch tut und damit prompt auf die Nase fällt. 

Un caro saluto, guten Start in die Woche

F.

PS: “Jacques demanda à son maître s’il n’avait pas remarqué que, quelle que fût la misère des petites gens, n’ayant pas de pain pour eux, ils avaient tous des chiens; s’il n’avait pas remarqué que ces chiens, étant tous instruits à faire des tours, à marcher à deux pattes, à danser, à rapporter, à sauter pour le roi, pour la reine, à faire le mort, cette éducation les avait rendus les plus malheureuses bêtes du monde. D’où il conclut que tout homme voulait commander à un autre; et que l’animal se trouvant dans la société immédiatement au-dessous de la classe des derniers citoyens commandés par toutes les autres classes, ils prenaient un animal pour commander aussi à quelqu’un. Eh bien! Dit Jacques, chacun a son chien.”  (Jacques fragte seinen Herrn, ob er nicht bemerkt hätte, dass wie auch immer das Elend der armen Leute, diese zwar kein Brot für sie, aber alle Hunde haben; ob er nicht bemerkt hätte, dass diese Hunde erzogen seien, Runden zu drehen, auf zwei Beinen zu gehen, zu tanzen, zu rapportieren, Sprünge für den König auszuführen, für die Königin auch, sich tot zu stellen, durch diese Erziehung sei der Hund zum unglücklichsten Tier der Welt geworden. Woraus er schließt, dass jedermann den anderen befehlen wolle; und dass das Tier in der Gesellschaft unmittelbar unter der Klasse der letzten der Bürger stehe, die ihrerseits von allen anderen Klassen befohlen werden, und diese sich darum mit dem Tier behelfen, um auch jemanden zu befehlen. „Na ja“ sagte Jacques, „jeder hat so seinen Hund.“)

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