Neujahrsgruss an die Cousine in Spanien

Das mit dem Zunehmen hast du richtig gesehen, nicht wenig, aber zum Glück bin ich wieder auf den absteigenden Ast. Noch besser wird’s, wenn ich nach Feuerland unterwegs sein werde, weil ich dann in der Küche nichts zu entwickeln und noch weniger fünfmal zu probieren habe. Also für Feuerland wird der Weg das Ziel sein. Ganz unmittelbar steht der Tripp ja auch noch nicht vor der Tür. Aber Pläne muss man haben, sonst wäre man ja tot. Ich glaube, irgendwo im Blog ist davon die Rede, dass der Rotscher vor fast zwanzig Jahren mit einem zum Wohngefährt umgebauten Saurer Militär-2DM von Ungarn, wo er Frau und Kinder verliess wie einst Bruder Klaus (wenigstens bei ihren Eltern bzw. Grosseltern!) über Jordanien, Ägypten, Sudan, Abessinien bis nach Kenia düste. Ich wäre auch zur Teilnahme eingeladen gewesen, was mich zwar gebauchpinselte, aber die Feigheit überwog. Die Gattin des Rotscher ist zwar hochintelligent, aber ein unrettbar gutmütiger Totsch wie ich. Weil der Rotscher ein Alpha-Tier ist und sie langmütig, kann er machen, was er will. Die zwei hatten ein Anwesen in Ungarn, so etwas K.u.K. Hochherrschaftliches, das hat mich sehr für die Finca Singapur inspiriert. Eine Zufahrt von fast einem halben Kilometer ab dem Eingangstor, eine porch wie bei „vom Winde verweht“, eine Riesenküche, ein herrschaftlicher Salon wie ein Fussballfeld, an dessen Tisch wir fünf uns sehr verloren vorkamen. Und abends hallte Orchestermusik durch die Räume, ich weiss nicht mehr was, ich glaube „Die Planeten“ von Gustav Holst und „Symphonie Fantastique“ des Berlioz Hector.

Der Konflikt zwischen uns (Rotscher ist herrisch und ich demgegenüber sanft) eskalierte wegen meiner Langmut gegenüber dem frechen Kolumbianischen Personal. Und den Geschichten von Nähe und Distanz zum Personal. Ich hatte aber keinen Hang zum Küchenpersonal (Wilhelm Busch). Aber rächen will ich mich trotzdem, und dies, indem ich Rotschers Familie auseinander zu bringen trachte. Mit über den Atlantik gesandten Sirenenklängen über schöne Frauen, feines Essen und schnelle Autos will ich mir den blitzgescheiten Sohn Dodo (Dominique) nutzbar machen. Du glaubst, dass ich das nicht schaffe? Aha, liebe Elsbeth, die du als Kind im Garten arbeiten musstest und nichts recht machen konntest! Genauso erging es diesen zwei armen kleinen Buben des Rotscher damals in Ungarn. Der perfektionistische Vater nervte umgemein, sodass sie sich verständlicher Weise zu meiner gütigen Person hingezogen fühlten. Ein altes Foto dokumentiert das!

Von wegen neuen Ideen: In der Jugend litt ich jahrelang an schrecklicher Akne. Ich kann mich der vielen wohlfeilen Ratschläge bezüglich deren Bekämpfung noch gut erinnern. Iss Heidelbeeren, ja keine Salami, als ob das damals zur gewohnten Diät gehört hätte. Die Erica hatte das auch. Es ist eine üble Angelegenheit, man wirkt entstellt und abstossend und entwickelt Komplexe. Viele machen sich zudem noch einen Spass daraus, und glauben, dass sei etwas zum Necken. Dumm halt, nicht mehr.

Im Moment ist der sechzehnjährigen Sohn der Maria Clara zur Schnupperlehre auf der Singapur, der hat das auch. Jetzt bin ich daran, für den eine Maske zu entwickeln, die aus Aloe Vera, Kakao-Butter, Bockshorn und Quassia (Fliegenholz) besteht. Mit Emilse sind wir am ausprobieren, indem wir Eiweiss, Gelatine und Gummi-Arabicum dazumischen. Wir haben die „abziehfähige“ Maske fast schon von der Konsistenz, dass sie sich nach dem Trocknen am Stück wegziehen lässt und mit ihr die Verstopfung aus den Poren. Weisst du, das Mark der „Blätter“ der Agave ist sozusagen ein Wundermittel. Gegen Falten, Altersflecken, Rheuma, für den Haarwuchs, was du willst. Ja, ich weiss, aber dort wo draufsteht „mit Aloe Vera“ dominieren vor allem die Nebenprodukte der Erdölindustrie. Zu behaupten, das sei alles einfach, wäre gelogen. Das „Gelée“ schnodderiger Konsistenz hält nur gekühlt längere Zeit, der Rest sind Extrakte mit Alkohol. Im Moment müssen wir die Proben im Kühlschrank aufbewahren. Günstig wäre, das Ganze mit Ascorbinsäure haltbar zu machen. Ironie an der Sache: Ohne Küchenkenntnisse bezüglich Verflüssigen und Emulgieren (wie Mayonaise etc.) und ohne Bamix wäre man verloren. Apropos Alkohol: Ich kaufe den Typus „industrial“ mit über achtzig Volumenprozenten, der nicht einmal vergällt, also mit Bitterstoffen vermischt ist. Man könnte ihn also theoretisch trinken. Derweil braucht man in der Schweiz für dergleichen einen Giftschein, dafür erhält man unnütze „Spadyrik“ von der Krankenkasse bezahlt.

Heutzutage scheint in der „haute cuisine“ Petersilienwurzel „Schrei“ zu sein, ich muss zugeben, dass auch beim Koriander die Wurzel am besten schmeckt. Nur, ob man das immer handy hat? Die gewöhnliche Petersilie neigt hier zur Bildung von langen Stängeln, die koche ich mit wenig Wasser und wenig Bockshornsamen im Dampfdrucktopf aus, was dann extracto de perejil ergibt. Mal schauen, wie lang sich dieses hält. Weisst du, im Kampf für wohlschmeckend Vegetarisches ist einem jedes Mittel recht.

Ich wünsche dir für 2019 ebenfalls alles Gute!

Lg Markus

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Brief an Tscheff Rotscher zu Margrith Bigler-Eggenberger

Ciao Don Roger

Ich habe versprochen, dir über erste Schweizer Bundesrichterin zu berichten, die ich gemeinsam mit ihrem Ehegatten im Oberwalliser Hotel kennenlernte. Weisst du, mit Hotelgästen und einer persönlichen Beziehung ist das so eine Sache, auf der anderen Seite weiss ich, dass die Margrith, wir waren oder sind per du, nichts dagegen hätte, wenn ich sie hier als Kronzeugin präsentiere. Weisst du Roger, die Welt lebt von Vorbildern, aber die Vorbilder müssen etwas taugen. Das Ehepaar Bigler-Eggenberger beeindruckte durch seine „vornehme“ Art und eine tief gehende Menschlichkeit, die sich im Gemeinsinn äusserte. Das tönt vielleicht pathetisch, ist aber trotzdem wahr. Kurt Bigler, der das Grauen des Holocaust eher durch ein Wunder überlebt hatte, war witzig und menschenfreundlich, von Hader mit dem Schicksal war da nichts zu spüren. Seine Ehefrau, die Richterin, stammt aus wahrhaft noblem Hause, das Justitia bahnbrechend barmherzig und nicht als Racheengel auffassen wollte. Unter diesen Umständen konnte die Margrith gar nichts anderes als aufrechte Sozialdemokratin sein.

Das Ehepaar Bigler besuchte mich auch in Aigle, wo mein Umfeld, das oberstehende Interview macht dies deutlich, eine Bundesrichterin nicht eben favorisierte. Auch ich vermeinte, zwischen Hammer und Amboss zerrieben zu werden, wahrscheinlich ein Grund dafür, dass ich heute mit meiner kolumbianischen Paranoia umzugehen weiss. Einer der Mitbesitzer des Hotels war ehemaliger „Maire“ (Schulthess), oder wie man das nennen will. Sein Vorgänger oder Nachfolger, ich weiss es nicht mehr, war der Eidechsenwein – Badoux und beide streng FDP und sich selber gegenüber spinnefeind. So fürchtete der Badoux, dass sein Eidechsenwein im Angebot des Hotels fehlen könnte, was für ihn eine Sache lokalen Prestiges war. Demgegenüber sein Kontrahent diese Auslassung sehr begrüsst hätte, wo doch der Eidechsenwein eigentlich eine Walliser Pantsche sei. Beide nahmen mich in die Geiselhaft einer Charme-Offensive, mit der sich meine Leber auseinander zusetzen hatte.

Da war auch noch ein Kroatischer Adliger, der mir seine Liebe gestand, die ich nicht zu erwidern wusste. Jedes Mal, wenn ich seinen Blick auf mir ruhen fühlte, fröstelte mich und ich musste einen grossen Schluck Alkohol zur Besänftigung der gereizten Nerven zu mir nehmen.

Daneben gab es einen Dauergast, der Cohen hiess und dessen Bruder in Syrien als Spion erhängt worden war. Er hatte wiederum mit dem Ägypter Gaon zu tun, der in Genf das Noga-Hilten hatte erbauen lassen. Dass Gaon ebenfalls Jude war mir damals nicht klar, ich fürchtete jedenfalls ein grauenhaftes Komplott. Dieser Dauergast wollte partout dafür sorgen, mich zu meinem besten Kunden zu machen und liess edlen Alkohol gleich literweise fliessen.

Einmal in der Woche fand ich mich im Hause des Notars ein, der eigentlich Musiker war und neben der Oboe auch das Klavier traktierte. Für die Proben des Blockflöten-Konsort nahm er den Bass zwischen die Knie. Ich hatte meinen Alt grifftechnisch überhaupt nicht im Griff und dass man den barocken Notentexten noch viele selbsterfundene Beifügungen hätte machen sollen, erschloss sich mir nie richtig. Entspannung und Freude kam nur auf, wenn sich der Herr Notar ans Klavier setzte und wir zusammen Ravel spielten. Das hatte ich im Ohr und dann kam so etwas wie Beseeltheit auf. Lustig wurde es aber trotz meiner schweren Lakünen immer, wenn man sich zwecks Entspannung dem Weine zuwandte. Da wurde gleichzeitig meine Tratschsucht befriedigt, die der Notar unter dem Siegel der Verschwiegenheit bestens zu befriedigen wusste. Allerdings steigert das die Paranoia sehr, weil vermeintlich man glaubt, der eine oder andere wüsste, was man selber weiss.

Im Hotel wirkte auch ein begnadeter Küchenchef, der wie alle, die beruflich auf hohem Niveau kochen, am Rande des Wahnsinns vegetierte. Die Gewissheit, dass in jedem Moment eine heisse Pfanne nach mir fliegen könnte, war nicht dazu angetan, meine Paranoia zu besänftigen.

Ob die Biglers durch diesen Treibhausdunst blickten, kann ich nicht sagen. Und wenn, dann hätten sie mit mir gekichert.

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Brief an Tscheff Rotscher über die Aktivitäten von Frau Graf – Litscher

Hoi Don Rotscher

Gestern beim Skypen hast du mir gestanden, dass sich dir der (Hinter-)Sinn der Aktivitäten von Herr und Frau Graf – Litscher im Bundeshaus nicht recht erschliesst. Eigentlich ist es ganz einfach: Es geht in beiden Fällen um die Verteilung des Kuchens, der den Konsumenten abgeknöpft wird.Edith Graf-Litscher macht in den gestellten Videos ihres Internet-Auftritts keinen Hehl über ihre Tätigkeit für den „Dachverband Komplementärmedizin“. Und sie verantwortet einen „Leitfaden für Patientinnen und Patienten“, auf den sie besonders stolz sei. In einer gestellte Szene mit einem ebenso devoten wie anonymen „Walter“ erörtert sie Änderungen zur Thematik „Zusatzversicherung“ (hört hört). Bei Walter handelt es sich vermutlich um einen Angestellten von „Karger Publishers“, die sich in Basel um medizinische Veröffentlichungen bemühen. Aus dem Leitfaden erfährt der Leser Weltbewegendes:

Hauptgründe für die Anwendung von Komplementärmedizin sind die Erhaltung der Gesundheit, der Schutz vor Krankheit und die Behandlung eines breiten Spektrums von chronischen und akuten Krankheiten.
Als Komplementärtherapie bezeichnet man eine Vielzahl von Therapien, die neben der Stärkung der Selbstregulation die Selbstwahrnehmung und Genesungskompetenz fördern. Weitere Begriffe wie Natur-, Erfahrungs-, Ganzheits- oder Volksmedizin werden oft als Synonyme verwendet.

Für akute Notfälle und lebensbedrohende Krankheiten ist primär die Schulmedizin zuständig. Wunder sind in der Komplementärmedizin nicht häufiger als in der Schulmedizin.

Fragen Sie vor Beginn einer komplementären Therapie bei Ihrer Krankenkasse nach, für welche Kosten sie aufgrund Ihrer Versicherung aufkommt. Am einfachsten und sichersten ist es, wenn Sie sich von Ihrer Krankenkasse schriftlich bestätigen lassen, ob die von Ihnen gewünschte Methode bei dem von Ihnen gewählten Naturheilpraktiker oder Therapeuten bezahlt wird bzw. welchen Beitrag sie dazu leistet.

Im unfreiwillig absurden Video beim „shoppen“ beim Drogisten wird die „Selbstverantwortung“ angesprochen, die wiederum Kostensenkungen mit sich bringen soll. Weinerlich bedankt sich der Drogist bei der Verbandsoberen für ihren Einsatz, dass die Drogisten „so“ weiterhin ihre Produkte zusammenstellen dürfen, er nennt es herstellen. Nachdem Frau Graf-Litscher (alle Jahre wieder) von einem Heuschnuppen befallen wurde, dessen Symptome sie vertrauensvoll schildert, murmelt er von der Spagyrischen Mischung, die er angeblich auf ihre Bedürfnisse abgestimmt „zusammenstellt“. Vom insinuierten selber Herstellen der Inhaltsstoffe kann keine Rede sein.

Wikipedia äusserst sich zur Herstellung der Inhaltsstoffe wie folgt:

Für Spagyrika, die heutzutage von pharmazeutischen Unternehmen vermarktet werden, konnte bisher weder eine über die Placebowirkung hinausgehende Wirksamkeit noch ein plausibler Wirkmechanismus nachgewiesen werden.

Das alles wirkt im Zusammenhang mit den Bemühungen für eine Begrenzung der Kostenexplosion im Gesundheitswesen reichlich stossend.  Jeder Schweizer muss und soll sich über seine Krankenkassenprämien, deren ständiges Ansteigen und den Gegenwert, den er dafür erhält, seine eigenen Gedanken machen. Dass die Thurgauer Frau Graf-Litscher als Nationalrätin adelten, ist ebenfalls deren Problem. Gegen Korruption helfen nur Strafklagen und Blossstellen. Da wäre in Bern offenbar mehr als eine Handvoll betroffen.

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Brief an Tscheff Rotscher über eine SP-Persönlichkeit


Hoi Rotscher
Ich habe vor kurzem etwas über den Militärdienst geschrieben, was dich möglicherweise befremdet hat. Und doch halte ich daran fest. Vorgänger der bei mir im Fokus stehenden Edith Graf-Litscher war Jost Gross, der sich vor Jahrzehnten im WK im Vorder-Thurgau auf einem 2DM versehentlich auf meinen Kopf gesetzt hatte. Da am schlafen, war für mich das ärgerlich. Auf der anderen Seite ob der vielen Liter von den Bauern ausgeschenkten Kafi-fertig verzeihlich. Ich halte, wie du weisst, nicht unbedingt viel von Juristen, aber der Jost war da doch ein anderer Fall. Eigentlich heisse er Justus (der Gerechte) vermeldete damals die Gotte Miggi wichtigtuerisch, da sie dem Jost Kraft ihres Amtes in der „Regierung“ in Frauenfeld während dessen Studium ein Aushilfs-Lehreramt vermittelt hatte. Er war damals eben ans Bundesgericht in Lausanne gewählt worden und musste im WK dem nicht übermässig begabten Fourier dienen, derweil ich unter widrigen Bedingungen für das kulinarische Wohl der Kompanie sorgen musste. Dieses Elend mussten wir nächtens im Alkohol ertränken und es begab sich, dass der Herr Bundesrichter in spe eines abends auf der Toilette einschlief, wo man ihn am nächsten Morgen wiederum antraf. „Herr Bundesrichter, erheben sie sich von ihrem Thron!“. Jost Gross musste trotz schmerzhaften Gliedern ebenfalls von Herzen lachen. Der Küchengehilfe, von schmächtiger Gestalt, konnte an den nächtlichen Tröstungen nicht teilnehmen. Dies, weil er aufgrund eines drohenden Führerausweis-Entzugs Antiabus einnahm. Ich und Jost Gross mochten ihn nicht nur wegen seiner Tüchtigkeit, sondern auch weil er uns die Sturmgewehre effizient putzte, indem er sie im Reinbenzin für die Benzinvergaser reinweichte. Auch teilte er die innige Abneigung gegen den Fourier mit Jost. An der Fête des adieux war Gross der Gerechte bereits entlassen, während der Küchengehilfe seiner alkoholischen Enthaltsamkeit eine Pause gönnen wollte. Mir schwante nichts gutes und zog mich daher frühzeitig zurück. Unterdessen übermannte den völlig betrunkenen Küchengehilfen die Abneigung gegen den Fourier in einem Masse, das ihn das Sturmgewehr nach diesem werfen liess. Dieses verfehlte wohl das Ziel, durchschlug hingegen ein Fenster. In der Folge wurde der tobende Straffällige von beherzten Beistehenden gefangengenommen, gefesselt und dann in der Küche mit kaltem Wasser übergossen. Die Kunde dieses Frevels erreichte mich im Hotel ruhend, sodass ich sozusagen im Nachtgewand durch die eisige Nacht eilen musste, um meinen Küchengehilfen vor dem Waterboarding zu erretten. Am Ort des Frevels angekommen, sassen Kadi und Fourier zu Gericht über meinen schlotternden und halbersoffenen Küchengehilfen, ratschlagend, ob die Militärpolizei beizuziehen sei. Ich besann mich meiner bewährten Methode der Einschüchterung, eher werde der Bundesrichter in spe dereinst in Lausanne ob dieser Perversion zu Gericht sitzen. Und so wurde denn mein Küchengehilfe anderntags ebenfalls ehrenvoll aus dem WK entlassen.
Kurioserweise wurde mein Bild einer noblen, kultivierten und selbstlosen SP ebenfalls von einer Bundesrichterin geprägt, Margrith Bigler-Eggenberger. Das muss ich aber erst schreiben….

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Neues vom Dottore zum Raubsozialismus und anderen Strafen Gottes

Ciao Direttore,
Sehr warm ist es hier schon ab dem frühen Morgen, sehr stürmisch und phänomenal gewittrig wird im Moment in dieser Kulisse der späte Nachmittag. In der Weihnachtsnacht blieb dann ausgerechnet auch der Strom abends vier Stunden weg, unsere Freunde haben Gas und der gefüllte Truthahn war schon mehr oder weniger ready. In der Dunkelheit entwickelte sich ein gemütliches und gar lustiges Berghütten-Klima, mit Kerzen, Stirnlampen und sonstigen Lämpchen. Gefährlich wurden dagegen die Gänge in den Weinkeller oder in die Küche.

Hat der Mensch ein freien Willen und wenn, was ist Willensfreiheit überhaupt? Ich habe einen kleinen Reclam darüber mitgenommen, wie die Philosophie seit Platon das betrachtet. Es finden sich interessante Überlegungen darin, etwas im Hinblick auf deine Predigt, die hoffentlich eine Fortführung erfahren wird. Die Rezeptur mit Autorität (Macht!), Geheimnis und Wunder (Hoffnung auf Erlösung) kann man ja vielfältig drehen.

Interessant das Dreiergespann pena (Scham), castigo (Strafe) und impunidad (Straflosigkeit), das sich hier in Argentinien vielfältig deklinieren lässt. In einem Dorf mit ca 80 Einwohnern, auf 3400 m Höhe, in grandioser arider Umgebung, finden sich in Nähe der holprigen Provinzstrasse sogenannte „ojos del mar“ im salar (Salzsee). Diese gelten als Naturpark und um das zu unterstreichen oder gar zu schützen wurde ein Projekt über 5,5 Millionen Pesos lanciert. Nur gerade eine halbe Million wurde für einen parqueo und eine Zugangsrampe benützt, die restlichen fünf Millionen verflüchtigten sich, indem sie sich ein paar Leute in die Tasche steckten. So greift der Peronismus bis ins letzte Kaff…! Eine Variante del Socialismo del Robo (Raubsozialismus) aus Steuergeldern. Im Calingasta-Tal sind rund dreiundzwanzig Prozent der Minderjährigen schwanger. Für die Schwangerschaft gibt es eine Rente von 1600 Pesos sowie Gutscheine für Windeln, Milchpulver, etc. Ein Bekannter berichtete, dass sich in einer Arztpraxis eine Mutter und ihre zwei minderjährigen Töchter (inzwischen ihrerseits Mütter) in Behandlung befinden. Man errechne die nette Rente, für hiesige Verhältnisse kommt da doch etwas zusammen.

Die Saga von der Suche nach Cordero (Lamm) ist gestern um ein Kapitel reicher geworden. Bei einem Nachbarn fanden sich mehrere Stücke in der Kühltruhe, Cesare zeigte mir seine „costellasti“ die er bereits zubereitet im Kühlschrank verwahrte. Ich sagte ihm, dass wir genauso so ein Stück gerne hätten. Cesare suchte in seiner Gefriertruhe herum, es habe sowhl durchsichtig als auch undurchsichtig verpackte. Wir gingen mit zwei Stücken von dannen, einer pierna und ein costillar, beide undurchsichtig verpackt. Schon beim Auspacken um aufzutauen nahm sich die Form merkwürdig aus, es handelte sich nicht um costillar, sondern das hintere Teil mit rabo (Schwanz) und buco del culo. Wir riefen Cesare an, dass da etwa nicht stimme, ob er allenfalls falsch etikettiert habe, und ob er doch noch ein costillar hätte. Er kam prompt vorbei, sah sich den corte an und meinte erst suggestiv realmagisch, die costillar seien sicher drin versteckt, wenn man das Teil fachmännisch öffne…! Wie aus rabo und buco del culo costillar entstehen kann, bleibt sein Geheimnis….!
un caro saluto
f

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Brief an den Dottore im Argentinischen Hochgebirge


Ciao Dottore
Deine Mail aus eisigen Höhen bestärkt mich in meiner Absicht, dem Rotscher für den Tripp nach Feuerland nur ein gebremst off-roadiges Fahrzeug aufs Auge zu drücken. Für alles andere bin ich zu alt. Seit wir uns kennen, wehrt er sich mit Händen und Füssen gegen alles, was ich für richtig halte. Dies macht meine Manipulationen legitim.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dich nicht mit meinen mundanen Geschichten bis in die abgehobenen Gefilde der Anden zu verfolgen. Aber jetzt geht es ja drunter und drüber auf der Welt und da muss ich etwas loswerden.

Die Geschichte vom „Grindwuschler“
Ich habe an dieser Stelle einmal gestanden, dass es mich reizen täte, wie EU-Kommissionspräsident Junker es jetzt mit Persönlichkeiten des anderen Geschlechts zu tun pflegt, die Zürcher Stadtpräsidentin nicht nur zu wuscheln, sondern ihr dergestalt auch an den Haaren zu reissen und ihren Grind schütteln. Ist das Sadismus? Nein, es ist Verzweiflung, frag den Junker! Aber im Gegensatz zu mir ist der Junker gar nicht mehr ganz bei Trost, sondern derart vom Blick in den Abgrund benommen und verängstigt, dass er wie irre dahin schreitet und küsst, was ihm in den Weg kommt. Grund, irre geworden zu sein, hat er ja genug. Ich möchte jedenfalls dieser todgeweihten Institution namens EU nicht vorstehen. Scheitern wird alles an der Schuldenwirtschaft, jetzt wo Frankreich ebenfalls und endgültig vom Pfad der Tugend abgekommen ist, die Todsünde der Staatsfinanzierung über Geldvermehrung weiter betrieben wird, ist der Urknall imminent. A besar, a besar, que el mundo se va a acabar.

Zu deiner und der Leser Aufmunterung erzähle daher eine andere Geschichte:
Zu Beginn meiner „Karriere“ bei EWZ wurde den Mitarbeitenden ein elektronischer Briefkasten angeboten, an den sie auch anonym gelangen konnten. Das Eingesandte wurde, glaube ich, ungefiltert für jedermann einsichtig. Ich gestehe, dass ich auf die Lektüre fast süchtig war und mich beschämenderweise köstlich amüsierte. Ich selber nahm die Gelegenheit wahr mitzuteilen, dass demgegenüber die Mitarbeiterzeitung eine goldene Zitrone verdiene und schlug vor, das die Beiträge des Briefkastens -auf verständliches Deutsch übertragen- in der Zeitung attraktiv wären. Der damaligen Redakteuse war es lieber, dass ich sonst an der Zeitung mitwirken würde. Man darf nichts rüffeln und gleichzeitig die Mitarbeit zur Besserung verweigern. Ich machte mich über die wenigen Optionen kundig, die eine Mitarbeiter-Zeitschrift bestenfalls erfolgreich machen können. Die da sind: Unabhängigkeit gegenüber der Geschäftsleitung, Objektivität nach Möglichkeit und Loyalität zur Unternehmung. Meine Erfahrung mit dem Briefkasten liessen es mir geraten scheinen, meine bescheidenen Beiträge nach Möglichkeit mit dem „kleinen“ Mann zu erarbeiten. Daraus wurde fast eine Lehre für den Rest meines Lebens. Es ergaben sich für mich anrührende Freundschaften. Des öfteren erregten die Aussagen der Interviewten den Widerstand ihrer Vorgesetzten und entsprechende Zensur. Eine Schwäche der Unternehmen und der Gesellschaft im Allgemeinen, die sich mit Kritik nicht auseinander setzen will. Insbesondere alt-Stadtrat Türler glaubte den überaus missratenen Abwehrreflex seiner Kollegin im Geiste und Stadträtin Monika Stocker imitieren zu müssen.
Dazu eine andere Story: Dem erwähnte Briefkasten verlor seine Anonymität, weil ein Mitarbeiter, noch anonym eben, die Einführung von Schwulen-Toiletten im EWZ forderte. Dies aus dem Grund, weil er bei der Erledigung seiner Bedürfnisse von Lüstlingen verfolgt werde, die versuchten, ihm sein Ding wegzugucken. Während ich vor Lachen schreien musste und das für einen gelungenen Scherz hielt, nahm die damalige Damenwelt des ewz die Anregung ungnädig als die eines Verklemmten auf und riet diesem, „unabhängige Hilfe“ zu suchen. Dem humorlosen (was ein Mangel an Intelligenz ist) Stadtrat Turner kam derlei unterdessen derart abwegig vor, so dass der unterwürfige „Kommunikationschef“ unverzüglich kuschte. Unterwürfig musste er notgedrungen bleiben, weil sein Amt wohl eher irgendwelchen obskuren Abhängigkeiten und weniger kommunikativen Fähigkeiten bedingt ist. Nachdem man jetzt weiss, dass er den Sprung zum Kommunikationsbeauftragten der SBB direkt vom Wärterhäuschen aus geschafft hat, wundert einen gar nichts mehr. Eine ähnliche Tellerwäscher-Karriere hat auch seine Frau geschafft, die er im besagten Häuschen kennengelernt hat. Wenigstens ist Frau Graf-Litscher eine grossartige Schauspielerin, sodass man sich vor Lachen winden darf. Ansonsten erübrigen sich weitere Kommentare, ausser: Heil dir Helvetia, du hast noch die SP ja…..

Viele Grüsse nach Argentinien
Markus

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Brief an die Cousine in Spanien zu Hörgeräte, Lammfleisch und Autos

Auf die Gefahr hin, dass du mich für oberlehrerhaft hälst: ich muss dir und Erica eben doch eine Lektion erteilen. Auch mir stinkt ein Hörgerät. Ein Ohr sei schlecht, beschied man mir beim Test für die Führerlizenz. Erst danach kam mir ein Medikament in den Sinn, das die Grete zu sich zu nehmen pflegte und Betahystin (oder so) enthält, was dank besserer Durchblutung des Innenohrs gegen den Schwindel hilft. Da darf man doch annehmen, dass es gegen die Hörschwäche hilft, und dem war so. In Kolumbien ist bis zur Exit-Droge alles frei erhältlich, also beschaffte ich das auf dem freien Markt. Mir hat’s geholfen. Die Ohren sausen zwar immer noch und ob der zirpenden Grillen und Frösche wegen schmerzen mich bei Regen beinahe die Ohren. Warum aber zum Teufel soll die Erica das Hörgerat mit ihren schönen Haaren abdecken, die sie von ihrer Mutter ererbt hat? Nicht nur Rotscher ist zurückgeblieben, auch ihr zwei! Eine sexy Grossmutter muss, soll und darf ihre Alterslosigkeit mit irgend einer Krücke unterstreichen, was sie dann eben wiederum anziehend macht. Aber ein bisschen extravagant sollte das Gerät halt schon sein, knallig rot oder so. Für mich wird das ein wenig schwieriger……!
Emilse hat das Lamm, das vorher mariniert und mit Knoblauch gepikst hatte, mit beigelegtem Rosmarin auch im Ofen gegart. Deine Erinnerungen an den Sonntags-Chüngel, den du eigenhändig metzgen musstest, hat mich Kichern lassen. Dort wo ich kochen lernte, schwammen die Forellen in einem mit Gitter verschlossenen Dorfbrunnen. Für die „truite au bleu“ müssen die möglichst frisch ermordet werden und meine Aufgabe in der Hackordnung war es, die Forellen mit dem Sieb aus dem Brunnen zu fischen. Du kannst dir meinen Ekel nicht vorstellen. Auch mit dem Torchon fiel es mir schwer, die zappelnden Kreaturen zu fassen und mit einem Schlag auf die Brunnenkante hinzumachen. Einmal hupfte eine aus dem Fischsieb und geriet unter ein in der Nähe parkiertes Auto, wo ich sie am Boden liegend mit meiner Gerätschaft zu haschen trachtete. Dabei schielte ich immer wieder auf die umliegenden Häuser, von wo aus mein Dilemma jederzeit einsehbar war. Meine Wut über mein Schicksal wuchs derart, dass ich im Zorn eine andere Forelle aus dem Brunnen fischte und energisch erschlug.
An einer Klassenzusammenkunft pflegt man mich zu fragen oder zu unterstellen: „Gääll du häsch Koch glernt!?“ Heutzutage würde antworten: Ja, in den letzten fünf Jahren! Wahr ist, dass man in Kolumbien einen wahrhaft furiosen Fanatismus entfesselt. Ich war heute wieder in der Galerie „Alameda“ in Cali. Dort ist es einfach gewaltig, ich habe nochmals „Grosellas“ angeschafft, die mit „groseille“ oder Johannisbeeren ausser dem Namen nichts am Hut haben. Die Früchte sind ätzend sauer und mit einem steinharten Kern dotiert. Werden sie aber fermentiert und durch die Entstein-Maschine geschickt, das Extrakt dann mit gebrannter Panela (eingedickter Rohrzuckersaft) vermischt, dann ergibt das eine vielseitig verwendbare hocharomatische Beilage, beispielsweise für „Kaiserschmarren“ oder „Palatschinken“. Je mehr man sich mit Gewürzen und anderen Ingredienzen beschäftigt, desto interessanter wird der Besuch in der „Alameda“. Die Unterhaltung mit Marktfrauen- und Männern ist anspruchsvoll, mein angeblich französischer Akzent verwirrt sie, so dass sie grundsätzlich das über ihre Fünfhundertwörter-Sprache hinausgehende nicht verstehen. Auch beim Rechnen mit den Tausendern ist man gefordert, wobei, wenn um dreissig Rappen betrogen, ich nicht mehr wie früher fuchsteufelswild werde.
Eben, zweihundertneunzig Millionen koste er, ein Toyota Landcruiser 200. Das beschied mir der smarte Verkäufer von Toyota Cali. Ich hatte ihn irrtümlicherweise nach einem Pathfinder gefragt, worauf er lächelnd und für einen alten Deppen angemessen langsam rekapitulierte: „Ahh, du willst deinen Toyota Fortuner abgeben und dir einen Nissan Pathfinder kaufen?“ Dem war und ist objektiv nicht so und ich hatte einmal mehr erfolglos in meinen Gedächtnis gekramt. All diese doofen Modellbezeichnungen! Dafür wurde mir ob seines lüsternen Lächelns sofort klar, das er mehr an der Übernahme meines Geländebocks interessiert ist, denn am Verkauf einer noblen Sänfte, mit der ich mit Rotscher nach Feuerland zu gleiten gedenke. Und auch ich nicht an jemandem, der wegen Barzahlung keine Bankinteressen generiert. In diesen Hochburgen der Lüge, was Verkaufsstellen von Fahrzeugen im allgemeinen sind, kann die Wahrheit allerhand Verwirrung stiften. Deshalb schob ich noch die ENSAT-Pritsche nach. Und dann die kleine Schutzbehauptung: Aber es müsse nicht sein, mein Freund aus der Schweiz -was Rotscher wäre-, der stinke vor Geld und würde diesen Saftladen hier mit seinem Portokässeli erwerben. Auf diese Bemerkung hin wurde nach dem Geschäftsstellenleiter gerufen. Und von mir derweil mein schöner Gärtner und Chauffeur in spe Adrian, er solle ausprobieren, was von den ausgestellten Gelände-Kübeln schlimmstenfalls auch noch in Frage käme. Wie einstens Alice im Wunderland in einem „Prado Cruiser“ thronend rief der Adrian: Aber die sind doch alle wunderbar! Ich gebot ihm mit einem gestrengen Blick zu schweigen. Eigentlich hatte ich nur herausfinden wollen, was Unterhalt und Retouche an meinem Fortuner kosten würde, es wären zweieinhalb Millionen Pesos gewesen, viel oder wenig, wie man’s nimmt. Ich solle mir das doch schenken, die Karre brauche das sowieso nicht, und wenn ich ihn ja in Zahlung gäbe….! Auf diese Bemerkung des Geschäftsstellenleiters hin erinnerte der Verkäufer auf die horrenden Steuern für Neuwagen. „Ach“, rief ich leichthin, dann würde ich eben die Tante Rosalba in Cucutá mit der Beschaffung einer Venezolanischen Autonummer beauftragen, oder deren Ehegatten, der selber ein Venezolaner sei. Mit einer Billiarde Billionen Bolivares beziehungsweise zwei Millionen Kolumbianischer Pesos sei das leicht zu schaffen.
Das bringt mich, von wegen Wil, Wolgensinger, Landhaus und der Fastnacht-Ilge, Lebensmittelpunkt der Jugend unserer neuen Bundesrätin Keller-Sutter, auf ganz andere Gedanken. Lach nicht! es ist weniger dreckig gemeint, als es klingt. Nach dem Tod meines Vaters und deines Onkels äusserte mein Bruder Bedauern darüber, dass sich der Opa, wie wir ihn nannten, zu Lebzeiten vom vielen schönen Geld keinen Jaguar geleistet habe. Ich konnte nicht so recht nachvollziehen, was der Opa, der mangels Praxis kein gelenkiger Autofahrer vor dem Herrn war, mit einem Jaguar hätte anfangen sollen. Ich für mich übrigens auch nicht. Demgegenüber muss ich zugeben, dass der Opa den dritten Computer, den er innerhalb kürzester Zeit erworben hatte, vor mir versteckte, weil er meine Schelte fürchtete. Die wäre daher gekommen, dass er die kurz vor seinem Tod entdeckte Computertechnik von Bits und Bytes an nochmals neu aufrollen wollte. Seine Büchergestelle quollen endgültig über: „Das Bios“, Prozessoren genau erklärt“, „16 bit versus 32“ und was vor zwanzig Jahren sonst noch Thema war. Es war eben mehr diese Angefressenheit, die einem nervte. Im übrigen schämte ich mich natürlich nachher ob meiner Kleinkariertheit. Du hast einmal erwähnt, du seist über den Kauf eines Cabriolets ganz glücklich gewesen. Das kann ich jetzt nachvollziehen. Mein erstes Auto schenkte mir meine Schwester, das zweite, auch einen Mini, kaufte mir der Opa. Später, in der Not, eine überteuerte Occasion aus dem katholisch-konservativen Umfeld in Wil, der sich sehr schnell als Rostlaube offenbarte. Eben, besonders erfolgreich geschäftet, wer der Lüge fähig. Die erlernen Katholisch-Konservative beim Beichten, das ist erwiesen, und sie geniessen Fastnacht oder Karneval daher besonders, weil sie dann für kurze Zeit ehrlich sein können. In einem Interview erläuterte Frau Keller-Sutter, dass sie eigentlich „nur“ wegen der Fristenlösung bei der „FDP“ und nicht bei der CVP sei. Und bedauert, sozusagen in einem Atemzug, selber zwei Kinder verloren zu haben. Häää??? Als Quell der kristallinen Wahrheit würde ich die geborene Maid vom Stammtisch jedenfalls nicht nehmen und ihr auch keinen Gebrauchtwagen abkaufen.
Es wird mir meine Leserschaft überwiegend Boshaftigkeit unterstellen wollen. Als Beweis des Gegenteils ein Interview mit Harry Graf, Lobbiest in Bern und Pressesprecher der Dienstabteilung EWZ der Stadt Zürich. Das EWZ war und ist auch treibende Kraft bei der „Liberalisierung“ des schweizerischen Elektrizitätsmarktes, die den Konsumenten mittlerweile schon reichlich gekostet haben dürfte. Harry Graf stellt auch Bundesrätin Doris Leuthard bloss, die, es stimmt, einmal gesagt hat: „Wenn sich die „Branche“ nicht einig ist…., dann hat das keine Eile“. Ihr Kommentar ist entlarvend und wird beim genüsslichen Konsum des Interviews, das Graf einem Fernsehsender gewährt, verständlich. Sie hätte auch sagen können: „Ich bin en Totsch und au ä Chueh, drum hani au de Blick dezue!“

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Brief an die Cousine zur ersten Wiler Bundesrätin


Hoi Elsbeth
Hast du die frohe Kunde der Wahl von zwei neuen Bundesrätinnen auch vernommen? Es soll uns auch freuen, dass die Karin Keller-Sutter mit ihrer Herkunft aus Wil zumindest ihren Dialekt mit uns gemeinsam hat. Was die sonstige Herkunft betrifft, ist Frau Keller-Sutter unbefangen mit ihrem Aufwachsen im Katholisch-Konservativen Milieu. Und dagegen spricht da gar nichts, wir verleugnen unsere salutistisch/evangelikalen Vorfahren ja auch nicht. Mir gefällt, logisch, ihre Mehrsprachigkeit und die Hoffnung, dass sie sich im Bundesrat für Schulfranzösisch stark macht. Dass sich die andere frischgewählte Bundesrätin zäh für Kinder- und Jugendschutz einsetzt, macht ebenfalls hoffnungsfroh. Ihre Ansicht, dass die Datenkommunikation von grosser Bedeutung ist und Frau Amherd den Aufbau des Glasfasernetzes im Oberwallis vorangetrieben hat, ist mir ebenfalls sehr sympathisch. Dort habe ich vor Ur-Zeiten zwei Jahre „gedient“! Damals hatte das Hotel noch Telefonrundspruch, während ich heute in Kolumbien Radio Swiss Classic über ein (Funk)Datennetz in allerbester Qualität lausche. Das schätze ich sehr. Die Überzeugung teile ich, dass eine in die hintersten Winkel eines Landes reichende Datenkommunikation eine Stütze der Demokratie und der Wirtschaft ist. Es bildet das Rückgrat der Dezentralisierung, bedeutet Umweltschutz und vieles mehr. More power to you Frau Amherd. Und jetzt, als VBS-Chefin, können Sie mit Kanonen auf das Gesindel schiessen lassen, das mir mit seiner aus Blödheit resultierenden Korruption das Leben schwer (aber auch äusserst interessant) macht. Ich hoffe, die neue VBS-Chefin gräme sich nicht über ihr neues Amt. Mir schien und scheint die Schweizer Armee etwas äusserst wichtiges, insbesondere was die Integration in der Bevölkerung angeht, das könnte man sich für Kolumbien nur wünschen. Dass mein Göttibueb billingue integrierendes Mitglied ihrer ist, darauf bin ich stolz, auch wenn ich nichts dafür kann. Man hat mit allem manchmal seine Probleme: Wenn ich damals auf der wunderbaren Tunetsch-Alp leicht bemüht über die Alpkäserei hätte dozieren sollen und mir über den Grind donnernde Mirage-Kampfflugzeuge das Wort, die Aufmerksamkeit und die Konzentration abschnitten….ja dann flucht man sich halt seinen Reim.
Dein/mein hübscher Gärtner Adrian (ich habe ihn darüber vorgewarnt, dass du ihn auf dem Radar hättest) hat zwei kleine Söhne zum Fressen. Paco liebt beide innig. Die drei sind in etwa gleich hoch, der Riesen-Schäferhund spielt mit ihnen sanft, aber ausdauernd. Weil in der Schule schon Weihnachtsferien sind, darf Adrian seine Söhne zur Arbeit mitbringen, was das Dasein ihrer Mutter derweil erleichtert. Ehrlich gesagt ist mir entfallen, wie die beiden heissen, aber ich habe ihnen „Schulfranzösisch“ verordnet, indem sie jeden Tag in YouTube eine halbe Stunde „Dessin Animé“ in Französisch schauen. Gestern nahm ich sie zum Einkaufen nach Buga mit und machte Abfragen, mir schien, dass die zwei alles erstaunlich gut mitbekommen. Das wäre doch was für den Vordern Hintersüd-Thurgau oder umgekehrt.
Gesterns hat mich ein Erpressungs-WhatsApp erreicht, wonach lautend ich die Frau Grete erst vergiftet und dann noch mit einem Kissen erstickt hätte. Ich habe auch dabei den Humor nicht verloren und zurück geschrieben, dass Lust ich schon gehabt hätte, es amtlich beglaubigt aber unterlassen habe. Ich werde den ganzen Krimi wahrscheinlich erst in Jahren detailliert schildern können.
Der Dottore und Don Fabio sind ein-und-dieselbe Person. Er ist Lebensgefährte von Helensche, die seit Jahrzehnten von der Arbeit her enge Freundin meinerseits ist. Die zwei sind „via“ Argentinien auf dem Weg zu mir, wo sie im Januar eintreffen sollten. Insofern konnte sich der Dottore noch nicht zu meiner Predigt äussern. Aber weil ich weiss, dass er sie so gewollt hätte, bin ich guter Dinge. Im Bild Spanischer aus zähen Einzelteilen zusammengepresster und insinuierter Serrano-Schinken. Es ist etwas grauenhaftes, und die Erfahrung ist ihr Geld wert.

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Brief der Cousine aus Spanien zu Predigten und mehr…

Hoi Markus

Da musste ich schon lachen, für Deine Predigt würde ich Dir gerne einen „Zehnten“ bezahlen. An Dir ist wirklich ein Poet oder Prediger verloren gegangen. Aber wie es scheint, hast Du auch für dieses Talent hie und da Gelegenheit. Hihi. Bin gespannt, was Dein Freund Dottore dazu meint. Uebrigens, kommt er Dich besuchen?, weil ich sah, dass ihr über Mitbringsel gesprochen habt, oder war es der Fabio? Auch habe ich mich amüsiert wie Du den „Rotscher“ über die Jeans-Mode aufklären musstest. Heute zeigt man halt überall nackte Haut, auch an den A-Backen. Also ich mache natürlich bei dieser Designer-Mode nicht mit.
Was hast Du mit dem Lammfleisch von Emilse gemacht? Ich bin eine Liebhaberin von Lammfleisch. Eine meiner Lieblingsspeisen sind Gigot-Steaks im Ofen sanft gegart. Das setze ich auch gerne Besuchern vor, denn das kann nicht misslingen, ist einfach „tubelsicher“. Es ist heutzutage sowieso schwierig, jedermanns Geschmack zu treffen. Vor allem frage ich mich wie, man hierher kommen kann und keinen Fisch oder Meeresfrüchte isst. Ich bin da problemlos, esse praktisch alles. Das kommt wahrscheinlich auch von früher, denn in unserer Jugend gab es nichts zu wünschen, sondern einfach zu essen, was einem vorgesetzt wurde. Bei uns gab es viel Kaninchen und Huhn, musste die Viecher oft auch selber metzgen. Es schüttelt mich heute noch, wenn ich dran denke. Jedenfalls hatte ich viele Jahre absolut keine Lust mehr auf „Chüngel“. Jetzt geht es wieder, habe mal ein feines italienisches Rezept entdeckt.
An Deinem Blog habe ich immer den Plausch. Fast jeden Abend bevor ich schlafen gehe, schaue ich nach ob es von Dir wieder etwas neues gibt.
Der Versuch zum bepflanzen des Wurzelstocks hat nicht funktioniert. Da müsste ich mich wahrscheinlich von Deinem hübschen Gärtner beraten lassen. Arbeitet er noch bei Dir?
Feiert man eigentlich in Kolumbien auch Weihnachten? Jetzt ist dieses Jahr auch schon bald wieder zu ende, und mich dünkt es habe doch erst angefangen.
Von mir gibt es halt nicht viel interessantes zu erzählen, ausser dass mein Gehör dauernd schlechter wird. Aber was nützt es zu jammern, kann es ja nicht ändern. Unsere Cousine Erika hat auch Hörprobleme und konnte sich „endlich“ überwinden Hörgeräte anzuschaffen. Sie ist eben ein wenig eitel, obwohl sie ja Haare über den Ohren hat.
Nun weisst Du, dass ich noch existiere und grüsse Dich ganz herzlich.

Elsbeth

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Brief an den Dottore mit dem Entwurf einer Predigt

Ciao Dottore
Du hast mir einmal vorgeschlagen, ich solle „Religionsstifter“ werden, also noch einmal ein Geschäft gründen, mit all den Voraussetzungen, wie sie in Kolumbien dafür notwenig sind, Steuercode und Eintrag in das Handelsregister. Ich bin mittlerweile zur Einsicht gelangt, dass du recht hast, ich sollte das auch darum tun, weil ich im Umgang mit Geld mittlerweile eine grosse Fertigkeit entwickelt habe. Den Lockrufen der Banken, ich möchte doch viel Geld mit Kreditkarten ausgeben und dies auf möglichst viele Quoten beziehungsweise Monate verteilt zurückbezahlen, konnte ich mich enthalten. Weil ich ENSAT nur mit meinen persönlichen Kreditkarten einigermassen effizient managen kann, scheint man fälschlicherweise anzunehmen, ich sei der Krösus zum Ausnehmen. „Gönnen Sie sich doch etwas, ein schönes Auto oder was ihnen halt Freude macht, in ihrem Alter müssen sie das Leben doch geniessen!“ Das Parlando der „Bankberaterin“, die mir einen Kontauszug für umgerechnet vier Franken verkaufte, weil ich diesen selber nicht ergattern kann, (wofür die Bank tätig sorgt) wechselte ins Flüstern. „Oder gar eine kesse Freundin, um von Zeit zu Zeit das Leben mit ihr zu geniessen!“ Ihre geschminkten Augen zwinkerten aufmunternd. „Meinen Sie, ich hätte nur eine?!“ rief ich triumphierend, um im vertraulichen Ton weiter zu fahren: Jeden Sonntag gehe ich predigen, der Zehnte bringt mir ein schönes Geld! Und immer gleich in bar!“ Befriedigt konnte ich das Erschlaffen ihres Lächelns verfolgen.
Weil du einmal behauptest hast, mein Geschriebenes sei bei weitem nicht so farbig wie mein gesprochenes Wort, will ich es jetzt mit einer Predigt probieren. Wenn ich sie dann tatsächlich halten müsste, würde ich für grössere Glaubwürdigkeit vorher eine Flasche Whisky trinken. Und Tränen der Emotion werden fliessen. Weil ich jetzt des Geldes wegen doch Drehbücher schreibe, habe ich die Regie-Anweisungen für eine effektvolle Darbietung auch noch dazu notiert. Geeignete Interpreten dürfen die Predigt zwecks sinnvoller Adaptation auch kaufen.

Predigt an leichtgläubige Campesinos zwecks Erlangung des Zehnten

(Mit flötend-lieblichem Ton) Meine lieben Schwestern und Brüder im Herrn! Meine lieben dummen Siechen und Arschlöcher!
(Feierlich zuversichtlich) Der Herr spricht: „Selig sind die Armen im Geiste.“ Amen!
(aufbrausend) Die Schwatzhafte dort soll schweigen und ihren Hängebusen züchtig verbergen!“
(Innehaltend nachdenklich suggestiv) Wie ihr wisst, hat Gott der Allmächtige Gefallen daran gefunden, als Plage den Klimawandel über die Welt zu schicken!“
(Geschockt, wie von der Erkenntnis geschüttelt) Darum dürft ihr nicht mehr länger blöd sein, „aux armes!“ lässt mich der Herr rufen!
(prophetisch, wie auf höhere Eingebung horchend) Der amerikanische Präsident wird nicht in den sauren Apfel der Erkenntnis beissen! Die Chinesen wollen nicht davon lassen, den Rest der Welt mit ihrem Löt zu beglücken und Nr 1 der Aushorcher der Menschheit zu werden. Und aus dem vom Kortison aufgedunsenen Gesicht des russischen Geheimdienst- und Staatspräsidenten Putin in Doppelfunktion müsst ihr schliessen, dass er in seinem ablaufenden Leben noch mehr Dummes erreichen will.
(Schreiend) Fürchtet Euch!
(Das Ende des beifällig-ergriffenen Stöhnens abwartend)
(Mit gefletschten Zähnen weitersprechend) Das ist nicht alles, ihr einfältigen Tötsche! Die Krähe Macron hat nämlich ihr Scheitelbubi so schlecht erzogen, dass nun gar der Teufel in Frankreich Einzug hält.
Gott hat, weil sie es doch nicht geschafft hat, der gütigen Deutschen Kanzlerin die Unterstützung entzogen.
Gott lässt die Britische Watschentante May zusehen, wie aus Gross-Britannien Britannien wird.
Gott wird die Tschinggen, was die Italiener sind, strafen, weil sie es sich auf Pump wohlergehen lassen.
(Wieder schreiend) Ich könnte euch noch mehr erzählen, vom saudischen Märderprinzen, was ihr wollt, aber das versteht ihr ja sowieso nicht! (Betroffenes Gemurmel)
(Hinterhältig fragend) Und was heisst das jetzt, waseliwas? (Ratlose Gesichter)
(Entspannt die Erklärung gebend) Gott hat uns den Klimawandel geschickt, damit wir uns besinnen!
(suggestiv die Stimme senkend) Was ist das, wenn in der Nacht der Himmel leuchtet? Naaahain, Nordlichter gibt es bei uns keine und noch weniger sind es Zeichen Gottes. Es ist das Widerleuchten der abgeernteten Zuckerfelder, die kostengünstig einfach abgebrannt werden. Gott lässt dafür stickigen Rauch über die Anbauflächen des Cauca-Tals aufsteigen, die so gross sein müssen, wie das Schweizer Mittelland. Krebserregende Asche fliegt durch die Luft und verdreckt Buga noch mehr, als es ohnehin schon ist. Die Asche fällt auch über meine heilige Coppélia und man muss sie immer wieder sachte wegputzen, damit sie sich nicht in die Keramik frisst.
(Brüllend wie Hitler) Das ist wie Hitler! Ihr verreckt daran und der Rest der Welt auch!
(Wieder suggestiv) Und wer ist daran schuld? (Gedankenpause bis einer schreit: Die Zuckerbarone!!!)
(wie liebevoll einem Schulkind recht gebend, frei nach Thomas Mann) Ja, ja, du gutes Tier!
(jetzt wo die Zuhörer in der Ecke sind, wo ich sie haben will) Ja wer sind sie denn, die Zuckerbarone?
(Ein Gläubiger, wie ein Kind vor dem Kasperltheater) Es sind schlechte Menschen!
(Ich in bösartiger Begütigung) Nein, nein! Es sind nur dumme Menschen! Raffgierige, einfältige und darum verantwortungslose Menschen.
(alternierend Beifall heischend schreiend) Ignorantia legis non excusat! Und es gibt auch ungeschriebene Gesetze! Sie lassen euch langsam verrecken, darum müssen sie sterben! (Stille der Erschütterung).
(Ich fasse mich für die Schilderung der letzten Stunden der Zuckerbarone)
(Dröhnend) Wir werden sie alle einfangen und sie in ihren überdimensionierten Zuckerkarren auf die brennenden Felder verfrachten. Dort werden wir sie gegen die Feuerwalze treiben und kalter Schweiss wird trotz der grossen Hitze über ihre schlotternden Körper rinnen. Wehklagend und vom vielen Rauch hustend werden sie vom vor dem Feuer fliehenden Getier schmerzhaft in ihre Leiber gestochen. Der Herr wird ihr Schreien nicht erhören und unsere scharfen Hunde werden sie mit Wadenbissen an der Flucht hindern. Wer sich in den schwer belasteten Rio Cauca retten konnte, wird an den resultierenden schweren Vergiftungen eines noch viel qualvolleren Todes sterben. Die Überreste der Zuckerbarone werden von den mannshohen Rädern ihrer Erntemaschinen zermalmt werden und keine Erdkrume wird an sie gemahnen. Der Rest ist Schweigen. (Schweigen)
(Gedankenverlorenes Räuspern und Blick in die Ferne, neu mit euphorischer Stimme). Das Valle del Cauca wird wieder zum Paradies werden, das es einmal war. Viele schattenspendende und ertragreiche Bäume werden wachsen, Baumwollflocken durch die Luft fliegen, glücklich lachende Menschen die Früchte der Natur weiter verarbeiten. Diese werden mit der Eisenbahn und ohne stinkige und teure Lastwagen nach Buenaventura für den Export verfrachtet.
(Mit heuchlerisch gütiger Stimme) So, das war jetzt eine schöne Predigt und die muss euch auch etwas Wert sein. Ich hoffe, ihr habt alle euren Zehnten mitgebracht, Naturalien werden auch akzeptiert. Muchas gracias y hasta la próxima!
Die kostenpflichtige Druckversion enthält eine abschliessende Beschreibung über das Ende des Aberglaubens und die Vertreibung der Pharisäer aus Buga. Anstelle der Saga vom Wundertätigen wird jene über das qualvolle Ende der Zuckerbarone treten.
Ich hoffe, dass dir das gefallen hat!
LG
Markus

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