Tscheff zur politischen Korrektheit

Ich stimme Dir zu, Don Markus, die wohl bemerkenswerteste Erfindung im PC Sektor der vergangenen Jahre ist die SSD. Natürlich ist auch sonst viel gelaufen und der Fortschritt ist rasant, aber für den „gemeinen“ Windows und Office Nutzer hat die elektronische Festplatte wohl den grössten Gewinn gebracht. Ich habe, weil angehalten zu sparen, zehnjährige Geräte im Einsatz, die spielend mit Windows 10 und Office werkeln, und den Benutzer beim Starten nicht versteinert vor dem Bildschirm sitzen lassen.

Wie Du selbst weisst, reicht bereits ein Pi der ersten Generation für den Genuss von Filmen in HD-Qualität aus. In Zeitalter der Obsoleszenz fragt man sich tatsächlich, ob die Hersteller mit dieser Erfindung nicht sich selber geschadet haben. 

Früher war es das Rennen nach den am schnellsten getakteten Prozzis, was als das Wichtigste erachtet wurde, heute sind schnelle Übertragungsraten von SSD, Routern, USB und anderen Schnittstellen viel gefragter. Unsere Server laufen mit einem Minimum an Prozessorlast (ja, liebe Computeraffine, ich weiss, dass es Ausnahmen gibt), sie sind dafür aber umso speicherhungriger.

Wer also nicht zu der Gilde der Gamer, Videoschneider, Photoshopper oder Big Data-Analysten gehört, dessen Kisten tut es noch lange! Würde ich meinen Sohn fragen, der seine Nase immer (noch) in den Wind hält, würde ich mit den eben geschriebenen Sätzen ziemlich untendurch allen! Aber Hand aufs Herz, welche(r) Büroangestellte macht denn mit seiner Kiste heute wesentlich mehr als er/sie nicht schon vor 15 Jahren konnte?

War das jetzt oben richtig, oder hätte ich jetzt „BüroangestelltInnen“ schreiben müssen? Oder die „büroangestellt Seienden“?

Du weisst, dass Du bei mir da einen empfindlichen Nerv triffst. Ich habe mich schon immer über diese aufgedrängte und verlogene politische Korrektheit foutiert. Nun ist es aber so, dass ich in einem Betrieb arbeite, in welchem die sozialen Bedenkenträger über eine komfortable Überzahl verfügen – es dürfte an der Branche liegen- weshalb sogar ich tatsächlich an meiner Wortwahl feilen muss, wenn immer ich E-Mails oder Manuals verfasse. Dazu ein Beispiel:

Ich bin im Moment mit der Migration der IT beschäftigt und habe mich aus Gründen der Leserlichkeit entschlossen, den Servern anstelle blosser Kürzel aussagekräftige Namen zu verpassen. Sie heissen nun Anubis, Bastet, Chepre etc., aber auch eine Isis ziert nun das Netzwerk. Kürzlich teilte mir nun ein Angestellter allen Ernstes mit, es gebe Mitarbeiter in seinem Umfeld, die „Isis“ als Ausdruck an die grauenhaften Taten der IS erinnere, ob ich das nicht etwa in Iris, Sissi oder so etwas ändern könnte. Weil das ja nach getaner Arbeit alles andere denn einfach wäre, habe ich ihn darüber informiert, wo die ägyptischen Götter den Most holen. Es ist zum Ko.., Verzeihung, zum sich Übergeben! Es wird tatsächlich kompliziert.

Periodisch darf ich auch an Workshops und „Auffrischern“ derselben teilnehmen, wo mir beibracht, was sich im Umgang mit Frauen, Homosexuellen, Behinderten und Mitmenschen aus fernen Ländern (oder deren Kombination) ziemt, oder was also eben gar nicht geht. 

Seit kurzem habe ich auch eine Visitenkarte zur Hand, an deren Aussteller ich mich getrost immer dann wenden darf, sollte mir eine Diskriminierung oder ein schiefer Blick widerfahren, und wenn selbst der Geschäftsführer „himself“ Urheber wäre.

Ach ja: Damals als wir (das Afrikateam) noch für die Mutter Zürich arbeiten durften, wurden wir über den Mittag jeweils „in die Enge“ getrieben. Das schöne Bild könnte genau von der Treppe aus geknipst worden sein, wo wir damals sassen, unsere Sandwiches verschlangen und in Vorfreude schwelgten. Danke für den Erinnerungsstupf, Don Fabio!

Sei gegrüsst, Roger

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